
Hintergrund
Sony zeigt RGB-LED: Die Zukunft des TVs fühlt sich plötzlich greifbar an
von Luca Fontana

Wenn Samsung einen neuen Fernseher zeigt, geht es selten um Bescheidenheit. Der neue 130-Zoll-Micro-RGB-TV ist technisch faszinierend, visuell extrem – und ungefähr so wohnzimmertauglich wie ein privates IMAX.
Wenn Samsung einen neuen Fernseher ankündigt, fragt man sich mittlerweile weniger, ob er gross ist, sondern wie gross. Die Antwort lautet diesmal: 130 Zoll. An der CES 2026 zeigt Samsung mit dem Micro-RGB-TV R95H ein Gerät, das eher nach architektonischem Statement klingt als nach Unterhaltungselektronik.
Schon rein optisch macht der Fernseher klar, dass er nicht fürs klassische Wohnzimmer gedacht ist. Der schmale «Timeless Frame» lässt das Display wie ein schwebendes Fenster wirken (das sage nicht ich, sondern Samsung in seiner eigenen Pressemitteilung), integriert Lautsprecher unauffällig in den Rahmen und folgt Samsungs alter Idee von «Technologie als Kunst».

Das funktioniert erstaunlich gut, vor allem, weil bei dieser Grösse jede falsche Designentscheidung sofort brutal auffallen würde. Und falls du dich das fragst: Nein, der Timeless Frame ist keine Weiterentwicklung des Frames oder Frame Pros.
Technisch setzt Samsung auf Micro RGB. Heisst: rote, grüne und blaue LEDs erzeugen das Licht direkt im Backlight. Es gibt kein weisses Licht mehr, das später durch Filter eingefärbt wird. Farben entstehen an der Quelle. Das spart Lichtverluste, erlaubt eine feinere Steuerung und öffnet die Tür zu deutlich grösseren Farbräumen. Samsung verspricht eine vollständige Abdeckung von BT.2020 – ein Wert, den selbst moderne OLEDs mit Quantum-Dot-Schicht nur knapp erreichen.
Damit das nicht im Chaos endet, braucht es enorme Rechenleistung. Tausende winzige RGB-Dioden müssen synchron angesteuert, gedimmt und farblich kontrolliert werden. Samsung kombiniert das mit einer neuen AI-Bildpipeline und einer entspiegelten Oberfläche, die bei 130 Zoll kein Nice-to-have, sondern Pflicht ist. Spiegelungen wären hier der sichere Tod jeder Bildwirkung.
So weit, so nice. Auch wenn ich mir hier noch mehr Transparenz wünschen würde. Denn matchentscheidend ist am Ende nicht die Menge der RGB-Dioden – die zweifellos sehr hoch sein wird –, sondern wie viele Dimmingzonen der Prozessor tatsächlich einzeln kontrolliert. Dass das grundsätzlich gut funktionieren kann, zeigte mir zumindest eine sehr überzeugende Micro-RGB-Demo an der letzten IFA in Berlin.
Und doch bleibt ein entscheidender Haken: Dieser Fernseher ist kein Versprechen für den Markt, sondern ein Beweisstück. 130 Zoll sind zwar beeindruckend, aber sie sagen wenig darüber aus, wie nah Micro RGB an der Alltagstauglichkeit ist. Neue Display-Technologien lassen sich fast immer zuerst aufblasen, bevor sie sich sinnvoll verkleinern lassen. Genau da liegt der Knackpunkt. Samsung schweigt bisher dazu, wann Micro RGB in 65 oder 77 Zoll zu Preisen erscheinen könnte, die keinen Hausbau mit einbeziehen.
Auch der Preis des R95H bleibt offiziell geheim. Realistisch dürfte er klar im sechsstelligen (!) Bereich liegen. Wer diesen Fernseher kauft, plant also nicht um Möbel herum, sondern um den Timeless Frame selbst. Trotzdem ist dieses Monster wichtig: völlig übertrieben, ja – aber verdammt faszinierend.
Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
Alle anzeigen