Hintergrund

Diese Actioncam hat Probleme mit Wasser

Lorenz Keller
16.10.2026

Die DJI Osmo Nano hat ein Korrosionsproblem, wenn die Kontakte Feuchtigkeit abbekommen. Ich habe die leidvolle Erfahrung gemacht, dass dies bei einer Actioncam kaum zu vermeiden ist.

Kompakt, flexibel einsetzbar und mit einem cleveren Modulsystem ausgestattet: Die Features der DJI Osmo Nano haben mich sofort überzeugt. Ich habe mir die Actioncam vor einem Jahr gekauft. Nun hat sie einen Totalschaden – laut DJI selbstverschuldet und darum ausserhalb der Garantie. Doch von vorne.

Diese Kamera ist zuerst ein guter Fang

Alles hat so schön begonnen: Befestigt an der passenden Nackenhalterung ist die Osmo Nano eine kompakte Kamera, um aus der Egoperspektive mein liebstes Hobby, das Angeln, dokumentarisch festzuhalten. Dank der «Prerecording»-Funktion kann ich 30 oder 60 Sekunden aufzeichnen, die vor dem Drücken des Auslösers passiert sind. So fange ich die Bisse der Fische ein, ohne stundenlang Material aufzunehmen. Im Sommer nutzte ich das beim Angeln auf Black Bass in Galicien intensiv.

Mit der Kamera um den Hals kann ich gut meine Angelabenteuer aufzeichnen.
Mit der Kamera um den Hals kann ich gut meine Angelabenteuer aufzeichnen.

Gegen Ende der Ferien hatte die Kamera aber plötzlich Mühe, sich mit dem Bildschirmdock zu verbinden. Mittlerweile lädt sie nicht mehr richtig und ich kann meine Aufnahmen vom internen Speicher nicht mehr auf den Computer laden. Was ist da bloss los?

Plötzlich entdecke ich Korrosionsspuren

Für die Erklärung ist der aussergewöhnliche Aufbau dieser Actioncam wichtig: Die Osmo Nano besteht aus zwei Teilen. Sensor und Optik stecken in einem kompakten Riegel, der auf ein Dock mit Bildschirm aufgesteckt wird. Das Kameramodul kann dank eigenem Akku, Bedienknopf und Speicher zwar autonom eingesetzt werden. Die Anschlüsse fürs Laden und die Datenübertragung sind aber alle ins Dock eingebaut. Klappt die Verbindung zwischen den zwei Modulen nicht mehr, ist das gesamte System nicht mehr brauchbar.

Die Kamera besteht aus zwei Modulen, die zusammengesteckt werden.
Die Kamera besteht aus zwei Modulen, die zusammengesteckt werden.

Die Verbindung zwischen den zwei Elementen stellen zwölf Federkontaktstifte (oder Pogo Pins) sicher. Das ist ein Problem: Diese Stifte liegen ungeschützt frei – im Gegensatz etwa zum USB-C-Anschluss, der hinter einer Abdeckung verborgen ist.

Ich bemerke nun am Ende der Ferien Korrosionsspuren an den Anschlüssen. Diese chemische Reaktion verhindert wohl eine stabile Verbindung zwischen Kamera und Bildschirm.

Rechts die zwölf Pins, links die entsprechenden Kontaktstellen am anderen Modul.
Rechts die zwölf Pins, links die entsprechenden Kontaktstellen am anderen Modul.

Kein Garantiefall, weil Wasserschaden

Ich melde den Garantiefall wie ein regulärer Kunde bei Galaxus. Die Kamera wird an die Servicestelle von DJI geschickt. Kein Problem, denke ich. Drei Wochen später erhalte ich eine überraschende Antwort: Garantieablehnung, weil Wasserschaden. Falls das Gerät repariert werden soll, kostet mich das 115 Franken. Ich bin erstaunt und frage via Galaxus-Kundendienst nach einer Erklärung.

Denn: Meiner Meinung nach habe ich die Kamera korrekt genutzt. Ich habe die Kameraeinheit für Unterwasseraufnahmen im Süsswasser genutzt, da idieses Modul bis zehn Meter wasserdicht ist. Das Displaymodul dagegen ist nur gemäss IPX4-Standard wasserfest, also von allen Seiten gegen Spritzwasser geschützt. Ich habe es darum bei den Unterwasseraufnahmen nicht verwendet.

Die Servicestelle kennt kein Erbarmen: «DJI weist ausdrücklich darauf hin, dass das Produkt nach Kontakt mit Wasser oder Feuchtigkeit vollständig getrocknet werden muss. Insbesondere müssen die Kontaktstellen vor dem Laden bzw. erneuten Verbinden vollständig trocken sowie frei von Wasser und Verunreinigungen sein.»

So sehen die korrodierten Pins im Inneren des Gerätes aus.
So sehen die korrodierten Pins im Inneren des Gerätes aus.

Ich habe zwar das Kameramodul jeweils am Shirt schnell getrocknet. Ob die Pins ganz trocken waren, kann ich natürlich nicht garantieren. Im Ausseneinsatz habe ich wohl zu wenig darauf geachtet. Oder ist bei einem Regenschauer Feuchtigkeit zwischen die zwei Module geraten?

