DJI Action 2: winzig und mit grossem Sensor
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DJI Action 2: winzig und mit grossem Sensor

David Lee
Zürich, am 27.10.2021
Für die neuste Action-Kamera hat sich DJI ein Bauklötzchen-Design ausgedacht. Je nach Verwendung lässt sich die Kamera minimal klein halten oder mit mehr Kapazität ausrüsten. Der Sensor ist ein wenig grösser geworden, vollbringt aber weiterhin keine Wunder.

DJI führt heute die Action 2 ein. Sie ist das Nachfolgemodell der Actioncam DJI Osmo Action. Allerdings hat die neue Kamera einen anderen Formfaktor, wodurch sie auch anders verwendet werden kann. Entgegen ihrem Namen ist sie keine reine Action-Kamera, sondern ein kleines Universalgerät, das sich beispielsweise für Reisen, zum Vloggen und für Live-Streams eignet.

Die Kamera selbst ist ein klein Klötzchen von knapp vier Zentimetern Seitenlänge und gut zwei Zentimetern Tiefe. Vorne ist das Objektiv, hinten der Bildschirm. Darin ist ein interner Speicher mit etwa 22 GB Platz verbaut. Über einen starken Magneten lässt sich daran ein zweiter Würfel anclippen, der die Akku- und Speicherkapazität der Kamera erweitert. In der Variante «Power Combo» ist dieser zweite Würfel nur ein Akkupack mit einem Slot für microSD-Karten. In der Variante «Dual Screen dagegen besitzt der Akkuwürfel wie die Kamera selbst einen Bildschirm. Angedockt an die Kamera, kommt dieser Zweitbildschirm auf der gleichen Seite wie das Objektiv zu liegen, um Selfie-Aufnahmen zu erleichtern.

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Der Akkuteil hält nicht bloss durch einen Magneten an der Kamera, sondern ist zusätzlich durch einen Schnappverschluss gesichert. Dieser schnappt beim Zusammensetzen automatisch ein, für die Trennung ist aus Sicherheitsgründen ein Handgriff erforderlich.

Der Winzling lässt sich mit dem mitgelieferten Bändel bequem um den Hals tragen. Das geschieht über einen Magneten, in diesem Fall ohne Schnappschluss.

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Ebenfalls mit dabei: Ein Stativ-Adapter mit eigenem Gelenk. Dieses geht so streng, dass es bei dem geringen Gewicht der Cam bestimmt hält. Es wirkt sehr stabil und kommt ebenfalls mit einem Schnappverschluss. Die Cam kann mit oder ohne Akkuwürfel daran angeschlossen werden.

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Der Adapter lässt sich an die mitgelieferte Klebefläche schrauben. So lässt sich die Kamera zum Beispiel an einer senkrechten Fläche montieren. In diesem Zusammenhang ist das Gelenk des Adapters nicht nur nice to have, sondern unerlässlich.

Die Kamera ist bis 10 Meter Tiefe wasserdicht. Das gilt allerdings nur für das Kameramodul selbst; das Akkupack ist nicht wasserdicht. Um dieses unter Wasser zu nutzen, brauchst du ein Unterwassergehäuse. Dieses hält bis 60 Meter Tiefe.

Touchscreen, App, Sprachsteuerung

Mit seinem Mini-Bildschirm von 1,76 Zoll erinnert die DJI Action 2 etwas an den DJI Pocket 2. Die Touch-Bedienung über den Winz-Bildschirm ist natürlich nicht das Gelbe vom Ei. Dafür gibt es einerseits die Smartphone-App DJI Mimo und andererseits die Sprachsteuerung. Diese funktioniert zur Zeit nur in Englisch oder Chinesisch und kennt auch nur vier Befehle: Start Recording, Stop Recording, Take Photo, Shut down. Aber diese vier haben bei mir fast immer auf Anhieb funktioniert. Entweder wurde das verbessert oder meine Aussprache ist einfach besser als die von Phil ;-)

Grosser Sensor

Trotz ihrer sehr kleinen Abmessungen hat die Kamera einen relativ grossen Sensor von 1/1,7 Zoll eingebaut. Der Vorgänger und auch die Konkurrenz von GoPro hat einen kleineren 1/2,3-Zoll-Sensor. Ein grosser Sensor führt zu einer höheren Bildqualität besonders bei ungünstigen Lichtverhältnissen. Wunder erwarten darfst deswegen du aber keine: 1/1,7 Zoll ist immer noch eine kleinere Sensorfläche als bei einer hochwertigen Kompaktkamera. Das Objektiv hat eine Lichtstärke von f/2,8. Für Fotos steht nebst JPEG auch RAW und für Videos das Log-Profil D-Cinelike zur Verfügung. Das ist zwar nicht neu, aber trotzdem gut zu wissen.

