Debora Pape
Hintergrund

Rutschen, Saunen, Sonnenbrand: «Aquapark Tycoon» ist der beste Freibad-Ersatz

Debora Pape
7.8.2026
Bilder: Debora Pape

Der neue Early-Access-Titel «Aquapark Tycoon» macht die Sommerhitze erträglicher und lässt mich einen Wasserpark nach meinen Vorstellungen bauen.

Sauna im Arbeitszimmer, Backofen vor der Haustür und Überhitzung im Kopf: Ich schwitze. Eine rasante Wasserrutsche, danach eine Liege im Schatten und ein Eis, das würde mir an diesen Sommertagen helfen. Aber ich kann nicht ins Freibad fahren, denn ich muss ein Spiele-Review schreiben.

Deswegen sitze ich bei Temperaturen wie in Tolkiens Schicksalsberg an meinem Gaming-Rechner, schmelze nur vom Ventilator am Leben gehalten vor mich hin und errichte Rutschen, Eisstände und Chillout-Zonen in «Aquapark Tycoon». Und damit mache ich meinen Frieden, denn das ist tatsächlich die beste Alternative zu einem echten Erlebnisbad. Statt mir im überfüllten Freibad einen Sonnenbrand zu holen, gestalte ich meinen eigenen Traumpark und drehe den Gästen teure Sonnencreme an.

Die Aufbausimulation des deutschen Studios Boxelware erschien am 22. Juli im Early Access. Mein Job: eine Bade- und Saunalandschaft aufbauen und dafür sorgen, dass meine Gäste glücklich sind. Ähnliche Spiele wie «Planet Zoo» oder «Two Point Museum» haben mich in den vergangenen Jahren nicht richtig abgeholt. Zu sehr achte ich bei diesen Spielen nur auf die Zahlen: Meine Gäste wollen mehr Deko? Ok, können sie haben. Ich spamme Deko in die Landschaft, als hinge mein Leben davon ab – und alle sind glücklich, außer ich, weil ich mich unterfordert fühle.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass mir vor dem inneren Auge noch nie ein perfektes Museum oder der schönste Zoo vorschwebte. Aber ich schwitze und weiß ganz genau, was ich mir gerade wünsche: Eine schöne Reifenrutschbahn. Und die werde ich jetzt bauen, und zwar genau so, wie sie sein soll: schnell, mit vielen Kurven und am Ende fliege ich samt Reifen in ein Wasserbecken.

Hier fliege nicht ich, sondern der Dummy, der meine neue Rutsche testet. Das Fliegen war allerdings gar nicht vorgesehen.
Hier fliege nicht ich, sondern der Dummy, der meine neue Rutsche testet. Das Fliegen war allerdings gar nicht vorgesehen.

Badewelten sind Traumwelten

Klar, auch «Aquapark Tycoon» ist zahlengetrieben. Es gibt zig Overlays, die mir zeigen, wo zu viel Müll rumliegt oder meine Gäste besonders hungrig sind. Dort greife ich ein und helfe nach. Aber eigentlich geht es bei dem Spiel um Träume. Ich wünsche mir etwas, realisiere es und fühle mich wie mitten im Geschehen. Bei den Rutschen brauche ich dafür keine Fantasie: Eine virtuelle Rutschfahrt schickt mich in First-Person-View durch die Röhre.

Wie ich es liebe: im Winter aus dem Gebäude ins Außenbecken schwimmen und mich im warmen Wasser treiben lassen, während Schnee vom Himmel fällt. Geht in «Aquapark Tycoon» auch.
Wie ich es liebe: im Winter aus dem Gebäude ins Außenbecken schwimmen und mich im warmen Wasser treiben lassen, während Schnee vom Himmel fällt. Geht in «Aquapark Tycoon» auch.

Und Junge, haben die Freibad-Göttinnen bei Boxelware das gut gemacht! Der Wasserstrom spült mich physikalisch korrekt durch die Kurven, während ich bei offener Röhre am oberen Bildschirmrand die Umgebung vorbeisausen sehe – falls ich gerade nicht zu heftig herumgewirbelt werde. In geschlossenen Röhren hallt das Wasserplätschern sogar etwas. So fühlt sich Rutschen an – und das ist tatsächlich ein Trost, während ich am Schreibtisch schwitze.

