Was passiert, wenn ich einen 65-Zoll-Fernseher an einen PC anschliesse?
Review

Was passiert, wenn ich einen 65-Zoll-Fernseher an einen PC anschliesse?

Dominik Bärlocher
Zürich, am 15.04.2017
Wer zu Hause einen PC baut, stellt sich früher oder später die Frage nach dem Bildschirm. 27 Zoll? 29? Oder doch lieber etwas kleiner mit 24 Zoll? Ich frage euch: Warum nicht 65 Zoll? Ich habe das mal getestet. Warum? Weil ich kann. Hier meine Erfahrungen.

Ich gebe ja zu, ich hatte sicher schon bessere Ideen, wenn ich mir meinen Bürotisch ansehe. Aber glorreich ist die Idee sicher. Bisher standen zwei 27-Zoll-Bildschirme von HP auf meinem Pult. Das funktioniert recht gut und eigentlich kann ich mich über nichts beschweren. Jetzt steht ein 65-Zoll-Fernseher da.

Monitor
/>
EliteDisplay E272q (27", 2560 x 1440 Pixels)
HP EliteDisplay E272q (27", 2560 x 1440 Pixels)

Ich mag grosse Bildschirme. Wirklich grosse. Ich bin ein Kind der 1990er. Damals war das Internet noch neu und alles war irgendwie «cyber». Neonfarben und Science-Fiction-Ästhetik überall. Techno. Und einer meiner Lieblingsfilme: Hackers. Good Times.

Klar, ich weiss, dass der Film sofort aufhört Sinn zu ergeben, wenn ein Bildschirm auf der Kinoleinwand auftaucht. Nichts ergibt Sinn. «RISC is beautiful»? Haha. Doch dann waren da Szenen wie die hier:

keine Informationen über dieses Bild verfügbar
Der böse Supercomputer Gibson kommt mit einem riesigen Bildschirm

Seither bin ich fasziniert. Grosse Bildschirme? Ja, bitte. Schon länger liebäugle ich mit der Idee, einen Fernseher an einen PC anzuschliessen, denn technologisch steht da wenig im Weg. HDMI out beim einen, HDMI in beim anderen. Das Problem bisher waren folgende Dinge:

  1. Ein Fernseher in akzeptabler Grösse ist teuer
  2. Ich habe keine Ahnung, ob ich in der echten Welt mit dem Ding arbeiten kann. Denn nur weil es in Hollywood funktioniert, heisst das noch lange nicht, dass es im Alltag praktikabel ist

Eines Tages dann hat mich Product Manager Lukas Müller zum Meeting eingeladen. Er sucht kreative Werbeideen für einen Fernseher. Als Redaktor sind mir Werbeideen eigentlich egal, aber der Product Manager hat ein überzeugendes Argument gemacht, weshalb ich am Meeting teilnehmen sollte. Mit den Worten «Schau dir das mal an», schickt er mir diesen Link.

TV
/>
UE65KS8080 (65", 4K, SUHD, LCD, 2016)
Samsung UE65KS8080 (65", 4K, SUHD, LCD, 2016)

Rahmenloses 360-Grad-Design, «Quantum Dot Display» und «HDR 1000» bieten beste Ausstattung in der Premium-Serie im Flat-Design.

Der Samsung UE65KS8080 sei der Bestseller unter den 65-Zoll-Fernsehern und somit ein Gerät, das unseren Kunden schon viel Freude gemacht hat. Was auch für das Gerät spreche sei, dass durch sein bei Redaktionsschluss reifes Alter von 13 Monaten ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis entstanden ist. Im Wesentlichen, sagt der Produktmanager, sei der Fernseher ein Top-Modell zum Preis eines Mid-Range-Geräts. Für Lukas ist klar: «Der Fernseher ist einer der heissen Teile der Saison».

Während er das so sagt und wohl auch zweifellos weiss, wovon er spricht, denke ich mir nur «65 Zoll ist eine tolle Grösse, so ganz allgemein. Aber ich will das Ding für meinen PC, oder?»

«Darf ich das Teil an einen PC anschliessen», frage ich.

«Logisch», sagt Lukas.

Yesss! Es beginnt ein Experiment, das irgendwie total beknackt, aber irgendwie auch total grossartig ist.

