Kritik

«Moonlight Peaks»: Ein Vampir mit Spitzhacke und Himbeertörtchen saugt kein Blut

Wer will schon Menschen das Blut aussaugen, wenn man leckere Pilzsuppe kochen kann? In «Moonlight Peaks» werde ich zu einem braven Vampir, der sich um seine Farm kümmert, flirtet und Minigames spielt.

Eine Mischung aus «Stardew Valley» und kitschiger Vampirserie: «Moonlight Peaks» verbindet Fantasy mit Gartenarbeit. Als junge Vampirin streite ich mich mit meinen Eltern und laufe von zu Hause weg. Nach einem kurzen SMS-Austausch mit meiner Mutter wird klar, dass ich nie wieder zurückkehren werde und mein neues Leben auf einer Farm in «Moonlight Peaks» beginne. Gesagt, getan. Kurz darauf bekomme ich eine heruntergekommene Hütte und ein Stück Land geschenkt, das ich bewirtschaften darf.

Das grundlegende Farming-Sim-Gameplay funktioniert in «Moonlight Peaks» so ähnlich wie bei den meisten anderen Genre-Vertretern: Aufwachen, Haus und Hof versorgen, in einer Höhle Materialien abbauen, mit anderen Bewohnern der Stadt shakern und gelegentlich kleine Fetch-Quest erfüllen, bevor ich müde ins Bett falle. Es hat den typischen Cosy-Gameplay-Loop, den du von Spielen wie diesen kennst:

Meine Vampirgeschichte spielt sich allerdings immer in der Nacht ab, da ich bei Sonnenlicht vermutlich zu Staub zerfalle. Glücklicherweise geht es meinen Nachbarn ähnlich, denn das sind Sonnenlicht hassende Seher, Werwölfe und Hexen. Deshalb haben die Geschäfte in der Stadt oft von 19:00 Uhr bis Mitternacht auf, bevor alle Feierabend machen und die Nacht genießen.

Farmtiere sind unglaublich teuer! Aber auch sooo niedlich!
Farmtiere sind unglaublich teuer! Aber auch sooo niedlich!

Für mich sind die Öffnungszeiten etwas knapp bemessen. Das Bewässern der großen Felder, das Kuscheln meiner Horrorkühe und das Bestücken der Maschinen mit Bluttrauben frisst eine Menge Zeit. Danach muss ich mich sputen, um meine Spitzhacke zu verbessern, neue Kleidung zu kaufen oder andere Geschäfte zu besuchen. Vorausgesetzt, ich habe genügend Geld erwirtschaftet. Ein Abstecher in den Zauberladen Webbs Wunder endet beispielsweise immer mit einem leeren Geldbeutel, da die angebotenen Zaubersprüche wirklich teuer sind.

Gerade zu Beginn kann ich mir das Herbeizaubern von Erntehelfern nicht leisten. Und genau hier entfaltet «Moonlight Peaks» seinen typischen Farming-Sim-Loop: «Nur noch eine Nacht, dann ist das Obst reif und ich kann die Törtchen teuer verkaufen». Also spiele ich einen Tag weiter, verwandle mich in eine flinke Katze und eile zum Zauberladen. Dort kaufe ich neue Zaubersprüche für die Feldarbeit oder praktische Verbesserungen wie eine größere Tasche, die den Farmalltag deutlich erleichtert.

Manche Pflanzen brauchen Zauberei, um zu gedeihen.
Manche Pflanzen brauchen Zauberei, um zu gedeihen.

Die Tage in «Moonlight Peaks» laufen nach einem vertrauten Farming-Muster ab. Sobald Frühling und Sommer vorbei sind, brechen die kalten Monate an. Glücklicherweise gibt es (magische) Pflanzen, die in jeder Jahreszeit wachsen und mir Ertrag bringen.

Je mehr Zeit ich in meine Farm investiere, desto hochwertiger sind die Produkte, was wiederum mehr Einnahmen bringt. Aufwendige Gerichte, wie Sushi aus seltenen Fischen mit getrocknetem Seetang und gekochtem Reis, sind besonders lukrativ. Bevor ich davon profitiere, muss ich allerdings erst in ein Sushi-Kochbuch, eine Trocknungsstation, eine bessere Angel und eine Kochstation investieren.

Um all das zu bekommen, erkunde ich die riesige Karte von «Moonlight Peaks». An vielen Orten warten Überraschungen und sogar seltener Loot auf mich. Außerdem gibt es eine Menge Höhlen voller Ressourcen, die ich für den Ausbau meiner Farm dringend brauche. Für eine schnellere Fortbewegung verwandle ich mich im Laufe des Spiels neben der flinken Katze in eine wendige Fledermaus.

Die Geräuschkulisse ist vielerorts angenehm schaurig und atmosphärisch dicht. An anderen Stellen fehlt Musik dagegen fast vollständig. Das nimmt dem Spiel einiges von seinem Charme. Die Figuren sind nicht vertont, und auch die Zwischensequenzen bleiben stumm. Dafür gehören die herrlich schwarzhumorigen, deutsch übersetzten Dialoge zu den Highlights von «Moonlight Peaks».

Armor führt die Liebenden zum Liebesfest in Moonlight Peaks zusammen.
Armor führt die Liebenden zum Liebesfest in Moonlight Peaks zusammen.

Vor allem im ersten Spieljahr starten nahezu täglich kleine Zwischensequenzen, die die Geschichte vorantreiben. Zudem finden in regelmäßigen Abständen Feste statt, zu denen ich meinen Beitrag in Form von zubereitetem Essen oder hochwertigen Materialien leiste.

