Jonsbo V8: Das High-Airflow-Gehäuse mit Defizit

Kevin Hofer
Zürich, am 23.11.2020
Das Jonsbo V8 zieht meine Aufmerksamkeit durch den ausziehbaren Gehäusekäfig auf sich. Einfaches Bauen mit Mini-ITX- oder Mini-DTX-Mainboards mit weniger Frustpotenzial verspricht der Hersteller. Der mitgelieferte 200-Millimeter-Lüfter und Öffnungen auf fünf Seiten sollen für ordentlich Durchzug sorgen.

Etwas klobig sieht es aus, das Jonsbo V8. Gar nicht wie ein Mini-ITX-Gehäuse, sondern eher wie ein kleines Midi-Gehäuse. Der Klotz hat etwas von einem Briefkasten mit Mesh. Irgendwie gefällt mir das.

Die Tests

Ich komme ohne Umschweife direkt zu den Ergebnissen. Eigenschaften, Zusammenbau und Verarbeitungsqualität erkläre ich im Video oder du liest weiter unten mehr dazu.

Weil sich im Jonsbo V8 locker eine AIO-Wasserkühlung verbauen lässt, mache ich zwei Tests. Einen mit dem Noctua NH-L9a und einen mit der Corsair H100i.

ROG Strix X570-I Gaming (AM4, AMD X570, Mini ITX)
296.–
ASUS ROG Strix X570-I Gaming (AM4, AMD X570, Mini ITX)
Ryzen 5 3600XT (AM4, 3.80GHz, 6-Core)
274.–
AMD Ryzen 5 3600XT (AM4, 3.80GHz, 6-Core)
Fury RGB (2x, 8GB, DDR4-3200, DIMM 288)
82.90
HyperX Fury RGB (2x, 8GB, DDR4-3200, DIMM 288)
P5 (500GB, M.2 2280)
70.20
Crucial P5 (500GB, M.2 2280)

Um den Airflow zu testen, unterziehe ich die verbauten Komponenten im Gehäuse den Stresstests HeavyLoad (für die CPU) und FurMark (für die GPU).

Ich lasse die Stresstests 20 Minuten laufen. Dabei messe ich mit HWiNFO64 die Temperatur von CPU, GPU, SSD, Mainboard und Chipset. Leider kann ich keine Angaben zum VRM machen, da hier anscheinend der Sensor fehlt. HWiNFO gibt mir zumindest keine Werte an. Den Test mache ich im heimischen Büro. Die Raumtemperatur liegt vor dem Test mit dem Noctua-Kühler bei 20,5° Celsius und nach zwanzig Minuten bei 22,2° Celsius. Die Lüfterkontrolle lasse ich im BIOS auf Standard. Nach jeweils fünf Minuten notiere ich die Temperaturen. In dieser Konfiguration messe ich mit dem Schallpegelmessgerät aus 30 Zentimetern Entfernung vor dem Gehäuse in Idle 40 dB und unter Last 46,5 dB.

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Das V8 wird beim Test ziemlich warm. Die Wärmebildkamera zeigt Temperaturen über 60° Celsius. Die CPU läuft nach 20 Minuten Tests an ihrem thermischen Limit von 95° Celsius. Dasselbe Ergebnis hatte ich auch beim Review des Kolink von Rocket. Da das V8 relativ gross ist, sind die Temperaturen der anderen Komponenten tiefer als beim kleinen Rocket. Mainboard und Chipset bleiben vier bis fünf Grad kühler. Keine Differenzen gibt es bei der SSD. Die Grafikkarte kann ich nicht vergleichen, da ich im Kolink eine 2070 verbaut habe. Die 2080 Super von KFA2, die ich übrigens trotz 2,5 Slot Dicke locker verbauen konnte, bleibt im V8 zehn Grad kühler als die 2070 im Rocket. Das liegt aber nicht nur am Gehäuse, sondern auch an der Kühlleistung der verbauten 2080: Der Kühlkörper ist grösser und kann daher effizienter kühlen.

Die hohen Temperaturen überraschen mich, da die Aluminiumhülle auf beiden Seiten Mesh-Panele hat. Auch hinten und oben hat es grosszügige Öffnungen, damit warme Luft entweichen kann. Beim mitgelieferten 200-Millimeter-Lüfter war ich bereits im Vorfeld skeptisch, ob der tatsächlich zu Frischluft kommt. Es hat vorne zwar einen Mesh-Rahmen, aber einen Grossteil der Front bedeckt die Aluminiumplatte – direkt vor dem Lüfter. Ich spüre während des Tests denn auch kaum einen Luftzug vom 200-Millimeter-Lüfter. Ob die besseren Temperaturen im V8 im Vergleich zum Rocket dem Lüfter oder dem zusätzlichen Platz und Ventilationsöffnungen geschuldet sind, kann ich nur mutmassen.

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Die AIO sorgt für viel bessere Temperaturen. Dennoch bin ich überrascht, wie heiss die CPU wird. 81° Celsius sind viel für den Ryzen 5 3600XT. Beim Review auf der offenen Testbench wurde die CPU 75° Celsius warm und das mit einem Noctua-Luftkühler. Mit der AIO hätte ich ähnliche Temperaturen im Gehäuse erwartet. Da ich die AIO als Ausstosslüfter montiert habe, sorgt sie für besseren Airflow im Gehäuse. Die Temperaturen des Mainboards, Chipset und der SSD sinken deshalb um drei bis fünf Grad. Das Ganze hat aber seinen Preis: In Idle lief das System zwar mit relativ leisen 39 dB, unter Last habe ich hingegen 56 dB gemessen. Das ist doch sehr laut und störend.

Auch hier weiss ich nicht genau, ob und was der 200-Millimeter-Lüfter vorne genau bringt. Ich mutmasse aber, dass es die AIO ist, die frische Luft von den Seiten anzieht und deshalb für besseren Airflow und damit tiefere Temperaturen von Chipset, Mainboard und SSD sorgt.

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Der Briefkasten mit dem gewissen Etwas

Das V8 fasst im Gegensatz zu anderen Mini-ITX-Gehäusen auch Mini-DTX-Mainboards. Bei diesem Standard steht neben dem PCIe- noch ein PCI-Slot zur Verfügung. Mit 25 Litern Fassungsvermögen gehört es zu den grösseren Mini-ITX-Gehäusen.

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Speziell am V8 ist der ausziehbare Gehäusekäfig. Ich muss lediglich zwei Fingerschrauben lösen und dann ziehe ich den Käfig aus dem Aluminiummantel. Habe ich die Innereien draussen, zeigt sich ordentlich Platz.

  • Platz für vier Lüfter; 200 Millimeter-Lüfter vorne wird mitgeliefert
  • Platz für einen 120-, 140- oder 240-Millimeter-Radiator
  • SFX- oder SFX-L-Netzteil
  • Laufwerke: bis zu zwei 3,5 und ein 2,5 Zoll
  • Maximale Höhe CPU-Kühler: 19,5 Zentimeter
  • Maximale Länge und Dicke Grafikkarte: 33 Zentimeter und 2 Slots
  • Anschlüsse: ein Mal USB 3.0 Typ-A, ein Mal USB 3.0 Typ-B und ein Mal 3,5 mm Audio
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Luftfilter suchst du vergebens. Auf der ersten Blick ist das Gehäuse aufgrund der vielen Öffnungen auf Airflow ausgerichtet.

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Das Gehäuse wirkt gut verarbeitet, obwohl die Kanten relativ scharf sind. Bei genauerem Hinsehen erkenne ich zudem, dass die Löcher oben nicht alle gleichmässig ausgestanzt sind.

Der Zusammenbau

Im Video oben siehst du, was ich am Gehäuse gut finde und was weniger. Deshalb hier in reduzierter Form meine Erfahrungen beim Zusammenbau:

Einfach
Dank dem ausziehbaren Gehäusekäfig sind alle Komponenten relativ einfach erreichbar.

Umständlich
Die Montage des Netzteils, weil die Halterung auch unter dem Frontlüfter angeschraubt ist. Ich muss zuerst den Lüfter abmontieren. Die Kabel sollten auch vor Montage am Netzteil angebracht werden, da es sonst eng wird.

Eine Pein
Die nicht vorhandenen Möglichkeiten zum Kabelmanagement sorgen für Frust beim Zusammenbau. Die Kabel liegen im Gehäuse rum und lassen sich nicht wirklich befestigen.

Fazit des Zusammenbaus
Trotz des ausziehbaren Gehäusekäfigs gleicht die Bauerfahrung der bei den meisten anderen Mini-ITX-Gehäusen: Was ich ausserhalb erledigen kann, erledige ich ausserhalb – vor allem die Frontpanel-Konnektoren.

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Fazit: Ich hätte mehr erwartet

Zu Beginn des Tests war ich voller Hoffnung: Das V8 sieht ganz gut aus und verspricht aufgrund der Mesh-Panele und 200-Millimeter-Lüfter guten Airflow. In Realität sieht es dann aber anders aus. Der Lüfter wird wohl aufgrund seiner Platzierung hinter dem geschlossenen Front-Panel erstickt und vermag es nicht, genug frische Luft ins Gehäuseinnere zu bugsieren. Ohne Airflow nützen auch die Mesh-Panele auf der Seite nichts. Das weniger als halb so grosse Rocket von Kolink liefert nicht viel schlechtere Werte mit dem Noctua-Luftkühler.

Mit der AIO-Wasserkühlung sieht das Ganze etwas anders aus. Dank dieser bildet sich tatsächlich ein Luftzug im Gehäuse der für tiefere Temperaturen bei den Komponenten sorgt. Trotzdem hätte ich mehr erwartet.

Aufgrund des defizitären Airflows, der mangelhaften Bauerfahrung und der nicht über jeden Zweifel erhabenen Verarbeitung kann ich das Gehäuse nicht empfehlen. Schade eigentlich. Mit wenigen Optimierungen, wie beispielsweise einem Voll-Mesh-Frontpanel und ein paar Möglichkeiten zur Kabelbefestigung, könnte das V8 ein richtig tolles Gehäuse sein. So wirkt es jedoch nicht ganz zu Ende gedacht.

V8 Mini-ITX Gehäuse
169.–
Jonsbo V8 Mini-ITX Gehäuse

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Kevin Hofer
Kevin Hofer
Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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