Ich lerne fliegen – mit der DJI Mavic Air 2
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Ich lerne fliegen – mit der DJI Mavic Air 2

David Lee
Zürich, am 05.06.2020
Ich gestehe: Ich kann nicht Drohnen fliegen. Obwohl ich Artikel über Drohnen schreibe. Diesen unhaltbaren Zustand ändere ich jetzt. Meine ersten Erfahrungen mache ich mit der DJI Mavic Air 2.

Als Foto-Redaktor bin ich auch für Drohnen zuständig. Logisch, die sind bei uns im Shop im Bereich Foto- und Videoausrüstung angesiedelt. Dummerweise habe ich damit kaum praktische Erfahrung. Vor Jahren habe ich ganz kurz die Parrot AR.Drone 2.0 ausprobiert – das war’s. Bislang habe ich mich durchgemogelt, indem ich die Tests anderen überliess. Jetzt will ich endlich selbst ran.

Ich probiere die neue DJI Mavic Air 2 aus. Einen Test aus der Sicht eines erfahrenen Piloten kann ich nicht liefern – aber einen Erfahrungsbericht, wie gut sich die Drohne für Anfänger eignet.

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Auspacken und vorbereiten

Die Drohne ist erstaunlich klein, die Fernbedienung erstaunlich gross. Fast so gross wie die Drohne im zusammengeklappten Zustand. Die Fernbedienung wird zusammen mit dem Smartphone verwendet. Verbindungskabel für Micro-USB, USB-C und Apple Lightning sind im Paket dabei.

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Ich lade die App «DJI Fly» herunter, akzeptiere die unsäglich langen Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien (natürlich ungelesen) und registriere mich mit meiner E-Mail, da sonst die Flughöhe und -distanz begrenzt würde. Es folgen drei kurze Einführungsvideos, bei denen die Instruktionen abgelesen werden müssen. Das geht alles sehr schnell und die Videos lassen sich nicht unterbrechen.

Mit dem Ladegerät können die Fernbedienung und der Akku der Drohne gleichzeitig aufgeladen werden. Das geht recht zügig, ich schätze maximal zwei Stunden. Auch das Smartphone sollte vor dem Start aufgeladen sein.

Um die Drohne flugbereit zu machen, muss ich lediglich die vier Arme ausklappen und die Propeller montieren. Das geht durch einen einfachen Dreh-Schnappverschluss. Es gibt zwei Propellertypen, weil zwei Propeller im Uhrzeigersinn drehen und zwei im Gegenuhrzeigersinn. Von jedem Typ ist ein Ersatzpropeller im Lieferumfang.

Die Kamera und der Gimbal sind durch eine Plastikabdeckung geschützt, die im Betrieb entfernt und für den Transport wieder angesteckt wird.

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Normalerweise mache ich mich mit neuen Geräten durch Ausprobieren vertraut. Hier allerdings möchte ich möglichst viel schon im Voraus wissen. Erstens, damit ich die Drohne nicht gleich zu Schrott verarbeite und zweitens, weil ich in einer Flugverbotszone wohne. Das bedeutet, dass ich mehrere Kilometer fahren muss, bevor ich das Ding starten kann.

Ich schalte die Drohne zuhause schon mal ein. Die Propeller schraube ich vorsichtshalber wieder ab – ich habe ja keine Ahnung, was passiert und will die Drohne nicht im Wohnzimmer herumfliegen lassen.

Sogleich lädt die App ein Firmware-Update herunter und installiert es auf der Drohne. Geht alles drahtlos, dauert aber. In der Zwischenzeit trompetet die Drohne und die Fernbedienung piepst.

So, jetzt, endlich. Immerhin einen Teil der Steuerung kann ich zuhause ausprobieren, ohne die Drohne zu starten. Eine Taste wechselt zwischen Foto- und Videomodus, eine macht eine Aufnahme und ein Drehrad schwenkt die Kamera nach oben oder unten. Ich wundere mich, dass ich sie nicht nach links und rechts drehen kann.

Mein erstes Mal

Am nächsten Tag möchte ich die Drohne ausprobieren, aber das Wetter passt nicht. Bei Regen sollte man nicht fliegen. Die Drohne ist nicht wasserdicht, würde sich selbst durch die Propeller besprühen und es käme vermutlich zu einem Crash.

