Review

AMD zurück an der Spitze

Kevin Hofer
27.09.2022

AMD erobert die Performance-Krone von Intel zurück. Im Test schlägt der Ryzen 9 7950X den Konkurrenten Core i9-12900K in beinahe jeder Kategorie. Dabei zeigt sich die CPU jedoch von der heissen Seite.

AMD ist zurück auf dem Thron – zumindest vorerst. Nachdem der Hersteller vor zwei Jahren den ewigen Konkurrenten Intel endlich wieder schlagen konnte, verlor er diesen Platz letztes Jahr überraschend an die Alder-Lake-Prozessoren von Intel. Dank der neuen Zen-4-Architektur setzt sich das neue Flaggschiff Ryzen 9 7950X an die Performance-Spitze. Die Frage ist: für wie lange? Denn nächsten Monat bringt Intel ebenfalls neue CPUs.

Das ist aber vorerst Zukunftsmusik. Der neue Ryzen 9 7950X überzeugt auf der Testbench. Leider wird die CPU unter Last ziemlich heiss.

Ich komme gleich zum eigentlichen Review der CPU. Wenn du dich für das Lineup und was sonst neu ist, interessierst, kannst du das im folgenden Artikel nachlesen.

  • Hintergrund

    Das ist neu bei den Ryzen-7000-Prozessoren

    von Kevin Hofer

Test-Setup und -Methode

Folgende Komponenten verwende ich für das Review:

AMD Ryzen 9 7950X (AM5, 4.50 GHz, 16 -Core)
Prozessor
686.–

AMD Ryzen 9 7950X

AM5, 4.50 GHz, 16 -Core

22
ASUS ROG Crosshair X670E Hero (AM5, AMD X670, ATX)
Mainboard
729.–minus Cashback

ASUS ROG Crosshair X670E Hero

AM5, AMD X670, ATX

19
G.Skill DDR5 PC 6000 CL30 KIT 32-RS5K (2 x 16GB, DDR5-RAM, DIMM)
RAM
297.–

G.Skill DDR5 PC 6000 CL30 KIT 32-RS5K

2 x 16GB, DDR5-RAM, DIMM

Crucial P5 (1000 GB, M.2 2280)
SSD

Crucial P5

1000 GB, M.2 2280

114
PNY XLR8 CS3030 (1000 GB, M.2 2280)
SSD
135.–135.–/1TB

PNY XLR8 CS3030

1000 GB, M.2 2280

52

Alle Komponenten wurden mir von den Herstellern für die Tests zur Verfügung gestellt. Dieselben RAM, SSDs, Kühlung sowie Grafikkarte habe ich bei den Vergleichsdaten der Intel-CPU verwendet. Bei den AMD-Vergleichsdaten habe ich ein RAM-Kit mit 3200 Megatransfers pro Sekunde verwendet.

Im BIOS aktiviere ich die korrekten Geschwindigkeiten und Timings des RAMs. Sonst lasse ich alles auf Standard. Ich verwende die BIOS-Version 0604 und Windows 11 läuft in der Version 21H2 (22000.978).

Hier zum Überblick die verschiedenen Benchmarks:

  • Cinebench R23
  • CPU-Z
  • 7-zip
  • Photoshop
  • Premiere
  • Blender Benchmark
  • PCMark 10
  • Fire Strike / Fire Strike Ultra
  • Time Spy / Time Spy Extreme
  • Games: «Anno 1800», «Forza Horizon 5», «Assassin’s Creed: Valhalla», «Civilization VI», «Cyberpunk 2077», «Far Cry 6», «Gears of War 5», «Red Dead Redemption 2», «Shadow of the Tomb Raider»

Alle Benchmarks mache ich drei Mal und nehme das beste Ergebnis. Bei den Games verwende ich die höchstmöglichen Voreinstellungen. Sonst lasse ich bis auf die Auflösung alles auf Standard.

Cinebench R23

Cinebench R23 testet, wie sich eine CPU beim Rendern von 3D-Modellen schlägt. Aus diesen Berechnungen erstellt der Benchmark Scores für Single und Multi Core Performance.

Im Benchmark erreicht der 7950X einen Single Core Score von 2051 und einen Multi Core Score von 38 271. Er läuft dabei mit 5,2 GHz auf allen 16 Kernen. Damit ist der Ryzen-Prozessor knapp zwei Prozent besser im Single Core als der 12900K von Intel. Ein kleiner Unterschied, der beim Multi Core jedoch auf knapp 40 Prozent ansteigt. Zugegeben: Der 7950X hat sechs Threads mehr zur Verfügung. Dennoch ist der Unterschied im Multi Core enorm. Im Vergleich zur Vorgänger-CPU 5950X beträgt der Zuwachs im Multi Core 28 Prozent.

