
«Call of Duty: Modern Warfare 4»: geile Kampagne, gelungener Multiplayer und spannender DMZ-Modus
Dieses Jahr ist «Call of Duty» wieder gut. Sogar richtig gut. Eine spannende Solo-Kampagne, der neue «DMZ»-Modus und ein solider Multiplayer fesseln mich stundenlang an den Controller.
Zwei Wochen lang habe ich mich durch sämtliche Spielmodi von «Call of Duty: Modern Warfare 4» geballert. Der diesjährige Ableger von Activisions Blockbuster-Reihe überzeugt. Falls du mit dem seelenlosen und wirren «Black Ops 7» im vergangenen Jahr nichts anfangen konntest, solltest du dem vorerst letzten Teil der «Modern Warfare»-Saga unbedingt eine Chance geben.
Kampagne: Chaos in Korea
Entwicklerstudio Infinity Ward erzählt in «Modern Warfare 4» die Saga rund um den ikonischen Schnauzträger Captain Price zu Ende. Zur Erinnerung: Price hat am Ende von «Modern Warfare 3» General Shepherd abgemurkst und befindet sich seitdem auf der Flucht. Nun will er seinen russischen Erzfeind Makarov und dessen Verbündete zu Fall bringen – auf eigene Faust.
Um sein Ziel zu erreichen, spannt der Ex-Captain sogar mit ehemaligen Feinden zusammen und kämpft gegen alte Teammitglieder wie Gaz und Ghost. Es wird wild. Fans der Reihe können sich auf ein befriedigendes Ende der Story freuen, die 2019 mit dem Reboot von «Modern Warfare» begann.

Parallel zu Prices Rachefeldzug erzählt «Modern Warfare 4» eine beklemmend realistische Geschichte über einen nordkoreanischen Angriff auf Südkorea. Die Invasion erlebe ich nicht aus der Perspektive erfahrener Supersoldaten. Stattdessen schlüpfe ich in die Rolle junger Rekruten, die während einer Patrouille in der fiktiven Stadt Hajin überrumpelt werden.
Ich erlebe die ersten Stunden nach der Invasion und nehme später an Gegenangriffen im Norden teil. Das Game lässt mich sogar hinter feindliche Fronten blicken. In einigen Missionen sehe ich, was es bedeutet, ein nordkoreanischer Soldat zu sein. Diese düsteren Momente bleiben mir am meisten in Erinnerung.

In den insgesamt 16 Missionen wechselt das Game zwischen Prices Story und der nordkoreanischen Invasion hin und her. Mir gefällt der Kontrast zwischen beiden Handlungssträngen. Price reist auf seiner James-Bond-Geschichte um die Welt und hinterlässt unter anderem in New York, Paris und Mumbai eine Schneise der Verwüstung. Das ist geiles Action-Kino zum Hirnabschalten. Die koreanischen Missionen liefern hingegen klassisches «Call of Duty»-Feeling und rücken die grausamsten Seiten des Krieges in den Vordergrund.
Enttäuscht bin ich von der Art und Weise, wie die beiden Handlungsstränge zusammenkommen – nämlich gar nicht. Am Ende habe ich das Gefühl, zwei Story-Kampagnen mit minimaler Verbindung zueinander gespielt zu haben. Ebenfalls schade: Der neue Bond-Bösewicht «The Archer», gespielt von Mads Mikkelsen, bekommt nicht genug Screentime. Dabei hätte seine Hintergrundgeschichte, kombiniert mit Mikkelsens unvergleichlicher Art und Weise, Bösewichte zu spielen, so viel Potenzial gehabt.

Auch im Missionsdesign spüre ich deutliche Unterschiede. Price ist ein erfahrener Soldat, der viele actionreiche Momente erlebt – und manchmal auch Fäuste statt Waffen sprechen lässt. In den koreanischen Missionen muss ich hingegen vorsichtiger sein. Ich schleiche durch feindliche Gebiete, schalte als Scharfschütze Gegner aus oder sammle in einer Open-World-Mission Ressourcen in Nordkorea, um zu überleben.
Die Bandbreite an Missionen ist zwar gross, kommt aber nicht ganz an die geniale Kampagne in «Black Ops 6» (2025) heran. Ich vermisse grosse Überraschungen, die über das Abarbeiten obligatorischer Punkte auf der «Call of Duty»-To-Do-Liste hinausgehen. Zudem ärgern mich einige frustrierende Trial-and-Error-Momente, in denen das Game mich zwingt, eine Mission genau so zu spielen, wie es sich die Entwickler vorgestellt haben. Wenn ich fünfmal hintereinander verrecke, weil mich ein Gegner in einer Stealth-Mission auf unerklärliche Weise entdeckt, muss ich den Controller beiseitelegen und kurz durchatmen.

