Mit XTC-3D glänzen deine 3D-Drucke
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Mit XTC-3D glänzen deine 3D-Drucke

Kevin Hofer
Zürich, am 23.02.2021
Nerven dich die Rillen deiner 3D-Drucke? XTC-3D soll deine Prints verfeinern und glänzen lassen. Ich hab’s bei meiner 3D gedruckten Ukulele ausprobiert.

Bisher habe ich meine 3D-Drucke nie nachbearbeitet. Wieso? Ich hab’s nicht für nötig gehalten. Meine Drucke hatten bis jetzt immer einen praktischen Nutzen. Da stören mich die Rillen, die beim Schichtverfahren entstehen, nicht.

Kürzlich habe ich jedoch mit Kollegin Pia Seidel Kabel-Ornamente entworfen und gedruckt. Sie legt mehr Wert auf Äusseres als ich. Glücklicherweise gibt es XTC-3D, das unschöne Rillen einfach wegmachen soll. Das teste mich mit der 3D-gedruckten Ukulele, die ich gemeinsam mit David Lee gebaut habe.

Die Ukulele aus dem 3D-DruckerVideo
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Epoxidharz for the win

XTC-3D verspricht eine gleichmässigere und glattere Oberfläche. Das Epoxidharz füllt die Rillen, die beim Schichtverfahren entstehen. Epoxidharz ist ein Kunstharz, das über gute mechanische Eigenschaften sowie eine gute Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit verfügt. Es gilt als hochwertiger, aber teurer Kunststoff.

Eine Packung XTC-3D kostet rund fünfzig Franken. Klingt nach viel, aber damit glättest du rund 130 Quadratmeter 3D-Druckfläche. Im Lieferumfang ist neben dem Epoxidharz – das du im 2:1-Verhältnis aus den Flüssigkeiten A, dem Harz, und B, dem Härter, mischst – ein Schwammpinsel zum Auftragen, ein Massbecher, damit du die Mischung richtig hinbekommst und ein Rührstab enthalten.

Der Lieferumfang und was du sonst noch brauchst auf einen Blick. Die im Text erwähnte Kartonunterlage ist erst später dazu gekommen.
Der Lieferumfang und was du sonst noch brauchst auf einen Blick. Die im Text erwähnte Kartonunterlage ist erst später dazu gekommen.

Anwenden lässt sich XTC-3D bei allen gängigen 3D-Druckmaterialien wie PLA, ABS, PETG und so weiter.

So funktioniert’s

Lies auf jeden Fall die Anleitung durch, bevor du beginnst. Ich sag dir zwar, wie ich’s gemacht habe, das ersetzt aber das Lesen der Anleitung nicht. Was du nebst dem Inhalt von XTC-3D noch brauchst, sind Gummihandschuhe, und wenn du ganz sicher gehen willst, eine Schutzbrille. Das Material sollte nicht mit der Haut und den Augen in Kontakt kommen. Selbstverständlich darf der Hauptakteur auch nicht fehlen: der 3D-Druck. In meinem Fall die Ukulele. Und eine Unterlage für deinen Arbeitstisch – ich nehme einen Karton.

Verarbeitet wird das Harz am besten bei 23° Celsius. Es geht aber auch kälter: Ich hab’s bei mir auf dem Balkon bei rund 13° Celsius gemacht. Es dauert dann einfach etwas länger als zwei Stunden, bis das Harz ausgetrocknet ist. Die Applikation solltest du aufgrund der Dämpfe in einem gut durchlüfteten Raum durchführen. Das kann ich bei mir in der Wohnung nicht gewährleisten, weshalb ich es lieber draussen mache.

Nach all den Vorbereitungen kann's endlich losgehen: Ich schüttle den Härter, die Flüssigkeit B, ordentlich durch und vermische sie mit dem Harz, der Flüssigkeit A. Das tue ich im Verhältnis 2:1, von Flüssigkeit A brauche ich das Doppelte, und rühre sie während rund einer Minute mit dem Rührstab zusammen.

XTC-3D ist exothermisch. Wenn du die Flüssigkeit anrührst, wird Hitze erzeugt. Deshalb solltest du grosse Mengen weder in Glas noch Schaumstoffbehältern mixen.

Bereits nach zehn Minuten beginnt die Mischung auszuhärten. Hast du mehrere Teile zum Bearbeiten oder ein grosses, empfiehlt es sich, die Mischung auf Alufolie zu schütten. Das erhöht die Bearbeitungszeit.

Jetzt geht’s ans Auftragen des Epoxidharz. Dazu nutze ich den mitgelieferten Schwammpinsel und verteile die Flüssigkeit auf der Ukulele. Es tut’s aber auch jeder herkömmliche Pinsel. Du solltest dir jedoch vor Augen halten, dass du den nach Gebrauch nicht mehr verwenden kannst. Auswaschen solltest du ihn nicht, da die Flüssigkeit nicht ins Grundwasser gelangen sollte.

Jetzt muss die Ukulele nur noch trocknen. Das dauert bei mir rund vier Stunden. Mit 13° Celsius ist es auf meinem Balkon kälter, als die 23° Celsius, die empfohlen sind. Du könntest das Teil bei 60° Celsius aber auch innerhalb von 15 Minuten trocknen, wenn du über die entsprechende Ausrüstung verfügst.

Die Ukulele vor der Behandlung.
Die Ukulele vor der Behandlung.
Und nach der Behandlung.
Und nach der Behandlung.

Das Resultat

Was gleich auffällt: Die Ukulele glänzt jetzt ordentlich. Das Harz reflektiert Licht stärker als das PLA-Filament der Ukulele. Tatsächlich sind die Rillen nach der Anwendung etwas weniger gut sichtbar. Bei genauerem Hinsehen, sind sie zwar immer noch sichtbar, aber definitiv weniger ausgeprägt. Bei der Ukulele sind die Rillen beim Hals besser verdeckt. Das liegt daran, dass die Rillen beim Körper aufgrund der gewölbten Form deutlicher akzentuiert sind.

Mit dem Ergebnis bin ich im Grossen und Ganze zufrieden. Der entstandene Glanzeffekt passt nicht immer. Bei der Ukulele finde ich’s schick, aber bei anderen Modellen würde er mich stören. Mit einem Schleifpapier mit sehr feiner Körnung – ab 220 und höher – könnte ich die Oberfläche noch nachbearbeiten und den Glanz wegnehmen. Das erhöht dann jedoch den Aufwand wieder deutlich. Damit die Rillen gar nicht mehr zu sehen sind, könnte ich die Ukulele jetzt noch sprühen. Es empfiehlt sich jedoch, vorher einen Primer anzuwenden.

Als schnelle und effiziente Lösung ist XTC-3D auf jeden Fall empfehlenswert. Soll der Druck aber wirklich perfekt aussehen, ist es nur mit XTC-3D nicht gemacht.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer
Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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