Leistungsaufnahme und Temperaturen

Während des Cinebench R23 wurde der 7950X bis zu 95 Grad Celsius warm. Bislang hatte ich noch keine Ryzen-CPU auf der Testbench, die ohne Übertaktung so heiss wird. Kein Wunder, wenn ich mir die Leistung während dem Benchmark anschaue: Der 7950X zieht bis zu 230 Watt. Nur etwas weniger als der 12900K. In einem zehnminütigen Benchmark Loop kann die Ryzen-CPU bis zu 220 Watt einfordern. Cinebench ist aber eine Ausnahmeerscheinung. Im Leerlauf beträgt die Temperatur 48 Grad bei 40 Watt Leistung. Beim Netflixen, Browsen und Office-Arbeiten sind es bis zu 63 Grad Celsius bei 60 Watt. In Games ist es sehr unterschiedlich. Ich hatte aber maximal 81 Grad Celsius bei 120 Watt.

Dass es mit den Temperaturen unter Last auch anders geht, zeigt AMD mit dem Eco Mode. Mit diesem lässt sich die thermische Design Leistung (TDP) von den angegebenen 170 Watt auf 65 oder 105 beschränken. Mit einer Beschränkung auf 65 Watt erreicht der 7950X ein besseres Ergebnis in Cinebench R23 als der Vorgänger 5950X. Das habe ich im folgenden Artikel ausprobiert:

  • Review

    Von Gluthitze zu neuer Frische dank Leistungsbegrenzung

    von Kevin Hofer

CPU-Z

Der Benchmark von CPU-Z testet die Geschwindigkeit im Single Core und Multi Core einer CPU und erstellt daraus einen Gesamtscore.

Der 7950X kann im Single Core des Benchmarks die grosse Lücke zu Intels 12900K schliessen und schlägt diesen sogar um knapp 3 Prozent. Damit ist die neue Ryzen-CPU 23 Prozent besser als die Vorgängerin. Im Multi Core beträgt der Unterschied zur Konkurrenz 46 Prozent.

7-Zip

Der integrierte Benchmark von 7-Zip testet ein System auf das Komprimieren und Dekomprimieren von Daten. Daraus errechnet er einen Score in Giga Instruktionen pro Sekunde (GIPS). Ich wähle die Standard «Dictionary size» von 32 Megabyte.

Der 7950X pulverisiert alle bisherigen Ergebnisse. 117 Prozent mehr GIPS erreicht die Ryzen-CPU als die Konkurrenz von Intel. Im Vergleich zur Vorgängerin sind es 50 Prozent mehr GIPS.

Blender Benchmark

Der Blender Benchmark rendert in der Version 3.3 drei Szenen in der 3D-Grafiksuite und errechnet daraus drei Scores. Ich rechne diese jeweils zu einem Endscore zusammen.

Auch hier lässt der Ryzen 9 7950X der Konkurrenz keine Chance: Satte 57 Prozent mehr Punkte holt die CPU. Im Vergleich zur Vorgängerin sind es auch immer noch 47 Prozent.

Photoshop

Beim Photoshop-Benchmark von Puget Systems werden verschiedene Workloads durchgeführt. Genauere Infos findest du hier. Am Schluss berechnet der Benchmark einen Score, der sich an einer Referenz-Workstation orientiert.

Im Vergleich zur Vorgängerin-CPU macht die 7950X einen riesigen Sprung nach vorne. 36 Prozent mehr gibt es als die 5950X. Im Vergleich zur Konkurrenz sind es neun Prozent mehr.

Premiere

Beim Premiere-Benchmark von Puget Systems werden verschiedene Workloads durchgeführt. Genauere Infos findest du hier. Am Schluss berechnet der Benchmark einen Score, der sich an einer Referenz-Workstation orientiert.

Traditionell schneiden Intel-CPUs in Premiere besser ab, weil sie dafür optimiert sind. Das bleibt auch bei den Ryzen-7000-Prozessoren so. 15 Prozent weniger Punkte als die 12900K holt die 7950X. Im Vergleich zur Vorgängerin sind es immerhin elf Prozent mehr.

PCMark 10

Der PCMark 10 Benchmark testet diverse Szenarien wie die Ladezeit von Apps, Effizienz bei Tabellenkalkulationen, Browsen oder auch Foto- und Videobearbeitung. Er sagt also aus, wie gut sich ein Prozessor für Office-Arbeiten eignet. Daraus berechnet er einen Score.

