«Resident Evil» / Constantin Film
Kritik

«Resident Evil»: Ekelhaft. Widerlich. Verdammt gut.

Luca Fontana
19.9.2026

Dunkelheit, kaum Munition und Dinge, die kein Mensch je sehen sollte: Zach Creggers «Resident Evil» ist widerlich, absurd und verdammt gruselig. Genau so muss Survival Horror sein.

Keine Sorge: Die folgende Filmkritik enthält keine Spoiler. Ich verrate dir nicht mehr, als ohnehin schon bekannt und in den Trailern zu sehen ist. «Resident Evil» läuft seit dem 17. September im Kino.

Ich hatte Angst vor diesem Film – aber nicht wegen Zombies, mutierter Hunde oder sonstiger Abscheulichkeiten in den dunklen Ecken Raccoon Citys. Ich hatte Angst wegen «Weapons». Den mochte ich nämlich nicht – zumindest teilweise.

Regisseur Zach Cregger baute darin zwar eine düstere, beklemmende Atmosphäre auf, die mich rätseln und schaudern liess. Im letzten Drittel packte er aber plötzlich so viel schwarzen Humor aus, dass ich mich fragte, ob ich buchstäblich im falschen Film gelandet bin. Aus Horror wurde beinahe Komödie, aus Anspannung Absurdität. Ausgerechnet dieser Mann sollte jetzt «Resident Evil» verfilmen.

Ich hätte mir weniger Sorgen machen sollen.

Nur schnell dieses Paket abliefern

Bryans Auftrag könnte kaum banaler sein. Der medizinische Kurier, gespielt von Austin Abrams (der hat auch schon bei «Weapons» mitgemacht), soll ein versiegeltes Paket so schnell wie möglich ins Krankenhaus nach Raccoon City bringen. Eine Fahrt durch verschneite Berge mitten in der Nacht. Ein paar Stunden Arbeit. Mehr nicht. Was soll da schon schief gehen?

Eine ganze Menge, offensichtlich. Unterwegs fährt Bryan eine Frau an, glaubt er zumindest. Von da an wird aus der Nacht eine zunehmend groteske Odyssee, die ihn von einsamen Waldstrassen über einen abgelegenen Hof, Häuser und Tunnel bis in die Kanalisationen und Krankenhäuser von Raccoon City führt.

Mehr musst du eigentlich nicht wissen. Cregger interessiert sich ohnehin weniger dafür, die Geschichte der Videospiele nachzuerzählen (der Film spielt anscheinend gleichzeitig mit «Resident Evil 2», dem Game, aber davon wirst du nichts merken). Stattdessen will er deren Gefühl auf die Leinwand übertragen. Und verdammt, gelingt ihm das gut!

Was lauert hinter der nächsten Ecke?

Vor allem diese Dunkelheit macht den Film so wirksam. Egal, wo Bryan gerade unterwegs ist, Cregger lässt mich selten mehr sehen als das, was der Lichtkegel einer Handylampe preisgibt. Dahinter ist nur Schwarz – und die ständige Möglichkeit, dass dort etwas wartet, das ich eigentlich gar nicht sehen will.

Ich weiss nicht, was da in der Dunkelheit lauert. Bryan auch nicht. Genau das ist das Problem.
Ich weiss nicht, was da in der Dunkelheit lauert. Bryan auch nicht. Genau das ist das Problem.
Quelle: Constantin Film

Aus diesem Nichtwissen macht Cregger die vielleicht effektivste Waffe seines Films. Ob Bryan auf einer Lichtung im Wald steht, durch ein verlassenes Haus schleicht oder sich später mitten in Raccoon City durch die Kanalisation kämpft: Der Raum ausserhalb seines Sichtfelds bleibt eine permanente Bedrohung. Irgendwann ertappe ich mich dabei, wie ich vor jeder neuen Ecke dasselbe denke – bitte lass da nichts sein.

Dazu kommt die Ressourcenknappheit, die Cregger fast schon wie eine Spielmechanik behandelt. Bryan beginnt mit nichts, bekommt dann eine Pistole, später eine Schrotflinte und letztlich sogar eine Maschinenpistole. Trotzdem wird aus dem überforderten Kurier nie ein Actionheld, denn Munition bleibt knapp und das, was ihn verfolgt, wird schneller stärker, als Bryans Arsenal wächst. Was zunächst noch mit einzelnen Infizierten beginnt, die sich notfalls mit ein paar Kugeln erledigen lassen, eskaliert nämlich immer weiter.

Bryans Nachtschicht entwickelt sich ungefähr so entspannt, wie dieses Bild vermuten lässt.
Bryans Nachtschicht entwickelt sich ungefähr so entspannt, wie dieses Bild vermuten lässt.
Quelle: Constantin Film

Menschen verschmelzen mit anderen Menschen oder Tieren (wäh!), und irgendwann alles mit allem. Arme, Beine und Köpfe wachsen ineinander, Fleisch wuchert über Fleisch, bis kaum noch zu erkennen ist, wo ein Körper aufhört und der nächste beginnt. Hunde reissen ihre Gesichter auf und offenbaren Mäuler voller messerscharfer Zähne, aus denen fleischige Tentakel hervorschiessen. Selbst Säuglinge mutieren zu spinnenartigen Kreaturen, die auf dürren Gliedmassen durch die Dunkelheit krabbeln.