Audiovisuell ist «Modern Warfare 4» eine Wucht. Das Game überzeugt vor allem in actionreichen Szenarien mit unzähligen Effekten, die gleichzeitig über den Bildschirm fegen.
Explosionen hier, Feuer da, Schüsse von überall. Im Hintergrund fliehen Zivilisten, über mir springen Soldaten aus gegnerischen Flugzeugen. Das sieht alles wahnsinnig schön (sofern Krieg überhaupt «schön» sein kann) aus und läuft auf meiner PS5 Pro mit einer Framerate zwischen 80 und 120 FPS stets flüssig.

Multiplayer: geil
Beim Multiplayer gibt es auch nicht viel zu meckern. «Modern Warfare 4» bietet zum Start eine solide Auswahl an Maps, Modi und Inhalten. In welche Richtung sich dieses Fundament entwickelt, wird sich erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.
Infinity Ward setzt für alle Multiplayer-Modi wieder konsequent auf ein Skill-based-Matchmaking-System – kurz: SBMM. Das heisst: Ich werde konsequent mit Spielerinnen und Spielern gematcht, die ungefähr meinem Skill-Level entsprechen.
Wie bei jedem neuen «Call of Duty» sorgt dieser Umstand für viel Unmut bei erfahrenen Spielern, weil sie in jedem Match Vollgas geben müssen. Als Durchschnittssoldat stört mich das überhaupt nicht. Im Gegenteil – ich werde nie verstehen, wie man sich so über ein System aufregen kann, das für die meisten Spielerinnen und Spieler von Vorteil ist.
Die Matches fühlen sich langsamer an als in den letzten beiden «Black Ops»-Games. Infinity Ward verzichtet auf Spielereien. Keine Wandsprünge, kein Tac-Sprint, kein Omnimovement. Übersetzt heisst das: Keine Gegner, die wie John Wick durch die Gegend fliegen oder wie auf Speed über die Maps rennen. Ich mag diese bodenständigere Ausrichtung.
Infinity Ward hat auch an anderen Aspekten der Steuerung geschraubt. Insgesamt gibt mir das Game mehr Kontrolle während Animationen. So kann ich Aktionen wie Slides, Sprünge und Klettereinlagen nahtloser aneinanderreihen. Zudem verzichtet das Studio auf das bewährte «Weapon Bloom»-System. Heisst: Bei Hüftschüssen wird nicht mehr per Zufallsprinzip entschieden, wohin die Kugel fliegt. Die Position der Waffe bestimmt die Flugrichtung der Patronen. Immer.

Apropos Waffen: Die fühlen sich wie gewohnt hervorragend an. Jeder Schuss befriedigt mein «CoD»-Dopaminzentrum mit wuchtigen Sounds, gelungenen visuellen Effekten und präzisem haptischen Feedback. Aktuell habe ich mich in das «FiNN LMG» verliebt – eine eher langsame Waffe, die ihr behäbiges Handling jedoch mit einem grossen Magazin und noch grösserer Durchschlagskraft wettmacht.
Mein Arsenal passe ich wieder beim Waffenschmied an. Neu schlägt mir ein digitaler Assistent namens «Gunny» die besten Upgrades für einen bestimmten Spielstil vor. Toll für alle, die nicht zu viel Zeit mit Herumbasteln verschwenden wollen.

Quelle: Activision
Die Auswahl an Killstreaks und Field Upgrades enttäuscht mich in den ersten Tagen. Mit zunehmender Spielzeit entdekce ich aber einige Favoriten, auf die ich mich in jedem Match freue.
So setze ich nach einer Kill-Serie ferngesteuerte Modellflugzeuge mit Bomben ein und fliege Drohnen mit Maschinengewehren. Mein Favorit ist jedoch der massive «Wheelson»-Roboter – ein Vollautomatik-Fahrzeug, das alles niederballert, was sich ihm in den Weg stellt.

