Amazon MGM Studios
Kritik

«Masters of the Universe» hat kein Recht, so gut zu sein

Luca Fontana
12.6.2026

Nach Jahren mittelprächtiger Franchise-Blockbuster hätte ich nicht gedacht, dass mich ausgerechnet He-Man überrascht. Doch «Masters of the Universe» ist nicht nur handwerklich astreine Fantasy, sondern vor allem eines: Spass ohne Schamgefühl.

Keine Sorge: Die folgende Filmkritik enthält keine Spoiler. Ich verrate dir nicht mehr, als ohnehin schon bekannt und in den Trailern zu sehen ist. «Masters of the Universe» läuft seit dem 5. Juni im Kino.

«He-Man» war nie wirklich meins. Die Mattel-Figuren und der Zeichentrick existierten irgendwo am Rand meiner Kindheitserinnerungen – zwischen «Power Rangers» und dem vagen Bewusstsein, dass es da mal einen recht düsteren Film mit Dolph Lundgren gab, den ich nie gesehen habe und den, soweit ich weiss, auch sonst niemand freiwillig gesehen hat.

Was ich kenne, sind die zig Skeletor-Memes: ein blauer Mann mit Totenkopfschädel, der verstörende Fakten vorträgt und am Ende mit dem unheilvollen «until we meet again!» davonrennt, ist halt schon irgendwie lustig. Warum, kann ich nicht wirklich erklären. Er hat einen Schädel als Kopf. Das scheint zu reichen.

Tja, und jetzt dieser Film.

Fantasy, die … tatsächlich ordentlich aussieht

Beginnen tut er mit einem Überfall. Der böse Skeletor greift Eternia an, als Adam noch ein Kind ist. Die weise Zauberin schickt den Jungen darum mit dem sagenumwobenen Schwert der Macht durch ein Portal – und so landet der rechtmässige Erbe des mächtigsten Planeten im Universum auf der Erde. Dort verbringt er die nächsten fünfzehn Jahre damit, das verlorene Schwert zu suchen und so zu tun, als wäre er ein ganz normaler junger Mann.

Was, wenn man einen wandelnden Schrank vor sich hat, der aussieht wie ein Gott, sich beim Gewichtheben aber anstellt wie jemand, der zum ersten Mal eine Hantel sieht, schon rein optisch nicht ganz aufgeht. Aber klar, Film. Zieh ihm halt ein drei Nummern zu grosses Hemd an und erklär’ uns, dass er schmächtig ist. Die stählernen Muskeln darunter sehen wir natürlich erst, wenn ihm die Macht des Schwertes buchstäblich die Kleider vom Leib sprengt.

Zwinker, zwinker.

Aber gut, geschenkt. Viel mehr stört mich der Erde-Exkurs im ersten Akt an sich. Die Farbpalette ist grau, der Ton gedämpft, Adam wirkt deplatziert – was Absicht ist, klar, Fisch aus dem Wasser, falsche Welt, falsches Leben, bla bli bla blubb und so, ich versteh schon. Trotzdem bremst dieser Teil den Schwung spürbar ab. Denn der Auftakt zuvor, der grosse Überfall auf Eternia, mit all seinen Kreaturen, Farben, dem handgemachten Chaos und wuchtigen Kampfchoreografien, ist sackstark inszeniert.

Dass Idris Elba offensichtlich so viel Spass an einer Rolle hat, habe ich schon lange nicht mehr gesehen.
Dass Idris Elba offensichtlich so viel Spass an einer Rolle hat, habe ich schon lange nicht mehr gesehen.
Quelle: Amazon MGM Studios

Kein Wunder: Regisseur Travis Knight, bekannt für «Bumblebee» und das Stop-Motion-Meisterwerk «Kubo and the Two Strings», hat sich bewusst gegen den bequemen Greenscreen-Weg entschieden: «Masters of the Universe» strotzt nur so vor echten Sets, echten Kostümen und Monstern aus Maske und Latex statt Bits und Bytes.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. CGI-Horden, die den Bildschirm fluten und trotzdem irgendwie nach nichts aussehen, sind längst zur Seuche des modernen Actionkinos geworden. Eine billige Abkürzung in der Produktion, die dem Publikum suggeriert, es sehe etwas Grosses, während es in Wirklichkeit dabei zusieht, wie Schauspielerinnen und Schauspieler gegen Luft kämpfen, weil alles erst nachträglich eingefügt wird. «Ant-Man: Quantumania», «Justice League» und Konsorten lassen grüssen.