Logistisch etwas schwierig

Das Setup des Geräts ist fernsehtypisch. Aufgrund der massiven Bildschirmdiagonale von 65 Zoll, umgerechnet 164 cm, ist das Ding recht schwer und nicht dazu gemacht, gross bewegt zu werden. Ein Fernseher ist traditionell so ein Ding, das du kaufst, irgendwo aufstellst und im Idealfall erst dann wieder bewegst, wenn es kaputt ist. Der Samsung UE65KS8080 – warum zum Teufel hat der Fernseher einen Namen, den sich nur ein eidetisches Gedächtnis merken kann? – macht da keine Ausnahme. Das gigantische Teil wiegt knapp 30 Kilogramm. Zum Glück muss ich ihn vom Shop bis ins Büro nicht weit schleppen.

Beim Auspacken fällt auf, dass trotz des Gewichts recht wenig Fernseher da ist. Der Bildschirm ist extrem dünn. So dünn, dass alle Anschlüsse in eine separate Box ausgelagert wurden. Also schliesse ich nur den Samsung-Connector – ich nenne den jetzt mal so – und ein Stromkabel direkt an den Fernseher an. Den Rest schliesse ich an die an den Samsung Connector angeschlossene Anschluss-Box an. Samsung nennt die Box neudeutsch One Connect Box.

Ich vermute, dass da irgendwo ein Denkfehler im Design ist. Der Fernseher folgt der Designphilosophie des 360-Grad-Designs. Das heisst, dass der UE65KS8080 von allen Seiten her gut aussieht. Das Gerät kann in der Mitte des Raumes stehen und niemand wird den Verstand des Fernsehbesitzers hinterfragen, weil die Rückseite des Fernsehers aussieht wie ein Elektroschrottplatz. Im Idealfall könnten zwei Kabel von der Raummitte irgendwo zu einer Wand gezogen werden und die Anschluss-Box sowie die Steckerbrücke und wasweissich werden irgendwo in einem Regal oder unter dem Sofa versteckt. Das Problem ist nun aber, dass sowohl Stromkabel wie auch das Kabel vom TV bis zur Anschlussbox recht kurz sind. Gibt es die Kabel in länger? Ja, gibt es, brauche ich aber nicht, weil mein Pult eh ein Kabelsalat extraordinaire ist.

Wie dem auch sei, ich denke nicht, dass die meisten Leser starken Bedarf daran haben, einen Fernseher in die Mitte des Raumes zu stellen. An die Wand hängen geht da besser. Da der Samsung UE65KS8080 nur wenige Zentimeter dick ist, geht das gut. Einfach zwei Kabel verstecken oder sauber der Wand nachziehen und gut ist.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar
Wenn ich Teile des Pults meiner Mitarbeiterin beanspruche geht das super

Ich will den Fernseher aber auf meinem Pult haben. Und irgendwas sagt mir, dass ich den UE65KS8080 etwas weiter von mir entfernt sehen will, weil gross genug ist er. Daher stelle ich den mitgelieferten Standfuss einfach mal zu etwa zwei Dritteln auf den gegenüberliegenden Tisch, der eigentlich meiner Mitarbeiterin Alina Biedermann gehört. Ich bin mir fast sicher, dass sie sich nicht dran stören wird.

Es geht los… oder auch nicht

Setup fertig, PC an einen der HDMI-Anschlüsse gesteckt und los.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar
Was soll das denn?

Das erste Problem taucht auf. Der Samsung UE65KS8080 ist ein Fernseher, der UHD-Auflösung unterstützt. Mein PC bringt aber nur 1920x1080 Pixel hin. Auf einer Bilddiagonale von 65 Zoll heisst das, dass die Pixel etwa faustgross sind.

Für sowas haben wir in der Firma Tech-Support. Jan Wihler, eigentlich Systems Engineer, taucht auf und tauscht meinen ganzen PC aus und verbaut auch gleich noch eine neue Grafikkarte, die Category Manager Osman Erdogan grade bei sich im Büro hatte.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar
Jan Wihler leistet ganze Arbeit
Grafikkarte
/>
GeForce GTX 1080 STRIX A8G-GAMING (8GB, High End)
ASUS GeForce GTX 1080 STRIX A8G-GAMING (8GB, High End)

Einer der absoluten Grafikkarten-Bestseller aus dem Hause Asus – bietet nicht nur unbändige Grafik-Power, sondern auch stylishe RGB-Beleuchtung!

