

Test Sony RX10 V: praktisch, mit Abstrichen bei der Bildqualität
Die Sony RX10 V ist eine Superzoom-Kamera mit allen Vor- und Nachteilen dieses Kameratyps. Die lange Brennweite lässt sich auch für Wildtieraufnahmen nutzen.
Kameras mit fest verbautem Objektiv sind aus der Mode gekommen. Entweder du knipst mit dem Smartphone oder du meinst es ernst mit Fotografieren und kaufst dir gleich eine Systemkamera mit mehreren Objektiven. Die Bridge-Kamera als Mittelding fällt zwischen Stuhl und Bank.
Doch entgegen diesem Trend hat Sony die RX10 V reaktiviert. Denn das Versprechen, das eine Bridge-Kamera macht, ist auch 2026 noch verlockend. Ein Objektiv für alles ist vor allem auf Reisen sehr praktisch. Weniger Schlepperei, kein Zeitverlust durch Objektivwechsel, kein Staub auf dem zeitweise frei liegenden Sensor, weniger Frust, weil du die falschen Linsen mitgenommen hast. Das 25-fach-Zoomobjektiv deckt alles ab, vom Weitwinkel bis zum Supertele.
Die Physik der Superzoom-Kameras
Erkauft wird dieser Komfort durch einen kleinen Sensor. Bei der Sony RX10 V beträgt dieser 13,2×8,8 mm, irreführenderweise auch 1-Zoll-Sensor genannt. Er ist deutlich kleiner als ein Kleinbild- oder Vollformatsensor.

Ein kleiner Sensor rauscht mehr und kommt weniger gut mit grossen Helligkeitsunterschieden zurecht. Physikalisch geht es aber nicht anders. Im Vollformat gibt es schlicht keine 25-fach-Zooms. Ein 600-Millimeter-Objektiv mit der gleichen Lichtstärke der RX10 existiert zwar, kostet jedoch ungefähr 14 000 Franken und wiegt über drei Kilogramm. Erst durch den kleineren Sensor wird ein solch universelles Objektiv überhaupt möglich.
Im Folgenden sind alle Brennweitenangaben aufs Kleinbild-Format umgerechnet. 600 Millimeter bedeutet: Der Ausschnitt entspricht dem einer Vollformatkamera mit 600 Millimetern. Die reale physische Brennweite der RX10 ist wegen des kleineren Sensors um Faktor 2,7 geringer.
600 Millimeter: interessant für Vogelfotos
Der Hauptgrund für extreme Brennweiten im Bereich von 600 Millimetern sind Wildtiere, insbesondere Vögel und Insekten. Die aktuelle Generation der RX10 hat einen wesentlich moderneren Autofokus, der diese Motive zuverlässig erkennen soll.
Tatsächlich erkennt die Kamera Vögel gut und fokussiert auch treffsicher auf die Augen. Nach meinem Eindruck gibt es mehr Ausschuss als mit einer Sony-Systemkamera. Solange der Vogel sich nicht schnell bewegt, ist das kein Problem – bei 30 Bildern pro Sekunde ist garantiert eines dabei, das passt.

Das obige Bild ist trotz kurzer Belichtungszeit mit 100 ISO aufgenommen, Bildrauschen somit kein Problem. Möglich macht es die Lichtstärke von f/4 am langen Ende. Der Storch setzt sich auch recht gut vom unscharfen Hintergrund ab, obwohl dieser nahe beim Motiv liegt.

Sogar im Schatten lassen sich einigermassen brauchbare Vogelbilder machen. Die 800 ISO beim obigen Bild liegen immer noch im Rahmen dessen, was der Sensor verkraftet. Alle Beispielbilder in diesem Bericht sind JPEGs, da Adobe Lightroom das RAW-Format der Kamera zum Testzeitpunkt nicht lesen kann.
Auch Insekten kein Problem
Der Autofokus erkennt auch Insekten problemlos. Eine sieben Zentimeter lange Libelle füllt bei der kürzestmöglichen Distanz das Bild vollständig aus. Die Makrofähigkeiten des Objektivs sind für solche Fälle ausreichend.
Auch hier ein Beispiel mit 600 mm und f/4. Trotz kleinem Sensor verschwimmt der Hintergrund fast vollständig. Dank der Motiverkennung fokussiert die Kamera auf den Kopf, obwohl das Hinterteil näher liegt. Die Nachteile des kleinen Sensors lassen sich nicht ganz verstecken: Die von der Sonne beschienenen Teile des Halms sind überbelichtet, ebenso die reflektierenden Partien der Libelle. Der dunkle Hintergrund rauscht schon bei 640 ISO sichtbar. Mit RAW-Bearbeitung könnte man sicher noch etwas herausholen, aber du siehst die Tendenz.