Nicht der Einzige mit dem Problem

Wie ich nach einer kurzen Recherche feststelle, beklagen sich auch andere Nutzerinnen und Nutzer einer Osmo Nano über Korrosionsschäden. Auf Reddit finden sich entsprechende Einträge. Die zwölf Pins scheinen eine Schwachstelle zu sein.

Die Werbung verspricht viel, im Kleingedruckten wird dann relativiert.
Die Werbung verspricht viel, im Kleingedruckten wird dann relativiert.

«Ready for Water, Ready for Adventure» schreibt DJI auf der Webseite. Genauso wie ich sind viele Fans enttäuscht, dass diese Werbung nur eingeschränkt stimmt. Die Anschlüsse müssen immer trocken sein, bevor ich das Gerät zusammenstecke. Im Kleingedruckten lese ich zudem, dass die IPX4-Zertifizierung nur gilt, wenn die zwei Module zusammengesteckt sind. Regnet es, darf ich also genau genommen die Kamera nicht vom Bildschirm abnehmen, sonst erlischt bei einem allfälligen Wasserschaden die Garantie.

Wasserfest ist die DJI Osmo Nano nur, wenn sie zusammengesteckt ist.
Wasserfest ist die DJI Osmo Nano nur, wenn sie zusammengesteckt ist.

Für mich steht nach dieser Erfahrung fest: Als Actioncam ist die DJI Osmo Nano eine reine Schönwetterkamera. Anders sieht das DJI, als ich den Hersteller mit Fragen konfrontiere: «Die DJI Nano ist grundsätzlich für den Einsatz in anspruchsvollen Umgebungen konzipiert.» Aber das Unternehmen schreibt mir auch: «DJI weist jedoch darauf hin, dass bestimmte Bedingungen die Wasserdichtigkeit beeinträchtigen können.»

In der Schweiz seien bisher nur wenige Korrosionsschäden bekannt. Aufgrund der kompakten Bauweise und der damit notwendigen mechanischen Verbindung liessen sich die Kontaktstellen konstruktionsbedingt nicht vollständig abdichten. Die Kamera habe darum eine schwächere Schutzklasse und der Hersteller gehe in den Nutzungshinweisen darauf ein. «Da die Osmo Nano nur teilweise wasserdicht ist, ist DJI hier etwas weniger kulant», schreibt DJI.

Die Safety Guidelines nicht gelesen

DJI hat sich im Manual abgesichert. Allerdings muss ich dazu bis auf Seite 21 des Benutzerhandbuches blättern und die Hinweise auch dementsprechend ernst nehmen. «Lasse das Gerät normal trocknen, bevor du es erneut verwendest. Wische die Oberfläche der Kamera mit einem weichen und trockenen Tuch ab.»

Deutlicher wird der Hersteller im siebten Punkt der Safety Guidelines: «Wenn die Kontakte nass oder schmutzig sind, reinigen Sie sie vor dem Anschluss mit einem weichen, trockenen Tuch, da sonst ein Kurzschluss oder Korrosion auftreten kann.» Schade, habe ich das erst nach dem Schaden gelesen. Aber ganz ehrlich: Wer liest diesen Beipackzettel in 20 Sprachen? Aus Konsumentensicht wäre es wünschenswert, das in der Bedienungsanleitung deutsch und deutlich zu schreiben.

Vor allem, wenn man sich bei Anschlüssen anderes gewohnt ist. USB-C-Buchsen bei Smartphones müssen zwar ebenfalls trocken sein, bevor ich sie wieder nutzen kann. Aber: Bei Feuchtigkeit warnt mich das System und schaltet den Anschluss temporär ab. Ich habe in den letzten Jahren immer wieder Smartphones unter Wasser gehalten und danach auch mal zu früh wieder an den Strom angehängt. Nie ist dabei ein Anschluss korrodiert.

Die Anschlüsse solltest du immer trocken halten.
Die Anschlüsse solltest du immer trocken halten.

Meine Schuld

Aber klar: Der Wasserschaden ist mein Fehler. Ich habe die Hinweise zu wenig genau gelesen und die Kontakte zu wenig gut getrocknet. Allerdings hätte ich mir das Gerät mit dem heutigen Wissen nie gekauft – ich brauche eine robustere Actioncam. Auf die Reparatur habe ich daher verzichtet. Immerhin hat die Servicestelle die Kontakte etwas gereinigt und mir das Gerät ohne Kostenfolge retour geschickt. Je nachdem, in welche Richtung ich die zwei Teile zusammenstecke, funktioniert die Nano sogar wieder.

Der Hersteller hat Glück gehabt, ich bleibe ihm treu und habe eine DJI Osmo Action 6 gekauft. Diese fällt zwar etwas teurer und wuchtiger aus, bietet aber dieselben Aufnahmefunktionen und ist mit dem bereits gekauften Zubehör kompatibel. Für mich besonders wichtig: Die Anschlüsse sind wasserdicht verpackt und die Cam ist ready für den Einsatz bei Wind und Wetter.

Produktbild DJI Osmo Action 6 Standard Combo (30p, Bluetooth, WLAN)
Action Cam
CHF334.–

DJI Osmo Action 6 Standard Combo

30p, Bluetooth, WLAN

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Gadgets sind meine Passion – egal ob man sie für Homeoffice, Haushalt, Smart Home, Sport oder Vergnügen braucht. Oder natürlich auch fürs grosse Hobby neben der Familie, nämlich fürs Angeln.


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