Selbst gebastelt: Makro-Objektiv fürs Smartphone

David Lee
Zürich, am 03.11.2020
Schnitt: Armin Tobler
Aus der Fokussierlinse eines alten optischen Laufwerks lässt sich ein Makro-Objektiv fürs Smartphone basteln. Das Einzige, was man dabei falsch machen kann, habe ich falsch gemacht.

In einem optischen Laufwerk befindet sich eine Fokussierlinse für den Laserstrahl. So ein kleines rundes Ding, durchsichtig, etwas grösser als ein Smartphone-Objektiv. Hast du wahrscheinlich auch schon gesehen.

Diese Linse lässt sich an einem Smartphone als Makro-Objektiv verwenden. So steht es im Internet geschrieben. Es hört sich recht einfach an: Alle Schrauben lösen, bis du an die Linse herankommst, und diese dann irgendwie am Smartphone befestigen. Fertig.

Ich probiere das selbst aus. Einerseits, weil ich die Idee faszinierend finde, andererseits, um zu prüfen, ob das alles wirklich so einfach ist.

Laufwerk auftreiben

Zuerst brauche ich ein Laufwerk, das ich zerstören darf. Dieser Teil ist einfach: Kollege Martin Jud schenkt mir ein altes CD-Laufwerk, das er nicht mehr braucht. Ursprünglich hat er es für einen seiner Retro-PCs gekauft, doch das Fossil war ihm viel zu laut.

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Linse ausbauen

Nun geht es ans Zerlegen. Mit den ersten vier Schrauben ist der Metalldeckel des Laufwerks entfernt. Doch der Rest des Gehäuses lässt sich nicht so einfach entfernen.

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Weil ich da nicht weiterkomme, entferne ich schon mal die beiden Platinen. Danach stehe ich wieder am Berg.

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Schliesslich biege ich die klemmenden Teile des Metallgehäuses einfach mit dem Schraubenzieher raus. Rohe Gewalt. Das hilft, die Metallverkleidung ist weg und ich komme endlich an die Unterseite ran. Die Linse liegt nun offen da. Jetzt muss ich sie nur noch vom Rest trennen.

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Das läuft glatt. Nun habe ich eine Makrolinse für das Smartphone. Hoffentlich.

Makrolinse befestigen

Der Typ im verlinkten Interview hat die Linse in eine Haarspange geklemmt und diese mit einem Klebstreifen am Smartphone befestigt. Da ich weder eine Haarspange noch sonst einen passenden Gegenstand finde, klebe ich die Linse direkt vors Objektiv. Bevor ich hier irgendwelche komplizierten Konstruktionen anfertige, will ich zuerst mal wissen, ob das Prinzip überhaupt funktioniert.

Erste (und auch letzte) Bilder

Anfangs gelingt mir gar nichts. Ich denke, dass das so nicht funktioniert. Nach einer Weile merke ich: Makroaufnahmen sind möglich, aber nur aus allernächster Nähe. Ich muss die Linse so nahe ans Motiv halten, dass sie es fast berührt. Das ist schwierig. Nur etwas daneben, und das Bild ist unscharf.

Das ist die Spitze eines Schraubenziehers. Im Video siehst du, wie stark sich der Fokus bei kleinsten Bewegungen ändert.

Selbst wenn es klappt, ist die Tiefenschärfe so gering, dass kaum etwas zu erkennen ist. Flache Gegenstände senkrecht von oben aufgenommen, funktionieren am besten.

Zum Beispiel, wenn ich mit der Linse fast meinen PC-Bildschirm berühre. Du siehst die einzelnen RGB-Subpixel.

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Eine Münze, Jahrgang 2008.

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Die Kante meines Daumennagels.

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Ich bin etwas enttäuscht. Meine Bilder sind nicht annähernd so gut wie die Beispiele, die ich von anderen gesehen habe. Eine bessere Befestigung für die Linse als der Klebstreifen scheint mir die Mühe nicht wert.

Wahrscheinlich das falsche Gerät zerlegt

Vergleiche ich meine eigenen Erfahrungen mit denen von anderen, stelle ich mehrere Ungereimtheiten fest. Ja, der Abstand ist normalerweise kurz, aber so kurz wie bei mir sollte er nicht sein. Schon mit wenigen Millimetern mehr zwischen Linse und Motiv wäre es deutlich einfacher, ein gutes Bild zu machen. Zudem sollten anscheindend mehrere Linsen in so einem Laufwerk drin sein. Im Laufwerk, das ich zerlegt habe, gab es nur eine Linse. Irgendetwas kann hier nicht stimmen.

Der kostenlose Spiegel-Bericht über einen kostenpflichtigen heise-Bericht bestätigt meinen Verdacht: In allen getesteten Fällen befinden sich nur in DVD-Laufwerken «makrotaugliche Kollimatorlinsen», nicht in reinen CD-Laufwerken. Mist.

Inzwischen hätte ich zwar eine passende Haarspange, aber die kleine durchsichtige Linse ist spurlos verschwunden. Ein Grund mehr, es nochmals richtig zu machen. Ich brauche ein neues altes Laufwerk. Dieses Mal DVD statt CD. Hast du eines für mich?

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David Lee
David Lee

Senior Editor, Zürich

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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