Landschaftsbilder: möglich, aber nicht ideal
Landschaftsbilder sind grundsätzlich mit jeder Kamera möglich, auch mit der RX10 V. Du wirst jedoch nicht das Niveau einer Systemkamera erreichen. Bei Gegenlichtaufnahmen und anderen Situationen mit hartem Licht stösst der Sensor schnell an seine Grenzen. Das Superzoom-Objektiv ist zudem nicht besonders scharf. Für die Betrachtung am Handy, Tablet oder Notebook reicht die Schärfe problemlos. Nur am 75-Zoll-Fernseher dürfte es schwierig werden – und natürlich, wenn du reinzoomst und Ausschnitte betrachtest. Im Weitwinkel musst du zudem unbedingt abblenden, sonst erkennst du die Unschärfe sogar auf einem kleinen Bildschirm.
Kannst du für Landschaftsaufnahmen also genauso gut das Smartphone nehmen? Nicht ganz. Manchmal ist auch hier der Zoom nützlich. Zudem ermöglicht dir die RX10 V Tiefenunschärfe sowie Blendensterne.

Porträts: nur als Nebensache
Die Sony RX10 V ist eine typische Reisekamera und nicht auf Porträts ausgerichtet. Sind diese für dich sehr wichtig, kaufst du dir besser eine Systemkamera mit lichtstarkem Objektiv. Denn was dir die RX10 V nicht bietet, ist eine geringe Tiefenschärfe im typischen Porträt-Bereich von etwa 80 Millimetern.
Die Offenblende bei 80 Millimetern liegt bei f/3,5. Bei dem kleinen Sensor entspricht die Tiefenschärfe f/9,5 im Vollformat. Das ist meistens zu wenig, um einen unruhigen Hintergrund zu verwischen.
Video: Sprung nach vorne
Beim Vorgängermodell war 4K30 die höchste Videoqualität. Jetzt gibt es 4K60 ohne Crop und 4K120 mit Crop. Das ist eine deutliche Verbesserung.
Die Motiverkennung klappt auch im Video-Modus; Empfindlichkeit und Übergangsgeschwindigkeit sind einstellbar. Positiv fällt auf, dass kaum Focus Breathing bemerkbar ist. Der Bildstabilisator ermöglicht sogar bei maximalem Zoom noch Aufnahmen ohne Stativ. Auch beim Fotografieren hilft er: Du findest das Motiv besser, wenn nicht alles wackelt.
Weniger toll für Videos ist der Klappmechanismus des Bildschirms. Dieser lässt sich nach wie vor nicht um 180 Grad drehen. Immerhin zeigt neu eine rote Kontrollleuchte auch von vorne an, ob die Aufnahme läuft.
Der Rolling-Shutter-Effekt ist vorhanden, aber nicht besonders ausgeprägt. Solider Durchschnitt. Und noch ein kleines, aber feines Detail: Der Blendenring kann für Videoaufnahmen ohne Klick verstellt werden. Insgesamt ist die Videofunktion nicht überragend, aber in Ordnung.
Fazit
Gute Reisekamera
Das Zoom-Objektiv der Sony RX10 V deckt einen riesigen Brennweitenbereich von 24 bis 600 Millimeter (Kleinbild-äquivalent) ab. Damit bist du auf Reisen für fast jede Situation gewappnet, zumal es auch am langen Ende genug Lichtstärke bietet. Mit dem zeitgemässen Autofokus sind auch Vogel- und Insektenaufnahmen recht einfach – damit wirst du die 600 Millimeter tatsächlich brauchen.
Für stimmungsvolle Porträtaufnahmen ist die RX10 V die falsche Kamera. Da bist du mit einer Systemkamera und einem lichtstarken Objektiv besser bedient. Landschaftsaufnahmen kommen gut, sofern du nicht allzu stark vergrösserst. Das Objektiv mit seiner komplexen Optik ist nicht besonders scharf.
Generell muss dir bewusst sein, dass die Bildqualität nicht an eine Vollformatkamera herankommt. Das ist bei Superzoom-Kameras immer der Fall. Denn der 25-fach-Zoom wird erst durch einen kleinen Sensor möglich. Im Vergleich mit einer Systemkamera tauschst du Komfort gegen Bildqualität.
Wenn eine Superzoom-Kamera für dich das Richtige ist, dann greif zu. Es wird in absehbarer Zeit kaum ein besseres Modell dieses Kameratyps auf den Markt kommen. Und was den hohen Preis betrifft: Überleg dir, welche Objektive du bei einer Systemkamera brauchst. Dann kommt die RX10 V vielleicht gar nicht so schlecht weg.
Pro
- kein Objektivwechsel und -kauf nötig
- Autofokus taugt für Wildtiere (auch Vögel)
- lichtstark im Telebereich
- guter Bildstabilisator
- schnell
Contra
- Bildqualität kommt nicht an Systemkameras heran
- zu viel Tiefenschärfe für Porträts
- Bildschirm nicht um 180 Grad drehbar

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.
Unsere Expertinnen und Experten testen Produkte und deren Anwendungen. Unabhängig und neutral.
Alle anzeigen