Im Gegenzug gibt es Preise und spezielle Items, die nur an diesem Tag zu kaufen sind. Die Story von «Moonlight Peaks» fühlt sich nicht wie eine große Geschichte an, sondern eher wie ein Puzzle aus kleinen Erzählungen. Ich helfe regelmäßig dabei, die Kämpfe zwischen zwei Streithähnen zu stoppen, mit einer arroganten Hexe klarzukommen und die Probleme der Bürger lösen.

Interaktionen mit den übernatürlichen Figuren verbessern die Beziehung. Aus einer Bekanntschaft wird Freundschaft und im besten Fall sogar eine Ehe. Ich kann sogar mit dem Tod höchstpersönlich anbandeln. Um das zu schaffen, ist das Spielen des Ingame-Kartenspiels Nokturna unerlässlich. Dabei werden nacheinander drei Karten mit möglichst hohen Werten ausgespielt. Wer die meisten Punkte erzielt, gewinnt.

Was am Anfang einfach wirkt, wird im Laufe der Zeit kniffliger. Manche Karten haben Effekte, die Punkte abziehen oder mich blockieren. Um dauerhaft erfolgreich zu sein, brauche ich neue Karten für mein Deck, die ich entweder zufällig finde oder als Belohnung für gewonnene Matches erhalte. Die tägliche Jagd nach Sieg und neuen Karten lässt die Zeit schnell verfliegen.

Nokturna ist eins von zahlreichen Minispielen in «Moonlight Peaks».
Nokturna ist eins von zahlreichen Minispielen in «Moonlight Peaks».

Die dunkle Seite von «Moonlight Peaks»

Erstaunlich viel Zeit verbringe ich allerdings vor Ladebildschirmen. Sie sind der größte Spielspaßkiller von «Moonlight Peaks». Beim Verlassen des Farmhauses, beim Betreten der Scheune, bei jedem Bildschirmwechsel und in jedem Shop entstehen Ladezeiten von sechs bis zehn Sekunden. Und die nerven gewaltig.

Wenn die Entwickler wenigstens hilfreiche Tipps einblenden würden – tun sie aber nicht. Stattdessen hüpft ein kleines Wesen auf und ab, das Teil einer extrem nervigen Fetch-Quest ist. Bei dieser Mission soll ich 100 dieser Minikreaturen einsammeln und zu ihrem Nest bringen. Der Clou dabei: Sie können weder in der Tasche verstaut noch in Gruppen transportiert werden.

Jedes dieser kleinen Wesen will einzeln nach Hause getragen werden und wehe, ich setze es ab! Dann rennt es schnurstracks zu seinem ursprünglichen Versteck zurück und ich darf wieder von vorne beginnen. Argh.

Ich habe «Moonlight Peaks» auf Nintendo Switch 2 getestet. Es erscheint außerdem am 7. Juli 2026 für Nintendo Switch, PC und im Google Play Store.

Alles, was ich auf der Farm produziere, werfe ich in meine Verkaufskiste. Sie wird auch gern gestreichelt!
Alles, was ich auf der Farm produziere, werfe ich in meine Verkaufskiste. Sie wird auch gern gestreichelt!

Fazit

«Moonlight Peaks» kombiniert gekonnt Cosy Farming mit Fantasy-Flair

Ich kann meinen Farmtieren Hüte aufsetzen! Dafür gibt es auf jeden Fall Pluspunkte. Das sieht gleichzeitig absurd komisch und niedlich aus. Aber auch abseits davon ist «Moonlight Peaks» durchgehend liebevoll gestaltet. Die Figuren lassen trotz ihrer teils vorhersehbaren Charakterzüge einige gesellschaftskritische Themen anklingen. Die Themen reichen von Alkohol- und Drogenkonsum bis hin zu Narzissmus und zwischenmenschlichen Problemen. Alles verpackt in einer stilisierten Chibi-Grafik mit leichtem Gruselfilm-Einschlag.

Wer sich für Farming-Spiele begeistern kann, wird auch mit «Moonlight Peaks» Spaß haben. Das Vampir- und Fantasy-Setting gibt einen netten Twist, der verrückte Pflanzen und schaurige Tiere integriert. Über den Zauberstab schalte ich nach und nach neue Funktionen frei, wodurch der motivierende Gameplay-Loop lange trägt.

Langgezogene Gespräche, viele Story-Sequenzen und die vielen, elenden Ladebildschirme strapazieren meine Geduld. Trotzdem erwische ich mich ständig dabei, wie ich «nur noch schnell» etwas erledigen möchte und eine Stunde später immer noch spiele. Das ist vermutlich das größte Kompliment, das ich einem Farming-Spiel machen kann.

Pro

  • Cozy-Farming-Gameplay Loop funktioniert perfekt
  • erfrischendes Fantasy-Setting
  • Charaktere mit Tiefgang
  • viele kleine Geschichten, die bei Laune halten
  • verrückte Pflanzen und Tiere passend zur Lore

Contra

  • Ladebildschirme zu oft und zu lange
  • langgezogene Gespräche
  • Musik und Geräuschkulisse nicht durchgehend gut
  • Wegeführung teilweise fragwürdig

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Ich hatte als Kind weder einen Gameboy noch einen Super Nintendo. Darum stieg ich erst mit fünfzehn Jahren in die Welt des Gamings ein. Seither versuche ich, den Rückstand mit allen Mitteln gutzumachen. Schaue ich mir die jährlich steigende Zahl der Game-Releases an, scheint sich aber die gesamte Branche gegen mich verschworen zu haben. 


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