
24 Türchen, 195 Stunden Netflix: Dieser Adventskalender ist ein Vollzeitjob
24 Türchen, sieben Netflix-Welten und fast 195 Stunden Streaming. Ich habe nachgerechnet, wie viel Lebenszeit in diesem Adventskalender steckt – und dabei einige Überraschungen entdeckt.
Ein dumpfer, markanter Zweiklang, kaum eine Sekunde lang. Und doch sagt er viel. Denn tatsächlich hat YuMes Netflix-Adventskalender einen kleinen batteriebetriebenen Lautsprecher eingebaut, der beim Öffnen das berühmte Netflix-Signet abspielt. Oha. Die Box will nicht einfach 24 Türchen sein. Sie will Netflix zum Anfassen sein. Im Kleinformat. Fürs Regal.

Das gelingt ihr auf den ersten Blick erstaunlich gut. Der Adventskalender sieht aus wie die «For You»-Seite meines Netflix-Accounts, die Türchen sind wie Kacheln einer Netflix-Startseite gestaltet. Und dahinter stecken Fanartikel aus sieben Produktionen: «Stranger Things», «Squid Game», «Bridgerton», «The Witcher», «Outer Banks», «One Piece» und «Rebel Moon».
Preis: 91 Franken.
Ein Vollzeitjob in Geschenkform
Zähle ich sämtliche Staffeln und Filme zusammen, die in diesem Kalender vertreten sind (Jahrgang: 2024, deshalb ist da etwa «Rebel Moon», aber kein «KPop Demon Hunters» drin), komme ich auf ziemlich genau 195 Stunden. Das beinhaltet alle bis heute veröffentlichten Staffeln dieser sieben Franchises. Bei «Rebel Moon» die Director's Cuts, natürlich. Wer sich freiwillig Zack Snyder antut, darf schliesslich nicht nach der Hälfte aufhören.
195 Stunden. Klingt nach ziemlich viel Netflix. Aber wie viel Zeit ist das eigentlich? Um die Zahl etwas greifbarer zu machen, rechne ich sie kurzerhand in Arbeitszeit um. Bei einer 42-Stunden-Woche – also 8 Stunden und 24 Minuten pro Tag, fünf Tage die Woche – ergibt das vier Wochen, drei Arbeitstage und 1 Stunde 50 Minuten. Anders gesagt: Wer sämtliche Serien und Filme dieses Kalenders vollständig schauen will, absolviert damit beinahe fünf Wochen Vollzeitarbeit. Nur ohne Lohn, dafür mit Demogorgon-Figur.
Noch schöner wird die Rechnung im Advent selbst. Wer am 1. Dezember beginnt und bis Heiligabend alles gesehen haben will, kann das tun. Nur muss man dafür 24 Tage lang täglich 8 Stunden und 8 Minuten streamen. Das liegt sogar 16 Minuten unter dem eben berechneten Arbeitstag. Klingt machbar! Der Haken: Wochenenden gibt es keine. Nur Schichtbetrieb.
Sieben Franchises, 24 Türchen – wer bekommt wie viel?
Genug gerechnet. Schliesslich habe ich 91 Franken für einen Adventskalender bezahlt und keinen berufsbegleitenden Netflix-Marathon gebucht. Höchste Zeit also, nachzuschauen, was ich für mein Geld tatsächlich bekomme.
Auffällig ist zunächst, wie gleichmässig YuMe die Geschenke verteilt. «Stranger Things», «Squid Game» und «One Piece» erhalten jeweils vier Türchen, die übrigen vier Franchises je drei. Macht zwischen 11.38 und 15.17 Franken pro Netflix-Welt, wenn ich den Kaufpreis gleichmässig auf die 24 Geschenke verteile.
Das klingt zunächst fair. Allerdings setzt diese Rechnung voraus, dass mir alle sieben Produktionen gleich viel bedeuten. Und genau da wird's schwierig: Ein Fan von «Stranger Things» wird sich über einen kleinen Demogorgon vermutlich mehr freuen als über irgendein Schmuckstück aus «Bridgerton». Wer hingegen romantische Kostümdramen liebt, dürfte das ziemlich genau andersherum sehen.