Jetzt aber!

keine Informationen über dieses Bild verfügbar
Funktioniert doch. In 3840x2160 Pixel sieht das gleich viel besser aus

Eine zweite Sonne im Büro

Okay, das Setup sieht gut und gleichzeitig irgendwie lächerlich aus. Doch wichtig ist nicht der Look. Das ist mein Büroarbeitsplatz. Ich muss hier produktiv sein, weil sonst hast du nichts zu lesen. Da ich grade einen etwas ambitionierten Moment hatte, habe ich Lukas Müller gesagt, dass ich den Samsung UE65KS8080 einen Monat lang als meinen Büro-Bildschirm verwenden werde.

Das erste Mal hinsetzen mit eingeschaltetem Bildschirm ist überwältigend. Mein gesamtes Sichtfeld ist Bildschirm.

Alles ist gigantisch.

Und grell. Es wird schnell offensichtlich, dass der Bildschirm gemacht ist, am anderen Ende des Raumes zu stehen und gegen andere Lichtquellen ankommen muss. Glücklicherweise kann ich die Helligkeit aber auf ein Minimum runterstellen, was dann den Blick auf den Bildschirm, mittlerweile 3840x2160 Pixel darstellt, sehr viel angenehmer macht. Tizen, Samsungs eigene Android-Version, die auch als Betriebssystem für den Fernseher eingesetzt wird, ist einfach zu bedienen und auch Leute mit minimaler Tech-Erfahrung können sich den Fernseher so einstellen, dass er für den Raum – oder in meinem Fall den Bürotisch – passt.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Schnell merke ich, dass mein letztes bisschen Privatsphäre auf meinem Computer weg ist. Egal, was ich mache, ich bin der Überzeugung, dass die Menschen im Bürogebäude gegenüber sehen können, was ich tue. Vor allem bei Produkten, von denen ich exklusive Vorabinformationen habe, ist das heikel, denn mit dem gigantischen Bildschirm und der einfachen Spionagemöglichkeit laufe ich Gefahr, Non-Disclosure Agreements zu verletzen.

placeholder

placeholder

Dass meine Mitarbeiter im Büro auf meinen Bildschirm sehen, ist okay. Aber aus Sicherheitssicht ist es heikel, wenn die Menschen im Büro gegenüber das auch können. Denn im Unterschied zu den Grafikern und Redaktoren in meinem Büro sind die Menschen gegenüber nicht zwingend auf meiner Seite und daran interessiert, das Geheimnis um Produkte zu wahren. Darum ist mir schon früh im Test klar, dass der gigantische Bildschirm da keinen Platz hat, wo Vertrauliches in Fensternähe gezeigt wird.

Und auch sonst so: Ich fühl mich schon blöd, wenn ich YouTube-Videos schaue. Aber ich muss fast, weil wenn ich schon mal so einen tollen Fernseher habe, wäre es nicht total die Verschwendung, wenn ich nicht ausprobieren würde, was passiert, wenn ich 8k streame?

Was passiert? Das Bild ist überwältigend, auch wenn die Auflösung des Fernsehers 8k nicht mitmacht. Aber ich sage euch, es lohnt sich. Strongman Brian Shaw ist überlebensgross. Ich kann mir nur vorstellen, wie ein Spielfilm auf BluRay aussieht. Denn das war leider nicht Part meines Tests. Zu Beginn dachte ich mir, dass ich das Filmerlebnis nicht vermissen werde, aber jetzt bereue ich es.

Glücklicherweise hat mein Kollege Phil Rüegg Fernseher auf ihre Spielfilmtauglichkeit geprüft.

Der Selbsttest: Sieht *4K** wirklich besser aus?
placeholder

placeholder

«Wird da dein Nacken nicht starr?»

Mein idiotisch grosses Bildschirm-Setup zieht Leute aus der Firma an, die aus weit entfernten Departments kommen, um mir Fragen zu stellen und sich auf meinen Bürostuhl zu setzen. Kleiner Tipp am Rande: Wenn ihr Freunde in der Firma machen wollt, dann einfach 65 Zoll auf den Tisch stellen und dann geht das von allein. Eine Frage ist mir in x-facher Ausführung gestellt worden.

Kriegst du da keine Nackenstarre?

Die Antwort: Nein. Die Antwort kommt aber mit einem Aber.

