
Kritik
«Darwin's Paradox!»: der unwahrscheinlichste Held des Jahres
von Kevin Hofer

Was tut man nicht alles für die Liebe. In «The Day I Became A Bird» verwandelt sich der tollpatschige Frank kurzerhand in einen Vogel – nur um das Herz eines Mädchens zu gewinnen, mit dem er noch kein Wort gewechselt hat.
Frank fällt morgens aus dem Bett. Flach auf die Nase. Bevor er zur Schule geht, gibt er seinem Hund Chief eine Scheibe Toast und tanzt kurz vor dem Radio im Hof. Gerade diese kleinen Momente schenken «The Day I Became A Bird» seinen unwiderstehlichen Charme.
In den Zimmern schweben goldene Federn. Sie liegen überall. Ich sammle sie ein, während ich Franks Alltag begleite – vom Frühstückstisch über den Schulweg bis ins Klassenzimmer. Ausser einem Erfolg bringt das nichts, doch ich tue es trotzdem, ganz automatisch.

Unterwegs höre ich Dialoge, die an längst vergangene Kindheitstage erinnern: wild, sinnlos, vertraut. Ein Kind behauptet, die Lehrerin habe Tentakel. Ein anderes überlegt, welches Videospiel sie abends spielen will.

Doch Frank kümmert das alles nicht. Er sieht nur Sylvia. Ein introvertiertes Mädchen, das die anderen nicht verstehen und das für Vögel schwärmt. Um ihr näher zu kommen, fasst Frank einen Entschluss: Er wird selbst zum Vogel.
Was folgt, wirkt schräg und berührt zugleich.
«The Day I Became A Bird» erzählt seine Geschichte in etwas über einer Stunde. Das reicht völlig. Kein Moment zieht sich, kein Abschnitt wirkt wie Füllmaterial. Das Spiel weiss, was es ist: ein interaktives Bilderbuch mit warmem Humor und echtem Herz.

Vor allem Frank trägt das Erlebnis. Er stolpert, ist naiv und so aufrichtig verliebt, dass man ihn einfach mögen muss. Sein Eifer, sich tatsächlich als Vogel zu verkleiden, wirkt absurd und rührend – eine Metapher für all die seltsamen Dinge, die man für das erste Gefühl tut, ohne es benennen zu können.
Spielerisch setzt «The Day I Became A Bird» auf Quick-Time-Events, einfache Fetch-Quests und kleine Rätsel zwischen den Kapiteln. Die Minispiele entspannen. Nur eine Aufgabe, bei der ich Formen nachzeichnen muss, verstehe ich nicht sofort. Doch auch das macht Spass – die Fehler-Animationen sind köstlich.

Optisch begeistert «The Day I Became A Bird». Der Stil erinnert an ein handgezeichnetes Bilderbuch: Weiche Farben und klare Linien strahlen Wärme aus. Die Illustrationen tragen die Geschichte. Jede Szene wirkt wie eine Seite aus einem Buch, das man als Kind nicht weglegen wollte.

Der Soundtrack bleibt dezent im Hintergrund und unterstreicht die Stimmung, ohne sich aufzudrängen.
«The Day I Became A Bird» ist seit dem 16. April für PC erhältlich.
Pro
Contra
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.
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