Irgendwann sind das keine einzelnen Monster mehr, sondern wuchernde Fleischmassen aus Körperteilen, Zähnen, Gliedmassen und Gesichtern, die dort sitzen, wo Gesichter ganz bestimmt nicht hingehören.

Ja. «Resident Evil» wird ziemlich eklig.

Ein völlig überforderter Normalo

Das alles funktioniert auch deshalb so gut, weil Austin Abrams keinen abgebrühten Helden spielt, der zufällig schon weiss, wie man eine Zombie-Apokalypse überlebt. Bryan ist ein Normalo, vielleicht sogar ein eher ängstlicher und zynischer, dessen Verständnis der Realität gerade komplett zusammenbricht. Und seine Reaktionen darauf fühlen sich erstaunlich menschlich an.

Eine Glasscheibe ist in Raccoon City ungefähr so hilfreich wie ein Regenschirm bei einem Orkan.
Eine Glasscheibe ist in Raccoon City ungefähr so hilfreich wie ein Regenschirm bei einem Orkan.
Quelle: Constantin Film

Natürlich weiss ich beim Spielen eines «Resident Evil», worauf ich mich eingelassen habe. Wenn sich dort plötzlich das Gesicht eines Hundes aufreisst, denke ich an Munition, Lebensenergie und den nächsten Speicherpunkt. Aber was, wenn so etwas in der echten Welt vor mir steht? Was zur Hölle macht mein Gehirn dann mit dieser Information?

Bryans Antwort lautet: Panik, Verdrängung – und eine ordentliche Portion Sarkasmus. Er kommentiert das Unfassbare, macht Witze darüber und versucht damit fast verzweifelt, etwas auf menschliche Grösse herunterzubrechen, das sich mit menschlichen Massstäben längst nicht mehr erklären lässt. Genau hier überrascht mich Cregger am meisten.

Der Unterschied zwischen Humor und einer Pointe

Denn diesmal verändert der Humor nicht den Ton des Films, wie’s noch bei «Weapons» passiert ist, sondern beschreibt Bryans Umgang damit. Der Film findet die Situation nicht lustig – Bryan macht Witze, weil sie für ihn unerträglich ist. Sein Sarkasmus ist ein Schutzmechanismus gegen eine Welt, die vor seinen Augen buchstäblich zu einem Haufen mutierenden Fleisches zerfällt.

Das steckt sogar mich an. Kriecht zum fünften Mal etwas aus der Dunkelheit, das noch grotesker aussieht als alles davor, bleibt mir manchmal nur dieses ungläubige Lachen. Und je absurder und widerlicher das Geschehen wird, desto dankbarer bin ich für Bryans Galgenhumor. Er gibt mir ein Ventil für all die grässlichen Bilder, ohne ihnen etwas von ihrem Schrecken zu nehmen. Ich kann kurz lachen, einmal durchatmen – und mich trotzdem weiter davor fürchten, was Cregger hinter der nächsten Ecke für mich bereithält.

Paul Walter Hauser gehört zu den wenigen Momenten, in denen mir Creggers Hang zum albernen Humor etwas gar weit geht.
Paul Walter Hauser gehört zu den wenigen Momenten, in denen mir Creggers Hang zum albernen Humor etwas gar weit geht.
Quelle: Constantin Film

Ganz entkommt Cregger seinem Hang zum Absurden allerdings nicht. Paul Walter Hauser und Zach Cherry (du kennst ihn vermutlich aus «Severance») spielen zwei Figuren aus dem Umfeld der Umbrella Corporation, die mir deutlich zu karikaturesk geraten sind. Da blitzt halt kurz wieder jener Cregger auf, der schwarzen Humor so weit dreht, bis aus Menschen fast Cartoonfiguren werden. Zum Glück bleiben diese Momente kurz.

Fazit

Hinter der nächsten Ecke wartet die Hölle

«Resident Evil» erzählt keine komplizierte Geschichte, muss er auch nicht. Zach Cregger nimmt einen völlig überforderten Normalo, gibt ihm ein Paket und ein paar Patronen, und schickt ihn auf eine 90-minütige Odyssee durch die Hölle. Mehr braucht es erstaunlicherweise nicht, um jenes Gefühl zu treffen, das die Spiele seit Jahrzehnten ausmacht.

Am meisten Angst macht mir dabei selten das Monster, das ich sehe. Es ist jenes, von dem ich weiss, dass es irgendwo ausserhalb des Lichtkegels wartet. Dazu kommen knappe Ressourcen und Body-Horror, der mit jeder Station abstossender wird, bis ich selbst nicht mehr weiss, ob ich lachen, wegschauen oder mich übergeben soll (Apropos … Ach, nein, vergiss es, das verrate ich nicht).

Nur das Ende kommt etwas gar abrupt. Gerade als Bryans Odyssee ihre verstörendste Stufe erreicht, ist plötzlich Schluss – das hinterlässt weniger einen letzten grossen Schlag als vielmehr ein verdutztes «Das war's jetzt?». Trotzdem trifft Cregger diesmal genau jene Balance, die ihm bei «Weapons» entglitten ist. «Resident Evil» kann absurd sein, ohne seinen Horror selbst zur Pointe zu machen. Er lässt mich lachen und macht mir zwei Minuten später wieder Angst davor, was hinter der nächsten Ecke wartet.

Viel mehr will ich von «Resident Evil» eigentlich gar nicht.

Titelbild: «Resident Evil» / Constantin Film

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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