Ich arbeite generell gerne im Vollbildmodus. Ich mag die Fensterfunktion des Betriebssystems Windows zwar – darum heisst Windows übrigens Windows, weil es Fenster hat – aber ich mag meine Bilder auch gross und dominierend. Das geht beim Samsung UE65KS8080 nicht, weil das Arbeiten dann sensationell unpraktisch wird. Klar, ich kann ein Word-Dokument mit etwa zehn Seiten in Originalgrösse nebeneinander darstellen, aber funktional ist das nicht.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar
Hast du jemals deine Augenbewegungen und die Fensterposition hinterfragt?

Daher beginne ich, Fenster wie wild rumzuschieben und versuche, mir die Fenster so anzuordnen, dass sie meiner Blicklogik folgen. Als Blicklogik verstehe ich den Weg, den meine Augen natürlich gehen. Mein Hauptfenster ist also in der Mitte unten. Also, wenn ich gradeaus schaue, dann ist das Fenster da.

Mein zweites Fenster, das mit meinen Multimedia-Inhalten, sei das ein YouTube-Video oder ein Podcast wie SwordAndScale, ist weiter oben rechts. Das Recherche-Fenster, in dem ich Tabs offen habe, die ich zur Recherche bei der Arbeit brauche ist unten links. Oben links ist recht wenig, weil dort verpasse ich auch Pop Ups und andere Dinge. Internes Chatsystem: unten rechts. Mails, unten links.

Es besteht kein Bedarf mehr, Fenster übereinander zu legen. Das ist schon sehr, sehr cool.

Was jetzt noch cooler wäre: Wenn ich mit Gesten Daten verschieben könnte. So wie in «Minority Report».

keine Informationen über dieses Bild verfügbar
Wenn John Anderton das kann, dann will ich das auch

Das Fazit

Was habe ich also aus dem Experiment gelernt? Die technische Machbarkeit hat keiner je angezweifelt, weil die Technologie offensichtlich kompatibel ist. Ich ziehe zweierlei Fazit. Ich mag meine Bildschirme. Also Plural. Ich bevorzuge es, auf mehreren Bildschirmen zu arbeiten, da die Fensteranordnung sich einfacher anfühlt. Ja, anfühlt. Es muss nicht zwingend technologisch stimmen, aber Gedankenübungen von wegen «Welches Fenster schiebe ich wo hin?» kommen gar nicht vor. Mehrere Bildschirme fühlen sich natürlicher an.

Doch dass das gesamte Blickfeld von Bildschirm und Information gefühlt ist, ist toll. Auch wenn ich mit der Zeit irgendwie meine Redaktionskollegen vermisst habe und Alina Biedermann, die mir gegenübersitzt, sich mit der Zeit zu meiner «Stimme aus dem Off» erklärt hat, da ich sie arbeitstagelang nicht gesehen habe, obwohl sie gut zwei Meter von mir entfernt sitzt.

Dennoch habe ich etwas, fast schon ein bisschen technologie-philsophisch, über die Rolle eines Fernsehgeräts gelernt. Der Fernseher hat sich verändert. Er ist nicht mehr zwingend das Gerät, das in einer Ecke steht und uns berieselt oder unterhält. Mit einem Fernseher können spannende Multimediaprojekte realisiert werden, denn auf einem Fernseher läuft ein Betriebssystem. Im Falle des Samsung UE65KS8080 ist es Samsungs eigene Android-Version Tizen. Im Kontext des Samsung Galaxy S8 und dessen Interaktivitätsmöglichkeiten mit anderen Smart Devices dürfte das recht spannend werden.

Ferner ist der 65-Zoll-PC-Monitor gar keine so üble Sache. Das einzige Hindernis könnte die Grafikkarte sein, die halt entsprechende Leistung bringen muss. Sonst sind die Pixel faustgross. Wenn aber eine anständige GPU verbaut ist, dann sieht das Bild auf etwa 60 cm Distanz gestochen scharf aus. Als Bildschirm-Freak kann ich also sagen: Ein grösserer Bildschirm mit UHD-Auflösung lohnt sich auch in kleinen Räumen. Das alte Vorurteil von wegen «Sitz nicht zu nahe am Fernseher, da siehst du gar nichts mehr» ist definitiv veraltet. Nice.

Vielleicht hatte ich schon bessere Ideen in meinem Leben, als einen gigantischen Bildschirm auf meinen Bürotisch zu stellen. Aber eins sage ich dir: Ich hatte selten glorreichere Ideen.

230 Personen gefällt dieser Artikel


Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren