Akarat Phasura / Shutterstock
Hinter den Kulissen

Viele Feinde, geshoppt wird trotzdem: Smart-Glasses-Verkäufe vervierfacht

Galaxus und Digitec verkauften dieses Jahr bereits viermal mehr AR-Brillen als im Vorjahreszeitraum. Bestseller unter den Kamerabrillen sind Produkte der Marken Ray-Ban und Xreal. Neun von zehn Geräten gehen an ein bestimmtes Geschlecht.

Augmented Reality (AR), also «erweiterte Realität» per Brille: Schon 2014 brachte Google die Brille «Glass» auf den Markt. Sie setzte sich nicht durch. Doch 2026 könnte den tatsächlichen Beginn des Zeitalters der Cyberbrillen markieren, weil Künstliche Intelligenz die Geräte «smarter» macht. Gehörlose können plötzlich Gespräche live mitlesen und an diesen teilnehmen wie nie zuvor. Blinde lassen sich dank Kamera und Lautsprecher die Umgebung beschreiben, in der sie sich befinden. Die Kehrseite: Einige Smart-Glasses-User filmen andere Menschen, die gar nicht gefilmt werden wollen, und veröffentlichen diese Videos rechtswidrig.

Eine massenhafte Verbreitung könnte bevorstehen: 2026 wurden Smart Glasses weltweit bereits millionenfach verkauft, so die Hersteller. Auch bei Galaxus hat sich der Verkauf dieses Jahr zum Vorjahreszeitraum vervierfacht (+ 307 Prozent). Zwischen Januar und September wurden mehrere Tausend Stück bestellt. Die beliebtesten Marken: Ray-Ban, Xreal und RayNeo vor Viture und Oakley. Smart Glasses sind vor allem ein Männerthema: 87 Prozent der Brillen werden von Männern gekauft.

Was sagen die Kritiker?

Kritik an den Brillen kommt unter anderem aus der Politik. In der Schweiz hat Nationalrat Raphaël Mahaim (Grüne) im September einen Vorstoss für einen neuen gesetzlichen Rahmen eingereicht. Wer mit Smart Glasses Bild, Stimme oder biometrische Daten einer Person aufnimmt, soll dies künftig klar anzeigen müssen. Fehlt eine wahrnehmbare, nicht abschaltbare Anzeige der Aufnahme, soll dies als unrechtmässig gelten. Hersteller müssten zudem bereits vor dem Verkauf belegen, dass ihre Geräte die Privatsphäre schützen. Die Kopplung solcher Brillen mit Echtzeit-Gesichtserkennung soll vorläufig verboten werden – mit Ausnahmen etwa für Sehbehinderte und industrielle Anwendungen.

In Deutschland kommt die Kritik hauptsächlich von Datenschutzbeauftragten und Verbraucherschutz-Vereinen. Die Organisation HateAid sagt: «Die Technologie beschleunigt digitale Gewalt.» Für ein Verbot wäre die Bundesnetzagentur zuständig. Diese sieht aber keine gesetzliche Grundlage dafür. Missbrauch mit Kameras und Mikrofonen ist schliesslich auch mit Smartphones und anderen Geräten möglich. Aufnahmen in sensiblen Bereichen wie Schwimmbädern zum Beispiel sind bereits seit langem verboten.

Wie nun umgehen mit Smart Glasses?

«Jede neue Technologie hat Stärken, Schwächen und offene Fragen. Ein Teil davon lässt sich durch Regulierung und technische Standards adressieren, vieles aber auch durch einen bewussten Umgang im Alltag», heisst es in einem Smart-Glasses-Leitfaden verschiedener Hochschulen, Institute und Verbände (PDF bei unibw.de zum Download). Laut den Guidelines sollen User von Smart Glasses eigenverantwortlich handeln: nicht heimlich aufnehmen, Aufnahmesignale sichtbar lassen, die Brille in sensiblen Situationen absetzen oder ausschalten und die Kontrollfrage stellen «Würde ich das auch mit dem Smartphone tun dürfen?». Betroffene, denen die Brille begegnet, sollen die konkrete Situation statt nur das Gerät beurteilen, ihre Grenzen aktiv ansprechen (z. B. «Ich möchte nicht aufgenommen werden») und bei Rechtsverletzungen die Person ansprechen und notfalls Verantwortliche sowie Plattformen einschalten.

Galaxus-Redaktion und Community intensiv am Testen und Diskutieren

Auch die Galaxus-Redaktion beschäftigt sich intensiv mit Smart Glasses. Redakteur Lorenz Keller schreibt: «Die Spannerbrille bringt mich in ein moralisches Dilemma.» Lorenz hat entschieden, die Brillen nicht in der Öffentlichkeit zu tragen, solange die Diskussionen laufen. Aber von seinen Tests wird er natürlich trotzdem weiterhin berichten.

Die Galaxus-User kommentieren unter anderem «Ich finde es ehrlich gesagt befremdlich, dass solche Kameras verteufelt werden. Kameras gibt es überall […]» (expatriate), «[…] Sorry an die Boomer, aber diese Teile werden wir nicht mehr los […]» (PneuRugeler), «Das grösste Problem an diesen ****-Teilen ist: Dass ich mich als Normal-Brillenträger in Zukunft immer wieder erklären resp. beweisen muss, dass sie keine Kameras hat…» (Justa Penguin) oder «Das Problem ist nicht die Kamera, sondern es sind die Menschen, die sich an nichts halten […] » (Anonymous Schildkrotus).

Tatsächliche Verbote von Smart Glasses sind aktuell weder in Deutschland noch in der Schweiz in Sicht. Doch die Diskussionen um den Umgang mit den Produkten sind sicherlich noch nicht am Ende.

Titelbild: Akarat Phasura / Shutterstock

Dieser Artikel gefällt noch niemandem.


User Avatar
User Avatar
Daniel Borchers
Senior Communications Manager
Daniel.Borchers@galaxus.de

Faible für gute Serien, laute Musik, Science Fiction und (Zweitliga-)Fußball. Als PR Manager stehe ich Journalistinnen und Journalisten für alle Fragen zu Galaxus und ehrlichem E-Commerce zur Verfügung.


Hinter den Kulissen

Neuigkeiten zu Features im Shop, Infos aus dem Marketing oder der Logistik und vieles mehr.

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

1 Kommentar

Avatar
later