Zum Start gibt es viele klassische Spielmodi, die ich unendlich viel spielen kann. Eine Runde «Hardpoint», «Domination», «Kill Confirmed» oder auch das gute, alte «Team Deathmatch» gehen immer.
Zudem spendiert Infinity Ward dem Spiel vier neue Modi – aber nicht alle davon überzeugen.
- «Inflation»: Wie «Team Deathmatch», nur mit Geld. Jeder Kill gibt Cash. Habe ich genug gesammelt, werde ich zum «High Value Target» (HVT), das für alle auf der Map sichtbar ist. Mein Team entscheidet, ob es mich verteidigt oder lieber das gegnerische HVT für noch mehr Cash angreift. Eine lustige Dynamik, aber insgesamt kein Anwärter auf meine ewige Favoritenliste.
- «Hijack»: Mein Liebling unter den neuen Modi. Auf der Map erscheint ein «Datenstachel», den mein Team zu einer gegnerischen Kommunikationsstation transportieren muss, um Daten zu stehlen. Das gegnerische Team versucht dasselbe bei uns. So entsteht ein ständiges Hin und Her zwischen Angriff und Verteidigung. Je nach Lobby gibt’s superspannende Matches oder langweilige Begegnungen zum Einschlafen – «Call of Duty»-Spieler sind leider nicht dafür bekannt, auf Missionsziele zu spielen.
- «Collateral»: Wie «Counter-Strike», nur in «Call of Duty». Mein Team muss entweder Bomben legen oder entschärfen. Zwischen den Runden kaufen wir mit erspieltem Cash Waffen und Ausrüstung. Auch hier: Je nach Lobby ein supercooler Modus oder einfach nur mühsam, weil die Leute lieber hirnlos rumballern, statt das Ziel zu verfolgen.
- «Combat Outpost»: Angelehnt an die grossen 32v32-«Ground War»-Modi mit grossen Maps. Mein riesiges Team muss Aussenposten einnehmen und halten. Der Twist: Je länger wir eine Stellung verteidigen, desto mehr Belohnungen erhalten wir – etwa Panzer oder zusätzliche Ausrüstung. Zwischen den intensiven kleineren Multiplayer-Modi ist das eine willkommene Verschnaufpause.

Quelle: Activision
Die Map-Auswahl zum Start ist okay. Mehr nicht. Mir fehlen ein paar wirklich herausragende Schauplätze, die ich jedem Mitspieler empfehlen würde. Maps, die sich sofort in mein Gaming-Gedächtnis einbrennen und für immer dort bleiben.
Mein aktueller Favorit ist «Silkworm» – ein verwinkeltes, futuristisches Viertel in Südkorea. Wer die Abkürzungen und Gassen kennt, ist klar im Vorteil. Ebenfalls toll: die bunten Slums in Mumbai und die offenen Schussgefechte auf den Häuserdächern New Yorks.
Meine absolute Hass-Map ist «Transit 213» – eine Mini-Map voller ausgeschlachteter Busse. In den meisten Spielmodi führt sie zu hirnlosen Ballereien, in denen Glück mehr zählt als Strategie und Können. Ich schwör, wenn ich nochmal direkt vor einem Gegner spawne, schmeiss ich meinen Dualsense in Richtung TV.
Wuuuuussaaaa.

Auch andere Maps passen nicht zu jedem Modus – so etwa die viel zu grosse «Munition»-Map. In einem klassischen «Team Deathmatch» renne ich nach merkwürdigen Respawns gefühlt minutenlang durch menschenleere Abschnitte. Langweilig. Mit Modi, die die Teams an bestimmte Orte locken («Hardpoint», «Domination») funktioniert die XXL-Map besser.

DMZ: unvorhersehbar
Der dritte grosse Standbein im «Modern Warfare 4»-Paket ist der an Extraction-Shooter angelehnte DMZ-Modus. Auch nach zwei Wochen rumballern bin ich mir noch unsicher, was ich davon halten soll.
Das Spielprinzip ist schnell erklärt. Auf einer riesigen Map habe ich mit zwei Mitspielern eine halbe Stunde Zeit, um möglichst viel wertvolle Ressourcen zu looten, Missionen zu erfüllen und Belohnungen einzusammeln. Zahlreiche computergesteuerte und menschliche Gegnerteams stellen sich uns in den Weg. Bevor die 30 Minuten um sind, muss mein Dreierteam mit einem Helikopter aus der Demilitarisierten Zone fliehen. Sterbe ich, verliere ich meinen gesammelten Loot und alle Gegenstände, die ich auf die Mission mitgenommen habe.

In Story-Missionen verfolge ich starre, vordefinierte Ziele und erfahre mit jedem Ausflug mehr über die Hintergründe der Zone. Weitaus spannender ist der Modus mit dynamischen Missionen. Ich werde in die DMZ eingeschleust und erhalte eine zufällig ausgewählte Mission, die meist aus mehreren Zielen besteht. So muss ich etwa Bombenteile suchen, danach eine Bombe zusammenbasteln und die Bombe zum Schluss bei einem militärischen Ziel anbringen und detonieren lassen.

