
News & Trends
Die wichtigsten Game-Trailer und -Ankündigungen der Woche
von Domagoj Belancic

Während sich Nintendo noch im juristischen Clinch mit den «Palworld»-Entwicklern befindet, setzt das mysteriöse Studio Pocketgame mit dem Titel «Pickmon» in Sachen Dreistigkeit noch einen drauf. Der Trailer wirkt wie ein Best-of geklauter Spielideen.
Bei Nintendo fragen sich gerade wohl einige Anwälte, ob sie lachen, sich die Augen reiben oder rot anlaufen sollen. Eigentlich sind sie noch mit der gerichtlichen Filetierung von Pocketpair beschäftigt, dem Studio hinter «Palworld», das sich wegen seiner Ähnlichkeit zu «Pokémon»- und Zelda-Spielen verteidigen muss. Dazu weiter unten mehr. Jetzt ist der Ankündigungstrailer zu «Pickmon» erschienen, einem neuen Open-World-Survival-Crafting-Game für bis zu 32 Spielerinnen und Spieler im Koop-Modus.
Mit «Pickmon» betritt ein neuer Protagonist das Parkett der Urheberrechtsstreitigkeiten und dürfte ob seiner atemberaubenden Dreistigkeit für Schnappatmung bei den Streithähnen sorgen. Das Game steht «Palworld» beim Inspirations-Klau in nichts nach und übernimmt zudem genüsslich wesentliche Spielmechaniken von «Palworld» ins eigene Gameplay.
Der Trailer zu «Pickmon» ist schon in den ersten zwei Sekunden eine Kampfansage an Nintendos «The Legend of Zelda: Breath of the Wild» und die «Pokémon»-Spielreihe. Ein Spielcharakter, der wie Links Zwillingsbruder aussieht, läuft zu Pianoklängen über ein grasbewachsenes Plateau auf eine Klippe zu, während sich vor ihm eine riesige Fantasy-World auftut.
Diese Szene kennen Zelda-Fans aus den ersten Spielminuten von «Breath of the Wild». Sie prominent als Eröffnungssequenz in dem Trailer zu «Pickmon» zu verwenden, ist so dreist, dass sie als Provokation in Richtung Nintendo aufgefasst werden muss.

Neben dem «Pickmon»-Charakter hüpft ein kleines Tierchen, das dem bekanntesten Pokémon Pikachu auffällig ähnlich sieht. Danach öffnet Klon-Link seinen Gleiter und segelt neben einem großen, schlangenartigen Drachen hinaus in die Welt, was ebenfalls stark an «Breath of the Wild» und das Drachen-Pokémon Rayquaza erinnert.
Weitere Szenen zeigen noch mehr sogenannte Pickmons (im Englischen Pals genannt), die dich wie in «Palworld» und «Pokémon» auf deinen Abenteuern begleiten. Sie ähneln auffallend den Original-Pokémon, wie etwa Kapilz und Azugladis, und werden im Trailer bei der Arbeit in der Spielerbasis gezeigt. Der Aufbau einer Basis und die Beschäftigung von Pickmon als Handwerker und Gärtner ist ein wesentliches Gameplay-Element von «Palworld» und eines der wenigen großen Merkmale, durch die es sich von «Pokémon» unterscheidet.

Die Macher von «Pickmon» konnten sich offenbar auch nicht verkneifen, der ganzen Klauerei noch eine Krone aufzusetzen: Der Name des Entwicklerstudios lautet Pocketgame. Die Parallele zu Pocketpair ist kaum zu übersehen.
Das japanische Studio Pocketpair hat mit seinem Anfang 2024 erschienenen «Palworld» beim Aussehen der Pals und einigen Spielmechaniken so kräftig bei «Pokémon» abgekupfert, dass Nintendos Anwälte es einige Monate später wegen Patentrechtsverletzungen vor Gericht zerrten. Mit Erfolg: Pocketpair musste einige Gameplayelemente anpassen, weil sie zu sehr der Vorlage ähnelten.
Im vergangenen Mai gab Pocketpair an, sich noch in «langwierigen rechtlichen Verfahren» mit Nintendo zu befinden, sieht aber nicht ein, eine Urheberrechtsverletzung begangen zu haben. Im Gegenteil: «Pokémon» scheint dem Studio weiterhin als Inspiration zu dienen. Erst im Januar 2026 kündigte das Studio an, wie «Pokémon» ein Sammelkartenspiel zu «Palworld» herauszubringen. Ein Cozy-Spinoff im Stil von «Pokémon Pokopia» und «Animal Crossing» soll ebenfalls folgen: «Palfarm».
«Pickmon» geht nun noch einen Schritt weiter. Die offenbar unkreativen Designer kupferten nicht nur bei Nintendo und «Palworld» ab, sondern pinkeln auch noch Blizzard und diversen Fan-Art-Künstlern ans Bein. So taucht im Trailer ein Pickmon auf, das stark an den Roadhog aus Blizzards «Overwatch» erinnert. Einige Urheberinnen und Urheber von Pokémon-Fan-Art beklagen sich, dass ihre Kreationen fast eins zu eins im Trailer zu sehen sind.

Auf Steam ist «Pickmon» bereits gelistet. Ein Erscheinungsdatum ist nicht angegeben. Doch der Trailer wirkt insgesamt sehr generisch: Auf Reddit vermuten einige User, dass es sich um ein KI-generiertes Video und kein echtes Spiel handelt. Am Ende des zweiminütigen Trailers ist angegeben, dass ein zukünftiger Release auf Nintendo Switch geplant sei. Ob Nintendo das so unterschreiben würde, darf auf jeden Fall angezweifelt werden.
Aktuell existiert «Pickmon» nur auf YouTube, Steam und in der Kontroverse, die es durch den Trailer angestoßen hat. Im Internet lässt sich nichts über das Studio Pocketgame oder den auf Steam angegebenen Publisher Networkgo herausfinden. Eine eigene Website scheint «Pickmon» ebenfalls nicht zu haben. Es bleibt also abzuwarten, ob es «Pickmon» wirklich geben wird.
Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
Alle anzeigen