Nichts an diesem Slop fühlt sich an, als ob’s Gewicht hätte und wirklich da wäre.
Nichts an diesem Slop fühlt sich an, als ob’s Gewicht hätte und wirklich da wäre.
Quelle: Marvel Studios

Eternia hingegen fühlt sich dank vieler Sets und Kostüme erstaunlich plastisch und geerdet an – auch wenn die Welt das genaue Gegenteil davon und darum umso erfrischender ist. So läuft der Film erst dann zu seiner eigentlichen Form auf, wenn Adam das Schwert findet, «by the Power of Grayskull» ruft und nach Eternia zurückkehrt.

Dann läuft er wirklich. Und wie er läuft.

Ärsche werden getreten. Ordentlich.

Denn was «Masters of the Universe» auf action-technischer Ebene abliefert, hatte ich schlicht nicht auf dem Radar.

Die Choreografien sind ausgearbeitet, präzise und vor allem spürbar. Wenn etwa eine Faust in der Fratze der Bösen landet, wenn ein Körper gegen eine Wand geschleudert wird, wenn jemand zu Boden knallt – ich sitze im Kinostuhl und zucke zusammen. Das ist kein Lob, das ich leichtfertig vergebe. Denn diese physische Unmittelbarkeit ist im FSK-12-Actionfilm selten geworden. Zu oft wird dort Wucht durch Schnitt simuliert, durch Lärm, durch eine Kamera, die so nah dran ist, dass man gar nicht mehr sieht, was eigentlich passiert.

Tatsächlich haben die Schauspielerinnen und Schauspieler schon im Vorfeld erklärt, wie intensiv sie trainiert und ihre Kämpfe einstudiert haben – eine Aussage, die zum Standard-Marketingvokabular gehört und die ich immer mit der nötigen Skepsis zur Kenntnis nehme.

Aber diesmal stimmt es, muss ich zugeben. Idris Elba als Duncan teilt aus, als hätte er dabei persönlich den grössten Spass. Breites Grinsen inklusive. Camila Mendes als Teela tänzelt mit einer Eleganz durch gegnerische Horden, die nur durch wirklich harte Arbeit entsteht. Und Nicholas Galitzine als He-Man verteilt Fäuste, die auf der Gegenseite garantiert Abdrücke hinterlassen haben. Und das alles mit viel 80er-Jahre Synth-Rock und sogar Queen. Geil.

Aber «Masters of the Universe» wäre nicht «Masters of the Universe», wenn er es dabei belassen würde.

Der dümmste Humor des Jahres

Was nämlich auffällt, ist, dass «Masters of the Universe» seine Action zwar sehr ernst nimmt, sich selbst hingegen überhaupt nicht: Der Film macht ständig Witze, die so plump und albern sind, dass ich immer wieder innehalten und denken musste: Ernsthaft jetzt?

Zum Beispiel: Ein Krieger namens Fisto taucht auf – benannt nach seiner legendär grossen Faust, mit der er buchstäblich jede und jeden fistet. Kobolde. Bösewichte. Alles. Der Film macht ungefähr so viele Witze darüber, wie man von einem 12-Jährigen erwarten würde, nicht von Erwachsenen.

Und dann, als wäre das nicht genug, hält besagter Fisto das Schwert der Macht in eben dieser grossen Hand – auf Lendenhöhe, mit dem spitzen Ende nach oben zeigend. Eine Kriegerin bemerkt daraufhin, das Schwert sehe irgendwie kleiner aus, als sie gedacht hätte. Fisto erwidert mit einer auf und ab wedelnden Handbewegung, das liege nur an seiner aussergewöhnlich grossen Hand. Sonst würde es deutlich grösser erscheinen. Das Schwert, natürlich.

Nicht … Du weisst schon.

Ähm, ja.

