Schneefotos: So kriegst du Farbe und Helligkeit in den Griff

Schneefotos: So kriegst du Farbe und Helligkeit in den Griff

David Lee
Zürich, am 15.01.2021
Immer wenn viel Schnee fällt, zücken wir die Kamera. Aber nicht immer kommt was Brauchbares dabei heraus. Hier ein paar simple Tipps.

Winterfotos gelingen bei schönem Wetter besser. Blauer Himmel, glitzernder Pulverschnee – wer mag das nicht? Doch du kannst dir das Wetter nicht aussuchen. Zudem haben auch Schlechtwetterbilder ihren Reiz.

Gerade bei nicht so tollem Wetter haut die automatische Belichtungsmessung der Kamera öfter mal daneben. Meist gerät das Bild zu dunkel, da die Kamera versucht, den Schnee in die Mitte des Helligkeitsspektrums einzuordnen. Nach meinen Erfahrungen passiert das vor allem, wenn nicht genügend dunkle Stellen im Bild vorhanden sind. Etwa tagsüber bei Schneefall.

Das hat die automatische Belichtung angerichtet.
Das hat die automatische Belichtung angerichtet.

Lass dir bei jedem Foto das Histogramm einblenden, damit du schnell beurteilen kannst, ob das Bild richtig belichtet ist. Die Helligkeit passt du mit der automatischen Belichtungskorrektur an. Alternativ kannst du den manuellen Modus verwenden, wo du sowohl Blende als auch Verschlusszeit selbst festlegst. Im M-Modus ist besonders wichtig, dass du das Histogramm nach jeder Aufnahme prüfst. So sieht das Histogramm des zu dunkel belichteten Fotos aus.

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Und so sieht ein Histogramm aus, bei dem der Schnee hell ist. Ich gehe nicht ganz in den weissen Bereich am rechten Rand, es bleibt noch ein wenig Sicherheitsreserve, aber die Helligkeitswerte liegen im grossen Ganzen deutlich höher.

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Falls du mit den Möglichkeiten der RAW-Bildbearbeitung vertraut bist, nutze das RAW-Format zum Fotografieren. Damit lassen sich Fehlbelichtungen im Nachhinein viel besser korrigieren.

Das obige Foto, bearbeitet
Das obige Foto, bearbeitet

Doch auch bei RAW wird die Qualität besser, wenn das Foto schon bei der Aufnahme richtig belichtet worden ist. So wie bei diesem Beispiel.

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Das erste Bild ist nicht nur zu dunkel, sondern hat auch einen lila Farbstich. Das liegt am Weissabgleich: Den trifft die Kamera im Schnee auch selten richtig. Auch der Weissabgleich lässt sich viel besser in RAW korrigieren.

*Weissabgleich:** Der Fiebermesser für deine Fotos
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Falls RAW nicht in Frage kommt – etwa mit dem Smartphone oder bei Videos – empfehle ich dir, mache Testaufnahmen, bis der Weissabgleich stimmt. Sinnvolle Ausgangspunkte sind die Einstellungen «Bewölkt» bei trübem Wetter am Tag, «Sonne» bei schönem Wetter und «Kunstlicht» bei Nacht.

Bei Nacht ist Schneefall reizvoll. Schneeflocken sind im Schein von Strassenlampen besonders gut sichtbar, während sie tagsüber höchstens vor dunklem Hintergrund zu sehen sind. Der einzige Nachteil ist, dass es dir auf die Kamera schneit. Das vermeidest du mit einer Sonnenblende am Objektiv. Oder indem du die Kamera bei kurzem Nichtgebrauch nach unten hältst und bei längeren Pausen in der Tasche verstaust.

Besonders effektvoll ist Nachtschnee bei Gegenlicht. Die Lichtquelle darf ruhig verdeckt oder ausserhalb des Bildes sein. Sie wäre sowieso überbelichtet.

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Das wäre übrigens die Farbgebung gewesen, wenn ich den Weissabgleich nicht von Hand korrigiert hätte.

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Experimentieren in der Nachbearbeitung

In Lightroom respektive im Camera-Raw-Filter von Photoshop bestimmst du mit den Reglern «Struktur», «Klarheit» und «Dunst entfernen» den Stil deines Fotos. Experimentiere mit den Intensitäten. Die Struktur erhöhe ich fast immer – das betont die feinen Konturen und macht das Bild knackiger. Beim Regler Klarheit kann es in ganz verschiedene Richtungen gehen.

Klarheit im Plus, Dunst entfernen ebenfalls:

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Klarheit im Minus, Dunst entfernen auf null:

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Das Wichtigste bei all dem Fachgesimpel ist trotzdem, dass du bei der Gelegenheit raus gehst und Fotos machst. Mach ich jetzt auch.

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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