
Square Enix The Adventures of Elliot: The Millennium Tales (Playstation 5)
PS5

Eine nervtötende Fee, eine Prinzessin in Not, rätsellastige Dungeons: «The Adventures of Elliot» bedient sich dreist bei «The Legend of Zelda». Warum sich das Abenteuer trotzdem lohnt, verrät meine Kritik.
Wo endet eine Hommage und wo beginnt die Kopie? Dieser Frage müssen sich die meisten Kreativschaffenden irgendwann stellen. Wir alle haben Vorbilder, Personen, zu denen wir aufschauen und Werke, bei denen wir mal bewusst, mal unbewusst abgucken.
Auch die Entwicklerinnen und Entwickler von Team Asano, dem Studio hinter dem unsäglich betitelten «The Adventures of Elliot: The Millennium Tales», standen irgendwann vor dieser Crux. Wobei die Frage hier wohl etwas klarer formuliert werden kann: «Wie hart können wir von ‹The Legend of Zelda: A Link to the Past› klauen, bevor uns Nintendo zurück in die Steinzeit klagt?»
Square Enix’ Action-Adventure ist das offensichtlichste Derivat in der Videospielgeschichte seit «The Great Giana Sisters». Es ist erschreckend schamlos und ich liebe es dafür.
«The Adventures of Elliot» beginnt in den leuchtend grünen Feldern von Philabieldia. Der Kontinent ist die Heimat zahlreicher anthropomorpher Tierwesen, aggressiver Maschinen aus einer längst vergangenen Zeit und des kleinen Königreichs Huther, das sich dem Schutz der Menschen verschrieben hat.
Elliot, der aussieht wie Sean Connery in «Highlander», ist ein Abenteurer (duh!), durchgehend gut gelaunt und ich bin mir ziemlich sicher, dass bei ihm daheim ein «Live, Laugh, Love»-Schild an der Wand hängt. Der liebenswerte aber eindimensionale Held nimmt sich der Probleme jeder Person an, die ihm über den Weg läuft.

Sein Ruf als zuverlässiger Troubleshooter bringt ihn an den Hof von König Hichard. Wenn du dir jetzt denkst, «Haben wir’s dann bald mal mit den dämlichen Namen?» – wir haben nicht. Das Studio, das uns mit «Octopath Traveler» und «Triangle Strategy» bereits die dümmsten Titel seit «2 Fast 2 Furious» geschenkt hat, bleibt seiner Linie treu.
König Hichard hat ein Problem, eine Tochter und einen Berater, der so offensichtlich böse ist, dass selbst Sauron dagegen wie ein nuancierter Charakter-Darsteller wirkt. Komplettiert wird das Lineup später von Faie, einer Fee, die Elliot mit Magie unterstützt und zu keinem Zeitpunkt die Schnauze hält, sowie einer Handvoll weiterer Anime-Stereotypen.
Das Ensemble ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, die sich über vier verschiedene Zeitalter hinweg abspielt.
Elliot kann beliebig zwischen den Epochen wechseln und Philabieldia verändert sich dabei erwartungsgemäss. Das stolze Königreich Huther ist einige hundert Jahre zuvor noch eine unspektakuläre Siedlung und von einer einst schmucken Hütte ist später nur noch die Ruine übrig. Die Karte und das Layout selbst bleiben indessen weitgehend gleich. In jeder Ära gibt es Wald-, Eis-, Lava- und Wüsten-Biosphären.

Darin lauern zahlreiche Gegner, denen ich in Echtzeit einheize. Dafür stehen mir sieben verschiedene Waffen zur Verfügung: Schwert, Bumerang, Bogen, Speer, Hammer, Bomben und eine Sichel-Peitsche.
«The Adventures of Elliot» überlässt mir das komplette Arsenal innerhalb der ersten Spielstunden, was sich unbefriedigend anfühlt. Das Vorbild macht es besser: In «The Legend of Zelda» muss ich mir die Waffen verdienen. Folglich fühlt sich jedes neue Werkzeug nach einem Ereignis an. Dieses Erfolgserlebnis bleibt hier aus.
Die Kämpfe selbst sind wiederum einer der Höhepunkte des Spiels. Zwei Waffen können gleichzeitig ausgerüstet und strategisch kombiniert werden. Das gegnerische Gesocks ist zahl- und abwechslungsreich. Es gibt simples Kanonenfutter, Feinde mit Wurfgeschossen, Elementarwesen, die mich kurz einfrieren, AoE-Angriffe und sogar Support-Einheiten, die Verbündeten in der Nähe einen Schutzschild verpassen.

