
Drohne im Lager – und einmal hat's geknallt
Moritz Werffeli fliegt Drohnen an Skirennen oder Rallyes, durch Schluchten oder Fabrikhallen. Für Galaxus war er einen Tag lang in unserem Warenlager in Wohlen unterwegs – mit 35 Akkus, einem Absturz und einer Erkenntnis, die man so nicht erwartet.
Moritz, du fliegst überall: An Sportanlässen, für Unternehmen, in der Natur. Was macht das Galaxus-Lager in Wohlen zu einem besonderen Auftrag?
Die Dichte. Ich bin schon durch einiges geflogen – aber hier treffen Robotik, Förderbänder, vollautomatische Sortiersysteme und arbeitende Menschen auf engstem Raum aufeinander. Das ist nicht einfach eine grosse Halle; das ist ein Organismus.
Hattest du einen Vergleich im Kopf, als du heute Morgen hierherkamst?
BMW München war vergleichbar. Beim Autobauer haben wir auch sehr anspruchsvolle One-Shots in grossen Produktionshallen gemacht. Aber Galaxus ist anders komplex: Hier geht es nicht nur um Grösse, sondern um die enorme Dichte. Überall bewegt sich etwas – Förderbänder, Roboter, Sortiersysteme, Menschen, Waren. Das macht den Flug extrem spannend und verlangt sehr viel Präzision.
Was hat dich beim Gang durchs Lager am meisten überrascht?
Dass es auf den ersten Blick wie totales Chaos aussieht – und dann, wenn man versteht, wie alles zusammenhängt, plötzlich absolut Sinn ergibt. Eine Cola-Büchse liegt neben dem Ariel-Waschmittel, und ich denke: Was ist das für ein System? Aber es ist ein System. Nur eben eines, das man verstehen muss, bevor man es sieht.
Du bist heute durch Roboter, Kisten, Förderbänder und Menschen bei ihrer Arbeit geflogen. Was war die grösste Herausforderung?
Die Menschen. Immer. Das ist Priorität eins, vor allem anderen. Wenn ein Mensch im Bild ist, fliege ich grundlegend anders – ruhiger, bewusster, mit mehr Abstand. Das Tückische heute war die Kombination: sich bewegende Objekte und Menschen gleichzeitig. Ich musste permanent mehrere Variablen im Kopf jonglieren und dabei trotzdem nah und dynamisch fliegen. Das war herausfordernd.

Apropos nah fliegen: Du bist heute abgestürzt.
(lacht kurz) Ja. Danke, dass du das so direkt ansprichst. Ich wollte in der Halle mit den fahrenden Robotern einen Power-Loop nah an der Decke fliegen – filmisch wäre das unglaublich gewesen. Aber da war eine Stange, die ich bei der Vorbereitung übersehen hatte. Dann hat's geknallt. Der erste Gedanke war sofort: Hat jemand was abbekommen? Als klar war, dass niemand verletzt wurde, war die Erleichterung riesig. Aber die Scham bleibt, auch weil die Anlage mit ihren 260 Robotern für eine Viertelstunde stillstand. Wir mussten die Einzelteile der Drohne einsammeln und die abgebrochene Kamera suchen – diese fanden wir eingeklemmt unter einem Roboter. (Pause) Der Looping bleibt im Kopf als der, der hätte sein können.
Wie bereitest du dich mental auf einen Flug vor? Gerade nach so einem Moment?
Ich habe ein Ritual: Die Brille auf, den Controller in die Hand, Daumen an die Stelle, wo ich die Motoren scharfstelle. In diesem Moment schaltet etwas um. Der Kopf wird leer. Keine Planung mehr, kein Stress, kein Pfeiler aus der Besichtigung – nur der Flug. Ab dem Moment, wo ich in der Luft bin, ist es mein Ding.
Und bis dahin?
Bis dahin bin ich nervös. Bewilligungen, Koordination, Ausrüstung, Planung – all das stresst mich. Aber sobald ich fliege, ist das weg.

Du warst heute fast zwölf Stunden im Einsatz, hast über 35 Akkus verbraucht und rund 80 Gigabyte Filmmaterial produziert. Wie viel davon war Planung, wie viel Improvisation?
Beides ist unverzichtbar – aber in dieser Reihenfolge. Ohne die saubere Vorbereitung wären wir heute noch dran. Bei einem Dreh in dieser Grössenordnung brauchst du einen Rahmen, du musst wissen, welche Shots du willst und wie du durch den Raum kommst. Aber gleichzeitig: Kein Plan überlebt den ersten Kontakt mit der Realität. Man muss bereit sein, alles zu verwerfen, sobald man vor Ort sieht, was wirklich funktioniert. Die besten Shots entstehen, wenn man die Linie findet – und den Flug dann immer weiter perfektioniert.
Was war dein Lieblingsmoment heute?
Die engen Lücken. Wenn es schnell geht, alles stimmt und die Drohne genau da durchpasst, wo es eigentlich kaum Platz hat – und das bis zum Ende sauber aufgeht. Dieses Gefühl ist unschlagbar.

Und das Absurdeste, was heute passiert ist?
Der erste Flug des Tages. Unsere neueste Kamera, die gestern noch perfekt funktioniert hat, ist einfach nicht angesprungen. Einfach so. Keine Erklärung. Wir haben sofort aufs Backup gewechselt, und der Dreh lief weiter. Ich glaube, ihr habt es nicht mal gemerkt. Das ist auch die Lektion: Im Drohnen-Job läuft immer irgendwas schief. Deswegen hat man immer alles mindestens zweimal dabei – und deswegen weiss man, wie man reagiert, bevor es passiert.
Letzte Frage: Wie würdest du jemandem, der noch nie in unserem Lager war, in einem Satz erklären, was du heute erlebt hast?
Totales Chaos, das zur Perfektion führt.
Ich bin bei Galaxus und Digitec zuständig für den Austausch mit Journalistinnen und Bloggern. Gute Geschichten sind meine Leidenschaft, deshalb bin ich immer auf dem neusten Stand.
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