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Kritik

«Teenage Sex and Death at Camp Miasma»: queer, meta, fantastisch!

Patrick Vogt
19.8.2026

Mit «Teenage Sex and Death at Camp Miasma» dekonstruiert Jane Schoenbrun das Slasher-Genre. Heraus kommt ein unterhaltsamer und kluger Film, bei dem 80er-Nostalgie und blutiger Horror auf Queerness treffen.

Keine Sorge: Die folgende Filmkritik enthält keine Spoiler. Ich verrate dir nicht mehr, als ohnehin schon bekannt und in den Trailern zu sehen ist. «Teenage Sex and Death at Camp Miasma» läuft ab dem 20. August im Kino.

Meinen ersten Slasher-Film habe ich mit elf oder zwölf Jahren gesehen. Dass das rückblickend wohl etwas früh war, zeigt sich daran, dass mir Freddy Krueger aus «A Nightmare on Elm Street» noch lange im Kopf rumspukte und mich eine Weile von der Badewanne fernhielt …

Seither habe ich mich kreuz und quer durch die Welt der Slasher geschaut: «The Texas Chainsaw Massacre», «Halloween», «Friday the 13th», «Scream» – ich hab sie alle gesehen. Doch so einzigartig, kreativ, verspielt und einfach wunderbar wie «Teenage Sex and Death at Camp Miasma» war zuvor noch keiner.

Darum geht’s

Das Geschehen in Alfred Hitchcocks «Psycho» – erzählt aus der Perspektive des Duschvorhangs. Mit dieser Idee erregt die queere Filmemacherin Kris (Hannah Einbinder) die Aufmerksamkeit Hollywoods. Nun soll sie die einst überaus erfolgreiche, inzwischen aber zu Tode fortgesetzte Slasher-Reihe «Camp Miasma» mit einem Reboot wiederbeleben. Kris will aber nicht einfach einen weiteren Ableger des queerfeindlichen Franchises drehen, sie will die Origin Story erzählen, also quasi die Entstehungsgeschichte.

Für die Recherche vereinbart sie ein Treffen mit Billy Presley (Gillian Anderson), die das Final Girl – die einzige Überlebende – im ersten «Camp Miasma»-Film spielte. Diese hat sich seither weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und lebt in dem verlassenen Jugendlager, wo der erste Film gedreht wurde. Kris ist auf Anhieb fasziniert von Billy, die eine anziehende und geheimnisvolle Aura umgibt. Gleichzeitig scheint am Originaldrehort etwas Bedrohliches im Gange zu sein. Schliesslich ist da noch Little Death, der Bösewicht aus «Camp Miasma», mit beidseitig geschärfter Lanze in den Händen und Deckenlüftung auf dem Kopf.

Little Death bei der … Arbeit.
Little Death bei der … Arbeit.
Quelle: Filmcoopi

«Is this the real life? Is this just fantasy?»

Jane Schoenbrun hat sich mit ihrem Spielfilmdebüt «We're All Going to the World's Fair» (2021) und zuletzt «I Saw the TV Glow» (2024) längst einen Namen gemacht. Die nicht-binäre und transfeminine Regieperson setzt queere Themen auf eine erfrischende und unterhaltsame Weise filmisch um, wie ich es vorher noch nicht gesehen habe. Schoenbruns Filme strotzen von kreativen Einfällen, surrealen Begebenheiten, Doppelbödigkeiten und Popkultur-Zitaten.

«Teenage Sex and Death at Camp Miasma» führt diese Linie im Gewand der Slasher-Filme aus den 80ern und 90ern konsequent weiter. Wie viele seiner Vorbilder ist der Film sexuell aufgeladen. Das zeigt sich nicht nur an der verklemmten Kris, die sich gleichzeitig nach körperlicher Erfüllung sehnt. Den deutlichsten Hinweis liefert der «Camp Miasma»-Antagonist Little Death, der seine Opfer mit seiner phallischen Waffe penetriert, sodass das Blut nur so spritzt. Zudem steht sein Name im Französischen – «la petite mort» – für das Gefühl der völligen Entspannung und des kurzen Kontrollverlustes direkt nach dem Orgasmus.

