Produkttest

Logitech G316 X98 im Test: Solide Gaming-Tastatur mit Hot-Swap, aber ohne analoge Tasten

Kevin Hofer
3.10.2026
Bilder: Kevin Hofer

Rund 110 Franken verlangt Logitech für die G316 X98. Dafür bekomme ich eine rein mechanische Gaming-Tastatur, während die Konkurrenz für wenig mehr längst TMR- oder Hall-Effekt-Switches bietet.

2026 sind analoge Gaming-Keyboards mit TMR- oder Hall-Effekt-Switches Standard. Trotzdem bringt Logitech G mit der G316 X98 ein neues, rein mechanisches Modell auf den Markt. Dass eine Budget-Tastatur auf Rapid Trigger verzichtet, wäre kein Problem. Die G316 X98 kostet aber rund 110 Franken. In dieser Klasse gibt es heute vollwertige Analog-Tastaturen.

Kein Zubehör im Lieferumfang

Logitech legt nur das Nötigste bei. Im Karton sind die Tastatur und ein 1,8 Meter langes USB-C-auf-USB-A-Kabel. Das Kabel ist also abnehmbar. Weder eine Handballenauflage noch ein Puller für Keycaps oder Switches sind dabei, obwohl das Modell Hot-Swap unterstützt. Wer Switches tauschen will, muss das Werkzeug separat kaufen.

Mehr als Tastatur und Kabel liegt nicht bei.
Mehr als Tastatur und Kabel liegt nicht bei.

Design: 98-Prozent-Tastatur, null Prozent Premium

Die G316 X98 setzt auf ein 98-Prozent-Layout. Ziffernblock, Funktionsreihe und Pfeiltasten bleiben erhalten. Nur der Block über den Pfeiltasten entfällt. Das schafft mehr Platz für Mausbewegungen. Die Tastatur ist in Schwarz oder Weiss erhältlich, jeweils mit Schweizer oder deutschem Layout. Die Schweizer Variante kostet mit rund 110 Franken (Stand: 30. September 2026) etwa zehn Franken mehr.

Das Gehäuse besteht komplett aus Kunststoff, eine Aluminiumplatte fehlt.
Das Gehäuse besteht komplett aus Kunststoff, eine Aluminiumplatte fehlt.

Optisch bleibt das Modell schlicht. Das Gehäuse besteht komplett aus Kunststoff. Entsprechend wenig Widerstand bietet die Tastatur im Biegetest: Beim Drücken lässt sie sich spürbar verwinden. Im Alltag stört das nicht. Beim Auspacken fällt es aber auf.

Ein schmaler RGB-Streifen unter der Funktionsreihe und farbige Akzente auf Escape-Taste und Lautstärkerad sorgen für etwas Abwechslung. Das Rad sitzt über dem Nummernblock, daneben ein kleines Punktmatrix-Display. Standardmässig regelt sie die Lautstärke. Drücke ich den Schalter neben dem Display, wechselt die Funktion, etwa zur Musiksteuerung, zur Polling-Rate oder zur RGB-Helligkeit. Das Display zeigt dazu passende Animationen. Anpassen lässt sich davon nichts. Eigene Texte oder eigene Animationen sind nicht möglich.

Das Lautstärkerad mit Display sieht nett aus, bringt aber wenig echten Nutzen.
Das Lautstärkerad mit Display sieht nett aus, bringt aber wenig echten Nutzen.

Positiv sind die Keycaps aus PBT im Doppelspritzguss. Sie halten länger als ABS-Kunststoff, die Beschriftung verblasst nicht und Fingerabdrücke setzen sich kaum fest.

PBT im Doppelspritzguss: die Tastenkappen überzeugen.
PBT im Doppelspritzguss: die Tastenkappen überzeugen.

Auf der Unterseite sorgen fünf Gummifüsse für Halt. Serienmässig steht das Gehäuse in einem Winkel von 4 Grad. Aufgeklappte Füsse erhöhen den Winkel auf 8 Grad. Eine Handballenauflage dazu fände ich dennoch nett, denn mit der Zeit ermüden meine Hände. Die Verbindung läuft ausschliesslich per Kabel über USB-C auf der linken Rückseite.

Software: solide Grundlage, aber kein Web-Client

Konfiguriert wird die Tastatur über Logitech G Hub. Einen Web-Client bietet die Marke auch 2026 nicht. Da sind selbst günstigere chinesische Hersteller weiter. Immerhin speichert die Tastatur Profile im Onboard-Speicher. Meine Belegungen funktionieren also auch an einem fremden Rechner ohne Softwareinstallation.

In G Hub lassen sich Profile, Key-Mapping und RGB-Effekte konfigurieren.
In G Hub lassen sich Profile, Key-Mapping und RGB-Effekte konfigurieren.