Auch die Geräuschkulisse aus typischem Gejauchze und Geplatsche trägt zum Freibad-Feeling bei. Mir macht es sogar Spaß, den Gästen einfach nur zuzuschauen, wie sie mit einem Köpper vom Siebener springen oder ihre Taschen in einer der Ablagen verstauen. Die Wasserpark-Atmosphäre fängt das Spiel super ein. Noch besser wird es mit den freischaltbaren Themenwelten. Damit schaffe ich Bereiche im tropischen Flair, als Märchenwelt oder im Piratenstil.

Dieses Heilbad habe ich tropisch gestaltet. Eigentlich ist es mit seinen Reha-Anwendungen für die älteren Semester gedacht, aber offenbar haben hier auch viele andere ihre Freude.
Dieses Heilbad habe ich tropisch gestaltet. Eigentlich ist es mit seinen Reha-Anwendungen für die älteren Semester gedacht, aber offenbar haben hier auch viele andere ihre Freude.

«Aquapark Tycoon» ist übrigens kein reines Sommerspiel. Der Park hat ganzjährig geöffnet und vor allem in der kälteren Jahreszeit wünschen sich die Gäste Schwitzerlebnisse in diversen Saunen. Ich kann das gut nachvollziehen, entspanne ich mich doch selbst gern zu beruhigenden Klängen, gedämpften Lichtern und Heuduft in der Sauna. Das Spiel lässt mich viele verschiedene Sauna-Typen erforschen und bauen.

Aktuell ist mir zwar nicht nach einem Saunaaufenthalt, aber dank meines aufgeheizten Arbeitszimmers ist die Immersion auf jeden Fall gegeben.

Ich fühle mich gerade wie diese Saunagänger: rotglühend.
Ich fühle mich gerade wie diese Saunagänger: rotglühend.

Ich designe Rutschen, Becken und Saunen

In «Aquapark Tycoon» gibt es drei Arten von Attraktionen, die ich weitgehend frei gestalten kann: Rutschen, Saunen und Becken. Das ist vereinfacht ausgedrückt, denn sie alle haben jede Menge Subtypen, die es zu erforschen gilt. Eine finnische Sauna ist schließlich keine Erdsauna und ein Thermalbecken ist kein Strömungsbecken.

Alle Subtypen bringen besondere Eigenschaften mit. Bei den Saunen sind das hauptsächlich Deko-Gegenstände: etwa Kristallverzierungen in Dampfgrotten und römische Wandverkleidungen im Tepidarium. Die Form eines Saunagebäudes ist nicht vorgegeben, ich lege sie selbst fest. Für die Form des Fundaments kombiniere ich Rechtecke und Ovalformen oder ziehe sie voneinander ab. Oder ich zeichne mit dem Kurvenwerkzeug eine Freihandform.

Dieses Tepidarium ist römischen Gebäuden nachempfunden. Ich mag den Stil sehr.
Dieses Tepidarium ist römischen Gebäuden nachempfunden. Ich mag den Stil sehr.

Dass es auf Gottes heißer Erde so viele Rutschenarten gibt, war mir bislang gar nicht klar. Ich kann etwa Körperrutschen, Wellenrutschen, Trichterrutschen und Hochgeschwindigkeitsrutschen bauen. Festgelegt ist nur die maximale Höhe und das maximale Gefälle. Der Verlauf liegt aber ganz bei mir. Kurven, Drops und S-Kurven sind nur ein paar der Möglichkeiten.

Das Rutschenwerkzeug schreckt mich auf den ersten Blick ab, funktioniert nach etwas Einarbeitung aber logisch. Rutschen bestehen aus einzelnen Segmenten, die jeweils etwa zwei Meter lang sind. Ich setze Segment für Segment aneinander und lege dabei deren Eigenschaften wie Gefälle, Überdachung und Kurvenwinkel separat fest. Trotz Übung kommen meine Konstruktionen nie an das heran, was das Spiel an voreingestellten Rutschenvorlagen bietet: Meine Rutschen wirken zu meinem Bedauern immer wie von einem Kindergartenkind gemalt.