Neu hingegen ist, dass 4K nun auch mit 120 fps gefilmt werden kann. Mein Testgerät konnte das noch nicht, da es noch nicht final war. Im Vergleich mit der GoPro Hero 10 liegt die Action 2 hier gleichauf. Die GoPro kann die Auflösung über 4K hinaus auf 5,7K steigern. Dafür bringt die Action 2 mit 155 Grad einen noch grösseren Winkel hin als die GoPro mit 145 Grad. Die ziemlich krasse Verzeichnung durch den Fischaugeneffekt lässt sich bereits in der Kamera korrigieren und die Korrektur live anschauen.

Digitale Stabilisierung: Gut, aber ein Problem im Dunkeln

Ich habe ein kurzes Testvideo in der Dämmerung gemacht, um die Qualität bei schlechten Lichtverhältnissen zu prüfen. Das Ergebnis hat mich nicht gerade aus den Socken gehauen.

Allerdings wäre die Bildqualität besser geworden, wenn ich die digitale Stabilisierung namens «RockSteady 2.0» ausgeschaltet hätte. DJI schreibt dazu: «Bei der elektronischen Bildstabilisierung (EIS) wird die Verschlusszeit stark verkürzt und die Bilder vom CMOS-Sensor auf Verwacklungen hin analysiert. Auf Basis dieser Analyse werden die Ränder des Bildes zugeschnitten. Dabei werden mehrere Bilder überlagert und schliesslich zu einem einzigen Bild kombiniert, das scharf, klar und ausgewogen belichtet ist.»

Das funktioniert nach meinem ersten Eindruck sehr gut. Die Kamerabewegungen wirken sehr flüssig und geschmeidig. Doch die Verkürzung der Verschlusszeit bedeutet, dass die ISO-Empfindlichkeit hochgeschraubt werden muss. Bei schwachem Licht bist du hier schnell mal auf dem Maximum von 6400 ISO. Ohne RockSteady zeigt es mir bei gleichem Licht etwa 3000 ISO an. Das macht einen ziemlichen Unterschied in der Bildqualität.

Immerhin: Solange die Kamera nicht bewegt wird, bleibt die Verschlusszeit auch mit eingeschalteter Stabilisierung normal hoch. Du kannst dies in diesem Bildschirmvideo aus der Mimo-App sehen. Achte auf die Aufnahmewerte. Ohne Stabilisierung bleibt die Verschlusszeit bei 1/60 und die ISO bei etwa 3000, mit RockSteady halbiert sich die Verschlusszeit und die ISO verdoppelt sich entsprechend.

Einschätzung nach dem Hands-On

Das neue Design hat Vor- und Nachteile. Die Kamera kann sehr klein gehalten und an Orten installiert werden, wo andere Action-Cams bereits zu gross sind. Klein sind dann allerdings auch der Bildschirm, die Akku-Kapazität und der Speicher. Zudem ist das Akkupack nicht wasserfest.

Mit dem grösseren Sensor macht DJI einen Schritt in die richtige Richtung: Winz-Sensoren von 1/2,3 Zoll sind nicht mehr zeitgemäss. Die Bildqualität wird dadurch aber nicht in völlig neue Sphären gehoben – insbesondere dann nicht, wenn bei Schummerlicht die digitale Stabilisierung eingeschaltet ist. Denn die verkürzt die Verschlusszeit und macht so hohe ISO-Werte nötig.

Update 1. November 2021: Pünktlich zum Launch hat DJI das Firmware-Update geliefert, mit dem die versprochenen 120 fps bei 4K möglich sind. Dabei wird die Kamera jedoch sehr schnell heiss und schaltet sich nach einigen Minuten aus. Bei Zimmertemperatur waren es in meinem Fall 4 bis 5 Minuten Aufnahmezeit.

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David Lee
David Lee

Senior Editor, Zürich

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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