Paramount Pictures
Kritik

«Heart of the Beast» geht ans Herz – und an die Nieren

Patrick Vogt
22.9.2026

Der beste Freund des Menschen ist der Hund. In «Heart of the Beast» ist diese abgedroschene Phrase Programm. Der über weite Strecken ruhige Abenteuerfilm lässt niemanden kalt.

Keine Sorge: Die folgende Filmkritik enthält keine Spoiler. Ich verrate dir nicht mehr, als ohnehin schon bekannt und in den Trailern zu sehen ist. «Heart of the Beast» läuft ab dem 24. September im Kino.

«Ich hoffe, du hast die Nastüechli parat», schreibt Arbeitskollegin Aline, bevor ich mir «Heart of the Beast» anschaue. Sie macht sich nach dem Trailer grosse Sorgen um das Schicksal des Hundes im Film. Und ehrlich gesagt, mir geht es genauso. Ob die Sorgen begründet sind oder nicht, werde ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Alines Tipp mit den Taschentüchern war jedenfalls Gold wert, ich habe nämlich welche gebraucht …

Darum geht's

James Belmont ist ein ehemaliger Special-Forces-Offizier. Er und sein Freund Odin, ein hoch ausgebildeter Militärhund, haben die Grauen des Krieges hautnah miterlebt und sehnen sich nach Ruhe und Frieden. Beides finden sie bei einem Ausflug tief in die Wildnis Alaskas – zunächst. Denn was mit «grillen, chillen, Bierchen killen» beginnt, entwickelt sich schnell zum Überlebenstrip. Nach einem Flugzeugabsturz machen sich die beiden auf den langen und beschwerlichen Weg zurück in die Zivilisation. Dabei müssen sie sich den zahlreichen Gefahren der Wildnis stellen. Auf technische oder digitale Hilfsmittel können sie dabei nicht zurückgreifen; James und Odin haben nur sich selbst und einander, doch davon reichlich.

Hier herrscht noch eitel Sonnenschein.
Hier herrscht noch eitel Sonnenschein.
Quelle: Paramount Pictures

Vom beliebten Drehbuch zum gelungenen Film

Das Drehbuch zu «Heart of the Beast» von Cameron Alexander stand 2017 auf der jährlichen Liste der beliebtesten, aber noch nicht verfilmten Drehbücher in Hollywood. Ein paar Jahre später wurde David Ayer («Suicide Squad») damit beauftragt, den Stoff zu verfilmen. Die Hauptrolle ging an Brad Pitt, mit dem Ayer schon bei «Fury» zusammengearbeitet hatte. Pitt hat den Film mit seiner Firma Plan B auch gleich mitproduziert. Alexander, Ayer und Pitt, diese drei sollen an dieser Stelle für alle Beteiligten stehen, die bei «Heart of the Beast» einen hervorragenden Job gemacht haben.

Der Film macht es leicht, zu verstehen, warum Cameron Alexanders Drehbuch so heissbegehrt war. David Ayer besinnt sich bei der Umsetzung auf seine Stärken als Regisseur, die ihn schon bei «End of Watch» ausgezeichnet haben. Er inszeniert den Überlebenskampf von James und Odin packend und doch realitätsnah, zeitweise fast schon dokumentarisch. Ihm gelingt ein ungeschönter Blick auf die Gefahren, die in der Wildnis Alaskas (als «Double» musste Neuseeland herhalten, dort wurde hauptsächlich gedreht) drohen können. Dabei verzichtet er – abgesehen von zwei misslungenen CGI-Einsätzen – auf Effekthascherei. Die hat der Film auch gar nicht nötig, die wunderschönen Landschaftsaufnahmen und die unerbittlichen Naturgewalten sind beeindruckend genug.

