Screenshot Android TV mit Projectivy Launcher und Plezy
Ratgeber

Open-Source-Tipp: Plezy ist der bessere Plex-Client, der auch Emby und Jellyfin kann

Martin Jud
16.10.2026
Bilder: Martin Jud

Auf meinen Android-TV-Boxen stockt der offizielle Plex-Client beim Abspielen von Filmen mit hohen Bitraten. Plezy ist ein Open-Source-Client für Plex, Jellyfin und Emby, der standardmässig auf den mpv-Player setzt. Seit ich ihn nutze, laufen selbst 4K-Remux-Dateien ruckelfrei.

Direct Play ist aktiv, das Netzwerk liefert Gigabit, und trotzdem stockt es. Sobald der Plex-Client auf meinen beiden Android-TV-Boxen Szenen mit langanhaltend hoher Bitrate abspielen soll, ruckelt es – etwa bei der verlustfrei gerippten UHD-Blu-ray von «Doctor Strange in the Multiverse of Madness» in den ersten Minuten. Ich nutze eine Nvidia Shield TV Pro und eine Dune HD Homatics Box 4K Plus. Auf beiden tritt dasselbe Problem auf.

Die Oberfläche von Plezy erinnert mich daran, wie Plex früher einmal war.
Die Oberfläche von Plezy erinnert mich daran, wie Plex früher einmal war.

Mit dem Medienserver-Client Plezy gehören die Probleme der Vergangenheit an. Alles läuft butterweich. Die Open-Source-Software unterstützt die Medienserver Plex, Jellyfin sowie Emby und läuft auf allen gängigen Plattformen wie Android TV und tvOS (Apple TV).

Aus Frust über Plex entsteht ein eigener Open-Source-Client

Aktuell haben viele Plex-User die Nase voll vom offiziellen Client. In Foren und auf Social Media häufen sich seit Monaten die Berichte von Rucklern bei Filmen mit hoher Bitrate, obwohl Direct Play aktiv ist und ihre Netzwerke genügend Bandbreite liefern. Ebenso kommt das neue Design bei vielen nicht gut an: Nutzer klagen über eine langsamere Bedienung, versteckte Einstellungen und teilweise zu viele Klicks bei der Navigation.

Auch der Entwickler von Plezy hatte irgendwann genug, allerdings schon etwas früher. Edvard Wikhall nutzte Plex seit Jahren, bevor er sich seinen eigenen Client programmierte. Die erste Version erschien Ende Oktober 2025. Seither entwickelt Wikhall die App im Alleingang stetig weiter, unterstützt von einer wachsenden Community, die Inputs, Übersetzungen und Feedback beisteuert.

Was Plezy kann

Plezy ist mehr als ein reiner Medienplayer. Du kannst damit auch die Medienverwaltung für Plex, Jellyfin und Emby übernehmen. Betreibst du mehrere Server parallel oder möchtest später wechseln, kannst du den Client weiterverwenden. Die App spielt nicht nur das ab, was die Hardware direkt dekodieren kann. Dank FFmpeg beherrscht sie auch anspruchsvolle Codecs wie HEVC, AV1 und VP9 rein softwaremässig, dazu HDR10+ und Dolby Vision. Voraussetzung ist eine CPU mit genügend Leistung, weshalb etwa AV1 trotzdem nicht auf der Nvidia Shield TV Pro von 2019 funktionieren kann.

Plezy unterstützt ASS- und SSA-Untertitel samt Formatierungen und bietet eine Online-Untertitelsuche. Auf Wunsch reicht Plezy DTS, Dolby Digital und TrueHD per Passthrough an den Receiver durch. Für unterwegs kannst du Filme und ganze Staffeln herunterladen. Auf Wunsch lädt Plezy neue Folgen einer Serie automatisch herunter. Wer mit Freunden schauen will, startet eine Watch-Together-Sitzung – eine Funktion, die bei der offiziellen Plex-App eingestellt oder mutmasslich gar wegrationalisiert wurde. Intro und Credits lassen sich überspringen, wahlweise per Schaltfläche oder automatisch.

Für Musik gibt es unterbrechungslose Wiedergabe (Gapless Playback), synchronisierte Songtexte und einen Sleep-Timer. Der Live-TV-Bereich bietet einen Programmführer mit Favoriten und Aufnahmefunktion. Deinen Sehfortschritt kannst du mit Diensten wie Trakt, MyAnimeList, AniList und Simkl synchronisieren.

