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Ratgeber

Sound auf deinem Mac: So holst du das ganze Potenzial raus

MacOS gibt dir wenig Sound-Freiheiten für angeschlossene Geräte. Aber ohne Finetuning klingen selbst die besten Speaker, Kopfhörer oder Mikrofone schnell zu leise, zu dumpf oder zu spitz. So änderst du das.

Meine Macs sind meine Schaltzentrale für alles: Arbeiten, Videocalls, Podcasts, Musikhören, aber auch zum Videoschauen oder fürs Gaming. Mein Hardware-Setup ist entsprechend gut ausgerüstet – samt DAC. Allerdings bietet macOS von Haus aus nur ein ziemlich schlichtes Audiosystem. Ich kann die Quelle für Audioeingabe und -ausgabe festlegen und die Lautstärke regeln. Das war’s.

Ich will aber mehr: Lautstärke individualisieren, einen systemweiten Equalizer, flexibles Routing und am liebsten noch Audio-Presets, die ich auf Knopfdruck wechseln kann. Genau hier setzt dieses Tutorial an. Natürlich kannst du theoretisch für jedes Gerät einzelne Apps herunterladen. Fürs Mikrofon, für die Kopfhörer etc. Aber ich mag’s etwas zentralistischer.

Die Idee ist, das ganze Audio-Environment auf Softwareebene zu zerlegen und jede Ebene einzeln zu kontrollieren. Ich will ein System, das sich meinem Alltag anpasst: konzentriertes Arbeiten, klare Calls, individueller Sound und Filmerlebnis – alles mit wenigen Handgriffen. Dafür brauchen wir ein paar kleine Helferlein, die nicht alle so bekannt sind.

Homebrew: die Basis für mein Software-Setup

Homebrew ist ein Paketmanager und die Grundlage meines gesamten Setups. Statt einzelne Programme im Netz oder im App Store zu suchen, herunterzuladen, zu installieren und zu aktualisieren, verwalte ich sie mit Homebrew zentral über das Terminal. So kann ich jederzeit mit einem einzigen Befehl alle Komponenten aktualisieren. Das muss allerdings nicht sein – du kannst die Tools auch ganz klassisch herunterladen und installieren.

Viele schrecken wegen der Terminalinstallation vor  Homebrew zurück. Es ist aber ganz einfach.
Viele schrecken wegen der Terminalinstallation vor Homebrew zurück. Es ist aber ganz einfach.

So installiere ich Homebrew:

  • Ich rufe das Terminal auf und gebe folgenden Befehl ein:
/bin/bash -c "$(curl -fssL https://raw.githubusercontent.com/Homebrew/install/HEAD/install.sh)" 

Dieser Befehl lädt das offizielle Installationsskript von Homebrew von Github herunter und führt es direkt aus.

  • Danach gebe ich diesen Code ein und führe ihn aus:
echo 'eval "$(/opt/homebrew/bin/brew shellenv)"' >> ~/.zprofile eval "$(/opt/homebrew/bin/brew shellenv)" 

Er speichert die Homebrew-Einstellungen und lädt das Tool jedes Mal, wenn ich das Terminal starte.

Hinweis: Da Homebrew auf mein System zugreift, werde ich nach meinem Systempasswort gefragt. Dieses tippe ich im Terminal ein. Was daran irritiert: Im Terminal wird nichts angezeigt. Weder Buchstaben noch die Kreise, die sonst erscheinen, wenn ich mein Passwort eingebe. Einfach das Passwort eingeben und Enter drücken.

Background Music: Jede App separat steuern

Background Music ist der erste Baustein für mein Audiosetup. Es löst ein für mich fundamentales Problem von macOS: Alle Apps teilen sich dieselbe Lautstärke. Das stört mich im Alltag: Calls sind zu leise, Musik zu laut, Benachrichtigungen nerven. Mit Background Music kann ich jede Anwendung individuell regeln und Prioritäten setzen. Dadurch wird mein gesamtes Audio-Handling deutlich angenehmer.

Für die Installation gebe ich folgende Zeile in das Terminal ein:

brew install --cask background-music

Anschliessend erscheint in der Menüleiste ein kleines rundes Icon, welches wie eine Blüte aussieht. Unter «Preferences» kann ich es durch das klassische Lautsprecher-Icon ersetzen – und auch die Standard-Musik-App wählen. Ich nehme den VLC-Player. Danach kann ich jede App so laut oder leise einstellen, wie ich will. Auch kann ich wählen, ob der linke oder der rechte Hörer oder Speaker lauter sein soll – oder beide gleich laut.

Die Oberfläche ist schön aufgeräumt und übersichtlich.
Die Oberfläche ist schön aufgeräumt und übersichtlich.

eqMac – mein Equalizer

eqMac ist der zentrale Baustein für Klangqualität, weil macOS selbst keinen systemweiten Equalizer bietet. Mit eqMac kann ich mein gesamtes Audiosignal fein abstimmen – unabhängig davon, welche App läuft. Wichtig ist dabei, dass ich den Equalizer als Feinschliff nutze und nicht als Reparaturwerkzeug. Kleine, gezielte Anpassungen führen meist zu einem deutlich besseren Ergebnis als extreme Einstellungen. Installiert wird die App wiederum über das Terminal:

brew install --cask eqmac

Nach dem Start brauche ich noch einen speziellen Audiotreiber – die Meldung kommt automatisch nach der eqMac-Installation und ich muss nur auf «installieren» klicken. Anschliessend wähle ich mein Ausgabegerät aus und aktiviere den 10-Band-Equalizer. Ich lege mir mehrere Presets für unterschiedliche Nutzungsszenarien an. Gewisse Features stehen mir nur zur Verfügung, wenn ich die Premiumversion kaufe (30 Franken für ein Jahr, 40 Franken für eine Lifetimelizenz). Aber die Basisfunktion des Equalizers gibt es kostenlos.