Was die Qualität angeht, bin ich positiv überrascht. Klar, bei den 24 Geschenken handelt es sich zwar um Kleinigkeiten, aber erstaunlich ordentlich gemachte Kleinigkeiten: Figuren, Schlüsselanhänger, Pins, Aufnäher, Lesezeichen und allerlei anderer Fan-Krimskrams.
Verglichen mit den vielen lieblos zusammengestellten Adventskalendern, die schon für 30 oder 40 Franken über den Ladentisch gehen, finde ich diese Netflix-Box also wirklich gut. Die Figuren sind ordentlich verarbeitet, die Motive liebevoll gestaltet und selbst unscheinbare Gegenstände wie der goldfarbene «Bridgerton»-Teelöffel machen optisch etwas her.
Natürlich darf man für 91 Franken – im Schnitt also 3.80 Franken pro Türchen – keine hochwertigen Sammlerstücke erwarten. Aber billigen Plastikschrott hatte ich ehrlich gesagt schon befürchtet. Zum Glück umsonst.

Besonders angetan hat es mir der Kugelschreiber aus «The Witcher», dessen Griff dem Schwert von Geralt nachempfunden ist. Ein kleines, hübsches Detail, das auf dem Schreibtisch durchaus etwas hermacht. Auch das metallene Wolfsschul-Medaillon als Pin gefällt mir, ebenso die Figuren aus «Stranger Things» und «Squid Game». Dazu kommen nette Einfälle wie der Surfbrett-Flaschenöffner aus «Outer Banks», ein liebevoll verziertes Lesezeichen aus «Bridgerton» oder die kleine Teufelsfrucht als Plüsch-Schlüsselanhänger aus «One Piece».
Nichts davon wird mein Leben verändern. Aber das muss es auch nicht. Für Fans sind das durchaus charmante Erinnerungsstücke, bei denen man merkt, dass sich jemand Gedanken über die jeweilige Vorlage gemacht hat.
Fazit
Mehr Netflix als Adventskalender?
91 Franken sind eine ziemliche Ansage für einen Adventskalender voller Kleinigkeiten. Allerdings hat mich die Netflix-Box positiv überrascht. Die Aufmachung ist gelungen, die Geschenke wirken hochwertiger, als ich erwartet hatte, und das bekannte TUDUM beim Öffnen zaubert mir tatsächlich jedes Mal ein Grinsen ins Gesicht. Sicher, es gibt günstigere Adventskalender. Aber hier habe ich zumindest das Gefühl, dass ein Teil des Geldes tatsächlich in die Geschenke geflossen ist und nicht bloss in die Netflix-Lizenz.
Die grösste Schwäche ist gleichzeitig die Stärke des Kalenders: seine Vielfalt. YuMe versucht, Fans von sieben völlig unterschiedlichen Franchises glücklich zu machen. Wer alle mag, dürfte damit seine helle Freude haben. Wer sich hingegen nur für «Stranger Things» oder «The Witcher» interessiert, wird zwangsläufig auch ein paar Geschenke auspacken, zu denen er kaum einen Bezug hat. Schade finde ich zudem, dass YuMe den Kalender seit 2024 offenbar nicht aktualisiert hat.
Bleibt die Frage, ob sich 91 Franken dafür lohnen. Für eingefleischte Netflix-Fans durchaus, finde ich. Vor allem, wenn sie Freude an kleinen, liebevoll gestalteten Erinnerungsstücken haben. Das Beste daran: Um den Kalender zu geniessen, muss man zum Glück keine 195 Stunden vor dem Fernseher verbringen. Wobei ich zugeben muss, dass mich die Vorstellung eines fünfwöchigen Netflix-Vollzeitjobs inzwischen durchaus reizt.
Pro
- hochwertige Aufmachung mit Netflix-Design und TUDUM-Sound beim Öffnen
- 24 überraschend solide verarbeitete Fanartikel mit liebevollen Details
- abwechslungsreiche Geschenke aus sieben Netflix-Franchises
Contra
- seit 2024 unveränderte Serienauswahl – neuere Netflix-Hits fehlen
Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.
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