Das Kreismenü bietet alle Tools, die ich für den Bau einer Rutsche brauche.
Das Kreismenü bietet alle Tools, die ich für den Bau einer Rutsche brauche.

Richtig ärgerlich ist, dass sich Rutschenelemente nachträglich nicht verändern lassen. Da stecke ich meine gesamten gerösteten Hirnzellen in den Bau einer kreativen Konstruktion und stelle beim Testlauf fest, dass die Gäste aus einem offenen Röhrensegment fliegen. Und nun? Ich kann das schuldige Segment nicht einfach zur geschlossenen Röhre machen, was das Problem lösen würde, sondern muss die gesamte Rutsche bis zu diesem Segment wieder abreißen. Bitte fixt das, es macht mich wahnsinnig!

Bei den Wasserbecken habe ich ebenfalls weitgehende Gestaltungsfreiheit. Auch hier gibt es jede Menge verschiedene Unterarten wie Becken mit Wellen- oder Strömungsgeneratoren, Kinderbecken sowie Pools für Entspannung oder sportliche Herausforderungen. Sie unterscheiden sich optisch sowie bei der voreingestellten Wassertemperatur und der Wassertiefe.

Die Kombination aus verschiedenen Attraktionen macht den Wasserpark erst realistisch.
Die Kombination aus verschiedenen Attraktionen macht den Wasserpark erst realistisch.

Die Form der Pools bestimme ich genau wie bei der Sauna. So tüftle ich an kreativen Beckenformen und verschönere sie mit Elementen wie Wasserfontänen, Sprudeldüsen und Sprungbrettern. Die sehen nicht nur gut aus, sondern befriedigen Gastbedürfnisse nach Entspannung, sportlichem Training oder Luxus. Zum Abschluss setze ich eine Treppe ein, dann ist der Pool bereit für meine geschätzten Gäste.

Easy to learn, hard to master – aber kein Tycoon-Game

Gibt es gerade sonst nichts zu tun, werfe ich einen Blick in die Gästegedanken. Das ist ein sehr nützliches Tool, das zusammengefasst anzeigt, was in den Köpfen der Gäste vorgeht. So erfahre ich etwa, welche Sauna sie am meisten vermissen und kann ihnen diesen Wunsch erfüllen.

Die Gedanken der Gäste sind nach Häufigkeit gebündelt. 50 Personen loben die günstigen Burger – höchste Zeit, den Burgerpreis anzuheben!
Die Gedanken der Gäste sind nach Häufigkeit gebündelt. 50 Personen loben die günstigen Burger – höchste Zeit, den Burgerpreis anzuheben!

Immer wieder bin ich überrascht, wie viele Möglichkeiten «Aquapark Tycoon» bietet und wie tief diese bereits jetzt schon gehen. Das Spiel ist nicht schwer zu lernen und die volle Palette an Möglichkeiten muss ich gar nicht ausschöpfen, um einen belebten Wasserpark zu bauen. Aber wenn ich mehr will, kann ich mehr machen: Das globale Rasterlayout und die standardmäßigen Rotationswinkel lassen sich etwa anpassen. Das erleichtert mir die Gestaltung von Parks, die nicht hauptsächlich aus rechten Winkeln bestehen.

Ich kann Preise anpassen, Kredite aufnehmen, Wassertemperaturen und Chlorwerte festlegen sowie Stromkosten durch den Bau von Solarpanels senken. Übersichten zeigen mir die UV-Strahlungsintensität und die maximalen G-Kräfte meiner Rutschen an. Ich kenne die Lieblingsdüfte meiner Gäste und kann in Saunen Aufgüsse durchführen lassen, die verschiedene Aromen, Klänge und sogar Salzpeelings miteinander kombinieren.