So sieht danach mein Equalizer aus.
So sieht danach mein Equalizer aus.

Ich klicke auf das kleine Plus-Icon, nenne das Preset «Musik» und drücke auf Speichern. So stelle ich den Equalizer für Musik mit meinen Kopfhörern ein: Neben dem Equalizer gibt es dieses kleine Bleistift-Icon. Dort kann ich diese Werte auch manuell eingeben, wenn mir das Hantieren mit den kleinen Reglern zu mühsam ist. Auf der anderen Seite hat’s ein Kopfhörer-Icon. Dahinter finde ich bereits viele vorbereitete, Hersteller- und modellbezogene Equalizer-Presets..

Verschiedene Kopfhörer wurden vermessen und das Resultat als Preset gespeichert – cool.
Verschiedene Kopfhörer wurden vermessen und das Resultat als Preset gespeichert – cool.

Raycast – macht gute Features praktisch im Alltag

Raycast hat eine Vielzahl praktischer Features.
Raycast hat eine Vielzahl praktischer Features.

Raycast ist die Steuerzentrale meines gesamten Systems. Während die anderen Tools das Audio verbessern, sorgt Raycast dafür, dass ich diese Funktionen schnell und effizient nutzen kann. Mit Shortcuts und Scripts kann ich komplette Audio-Profile mit einem einzigen Tastendruck aktivieren. Sehr praktisch. Raycast kann noch viel mehr, aber das ist heute nicht das Thema.

Ich installiere Raycast ebenfalls über Homebrew:

brew install --cask raycast

Nach der Installation erstelle ich mir einen Ordner, in dem Raycast die Scripts ablegt, die ich erstelle. Dies mache ich über das Terminal:

mkdir -p ~/raycast-einstellungen (oder ein ähnlicher Name)

Anschliessend führt mich Raycast durch das Setup, in welchem ich die Berechtigungen erteile. Raycast erhält so Zugriff auf andere Apps und Prozesse und kann erst dadurch seinen Job machen. Danach erstelle ich mir meine Audioskripts. Ich habe vorher im Equalizer mehrere Presets erstellt –fürs Musikhören, fürs Arbeiten, für Filme etc. Damit ich diese nicht mühselig im Equalizer selbst starten muss, erkläre ich dem Skript, dass es mit einer Tastenkombination das entsprechende Preset aktivieren soll.

Dieser Ordner wird nach dem Befehl oben hier erscheinen.
Dieser Ordner wird nach dem Befehl oben hier erscheinen.

Also zum Beispiel: Ich will jetzt Musik hören. Ich drücke Option+O, wird das Preset gleich geladen. Das geht so: Ich baue ein Preset in eqMac und speichere dieses unter einem eindeutigen Namen. Wichtig: Ich notiere mir die genaue Schreibweise. Danach erstelle ich im Terminal eine Datei im Terminal für mein Musik-Preset:

nano ~/raycast-scripts/eqMac-Musik.sh (den letzten Teil vor .sh musst du genauso nennen wie dein Preset).

Danach wird es etwas komplexer. Die Datei eqmac-Musik.sh wurde unter dem Pfad erstellt, den ich oben angegeben habe. Ich öffne die Datei in einem Text-Editor und kopiere folgendes Skript rein:

# !/bin/bash
open -a "eqMac"
osascript <<'APPLESCRIPT'
tell application "System Events"
delay 0.8
tell process "eqMac"
set frontmost to true
try
click menu bar item 1 of menu bar 2
on error
try
click menu bar item 1 of menu bar 1
on error
display notification "eqMac-Menüsymbol wurde nicht gefunden." with title "Raycast / eqMac"
return
end try
end try
delay 0.4
try
click menu item "EQ Musik" of menu 1 of menu bar item 1 of menu bar 2
on error
try
click menu item "Musik" of menu 1 of menu bar item 1 of menu bar 2
on error
display notification "Preset nicht gefunden. Prüfe den exakten Namen in eqMac." with title "Raycast / eqMac"
end try
end try
end tell
end tell
APPLESCRIPT

Hier erscheint die entsprechende Datei nachdem wir sie erstellt haben.
Hier erscheint die entsprechende Datei nachdem wir sie erstellt haben.

Ich speichere das Skript in der Datei. Danach muss ich den Ordner, in dem sich das Skript befindet, in Raycast einbinden. Ich suche dazu in Raycast nach «Settings», «Extensions» und «Script Commands». Dort klicke ich auf das Plus-Icon und wähle «Add Script Directory» und wähle ~/raycast-scripts (oder halt den Namen, den du vergeben hast). Danach gehe ich ins Menü «Erweiterungen» zurück und trage die Abkürzung ein.

Hier legst du das Tastaturkürzel fest.
Hier legst du das Tastaturkürzel fest.

Beim Eintrag «eqMac Musik Preset» trage ich unter «Hotkey» Option+O (da geht aber auch etwas anderes) ein. Wenn ich nun diese Tastenkombination drücke, öffnet sich eqMac automatisch und mein Equalizer-Preset startet. Nun kann der Musikspass losgehen.

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Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.


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