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Zu Besuch bei Joule Performance: «Wir nehmen das jetzt auseinander»

Dominik Bärlocher
Zürich, am 29.05.2017
Der Bau des digitec PCs hat begonnen. Kamerafrau Stephanie Tresch und ich waren beim Bau der ersten PCs dabei und konnten den Mannen von Joule Performance über die Schulter schauen. Wir haben Dinge gesehen, die jedem PC-Schrauber die Nackenhaare aufstellen.

Ein Industriepark irgendwo im Kanton Zug. Kamerafrau Stephanie Tresch und ich steigen aus dem Zug aus und machen uns auf in eine Lagerhalle. Dort erwartet uns das Team von Littlebit und deren Tochterprojekt Joule Performance. Wo Littlebit solide PCs baut, vertreibt und wartet, geht Joule Performance einen Schritt weiter: Overclocking vom Experten und Teile, die vorher auf ihre Leistung getestet wurden, damit ein Maximum an Performance herausgeholt werden kann.

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Der erste fertige Zenon ZX auf der Werkbank bei Joule Performance

Da der Verkaufsstart des Zenon ZX, des digitec PC powered by Joule Performance, bevorsteht und die erste Serie zu Verkaufsstart versandbereit sein muss, können wir dem Team um Hiva Pouri zusehen, wie sie eine der Maschinen bauen. Eine Gelegenheit, die wir uns nicht entgehen lassen wollen. Klar, ist gute Werbung, aber sowohl Stephanie als auch ich sind neugierige Menschen. Und wie oft gibt es die Gelegenheit, einem Overclocking-Weltmeister und seiner Crew zuzusehen, wie sie Computer so bauen, wie es sich kaum einer traut?

Das war vor ein paar Wochen. Ab sofort ist der Zenon ZX im Verkauf, da die erste Charge der ersten Serie bei uns eingetroffen ist.

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Zenon ZX - powered by Joule Performance (Intel Core i7-7700K, 16GB, 500GB, 2TB, SSD, HDD)
digitec Zenon ZX - powered by Joule Performance (Intel Core i7-7700K, 16GB, 500GB, 2TB, SSD, HDD)

In Zusammenarbeit mit Joule Performance gebauter digitec Zenon ZX Highend PC.

CPU ungleich CPU

«Wenn es darum geht, ein System stabil zu übertakten, dann ist nicht jedes Bauteil gleich gut geeignet», sagt Hiva Pouri, dessen Liste an gehaltenen Overclocking-Weltrekorden recht lang ist. Er ist Overclocker bei Joule Performance. Wer jetzt denkt «nimm einfach den schnellsten i7-Prozessor», liegt falsch. Nicht jeder i7 ist gleich gut für ein Overclocking geeignet.

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Hiva Pouri erklärt, was eine gute CPU ausmacht und was eine gute CPU zur übertaktbaren CPU macht

«Einer der allerersten Schritte ist das CPU-Binning», erklärt uns Hiva. Das heisst, dass jeder Prozessor einzeln getestet wird. Also: i7 != i7. Wichtig festzuhalten sei, sagt Hiva, dass nur weil sich eine CPU nicht fürs Overclocking eignet, das Teil nicht Schrott ist. Eine Analogie: Nur weil ein Hund nicht für Hunderennen geeignet ist, heisst das noch lange nicht, dass er kein guter Polizeihund sein kann. Daher werden die gebinnten CPUs für andere Projekte aus dem Hause Littlebit verwendet.

Ähnlich ergeht auch allen anderen Teilen im PC. High-End-Specs, getestet und aussortiert. «Ich will beim Bau nichts dem Zufall überlassen», sagt Hiva. Denn er will möglichst keine Support-Arbeit leisten müssen. Nicht aus Faulheit: «Wenn ich meinen Job gut mache und ein stabiles System abliefere, dann hat nicht nur der Kunde Freude, sondern ich kann auch richtig stolz auf unsere Arbeit sein». Denn eins wird im Laufe des Nachmittags in der Werkstatt klar: Hiva Pouri und sein Team sind im Herzen Bastler, die nicht einfach nur «Jaja, passt schon»-Arbeit machen. Sie sind extrem vorsichtig, denn am Ende ist es für sie eine Frage der Leidenschaft und des professionellen wie auch persönlichen Stolzes. Klar, diese Begriffe werden inflationär und für jeden Marketingfurz verwendet, aber bei Joule Performance sind offensichtlich Enthusiasten am Werk. So viel Fachsimpelei haben wir an einem Nachmittag selten gehört..