Einen Tag später scheint die Sonne. Mit dem Velo fahre ich auf einen Feldweg in der Nähe des Greifensees. Das Smartphone erkennt die Fernbedienung erst, als ich es neu starte. Von da an funktioniert es immer auf Anhieb.

Um die Drohne zu starten, drücke ich auf Start und dann nochmals auf das Start-Symbol, bis sich ein Kreis geschlossen hat. Lasse ich zu früh los, startet die Drohne nicht. Das ist ein Sicherheitsmechanismus, damit die Drohne nicht versehentlich losfliegt. Meine Befürchtungen von wegen Wohnzimmerflug waren also völlig unbegründet.

Die Drohne steigt auf 1.20 Meter Höhe und schwebt dort, bis ich sie woanders hin fliege. Das Fliegen ist sehr einfach, weil sich die Drohne an Ort und Stelle hält, wenn man nichts tut.

So direkt vor der Nase ist das Surren der Drohne ziemlich laut. Es wird aber mit zunehmender Distanz schnell leise und ist nach kurzer Zeit gar nicht mehr zu hören.

Auf dem Smartphone-Bildschirm erkenne ich trotz maximaler Helligkeit praktisch nichts. Das ist sehr mühsam. Ich sehe nicht, was ich aufnehme, und allfällige Warnungen des Systems kann ich auch nicht lesen. Das Wetter ist schön, der Himmel aber nicht ganz klar, sondern leicht milchig. Möglicherweise liegt es an diesen Verhältnissen.

Apropos aufnehmen: Noch habe ich keine microSD-Karte in der Drohne. Diese hat aber einen internen Speicher von 8 GB. Da ich nichts auf dem Bildschirm sehe, nehme ich vorsichtshalber ständig auf – könnte ja sein, dass die Kamera gerade eine atemberaubende Sicht einfängt. Mit 4K ist der Speicher schneller voll als der Akku leer.

Die Videos lassen sich durchaus sehen, wie ich zuhause feststelle. Ich merke aber, dass ich bei Rotationen um die eigene Achse viel langsamer drehen muss. Sonst gibt es Ruckler und es wirkt hektisch.

Die Videos werden auch auf dem Handy gespeichert, da sie ja sowieso dorthin gestreamt werden. Allerdings nur in Full HD und nicht in 4K. Ich finde das sehr praktisch. Für Fotos gilt das leider nicht. Und: Nach einiger Zeit werden die Videos gelöscht, was ich erst merke, wenn ich eines abspielen will. Als automatisches Backup taugen diese gestreamten Videos somit nichts.

Sicht auf Bildschirm besser, auf Drohne schlechter

Bei meinem zweiten Versuch fahre ich versehentlich zu wenig weit und bin immer noch in der Flugverbotszone. Doch die App weist mich sogleich auf diesen Fehler hin. Schätzungsweise zwei Kilometer weiter finde ich einen geeigneten und legalen Ort.

Jetzt sehe ich auf dem Bildschirm mehr als beim ersten Mal. Dadurch schaue ich vermehrt aufs Handy, was dazu führt, dass ich die Drohne aus den Augen verliere. Das passiert schneller als gedacht. Mit der Rückflug-Taste hole ich die Drohne aber auf direktem Weg wieder in mein Blickfeld. Der Rückflug kann abgebrochen werden, wenn es nur darum geht, den Sichtkontakt zur Drohne wiederherzustellen.

In der Warnzone, wo ich mich befinde, darf ich nicht höher als 150 Meter fliegen. Mit der neuen Regelung ab 2021 werden für Hobbydrohnen generell nur noch 120 Meter erlaubt sein. Mir reicht das völlig aus. Ich fliege nie über 100 Meter, und schon da wird es schwierig, Sichtkontakt zu halten. Die Drohne ist nur noch ein winziges Pünktchen am Himmel.

Das Bild links ist aus einer Höhe von 63 Metern entstanden, das rechte aus 100 Metern. Witzigerweise wirkt der See aus 100 Metern Höhe grösser, weil der Kamerawinkel anders ist. Je höher ich steige, desto eher richte ich die Kamera nach unten.

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Gegen Mittag sehe ich wieder fast nichts auf dem Smartphone, es scheint etwas mit dem Sonnenstand zu tun zu haben. Darum kann ich die intelligenten Flugmodi nicht ausprobieren, was eigentlich das Ziel für Flug Nummer 2 gewesen wäre.