Für zusätzliche Motivation sorgt ein Combo-System: Je länger ich unangetastet Hiebe verteile, desto grösser fällt die Belohnung aus.
Jeder Sieg beschert mir einige ̶R̶u̶b̶i̶n̶e̶ Tul und mit etwas Glück Magicites-Fragmente. Ersteres ist Philabieldias Währung, die ich in Shops gegen Heiltränke, Munition und mehr eintauschen kann. Die Fragmente können bei einem Händler in Magicites umgewandelt werden – Upgrades für die Waffen, die zum Beispiel den kritischen Schaden erhöhen oder den Bogen um zusätzliche Projektile erweitern.

Je nach Gegnerkombi bleiben die Gefechte trotz Upgrade angenehm herausfordernd. Das Gleiche lässt sich leider nicht über die Dungeons sagen.
Jede Ära wartet mit einigen mehrstöckigen Dungeons auf. Hier kommen Faies magische Fähigkeiten zum Einsatz. Mein Sidekick kann Feuer entfachen, unerreichbare Gegenstände einsammeln oder per Hologramm-Kopie Druckschalter auslösen. Sie erfüllt dabei die Funktion, die in «The Legend of Zelda» von den Waffen übernommen wird. Gesteuert wird Faie mittels des rechten Analog-Sticks oder von einem Mitspieler. Der kooperative Modus kommt überraschend und ist eine nette Zugabe. Mehr aber auch nicht.
Hilfe benötigst du bei den Rätseln kaum: Keins davon erreicht auch nur annähernd die Brillanz der hyrul’schen Knobeleien. Das liegt zum einen an der überschaubaren Grösse der Tempel, die nie mehr als 20 Minuten beanspruchen. Vor allem aber am Design der Puzzles, denen es an Kreativität und Abwechslung fehlt.

Teilweise machen das die Bossgegner wett. Die sehen durchs Band beeindruckend aus und haben mich öfters vorgeführt, als ich zugeben will. Gerade konnte ich noch geschickt ausweichen, da wechselt diese fette Eule ihr Angriffsmuster und zerstört in wenigen Sekunden meine komplette Energieleiste.
Der Tod kostet mich in «The Adventures of Elliot» mehr als nur das Leben. Zumindest, wenn ich keine Lust auf ein Reload habe. Faie kann meinen Abenteurer für einen geringen Betrag an Ort und Stelle wiederbeleben. Dieser verdoppelt sich allerdings mit jedem weiteren Anlauf und spätestens beim vierten Mal tut der Betrag richtig weh.
Hast du keine Lust, die Story voranzutreiben, findest du reichlich Gelegenheiten, deine Zeit auf andere Weise totzuschlagen. Die Maps belohnen deine Erkundungsbereitschaft und es vergehen selten mehr als ein paar Minuten, ohne dass du eine neue Höhle entdeckst oder über eine Schatzkiste stolperst.
Darin warten Tul, Magicite-Fragmente oder ein Shard of Life – Elliots Äquivalent zu Links Herzteilen. Natürlich brauchst du vier Stück davon für einen kompletten Container. Und wo wir schon beim dreisten Diebstahl von geistigem Eigentum sind: Abseits der Dungeons gibt es optionale Mini-Tempel, die jeweils eine einzelne Fähigkeit oder Mechanik testen – ganz im Geiste der Schreine aus «Breath of the Wild».