Während einer dynamischen Mission kann mein Team auch Nebenziele annehmen. So jagen wir auf der Suche nach Bombenteilen nebenbei mächtige Bossgegner, die noch mehr wertvollen Loot bei sich tragen oder nehmen Türme ein, um feindliche Flugzeuge abzuknallen. Wir können die aktuelle Mission auch jederzeit gegen eine andere Quest eintauschen, wenn wir unterwegs spannendere Hinweise finden. Kombiniert mit dem Chaos, das sich durch Kämpfe mit NPCs und menschlichen Gegnern ergibt, wird jede Runde in der DMZ absolut unvorhersehbar.
Diese Unvorhersehbarkeit ist zugleich die grösste Stärke und die grösste Schwäche des Modus. Manche Ausflüge treiben meinen Adrenalinspiegel in die Höhe, andere sind unspektakulär und langweilig. Wie viel Spass ich habe, hängt auch sehr von meinem Team ab. Manchmal werde ich mit absoluten Vollhonks gematcht, die hirnlos alles angreifen, was sie sehen, statt ein Ziel zu verfolgen. Das ist problematisch, denn je mehr Leichen wir hinterlassen, desto härter schlägt die Welt mit stärker gepanzerten Gegnern zurück.

Zwischen den Ausflügen kann ich in meinem Hauptquartier an meiner Ausrüstung schrauben und Items im 3D-Drucker herstellen. Leider ist das Crafting-System stellenweise mit zu viel Grinden verbunden. Um hilfreiche Ausrüstungsteile herzustellen, muss ich zunächst die passenden Rezepte finden und danach die benötigten Ressourcen in mühsamer Handarbeit sammeln. Für die richtig coolen Items ist der Aufwand so gross, dass ich gar keinen Bock habe, überhaupt anzufangen.
Besonders ärgerlich ist, dass ich sogar Items wie den Fallschirm erst nach stundenlanger Spielzeit freischalte – und ihn auch wieder verlieren kann. Mehrmals bin ich von Hochhäusern gesprungen, weil mein Muskelgedächtnis noch auf «Warzone» eingestellt war. Dort kann ich jederzeit den Fallschirm öffnen.
Wusaaaa.

Am Ende des Tages ist der DMZ-Modus Geschmackssache. Wenn dir die wilden Multiplayer-Matches zu viel sind, bekommst du hier die Gelegenheit in deinem eigenen Tempo zu spielen – vorausgesetzt, du zockst mit den richtigen Teammates und bringst eine Portion Frustresistenz mit.
«Call of Duty: Modern Warfare 4» ist erhältlich für PS5, Xbox Series X/S, Switch 2 und PC. Activision hat mir das Spiel für die PS5 (Pro) zu Testzwecken zur Verfügung gestellt.
Möchtest du mehr zu den Hintergründen der Kampagne erfahren? Ich habe mit den Schauspielerinnen und Schauspielern über das fulminante Finale gesprochen und spannende Insights zur Entwicklung erfahren:
Du möchtest wissen, wie «Call of Duty: Modern Warfare 4» auf der Switch 2 performt? In diesem Beitrag erfährst du es:
Fazit
Ein gelungenes Shooter-Paket mit kleinen Schwächen
Das diesjährige «Call of Duty» ist ein gelungenes Paket mit viel Content und Abwechslung. Die starke Solo-Kampagne bringt die Geschichte von Captain Price zu einem befriedigenden Ende. Das eigentliche Highlight ist jedoch die Story rund um den Konflikt auf der koreanischen Halbinsel aus der Sicht junger Rekruten. Die Missionen sind spektakulär inszeniert und abwechslungsreich gestaltet – auch wenn sie nicht ganz an die Genialität der besten «Call of Duty»‑Kampagnen heranreichen.
Im Multiplayer gibt’s nicht viel zu meckern. Die Matches fühlen sich bodenständiger und langsamer an als zuletzt. Inhaltlich überzeugt «Modern Warfare 4» zum Start mit einer soliden Auswahl an Maps und Modi – auch wenn nicht alle davon gelungen sind. Der DMZ-Modus ist Geschmackssache. Seine Unvorhersehbarkeit ist gleichzeitig seine grösste Stärke und Schwäche. Zwischen grandiosen Matches gibt es immer wieder langweilige und frustrierende Ausflüge. Bringst du etwas Geduld, Frusttoleranz und Bock auf Grinden mit, wirst du in der brutalen Open World aber sicher Spass haben.
Pro
- spannende Kampagne mit starken Story-Momenten und Missionen
- ein audiovisuelles Fest für die Sinne
- DMZ-Modus legt ein solides Fundament für die Zukunft
- Multiplayer macht Spass wie eh und je
- überarbeitete Steuerung dreht das Tempo etwas runter
Contra
- Storytelling und Missionsdesign in der Kampagne ausbaufähig
- DMZ ist zu unvorhersehbar und grindy
- nicht alle Inhalte im Multiplayer überzeugen
Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.
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