Männer und dieses phallusförmige Ding … Das Spektrum reicht von clever bis ziemlich infantil.
Männer und dieses phallusförmige Ding … Das Spektrum reicht von clever bis ziemlich infantil.
Quelle: Amazon MGM Studios

Aber irgendwie musste ich trotzdem ständig lachen. Und jetzt, da ich das alles ausschreibe, frage ich mich wirklich, was mich geritten hat, in all diesen Szenen wie ein Vollidiot zu grinsen. Vermutlich war’s der Umstand, dass der Film ganz genau weiss, was er tut, und es trotzdem tut. Oder vielleicht gerade deshalb. Er ist sich seiner eigenen Dummheit vollkommen bewusst, und das ist der Witz. Er schämt sich nicht, er erklärt sich nicht, er zwinkert einfach kurz ins Publikum und macht weiter.

Das ist schwieriger hinzukriegen, als es aussieht. «Minecraft: The Movie» hat es vor einem Jahr ebenfalls versucht und ist für mein Empfinden grandios daran gescheitert, auch wenn dessen gigantischer Kassenerfolg gänzlich anderer Meinung ist. «Masters of the Universe» hingegen wandelt diesen schmalen Grad zwischen Selbstironie und blankem Fremdschämen erstaunlich souverän.

Der verdammte Star des Films

Dazu zähle ich auch Jared Leto, der Skeletor gibt. Auch das sage ich nicht leichtfertig. Leto ist nämlich ein Schauspieler, mit dem ich mich seit Jahren auf Kriegsfuss befinde – sowohl auf als auch neben der Leinwand. Dass ich im Jahr 2026 eine seiner Performances uneingeschränkt feiern würde, hätte ich für ausgeschlossen gehalten.

Was für ein sensationeller Auftritt. Until we meet again!
Was für ein sensationeller Auftritt. Until we meet again!
Quelle: Amazon MGM Studios

Und doch: Skeletor ist die reinste Freude. Jede Szene mit ihm ist besser, weil er drin ist. Die CGI-Arbeit allein ist aussergewöhnlich – wenn dieser Schädel spricht, wenn die roten Pupillen sich manisch in den Augenhöhlen bewegen oder sich ein überraschter Gesichtsausdruck über ein Knochengesicht legt, dann sieht das so verblüffend gut aus, dass ich unwillkürlich grinsen muss.

Aber das eigentliche Verdienst ist Letos: Er versteht haargenau, was Skeletor ist – ein durch und durch alberner Bösewicht, der böse ist, weil er böse ist. Der Film sagt es sogar wortwörtlich, denn wen wundert das schon bei jemandem mit einem Totenschädel als Kopf. Leto spielt diese Absurdität nicht weg, sondern umarmt sie vollständig und mit einer Selbstsicherheit, die ansteckend wirkt.

Genau das ist es, was «Masters of the Universe» als Ganzes auszeichnet: Diese Selbstironie, die nur selten ins Fremdschämen kippt. Well done, movie.

Fazit

Der Film hat kein Recht, so gut zu sein

«Masters of the Universe» ist kein perfekter Film. Der Erdabschnitt im ersten Akt schleppt sich durch seine eigene Absicht, Nicholas Galitzines Adam ist definitiv doofer, als er sein müsste, und ja – Fistos Fist-Witze sind wirklich so dumm, wie ich sie beschrieben habe.

Aber Regisseur Travis Knight hat etwas geschafft, das ich in diesem Genre selten erlebe: einen Film, der genau weiss, was er ist, und dieses Wissen in jede einzelne Entscheidung einfliessen lässt. In die handgemachten Sets. In die wuchtigen Choreografien. In Jared Letos Skeletorq, der mit einem Schädel als Kopf mehr Charisma versprüht als die meisten Filmschurken der letzten Jahre. Und in einen Humor, der so selbstbewusst doof ist, dass er irgendwann wieder funktioniert.

«Masters of the Universe» hat kein Recht, so gut zu sein. Und ist es trotzdem. Vier Sterne – verdient, auch wenn ich mir das beim Ausschreiben des Schwertwitzes wirklich nochmals kurz überlegen musste.

Titelbild: Amazon MGM Studios

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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