Weitere Sidequests verteilen die NPCs. Die Bewohner Philabieldias sind ein verpeilter Haufen: Ausnahmslos alle verlieren ständig ihren Shit und schicken Elliot auf die Suche nach verlorenen Hüten, Haarbürsten und anderem Kram. Ich hole, bringe und erledige dazwischen ein paar Gegner – aufregend ist anders. Dafür gefällt mir, wie organisch die kleinen Geschichten in das Narrativ eingebunden sind. Wer gut zuhört, kann Wissenslücken zur Historie schliessen, die der Hauptplot bewusst offen lässt.
Daneben gilt es, 50 Katzen zu finden, die anschliessend die Strassen von Huther besiedeln und gefüttert werden können. Letzteres ist sterbenslangweilig, wird aber durch die schrottigsten «Miau»-Samples aller Zeiten bereichert.

Weniger bereichernd und eher belastend ist hingegen meine Begleiterin.
Egal, was ich gerade mache, Faie hat einen Kommentar dazu und jeder davon wird bis zum Erbrechen wiederholt. Die Fee spoilert zudem die ohnehin schon viel zu einfachen Rätsel und lässt mir selbst während der Kämpfe keine Ruhe.
«Hast du es schon einmal mit Blocken versucht?»
«Hast DU schon einmal versucht, keine herablassende, schwatzhafte Kuh zu sein?»
Es gibt eine Option, um die Laberfrequenz zu reduzieren, komplett stummschalten lässt sich mein Sidekick aber nicht. Vielleicht ist das Karma für mein Listicle über die nervigsten Companions. Offenbar ist Faie nicht die einzige, die öfters mal die Fresse halten sollte.
Gemäss einem Interview mit dem Produzenten Naofumi Matsushita war Square Enix’ «Mana»-Serie die grösste Inspiration für «The Adventures of Elliot: The Millennium Tales». Ich will hier nicht mit Anschuldigungen um mich werfen, aber: Matsushita ist ein Lügner.
Ich kann nicht deutlich genug machen, wie hart «The Adventures of Elliot: The Millennium Tales» von «The Legend of Zelda» abkupfert. Die DNA von Links früheren Abenteuern steckt in jedem Schwerthieb, in jedem rasierten Grashalm, in jedem Herz- Tschuldigung: Shard-Container. Elliot ist einen Farbwechsel von Link entfernt und das Spiel ist näher an einem echten «A Link to the Past»-Sequel als Nintendos eigene Fortsetzung, die 2013 für den 3DS erschienen ist.
Und trotzdem feiere ich das Spiel.
Ich bin ein grosser «Zelda»-Fan, habe mich von der neuen Ausrichtung aber nicht mehr abgeholt gefühlt. «Breath of the Wild» und «Tears of the Kingdom» sind unzweifelhaft grossartige Games, nur sind sie das nicht für mich. Mir gefällt die Formel der älteren Titel besser.
Dass mit «The Adventures of Elliot» nun ein Spiel nachzieht, das die Lücke, die Nintendo hinterlassen hat, so kompetent füllt, lässt mich tanzen wie Link in diesem 30 Jahre alten Werbespot.
Wer braucht da schon eigene Ideen?
Wo endet eine Hommage und wo beginnt die Kopie? Im Falle von «The Adventures of Elliot: The Millennium Tales» ist mir das egal, denn Square Enix liefert hier das beste «Zelda»-like dieser Generation. Die Rätsel sind verbesserungswürdig und eine eigene Identität sucht man weitgehend vergebens. Hinter meiner rosaroten Fanbrille verblassen diese Schwachpunkte allerdings.
Wenn ich durch die Weiten Philabieldias streife, Gegner mit geschickten Angriffkombis erledige und die Stufen zum nächsten Dungeon hinabsteige, fühlt es sich ein bisschen an wie nach Hause kommen.
Und Zuhause ist es bekanntlich am schönsten.
Pro
Contra

Square Enix The Adventures of Elliot: The Millennium Tales (Playstation 5)
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In den frühen 90er-Jahren vererbte mir mein älterer Bruder sein NES mit «The Legend of Zelda» und startete damit eine Obsession, die bis heute anhält.
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