Kontrolle ist ein gutes Stichwort. Diese entgleitet im Verlauf des Films nicht nur Kris zusehends, sondern auch den Zuschauenden. Realität und Fiktion verschwimmen, Metaebene stapelt sich auf Metaebene, oben wird unten und unten wird oben. Am Schluss wissen weder Kris noch ich, wo uns der Kopf steht – etwa so wie bei «la petite mort» …

Haben wir noch genügend Snacks für den Filmabend?
Haben wir noch genügend Snacks für den Filmabend?
Quelle: Filmcoopi

Lob und wenig Tadel

Mit der Besetzung hat Jane Schoenbrun alles richtig gemacht. Hannah Einbinder («Hacks») verkörpert die mutige und doch zutiefst verunsicherte Kris jederzeit glaubhaft. Einmal mehr grandios ist Gillian Anderson («The X-Files», «The Fall»): Ihre Billy ist charismatisch, rätselhaft, sexy und unheimlich. In jeder ihrer Szenen knistert es, und im Zusammenspiel mit Einbinder rauscht es geradezu. So stark ist die Chemie zwischen den beiden. Das trägt massgeblich dazu bei, dass der bisweilen kammerspielartig anmutende Film funktioniert.

Nicht nur thematisch, auch visuell verneigt sich Schoenbrun vor den 80ern und 90ern. «Teenage Sex and Death at Camp Miasma» ist mal grobkörnig wie die B-Movie-Slasher aus jener Zeit, dann wieder quietschbunt mit übersättigten Farben. Dazu passt auch die sorgfältig kuratierte Filmmusik: Freu dich unter anderem auf ein Wiederhören mit Sade, Donna Lewis, R.E.M. und den Counting Crows.

Das Drehbuch ist intelligent, raffiniert und fast durchs Band über jeden Zweifel erhaben. Der Film spielt auf so vielen verschiedenen Ebenen, dass er gegen Ende etwas überfrachtet wirkt. Das ist natürlich ein bewusst gewähltes, legitimes Stilmittel. Trotzdem hätten ein oder zwei Fäden weniger nicht geschadet, damit man den roten nicht vollends aus den Augen verliert. Das hätte sich auch positiv auf die Laufzeit ausgewirkt, die mit 112 Minuten schon eher an der oberen Grenze kratzt.

Abgesehen davon ist «Teenage Sex and Death at Camp Miasma» beste Unterhaltung, mutig und schlau. Und wie ich es bei «Obsession» schon sagte: Auch durch Jane Schoenbruns Filme weht der frische Wind, den Hollywood so dringend nötig hat. Inklusive Seitenhiebe an ebenjene Traumfabrik.

I saw the TV glow … Oh, falscher Film!
I saw the TV glow … Oh, falscher Film!
Quelle: Filmcoopi

Fazit

Frischer und unverbrauchter Fiebertraum von einem Film

«Teenage Sex and Death at Camp Miasma» ist nicht einfach eine Hommage an die Slasher-Filme der 80er- und 90er-Jahre. Er verneigt sich vor den Originalen und zitiert sie, während er sie gleichzeitig kritisch hinterfragt und mit einer queeren Perspektive seziert. Das ist klug inszeniert und dermassen ineinander verschachtelt, dass es sogar dem Film selbst streckenweise schwindelig wird.

In Jane Schoenbruns Film schiesst das Blut fontänenartig aus Wunden und es wimmelt von Sex oder zumindest sexuellen Anspielungen. Das ist einerseits herrlich überzeichnet und intensiv, andererseits sehr intim und betörend, was am wunderbaren Zusammenspiel der beiden Hauptdarstellerinnen Hannah Einbinder und Gillian Anderson liegt.

Trotz etwas Überlänge und der einen oder anderen Metaebene zu viel gehört «Teenage Sex and Death at Camp Miasma» zu meinen Überraschungen des Jahres. Der Film hat mich verblüfft, gefesselt und aus der eigenen Komfortzone gelockt. Die «Queer Palm» der Filmfestspiele Cannes 2026 hat er mehr als verdient. Deinen Kinobesuch ebenfalls – wenn du bereit bist, dich auf einen Slasher der ganz anderen Art einzulassen.

Titelbild: Filmcoopi

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Ich bin Vollblut-Papi und -Ehemann, Teilzeit-Nerd und -Hühnerbauer, Katzenbändiger und Tierliebhaber. Ich wüsste gerne alles und weiss doch nichts. Können tue ich noch viel weniger, dafür lerne ich täglich etwas Neues dazu. Was mir liegt, ist der Umgang mit Worten, gesprochen und geschrieben. Und das darf ich hier unter Beweis stellen. 


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