Ich kann Profile anlegen und je nach Spiel automatisch laden. Bei den RGB-Effekten bleibt Logitech zurück, weil sich nicht mehrere Effekt-Ebenen kombinieren lassen. Das Tastenmapping dagegen hat drei Ebenen: ein Basis-Mapping, eines über die FN-Taste und ein drittes über G-Shift. G-Shift kann ich auch mit einer Logitech-G-Maus auslösen. Pro Taste lassen sich mehrere Befehle mit Modifikatoren hinterlegen. Für Makro-Fans ist das eine ordentliche Basis.

Ein letzter Reiter steuert den Gaming-Modus und die Polling-Rate. Möglich sind bis zu 8000 Hertz. Mit diesem Wert wirbt Logitech offensiv. In der Praxis bringt mir das als Amateur nichts. Ich merke keinen Unterschied zu 1000 Hertz. Fehleingaben durch Ghosting gibt es nicht.

Switches: das grösste Problem der G316 X98

Mein zentraler Kritikpunkt betrifft die Technik der Switches. Für rund 110 Franken erwarte ich 2026 analoge Schalter, ob Hall-Effekt oder TMR. Stattdessen bleibt die G316 X98 rein mechanisch. Das heisst: keine frei einstellbaren Aktivierungspunkte und kein Rapid Trigger. Beides bringt in kompetitiven Shootern einen spürbaren Vorteil. Auch SOCD-Optionen fehlen, obwohl sie längst nicht mehr nur analogen Tastaturen vorbehalten sind.

Die taktilen Schalter überzeugen mich nicht.
Die taktilen Schalter überzeugen mich nicht.

Auch die verbauten Switches selbst überzeugen mich nicht. Logitech setzt auf hauseigene taktile Schalter. Sie lösen nach 2,2 Millimetern aus. Der Gesamthub beträgt 3,3 Millimeter, das ist etwas kürzer als ich mir gewohnt bin. Die Auslösekraft liegt bei 55 Gramm. Damit liefert Logitech mehr oder weniger den Standard. Die Schalter fühlen sich jedoch kratzig an und klingen auch so.

Hinzu kommt die angegebene Lebensdauer von 20 Millionen Anschlägen. Cherry und die meisten Konkurrenten versprechen 50 bis 100 Millionen. Bei einer Tastatur, die mit hochwertigen Keycaps Langlebigkeit verspricht, ist das ein seltsamer Widerspruch. Dank Hot-Swap lassen sich die Schalter immerhin ohne Löten ersetzen.

Klang: Hier hat Logitech investiert

Der Unterbau ist der beste Teil der Tastatur. Logitech verbaut eine Gasket-Mount-Konstruktion mit Snap-Fit-Verbindung. Die Platine liegt gefedert zwischen Dämmschichten, statt starr verschraubt zu sein. Das dämpft Anschläge ab und nimmt dem Tippgefühl die Härte. In dieser Preisklasse ist das keine Selbstverständlichkeit.

Entsprechend gut klingt die G316 X98: tief und satt. Die Stabilisatoren sind zwar geschmiert, klappern aber dennoch etwas beim Tippen. Leise ist die Tastatur nicht. Im Grossraumbüro oder bei offenem Mikrofon wird sie zum Thema.

Fazit

Für eine Gaming-Tastatur im Jahr 2026 zu wenig

Die Logitech G316 X98 macht handwerklich vieles richtig: Gasket-Mount, satter Klang, PBT-Keycaps im Doppelspritzguss, Hot-Swap und Onboard-Speicher. Für rund 110 Franken ist das ein ordentliches Fundament.

Nur fehlt der Tastatur 2026 alles darüber hinaus: kein Rapid Trigger, kein SOCD, keine einstellbaren Auslösepunkte. Die Polling-Rate von 8000 Hertz ersetzt das nicht. Hinzu kommen maue, taktile Switches und ein Lieferumfang ohne Zubehör.

Dabei weiss Logitech eigentlich, wie es geht: Die Pro X TKL mit analogen Schaltern kostet gleich viel. Auch die Konkurrenz macht es besser. Etwa Keychron mit der Keychron K10 HE. Die kostet zwar rund 50 Franken mehr, ist aber drahtlos, bietet TMR-Switches und ist deutlich besser verarbeitet.

Wer analoge Funktionen nicht braucht und taktile Switches mag, bekommt hier eine solide Tastatur. Alle anderen fahren anderswo besser.

Pro

  • Gasket-Mount mit guter Dämmung, sattem Klang und angenehmem Tippgefühl
  • PBT-Keycaps im Doppelspritzguss
  • Hot-Swap-fähig, Switches tauschbar
  • Onboard-Speicher für Profile
  • solide Mapping-Optionen in G Hub Software
  • 98-Prozent-Layout spart Platz ohne Verzicht auf den Ziffernblock

Contra

  • für eine mechanische Gaming-Tastatur 2026 zu teuer
  • kein SOCD für schnelle Richtungswechsel
  • kratzige Switches
  • billig wirkendes Gehäuse aus Kunststoff
  • kein Zubehör im Lieferumfang
  • nur kabelgebunden
  • kein Web-Client für die Software
  • Display nicht frei belegbar

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Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.


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