Während Stephanie mit Maximilian Morisano, Systems Engineer, dreht, zeigt mir Hiva immer wieder Geräte, die er gebaut und übertaktet hat. Ein übertaktetes Smartphone hier, ein PC, der weit über Specs läuft, da. Zwischendurch argumentiert er mit Maximilian darüber, wie der Zenon ZX gebaut werden muss. Eigentlich sind die Specs fertig, doch die Gedanken der beiden rasen stets. Hätte man nicht da oder dort noch etwas besser machen können? Was, wenn das noch schnell «nur einmal, schnell, so um zu sehen, was passiert» getestet wird?

Röhren biegen, Flüssigkeiten füllen

Vor dem Einbau einer jeden Komponente fällt ein Satz, den wir im Laufe des Nachmittags so oft fällt, dass er im Titel gelandet ist. «Das nehmen wir jetzt auseinander.» Denn es scheint so, als ob kein Teil so im PC verbaut wird, wie es aus der Schachtel kommt. Besonders auf die CPU fällt Augenmerk. «Die CPU hat eine verbaute Schwachstelle, die der Performance eine Bärendienst erweist», sagt Maximilian. Konkret geht es um die Kühlpaste, bei der Intel offensichtlich gespart hat.

Das bedeutet eines: Die CPU wird geköpft.

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In der Brechplatte eingespannt: i7-Prozessor.

Der nagelneue High-End-Prozessor wird also in eine Brechplatte eingespannt, danach in einen Schraubstock eingespannt. Ein lautes Knacken geht durch den Raum. Jedem PC-Bastler läuft es eiskalt den Rücken runter. Eine CPU zu köpfen gehört zu den Königsdisziplinen, denn ein Prozessor gilt als extrem filigran und heikel.

«Ach, das ist nur Geschwätz. Theoretisch kannst du auf einen Prozessor drauftreten und es passiert dem Ding nichts», sagt Hiva. Aber: Nur weil du das kannst, heisst das noch lange nicht, dass du sollst.

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Die Wärmeleitpaste zwischen CPU und Kühler wird ausgetauscht

Die Wärmeleitpaste wird in Handarbeit ersetzt. Vorsichtig wird die neue, leuchtend blaue Paste aufgetragen und der Prozessor wieder zusammengesetzt. Danach der Einbau.

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Automatisch ist nicht. Hiva Pouri ersetzt die Wärmepaste manuell.

Ähnlich ergeht es der Grafikkarte, deren Kühlung komplett demontiert wird. So wird die mächtige Asus GTX 1080Ti FE zu einem Schatten ihrer selbst, bis die Wasserkühlung montiert ist. Dazu biegt Maximilian die Rohre, durch die die blaue Flüssigkeit fliessen wird, selbst. Heissluft auf Plastik, dann um eine Biegeform. Voilà, die Rohre passen.

Anfängersicherheit auch für Profis

Der Bau des Zenon ZX neigt sich dem Ende zu. Es fehlt noch die Kühlflüssigkeit. Maximilian holt eine Rolle Haushaltspapier und deckt alle Teile unterhalb des Tanks ab, da sich Flüssigkeit und Elektronik schlecht verstehen.

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Maximilian Morisano verlässt sich nicht alleine auf sein handwerkliches Geschick, sondern auch auf Haushaltspapier.

«Bei diesem Schritt kann ich nicht vorsichtig genug sein», sagt Maximilian. Er habe zwar eine ruhige Hand, aber im Leben kann viel schief gehen. Vorsichtig füllt er den Tank auf. Dann passiert es: Maximilian verrutscht, weil er sich für die perfekte Kameraeinstellung verrenken muss, einige Tropfen fallen auf das Haushaltspapier. Blitzschnell ist das feuchte Papier entfernt und Maximilian lächelt: «Darum mach ich das.»

