Ich baue das am wenigsten sinnvolle Gaming-Setup aus Teilen, die im Büro rumliegen
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Ich baue das am wenigsten sinnvolle Gaming-Setup aus Teilen, die im Büro rumliegen

Dominik Bärlocher
Zürich, am 13.07.2017
Wenn du einen PC baust, dann achtest du auf Teile, Performance und Zusammenspiel. Was aber, wenn du einfach irgendwelche herumliegenden Teile zusammenschusterst? Kannst du dann immer noch gamen? Ich habe es herausgefunden.

Im Büro, an dessen Tür ein Schild mit der Aufschrift «IT Peripherals» und ein lebensgrosser Stormtrooper aus Star Wars hängen, liegt allerlei Peripherie rum. Sei es, damit sich die Produktmanager von der Qualität der Teile überzeugen können oder Überbleibsel aus vergangenen Tests. Bastlerherzen schlagen da höher.

Bei genauem Hinsehen aber fällt auf, dass die Teile zwar alle mehr oder weniger neu und meist gut sind, sie aber nicht wirklich zusammenpassen. So kam es, dass ich bei der Diskussion mit den Produktmanagern Christian Seeholzer, Quentin Aellen und Category Manager Osman Erdogan an einer externen Grafikkarte rumgedrückt habe. Einfach so, weil ich nicht stillhalten kann. Zudem habe ich in der Ecke einen NUC entdeckt. NUCs sind voll funktionsfähige, aber nicht besonders leistungsstarke PCs, die locker auf einen Tisch passen.

«Wäre es nicht lustig, wenn wir das alles zusammenschustern und dann Doom spielen», fragt Osman.

Was für eine blöde Idee, finden wir alle.

Eine Viertelstunde später steht das wirr zusammengekabbelte Setup bei mir auf dem Tisch und Steam lädt grade Doom runter. Ich mache Mittagspause.

Der Aufbau

Ich muss hier vorausschicken, dass das Setup in diesem Artikel keinen Sinn ergibt, ausser du hast die Teile zufällig rumliegen und keine Ahnung, was du damit anstellen sollst. Da dies aber recht unwahrscheinlich ist, erzähle ich dir die Story, wie ich einen Gaming-PC gebaut habe, den es nicht geben sollte, weil doof.

Viel in diesem Artikel wird wenig intuitiv, geschweige denn clever klingen. Daher: Kopfschütteln willkommen. Und wenn du eine Idee hast, wie das Ganze besser gemacht werden könnte, dann lass es mich doch in den Kommentaren wissen.

Also, die Teile, die ich verbaut habe.

Monitor
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Brilliance BDM4037UW/00 (40", 3840 x 2160 Pixels)
Philips Brilliance BDM4037UW/00 (40", 3840 x 2160 Pixels)

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GeForce GTX 1080 STRIX A8G-GAMING (8GB, High End)
ASUS GeForce GTX 1080 STRIX A8G-GAMING (8GB, High End)
Barebone
Skull Canyon NUC6i7KYK (Intel Core i7-6770HQ, HDMI, USB 3.0 Typ-A)
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Intel Skull Canyon NUC6i7KYK (Intel Core i7-6770HQ, HDMI, USB 3.0 Typ-A)
Wireless Desktop MK235 (CH, Kabellos)
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Logitech Wireless Desktop MK235 (CH, Kabellos)

Spätestens jetzt schüttelst du den Kopf, oder? Gut, ich auch. Denn mir kommen auch etwa 50 einfachere, günstigere und sinnvollere Setups in den Sinn. Aber hey, wenn schon, dann richtig.

Aus der Werkstatt von *Joule Performance** und das Release des digitec PCVideo
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Die Verkabelung ist ähnlich kreativ wie das Setup, denn nur zwei der Teile sind darauf ausgelegt, miteinander zu funktionieren. Klar, alles funktioniert schlussendlich mit allem, aber nur die externe Grafikkarte ist dazu gemacht, in diesem Kontext zu funktionieren.

  • Maus und Tastatur sind billige, aber gute Geräte für den Büroalltag
  • Der Bildschirm ist ebenfalls auf Bürobedürfnisse ausgelegt
  • Die externe Grafikkarte ist eigentlich für Video Producer und ähnlich grafisch Intensives gedacht. Mir ist aber mindestens ein Fall bekannt, in dem ein Gamer seinen Laptop mit einer externen GPU aufmotzt, damit er die Kompaktheit eines Laptops und doch die Grafikleistung eines Gaming PCs hat.
Wir erklären, wie du einen *65"-TV** als PC-Bildschirm verwenden kannst und wie grossartig das ist
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Der NUC ist via USB-C-Kabel mit der externen Grafikkarte verbunden. Von dort geht es über HDMI an den Bildschirm weiter. Die Stromkabel sind in eine rattig aussehende, alte Steckerleiste eingesteckt, die ich irgendwo im fünften Stock gefunden und in der Steckerleiste von Redaktionskollegin Alina Biedermann eingesteckt habe. Wie schon beim 65-Zoll-PC-Bildschirm hat sie das bestimmt nicht gestört. Auf Doom angesprochen sagt sie begeistert: «Ich weiss nicht, was das ist». Passt für mich.

Das ganze Setup folgt dem Motto «Nur weil du kannst, heisst das noch lange nicht, dass du sollst» und ich denke, das trifft zu. Trotzdem: Doom.

Fresst das, ihr marsianischen Dämonenzombies!

Trotz der absurden Idee und dem Kabelmanagement aus der Hölle ist das ganze Setup recht benutzerfreundlich. Windows muckt nur ein bisschen auf und hat merkwürdigerweise das Gefühl, dass nebst meinem Philips-Screen noch ein zweites Display angeschlossen ist, das auf 1024x768 läuft. Ich habe beim besten Willen keine Ahnung, wo der PC den zweiten Bildschirm erkennen will.

Beim ersten Start hat es so seine zwei Minuten gedauert, bis das ganze Setup sich verstanden hat und jedes Mal, wenn der Bildschirm zwecks Auflösungsanpassung oder etwas anderem schwarz geworden ist, wurde mir bang: Habe ich das Ding jetzt frittiert? Vor allem der 40-Zoll-Bildschirm wäre ein herber Verlust gewesen, den mag ich echt gut.

Kurz nach der Mittagspause sind alle Updates durchgelaufen und sämtliche Treiber installiert. Die Runde Doom kann beginnen.

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Auch Game-Redaktor Philipp Rüegg tut sich schwer damit, einen praktischen Use Case für das Setup zu finden.

Die Ventilatoren der externen Grafikkarte drehen hinter einem roten Rohr, in dem Blitze zucken, auf. Der Sound scheppert aus dem Bildschirm – ich stecke meinen Kopfhörer ein, das kann ja keiner ertragen – und ich klaue den Speicherstand von Redaktionskollege Philipp Rüegg, damit ich im ersten Level mit der Super Shotgun und der Plasma Gun bedauernswerten Zombies den Garaus machen kann.

Ein lustiger Bug schleicht sich ein: Manchmal hängt die Grafik einfach. Dann muss ich schnell mit CTRL+ALT+DEL den Task Manager aufrufen und kann über ALT+TAB wieder ins Game springen.

Das Fazit

Für den Preis meines NUC-Setups kannst du dir locker einen besseren Gaming-PC bauen. Du hast vielleicht nicht die tollen Blitzeffekte der externen Grafikkarte, aber du kannst dir sicher sein, dass dir dein Gaming-PC nicht um die Ohren fliegt.

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Der Blitzeffekt an der externen Grafikkarte ist recht nett

Aber, allem Unsinn zum Trotz: Es macht unheimlich Spass, so etwas zu bauen, auch wenn die Verkabelung total simpel ist und auch von deinem kleinen Bruder im Kindergartenalter hätte übernommen werden können. Denn dass es funktioniert habe ich nie angezweifelt. Die Frage war nur: Wie gut?

Die Antwort: Ziemlich okay. Ich spiele Doom auf 4k, die Ladezeiten sind zwar recht lang aber wenn das Game einmal läuft, dann läuft es.

Der ganze Bau ergibt aber nach wie vor keinen Sinn so. Ich schau mal, was ich mit der externen Grafikkarte sonst noch so anstellen kann. Wenn du mir das Setup unbedingt nachbauen möchtest, ich halte dich nicht davon ab. Aber es gibt viel Sinnvolleres.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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