Produkttest

CR-Scan Otter: 3D scannen ist ganz einfach (mit etwas Übung)

Kevin Hofer
30.6.2026

Creality hat mit dem Otter einen einsteigerfreundlichen 3D-Scanner im Angebot. Das Teil braucht etwas Übung, erstellt aber schnell gute 3D-Modelle von realen Objekten.

Seit ich mit 3D-Druck angefangen habe, träume ich von einem Scanner, der meine Objekte mühelos in digitale Modelle verwandelt. Während des Lockdowns habe ich mir einen Scanner gebastelt – mit mässigem Erfolg. Zu jener Zeit waren tragbare 3D-Scanner noch teuer. Das ist heute anders. Als Neuling auf dem Gebiet schaue ich mir den Otter von Creality an. Der besticht durch einfache Handhabung und intuitive Software.

Für Wackelhände und reflektierende Oberflächen

Je zwei langbrennweitige und kurzbrennweitige Linsen sorgen dafür, dass ich sowohl kleine Objekte wie Münzen als auch Personen scannen kann. Eine dedizierte Farbkamera zeichnet die realen Texturen und Farben auf.

Die Linsen des CR-Scanners Otter.
Die Linsen des CR-Scanners Otter.

Eine Anti-Shake-Technologie soll unruhige Hände ausgleichen. Eine weitere Stärke des Geräts sei der Umgang mit reflektierenden Oberflächen. Die Genauigkeit wird mit bis zu 0,02 Millimetern angegeben. Bei der Scangeschwindigkeit führt Creality bis zu 20 Bilder pro Sekunde an.

Auspacken: Der Koffer überzeugt

Beim Öffnen der mitgelieferten Tragetasche bin ich positiv überrascht. Scanner, Kabel und ein Übungsmodell liegen sauber gepolstert und organisiert in ihren Aussparungen. So wünsche ich mir das. Der Scanner passt gut in meine Hände, sieht futuristisch aus und wiegt mit rund 400 Gramm wenig. Das macht sich positiv bemerkbar, wenn ich ihn länger in der Hand halte. Eine Gummikappe an der Unterseite verbirgt ein Stativgewinde, so kann ich die Hände beim Scannen frei halten. Das Verbindungskabel zum Computer lässt sich verschrauben, was ein versehentliches Lösen verhindert.

Im Koffer hat alles Platz und ist geschützt.
Im Koffer hat alles Platz und ist geschützt.

Im Koffer finden sich zudem ein Trage- und ein Schultergurt, ein Kalibrierungsboard, eine schwarze Unterlage, die Objekte visuell vom Hintergrund abhebt, ein Set Aufkleber-Marker für merkmalsarme Oberflächen sowie zwei USB-C auf A-Adapter, ein Mikrofasertuch und die Anleitung.

Die App: Scannen ohne Vorkenntnisse

Die App von Creality – Creality Scan – ist erfreulich selbsterklärend. Beim Start eines neuen Projekts gebe ich Parameter wie ungefähre Objektgrösse und gewünschte Genauigkeit an. Während ich scanne, zeigt mir die App an, ob ich den optimalen Abstand zum Objekt einhalte und wie mein Scan aussieht.

Die App führt mich Schritt für Schritt durch den Prozess.
Die App führt mich Schritt für Schritt durch den Prozess.

Nach der Aufnahme führt mich die App vom Rohdatensatz zum fertigen Mesh, wobei ich auf jeder Stufe manuell eingreifen kann. So kann ich unter anderem versehentlich gescannte Elemente löschen. Am Ende exportiere ich es als OBJ- oder STL-Datei etwa für den 3D-Druck.

Test 1 Creality Eule: funktioniert problemlos

Für den ersten Versuch wähle ich die beigelegte Testeule. Die Figur ist mit den kleinen Wölbungen und vielen Details ein gutes Testobjekt. Ich platziere das Teil auf der schwarzen Unterlage und beginne mit dem Scannen. Dort hebt es sich gut ab und die Unterlage verschwindet für den Scanner. Generell gilt: Helle, matte Oberflächen lassen sich leichter erfassen, dunkle, glänzende oder transparente Objekte machen mehr Probleme. In solchen Fällen kann spezieller Spray helfen.

Ich scanne freihändig, ohne Stativ, mit zittriger Hand. Trotzdem gleicht die Software das Wackeln gut aus. Die Anti-Shake-Technologie erfüllt ihren Zweck. Das fertige Mesh gibt selbst feine Details wieder. Mich beeindruckt das Ergebnis.

Mein erster Scan haut mich aus den Socken.
Mein erster Scan haut mich aus den Socken.

Als mühsam empfinde ich einzig, dass ich den Scanner um das Objekt herum bewegen muss. Damit ich alle Seiten der Eule erfassen kann, brauche ich geeignete Platzverhältnisse.