Am Ende steht er da, der Zenon ZX in all seiner Pracht. Kabelmanagement? Einwandfrei. Hardware? Top of the Line. Design? Da läuft dir das Wasser im Mund zusammen. Doch fertig ist der Computer noch nicht. Es geht an die Software.

Durchs BIOS, schneller als man schauen kann

Hast du schon mal jemanden gesehen, der im Zehnfingersystem das BIOS bedient? Ich nicht. Doch Hiva stellt sich an die Werkbank und adjustiert Einstellungen schneller, als das Auge mitkommt. Stephanie blickt mich fragend an. Ich zucke mit den Schultern. Sowas habe ich noch nicht gesehen. Etwa eine Minute später dreht sich Hiva zu uns um und meint: «Zeit für die Lasttests», während hinter ihm Windows 10 startet.

Jeder Zenon ZX wird einem Lasttest unterzogen. Denn wenn ein System übertaktet ist, dann ist es oft eine feine Linie zwischen Höchstleistung und System Failure. Es ist diese Linie, die Hiva sucht. Oder besser: Gefunden hat. An den Einstellungen des Zenon ZX hat er lange getüftelt, Komponenten bewusst überbelastet und herausgefunden wo der Punkt liegt, an dem die Systemstabilität abnimmt oder gar eine Komponente durchbrennt.

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Hiva Pouri bedient Bios im Zehnfingersystem, schneller als das Auge sieht

Selbst dann ist der Test noch nicht abgeschlossen. Denn die Einstellungen, die Hiva vornimmt, sind eine Baseline. Er kann davon ausgehen, dass der Computer das aushält und keinerlei Performance-Einbussen hinnehmen muss. «Ohne den Lasttest vor dem Versand würde ich mich einfach nicht wohlfühlen», sagt Hiva, während er Benchmarks laufen lässt. Stolz schiebt er Fenster nebeneinander und sagt: «Schau mal».

Der Prozessor ist stabil auf 4.7 GHz übertaktet, die Temperatur liegt fünf Grad über der geschätzten Raumtemperatur. Hiva sieht uns an, dass wir beeindruckt sind. Er grinst. Ja, dieser Zenon ZX kann verpackt werden. Natürlich hätte der Overclocker mehr, viel mehr, aus dem Prozessor rausholen können. Es wären über 5GHz drin gewesen, doch dann wäre die Systemstabilität nicht mehr gewährleistet gewesen. Die nicht-maximale Übertaktung bringt auch andere Vorteile. Der Zenon ZX arbeitet mit weniger Spannung und wird auch nicht übermässig heiss, selbst wenn er auf maximaler Leistung läuft.

Ab heute verfügbar

Der Digitec Zenon ZX ist ab sofort bei uns im Lager. Dann kannst du ihn bestellen und schon morgen loslegen. Die erste Serie von 20 Stück bieten wir zu einem Sonderpreis an.

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Zenon ZX - powered by Joule Performance (Intel Core i7-7700K, 16GB, 500GB, 2TB, SSD, HDD)
digitec Zenon ZX - powered by Joule Performance (Intel Core i7-7700K, 16GB, 500GB, 2TB, SSD, HDD)

In Zusammenarbeit mit Joule Performance gebauter digitec Zenon ZX Highend PC.

Zurück in der Werkstatt: Während der Zenon ZX ausgesteckt wird und für den Versand bereit gemacht wird, sagt mir Hiva, ich solle ihm in sein Büro folgen. Dort habe er «die ganz coolen Sachen». Unter dem Tisch: Eine ungenutzte Flasche flüssiger Stickstoff. Overclocker wissen nie, wann die mal nützlich wird. Auf dem Tisch ein Deep Cool Tristellar Case. «Das ist so eine kleine Meisterleistung», sagt Hiva nicht ohne den Stolz eines Bastlers, dessen Projekt sogar seine Erwartungen übertroffen hat, «Das Teil läuft stabil auf 200% Leistung».

Verkaufen wird er die Maschine nicht, auch wenn das Angebot noch so gut ist. Denn das ist seiner. Eine Art Inspiration vielleicht. Eine Ideenfundgrube für weitere Experimente, für weitere PCs. Und vielleicht auch, um E-Mails zu beantworten oder die Nachrichten zu lesen.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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