Lichtsysteme im Vergleich: I love Hue oder Eglo forever?
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Lichtsysteme im Vergleich: I love Hue oder Eglo forever?

Michael Restin
Zurich, on 22.01.2019
Wer smarte Lichtlösungen sucht, landet meist beim Marktführer Philips Hue. Ging mir genauso. Jetzt haben meine Leuchten interessanten Besuch bekommen: Die Produkte von Eglo Connect vernetzen sich ohne Internetverbindung.

Je vernetzter mein Zuhause wird, desto voller wird es hinter dem Router. Dort tummeln sich die Bridge von Hue, der Access Point von Homematic IP, eine Gigaset-IP-Basisstation und den letzten freien Ethernet Port zapft iSmartAlarm an. So weit, so gut. Dafür habe ich wieder genau das, was ich eigentlich vermeiden wollte: grösstmöglichen Kabelsalat.

Das Lichtsystem von Eglo Connect ist mir schon deshalb auf Anhieb sympathisch, weil es das Internet gepflegt ignoriert. Es knüpft sich selbst ein Netz und hält auch ohne Brücke alles im Fluss. Die Mesh-Technologie macht’s möglich. Dafür haben sich die Österreicher von Eglo mit dem französischen Chip-Hersteller «AwoX» zusammengetan.

Ihre (gemeinsame) Masche: Über Bluetooth verbinden sich die einzelnen Leuchtmittel auf eine Distanz von bis zu 15 Metern untereinander und reichen Steuerbefehle weiter. «Stehlampe an Hängeleuchte, dimmen! Weitersagen!» – «Erledigt. Hängeleuchte an Küchenlampe, dimmen! Ach ja, und sag der Schlafzimmerlampe noch, dass sie ausgehen soll!» Ungefähr so läuft das Bluetooth-Geflüster ab. Du musst mit deinem Smartphone oder der Fernbedienung also nur in Reichweite eines Leuchtmittels sein, um alle steuern zu können. Auch, wenn du offline bist.

Pink auf Knopfdruck:16 Millionen Farben sind bei Eglo Connect Standard.
Pink auf Knopfdruck:16 Millionen Farben sind bei Eglo Connect Standard.

Dieser Ansatz ist interessant, hat aber den Nachteil, dass er sich nicht sinnvoll mit Hue und anderen Systemen kombinieren lässt, die sich via Funk vernetzen und auf den Zigbee-Standard setzen. Produkte von Hue, Osram Lightify oder IKEA Trådfri können problemlos miteinander. Eglo Connect steht also einer gewaltigen Marktmacht gegenüber. Zwar lässt sich über die zum Eglo-System gehörende AwoX-App (iOS // Android) die Hue Bridge einbinden und so die Hue-Leuchten mitsteuern. Aber wer schon auf Hue & Co. setzt, wird sich wahrscheinlich kaum zum Umstieg bewegen lassen. Und wer sich die günstigere Lösung Eglo Connect anschafft, kauft keine Hue Bridge und weitere Hue-Produkte, um diese dann über Eglo zu steuern. Trotzdem bin ich neugierig und nehme für einige Zeit eine österreichisch-französische Austauschlampe bei mir auf. Ich habe noch ein gemütliches E27-Gewinde frei.

Eglo und die Hue-Familie

In einem Punkt überstrahlt Eglo die Konkurrenz: Die hellste E27-Glühbirne des Herstellers bringt es auf satte 1300 Lumen, was in etwa einer Halogenlampe mit 80 Watt entspricht. Ich schraube mir die Standard-Variante ein, die mit 806 Lumen bei einer Leistungsaufnahme von 9 Watt exakt so viel Licht abgeben soll wie meine Hue White & Ambiance (9,5 Watt). Allerdings kann sie auch farbig leuchten. Das lässt sich Eglo nicht extra bezahlen wie Philips bei der deutlich teureren White & Color Ambiance.

Die Installation ist bei Eglo so unkompliziert, dass ich darüber nicht viele Worte verlieren muss: App laden, Bluetooth aktivieren, verbinden – kein Hexenwerk und ich muss nicht hinters Sofa krabbeln, um an Router oder Bridge herumzufummeln. Noch einfacher ist’s mit der Fernbedienung. Lampe einschalten, drei Sekunden den On-Knopf gedrückt halten. Fertig. Bei mir funktioniert's. Dazu nehme ich noch einen Eglo Connect Stripe in Betrieb und kann beginnen, die Leuchtmittel in der App zu gruppieren und zu programmieren.

Diese drei Produkte ziehen probeweise bei mir ein:

Light sources (E27, 9W)
Quantity discount
19.80
Eglo Light sources (E27, 9W)

Auch die Hue Bridge füge ich in der AwoX-App hinzu und kann so meine Hue-Lampen einbinden. Willkommen in der Familie. Bei mir sorgen normalerweise drei Hue White & Ambiance sowie drei Hue White gesteuert über zwei Dimmer Switches und einen Bewegungsmelder für die passende Beleuchtung. Kombiniert mit dem bunten Schein der Neulinge von Eglo kann ich mir gepflegt Gedanken darüber machen, welche Vor- und Nachteile beide Systeme haben.