Test 2 Beyblade: kleines Objekt, grosse Tücken

Als Nächstes nehme ich den oberen Teil eines Beyblades – die Blade – meines Sohnes vor. Die gemischte Geometrie mit Kanten und abgerundeten Stellen ist eine Herausforderung. Die geschwungenen Bereiche scannt das Gerät problemlos. Flache, merkmalsarme Flächen bereiten dagegen mehr Mühe beim Tracking. Feine Details wie Hohlräume erfasst der Scanner einigermassen zuverlässig, aber nicht exakt genug. Immerhin: Das spiegelnde Teil oben in der Mitte erfasst er gut.

Damit ich ruhiger arbeiten kann, stelle ich den Scanner beim zweiten Versuch aufs Stativ.
Damit ich ruhiger arbeiten kann, stelle ich den Scanner beim zweiten Versuch aufs Stativ.

Insgesamt fordert die Blade nicht nur den Scanner, sondern auch mich. Statt mich dieses Mal um das Objekt herum zu bewegen, montiere ich den Scanner deshalb auf einem Stativ. Die Blade lege ich auf den Drehregler meiner Screenbar. So kann ich alle Seiten in Ruhe erfassen und halte immer dieselbe Distanz. Das Scannen fällt mir so leichter, perfekt ist das Ergebnis dennoch nicht.

Fehlende Kanten oder ähnliche Geometriefehler lassen sich in einer 3D-Software wie Blender korrigieren – dazu reichen die Fähigkeiten der Creality Scan App nicht. Blender setzt jedoch Kenntnisse voraus, die Neulinge wohl kaum haben. Immerhin: Als ich das Modell drucke, passt die reale Grösse exakt, ohne dass ich nachskalieren muss.

Der Beyblade überzeugt nicht – dafür stimmen die Dimensionen.
Der Beyblade überzeugt nicht – dafür stimmen die Dimensionen.

Test 3 Super-Michelle: die Brille als Knacknuss

Zu guter Letzt wage ich noch das Experiment, eine Person zu scannen. Kollegin Michelle steht Modell und streift sich das Superheldinnen-Kostüm über. Bei einer Person stellen sich andere Probleme als bei den kleinen Objekten. Etwa: Wie bewege ich mich um Michelle herum? Das Kabel des Scanners ist dafür zu kurz. Deshalb muss ich das Macbook in den Händen halten, was umständlich ist.

Mit dem Macbook in der Hand ist das Scannen ziemlich umständlich.
Mit dem Macbook in der Hand ist das Scannen ziemlich umständlich.
Quelle: Nico Bernasconi

Michelles Brille stellt den Scanner vor die grösste Herausforderung – wieso auch immer eine Superheldin Brille trägt. Im Studiolicht reflektiert sie einerseits, andererseits bietet das Glas keinen Anhaltspunkt für die Linsen. Ihr Gesicht bekommt der Scanner deshalb nicht gut hin. Der 3D-Ausdruck von Michelle kann sich für meinen ersten Scan eines Menschen aber doch sehen lassen.

Das ausgedruckte Modell sieht trotz Schwierigkeiten ganz ordentlich aus.
Das ausgedruckte Modell sieht trotz Schwierigkeiten ganz ordentlich aus.
Quelle: Ambra Antonelli

Auf was für andere Herausforderungen ich während des Scans gestossen bin, siehst du im Video oben.

Fazit

Cooles Teil, das auch mehr als Spielerei sein kann

Der Otter überzeugt mich in drei unterschiedlichen Tests. Trotz wackligen Händen hat er mir mein erstes Testobjekt, eine Eule, exakt aufgenommen. Der zweite Test mit dem Beyblade gelingt nicht ganz so gut, aber die Skalierung bekommt der Scanner korrekt hin. Und beim letzten Test hat er Kollegin Michelle als Superheldin verewigt.

Dabei überzeugt er durch einfache Handhabung und intuitive Software. Der Otter eignet sich dadurch sowohl für Einsteiger als auch erfahrene Personen. Ich werde das Gerät für künftige Projekte sicher weiter nutzen. Dann auch für etwas anderes als reine Spielereien. Etwa Ersatzteile, sollte mir mal etwas kaputt gehen.

Pro

  • liegt gut in der Hand
  • gut verarbeitet mit viel Zubehör im Koffer
  • intuitive App
  • Anti-Shake-Technologie
  • hohe Genauigkeit
  • Stativgewinde für freihändiges Scannen

Contra

  • transparente und stark reflektierende Flächen sind problematisch
  • Schwierigkeiten bei merkmalsarmen, flachen Flächen
  • Kabel zu kurz für das Scannen von Personen

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