Die seitlich wirkenden Kräfte der Loopingrutsche betragen krasse 8,3 g und die Gäste flutschen mit 41 Sachen durch die Röhre.
Die seitlich wirkenden Kräfte der Loopingrutsche betragen krasse 8,3 g und die Gäste flutschen mit 41 Sachen durch die Röhre.

Glücklicherweise muss ich wenig Zeit mit dem Personalmanagement verbringen. Es reicht, genügend Leute einzustellen, die hinter den Gästen herräumen und die Attraktionen in Schuss halten. Es gibt aber weder Schichtdienste noch besondere Mitarbeiter-Fähigkeiten. Gut ist, dass ich den Arbeitsbereich jedes Angestellten auf den Meter genau festlegen kann. Das hilft, stark frequentierte Bereiche besser zu überwachen. Dass auch Bademeister nötig sind, merke ich schmerzhaft, als eine Meldung mich über einen ertrunkenen Besucher informiert. Mist.

Trotz der Tiefe des Spiels würde ich «Aquapark Tycoon» nicht als klassisches Tycoon-Game mit Fokus auf wirtschaftlichem Wachstum bezeichnen. Das Spiel legt eindeutig mehr Wert auf Gestaltung und glückliche Gäste als auf Geldscheffelei. Das ist aber kein Nachteil: Mir gefällt die Ausrichtung von «Aquapark Tycoon» genau so, wie sie ist. Optionale Siegbedingungen verlangen etwa eine bestimmte Besucheranzahl oder das Erreichen einer gewissen Parkbewertung innerhalb einer festgelegten Zeit. Schwer ist das allerdings nicht und ernsthafte Geldprobleme habe ich auch nicht erlebt.

Wo ist der Facility Manager, wenn man ihn braucht?
Wo ist der Facility Manager, wenn man ihn braucht?

Nicht alles ist cool im Wasserpark

Aktuell gibt es leider noch einige Dinge, die nicht perfekt laufen. Das sind hauptsächlich Interface- und Bedienungselemente, die sicherlich im Laufe des Early Access noch behoben werden. So stehen im Kinderbecken Besucherinnen und Besucher jeden Alters nur einfach da und gucken Löcher in die Luft. In anderen Becken wird fleißig geschwommen und getobt.

Ein paar weitere Beispiele: Die Anzeige der Siegbedingungen oben rechts lässt sich nicht ausblenden. Die bleibt in ihrer vollen Größe während des gesamten Spiels bestehen. Das Rotieren von Objekten ist noch sehr unbequem: Mit der Taste R aktiviere ich den Rotationsmodus und muss das Objekt dann mit der Maus in den gewünschten Winkel ziehen. Schöner wäre, einfach mehrmals R zu drücken, anstatt die Maus zu bemühen. Die Info-Overlays lassen sich nicht per Tastaturshortcuts aktivieren oder deaktivieren und es gibt keine Pipette, um Bodentexturen aufzunehmen.

Fazit: Macht nicht nur im Sommer Spaß

«Aquapark Tycoon» hat ruckzuck mein Herz erobert. Mir gefällt die Atmosphäre, das Gewusel, die Bau- und Gestaltungsmöglichkeiten und vor allem ruft das Spiel gute Erinnerungen an echte Wasserparks hervor. «Aquapark Tycoon» hat etwas geschafft, was bei mir nur wenige Aufbauspiele schaffen: Es vermittelt nicht nur Management, sondern ein Lebensgefühl. Wer im Sommer vom Freibad träumt, aber vor dem Rechner sitzt, findet hier die vermutlich beste digitale Alternative.

Wenn du Freizeitbäder und Aufbausimulationen magst, schau es dir mal an. Weil es sich um ein Early-Access-Game handelt, vergebe ich keine finale Sternewertung. Zum aktuellen Stand hätte es sich vier Sterne verdient.

Titelbild: Debora Pape

2 Personen gefällt dieser Artikel


User Avatar
User Avatar

Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.


Gaming
Folge Themen und erhalte Updates zu deinen Interessen

Hintergrund

Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

Alle anzeigen

Kommentare

Avatar