Bis zum 12900K hatte ich nie grosse Bewegungen zwischen den CPU-Generationen im PCMark Benchmark. Mit Alder Lake von Intel hat sich das geändert und die Ryzen-7000-Prozessoren führen diesen Trend fort. 7,5 Prozent mehr Punkte als der 12900K holt der 7950X. Im Vergleich zum Vorgänger sind es sogar 15 Prozent mehr. Zuvor waren es in der Regel nur ein bis zwei Prozent.

Fire Strike, Fire Strike Ultra, Time Spy und Time Spy Ultra

Die synthetischen Game Benchmarks lassen einen ersten Blick auf die Leistung in Games zu. Ich verzichte auf die Angabe des Overall Scores, der sich aus den Ergebnissen der Grafikkarte und CPU berechnet. Dies, weil ich für CPU-Reviews die Leistung der GPU ausklammern will.

Über die vier Benchmarks hinweg erreicht der 7950X acht Prozent mehr Punkte als der 12900K. Einzig in Time Spy muss er sich geschlagen geben. Im Vergleich zur Vorgänger-CPU sind es gar 23 Prozent mehr Punkte über die vier Benchmarks hinweg..

Synthetische Benchmarks sprechen meist nicht die ganze Wahrheit. Wie sieht es in den Games aus?

Die Games

Da wir keine Möglichkeit für Bildergalerien haben, liste ich dir hier nicht die einzelnen Resultate der Games auf. Du kannst sie hier herunterladen. Auf den folgenden Tabellen siehst du das arithmetische Mittel der neun Benchmark Games. Mir ist bewusst, dass die CPU-Leistung vor allem bei 1080p-Auflösung und darunter relevant ist. Dennoch teste ich 1080p-, 1440p- sowie 2160p-Auflösung. Meine Argumentation: Du kaufst dir keine CPU der neuesten Generation und spielst dann in 720p-Auflösung.

Über alle Auflösungen hinweg liefert der 7950X mehr FPS als die Konkurrenz und der Vorgänger. Die Unterschiede werden wie zu erwarten bei höherer Auflösung geringer. In 1080p-Auflösung sind es vier Prozent, in 1440p zwei Prozent und in 2160p ein Prozent im Vergleich zu Intels 12900K. Zum Vorgänger sind es 12, 5, 7,5 und drei Prozent.

Mehr FPS als der 7950X liefert der 12900K in «Anno 1800», «Civilization VI», «Assassin’s Creed: Valhalla», und «Forza Horizon 5». Die Unterschiede sind aber klein und betragen maximal sechs FPS. Die meisten Spiele laufen mit dem 7950X problemlos. Bei «Far Cry 6» hatte ich jedoch trotz hohen durchschnittlichen FPS immer wieder Ruckler.

Fazit: (Vorerst) Wieder an der Spitze

Der neue Flaggschiff-Prozessor Ryzen 9 7950X löst den Intel Core i9-12900K als besten Prozessor ab. Beinahe in allen Applikationen setzt sich der AMD-Prozessor die Krone auf.

Das Ganze hat aber auch seine Schattenseiten. Unter Last ist der 7950X leistungshungrig und wird heiss: 95 Grad Celsius bei bis zu 230 Watt. Im Vergleich zur Vorgängerin ist das enorm. Dass es auch anders geht, zeigt AMD mit dem Eco Mode.

  • Review

    Von Gluthitze zu neuer Frische dank Leistungsbegrenzung

    von Kevin Hofer

Zum Launch kostet der 7950X 26.55 Franken pro Thread – also weniger als der 12900K mit 26.60 Franken gleichentags. Preislich steht der Prozessor alleine daher gut da. Hast du das nötige Kleingeld, ist der 7950X sicher einen Blick wert. Da AMD aber ausschliesslich auf DDR5 RAM setzt und Intel sogar bei den kommenden Raptor-Lake-Prozessoren nebst DDR5 auch auf DDR4, könnte Intel auf die Plattform bezogen einen Preisvorteil haben. DDR5 RAM sollte zwar die kommenden Monate günstiger werden, ist aber immer noch teurer als DDR4. Zudem ist derzeit schlicht nicht klar, wie gut Intels Raptor-Lake-Prozesoren performen werden. Bist du nicht Hardcore-AMD-Fan würde ich deshalb noch warten und schauen was Intel demnächst rausbringt.

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