Über sieben Brücken musst du gehen … na ja, nicht ganz.
Über sieben Brücken musst du gehen … na ja, nicht ganz.
Quelle: Paramount Pictures

Brads Partner mit der kalten Schnauze

Packende Inszenierung hin, atemberaubende Natur her, «Heart of the Beast» lebt und funktioniert in erster Linie wegen der Hauptdarsteller. Der Film lastet auf den Schultern von Brad Pitt und Uber – so heisst der Hund, der Odin spielt, in Wirklichkeit –, und beide meistern diese Aufgabe bravourös.

Die Chemie und Bindung zwischen Mensch und Tier stimmt und wirkt völlig natürlich. Auch die kriegsversehrten und aufs Überleben getrimmten Ex-Soldaten nehme ich den beiden jederzeit ab – auch dann, wenn sie nachts aufschrecken, weil sie im Schlaf von der Vergangenheit heimgesucht werden. Brad Pitt liefert einmal mehr eine starke schauspielerische Leistung ab. Bei Uber dürfte geholfen haben, dass er ein ausgebildeter Such- und Rettungshund im Ruhestand ist.

Der beisst nicht, der will nur spielen.
Der beisst nicht, der will nur spielen.
Quelle: Paramount Pictures

Bei Filmen wie «Heart of the Beast» ist es so eine Sache. Tiere lösen sofort mein Mitgefühl aus und wecken den Beschützerinstinkt in mir. Auf der anderen Seite besteht schnell die Gefahr, dass die Handlung ins Alberne oder Kitschige abdriftet. Diesen Fehler begeht David Ayer nicht. Sicher, die Geschichte von James Belmont und Odin gleicht einer emotionalen Achterbahnfahrt, die mich zu Tränen rührt. Dabei drückt der Film gar nicht so sehr auf die Tränendrüse, er kommt ohne übertriebenes Pathos aus. Er erzählt die Abenteuer der beiden auf ungekünstelte und organische Art und Weise, sodass die Gefühle beim Zuschauen von ganz alleine hochkommen. Und das ist grosses Kino. Nastüechli inklusive.

«I'm the King of the World» … Oh, falscher Film!
«I'm the King of the World» … Oh, falscher Film!
Quelle: Paramount Pictures

Fazit

Bei diesem Überlebenskampf von Mensch und Tier bleibt kein Auge trocken

Ein Mann und sein Hund kämpfen in der rauen Wildnis ums Überleben. Bei diesem Setting musste ich wiederholt an Jack Londons Roman «Der Ruf der Wildnis» denken, der schon mehrfach verfilmt worden ist. Nein, «Heart of the Beast» erfindet das Genre des Abenteuerfilms mit tierischen Protagonisten nicht neu, er bereichert es. Denn gleichzeitig ist er so viel mehr: eine Liebeserklärung an die Freundschaft und Loyalität zwischen Mensch und Hund. Da kommt mir als Besitzer von vier Katzen glatt so was wie Neid auf.

«Heart of the Beast» schafft das Kunststück, grosse Gefühle auszulösen, ohne ins Kitschige zu rutschen. Zu verdanken hat er das den beiden unverkrampften Hauptdarstellern Brad Pitt und Uber sowie der unprätentiösen Inszenierung von David Ayer. Dieser hat ein feines und zurückhaltendes Händchen bewiesen – so kann die Geschichte ihre Dynamik voll entfalten.

Mitreissend, schockierend, traurig und bittersüss – so lässt sich «Heart of the Beast» zusammenfassen. Und am Ende bleibt das Herz im Titel, denn davon hat dieser Film richtig viel. Das werden nicht nur Haustierhalterinnen und Haustierhalter so sehen. Garantiert.

Titelbild: Paramount Pictures

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Ich bin Vollblut-Papi und -Ehemann, Teilzeit-Nerd und -Hühnerbauer, Katzenbändiger und Tierliebhaber. Ich wüsste gerne alles und weiss doch nichts. Können tue ich noch viel weniger, dafür lerne ich täglich etwas Neues dazu. Was mir liegt, ist der Umgang mit Worten, gesprochen und geschrieben. Und das darf ich hier unter Beweis stellen. 


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