Trotz des grossen Funktionsumfangs vermisse ich eine Funktion. Wähle ich bei der Filmbesetzung einen Schauspieler, zeigt mir Plezy alle Filme mit ihm aus meiner Bibliothek. Eine separate Ansicht seiner gesamten Filmografie fehlt jedoch.

Was sich anpassen lässt

Die Oberfläche von Plezy wirkt modern und aufgeräumt. Bei Bedienung und Gestaltung gefällt mir manches sogar besser als beim offiziellen Plex-Client. Die App reagiert schnell, die Bibliothek scrollt flüssig, und Filme starten verzögerungsfrei.

Wer will, kann die Oberfläche an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Es gibt einen OLED-Modus, die Mediathek lässt sich als Raster oder Liste mit einstellbarer Dichte anzeigen, und Spoiler für ungesehene Episoden sind ausblendbar. In den Einstellungen kann ich ausserdem festlegen, ob Plezy mit der Startseite, der Mediathek oder der Suche öffnet. Auf TV-Geräten lässt sich der TV-Modus auch manuell erzwingen, falls die automatische Erkennung versagt. Falls du für dein Wiedergabegerät keine Fernbedienung hast, steuerst du Plezy auch mit dem Smartphone.

Auch bei der Wiedergabe kannst du zahlreiche Einstellungen vornehmen. Ein Sync-Slider verschiebt Untertitel um bis zu 60 Sekunden. Plezy kann die Auflösung des Inhalts an den Fernseher weitergeben, damit dieser das Hochskalieren übernimmt. Dolby Vision und HDR lassen sich konvertieren, falls das Display die Formate nicht unterstützt. Und wer bei einer Serie immer die gleiche Tonspur will, kann die Spurauswahl pro Titel speichern. Die Option «Kleinere Videos in Originalqualität abspielen» sorgt dafür, dass Videos im Qualitätslimit per Direct Play laufen, statt transkodiert zu werden. Wer will, kann statt der eingebauten Player auch einen externen Videoplayer wie VLC oder MX Player einbinden.

Warum es bei mir mit Plezy keine Ruckler gibt

Der offizielle Plex-Client nutzt unter Android TV den ExoPlayer. Wie bereits eingangs erwähnt, ruckelt er beim Abspielen der ersten Minuten des verlustfreien Rips der UHD-Blu-ray von «Doctor Strange in the Multiverse of Madness». Ich vermute, dass der Player mit einem zu schwachen Puffer konfiguriert ist. Denn auch bei Plezy kann ich den ExoPlayer in den Optionen wählen. Allerdings gibt es dort eine Zusatzoption, die den Puffer in drei Stufen einstellt – «Auto», «Large» und «Extra Large». Wähle ich «Extra Large», laufen alle meine 4K-Remuxes flüssig.

Beim Standard-Player von Plezy muss ich keine Puffereinstellung ändern. Der auf FFmpeg basierende mpv-Player spielt von Haus aus alles reibungslos ab. mpv ist ein Open-Source-Player, der effizienter mit dem Cache umgeht und ursprünglich für den Desktop entwickelt wurde.

Dank Plezy, FFmpeg und mpv hat sich für mich das Warten auf einen Fix des offiziellen Plex-Clients erledigt. Mit Plezy funktioniert es einfach. Dass die App erst ein Jahr alt ist und von einer Person entwickelt wird, merke ich ihr nicht an. Genauso wenig, wie ich der offiziellen Plex-App anmerke, dass seit vielen Jahren ein ganzes Team dahintersteht.

Open Source, aber nicht überall gratis

Plezy läuft unter der GPL-3.0-Lizenz quelloffen und ist in über 20 Sprachen lokalisiert. Es gibt die App für folgende Betriebssysteme: Fire OS, iOS, iPadOS, macOS, tvOS, Android, Android Automotive, Android TV, ChromeOS, Windows und Linux.

Der Quellcode der App liegt auf GitHub. Das heisst: Jeder kann ihn oder die App kostenlos herunterladen, selbst kompilieren oder verändern. Eine Ausnahme besteht lediglich bei den Apps für iOS, iPadOS und tvOS. Da Apple das Sideloading von Apps bei entsprechenden Geräten nicht erlaubt, gibt es keine Gratismöglichkeit.

Zum Glück für Apple-User und alle, die auf automatische Updates stehen, kann Plezy auch für einen einstelligen Betrag in den Stores von Amazon, Apple und Google erstanden werden. Mit dem Kauf unterstützt du die Weiterentwicklung. Alternativ kannst du für das Projekt spenden.

Titelbild: Screenshot Android TV mit Projectivy Launcher und Plezy

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Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.


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