Videoaufnahmen geraten am besten, wenn du möglichst ruhig und regelmässig fliegst. Beim zweiten Mal gelingt mir das schon besser. Ich drehe die Drohne bewusst langsam. In grosser Höhe darf der Flug schneller sein als in Bodennähe.

Die Bildqualität überzeugt mich. DJI hat bei der Ankündigung der Mavic Air 2 die HDR-Fähigkeiten der Kamera gross angepriesen, und das scheint zu funktionieren. Die Schatten geraten nie zu dunkel. Überbelichtung kommt zwar vor, aber viel seltener, als ich es bei so einem kleinen Sensor erwarten würde.

Ich bekomme es langsam in den Griff

Ich lese weiter im Handbuch und schaue Youtube-Videos, gehe abends nochmal üben. Ich finde heraus, dass der Gimbal doch seitlich geschwenkt werden kann. Dazu muss ich den Bildschirm lange berühren und dann mit dem Finger zur Seite wischen, ohne loszulassen. Sinnvoll ist das wohl nur, wenn du senkrecht nach unten schaust, denn sonst siehst du das Standbein der Drohne im Bild.

Jetzt weiss ich auch, wie ich die intelligenten Flugmodi aktiviere: Indem ich einen rechten Winkel wische, um über dem Zielobjekt ein Rechteck aufzuziehen. Ich kann zum Beispiel mich selbst als Motiv wählen und die Drohne neben mir her fliegen lassen, während ich durch die Gegend spaziere. Oder ein Objekt umkreisen. Um etwas ganz zu umkreisen, muss man nahe ran, sonst fliegt die Drohne ausser Sichtweite. Es kann aber auch effektvoll sein, nur einen kleinen Teil des Kreises auszuführen. Wichtig ist, dass eine regelmässige Kamerafahrt entsteht.

Wenn ich mich am Waldrand aufstelle, stehe ich zwar im Schatten und sehe auf dem Bildschirm alles perfekt. Dafür sehe ich die Drohne nicht, sobald sie hinter mir fliegt. Perfekt wäre ein kleiner Schattenplatz mit Rundumblick. Oder natürlich eine Sonnenblende fürs Smartphone.

Ein Ausflug in die Berge

Nach diesen Flügen fühle ich mich sicher genug, um die Drohne an einem Ort auszuprobieren, den ich nicht so gut kenne. Ich gehe in die Berge. Funktioniert grundsätzlich gut. Ich fliege zwar ein bisschen wirr in der Gegend herum, verwende aber beim Zusammenschneiden einfach nur die ruhigen Teile.

Wo nur Wald und Wiesen sind, findest du nicht immer einen geeigneten Start- und Landeplatz. Im Gras landen ist nicht empfehlenswert, ausser du willst mit den Propellern den Rasen mähen. Für solche Fälle gibt’s portable Landeplätze. Ich habe meine Jacke zu Hilfe genommen.

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Das andere Problem: Am Hang hält die Drohne den Abstand zum Boden nicht. Wenn ich mit 10 Metern Höhe gegen den Hang fliege, werden daraus schnell 0 Meter. Ich werde zwar gewarnt, aber die Drohne gleicht den Höhenverlust nicht von selbst aus. Das Problem lässt sich umgehen, indem ich einfach von Anfang an genug hoch fliege. Ich finde aber Aufnahmen knapp über Boden sehr reizvoll und würde dies auch gern in unebenem Terrain machen können. Manuelles Aufsteigen ist sehr holprig.

Fazit: Macht auch Einsteigern Spass

Ich bin zufrieden mit meinen Aufnahmen, was ich nicht auf mein Talent, sondern auf die Drohne zurückführe. Der Automatikmodus liefert bereits eine gute Bildqualität. Ich habe beim Zusammenschneiden nichts an Farben und Belichtung geändert.

Die Drohne ist für Anfänger geeignet. Sie fliegt sehr ruhig und ist einfach steuerbar. Drohne und App helfen mir mit Warnungen und Hinweisen, grobe Fehler zu vermeiden. Einzig das Fliegen am Hang finde ich schwierig. Klar: Eine Drohne kannst du nicht einfach ausprobieren wie irgend ein anderes Gadget. Du musst dich vorher einlesen, was du darfst und welche Risiken bestehen. Das ist aber bei jeder Drohne so.

Ich habe Lust auf mehr und es gibt noch einiges zu entdecken, das ich noch nicht ausprobieren konnte. Zum Beispiel RAW-Fotos oder Fliegen bei starkem Wind. Fortsetzung folgt.

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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