Meine Dauerbrenner von Philips:

Hue White Ambiance Expansion (E27, 9.50W)
39.95
Philips Hue White Ambiance Expansion (E27, 9.50W)
Hue White (E27, 9.50W)
24.95
Philips Hue White (E27, 9.50W)

Grenzenlose Möglichkeiten

Philips Hue ist nicht umsonst Marktführer. Das System bietet unendliche Möglichkeiten für Smart-Home-Enthusiasten, es zu erweitern, fernzusteuern und via IFTTT Regeln für Wenn-dann-Aktionen zu erstellen. Die Produktpalette ist gross und mit anderen Herstellern kompatibel, die den gleichen Funkstandard verwenden. Dazu gibt’s eine ausgereifte App des Herstellers, diverse andere Apps und die meiner Meinung nach ansprechender gestalteten Fernbedienungen. Wer nicht so genau auf den Preis schaut und die Möglichkeiten nutzt, wird damit glücklich. So wie Community-Mitglied Sonico100.

Genau so ist das Leben mit Philips Hue. Punkt.
Genau so ist das Leben mit Philips Hue. Punkt.

Schritt für Schritt erweiterbar

Dass Eglo Connect auf Bluetooth setzt und unabhängig vom Internet funktioniert, kann je nach Sichtweise ein Vor- oder Nachteil sein. Du sparst dir die Bridge und die Komponenten bilden ein geschlossenes System, auf das nicht von aussen zugegriffen werden kann. Über die App lassen sich Gruppen und Routinen erstellen, was wann und wie ein- oder ausgeschaltet werden soll. So kannst du dich morgens mit zunehmender Helligkeit wecken lassen oder Anwesenheit simulieren, wenn du ausser Haus bist.

Die Befehle werden auf den Leuchtmitteln selbst gespeichert und laufen dann automatisch ab. Allerdings kannst du nichts mehr daran ändern, wenn du unterwegs bist. Auch auf die Sprachsteuerung über Google Home & Co. musst du in der Basisvariante verzichten. Um hier nicht den Anschluss zu verlieren, baut Eglo doch eine Brücke: mit dem Connect Plug Plus ist es zwar vorbei mit dem geschlossenen System, dafür erweiterst du den Spielraum deiner Möglichkeiten. Auch ein Bewegungssensor lässt sich einbinden und die Auswahl an Lampen und Leuchtmitteln ist gross.

So viel zu den Fakten, nun zu den Gefühlen und Erfahrungen.

Patt beim Birnendesign, bei den Fernbedienungen macht der schlichte Hue Dimmer Switch für mich den Punkt.
Patt beim Birnendesign, bei den Fernbedienungen macht der schlichte Hue Dimmer Switch für mich den Punkt.

Eglo im Alltag

Anfangs fremdle ich ein wenig. Ich bin das schummrig-schön abgestimmte Hue-Ambiance-Licht gewöhnt und es dauert eine Weile, bis ich mit Eglo Connect für mich angenehme Einstellungen gefunden habe. Aber bei 16 Millionen Farb- und 50 000 Weisstönen ist natürlich etwas Passendes dabei. Über die Fernbedienung funktioniert die Steuerung reibungslos. Du kannst zwischen den Farbtönen wechseln, dimmen, deine Favoriten speichern und mit einem Tastendruck aufrufen. Leider ist sie optisch bei den Billig-TV-Fernbedienungen der 90er-Jahre hängengeblieben und ist nicht so unauffällig wie der Dimmer Switch von Hue. Damit muss ich mich Druck für Druck durch meine Favoriten klicken, was unpraktischer ist, dafür aber besser aussieht.

Auch die Eglo-AwoX-App ist okay, ohne mich zu begeistern. Einzig der Disco-Modus ist etwas, das ein wenig zum Spielen verleitet. Dabei blinken die Lichter im Rhythmus deiner Musik, wenn du der App Zugriff aufs Mikrofon gewährst. Ansonsten nutze ich sie vor allem, um die Grundeinstellungen zu verwalten. Beim Schalten der Lichter dauert es immer ein paar Augenblicke, bis die Bluetooth-Verbindung steht. Aber dann steht sie. Ausfälle oder gröbere Probleme habe ich mit Eglo Connect nicht. Verzweifelt bin ich nur beim Versuch, den Light Stripe nach diesem Schaltplan für Stoppuhrbesitzer zu resetten.

Die App ist übersichtlich und funktioniert bei mir ohne Abstürze. Trotzdem greife ich lieber zur Fernbedienung.
Die App ist übersichtlich und funktioniert bei mir ohne Abstürze. Trotzdem greife ich lieber zur Fernbedienung.

Schlussgedanken

I love Hue. Umsteigen werde ich nicht. Aber Eglo Connect hat mir trotzdem gefallen und meinen Umgang mit dem Licht einen Tick nüchterner gemacht. Licht an, Licht aus. Mal gruppiert, mal automatisiert und per Knopfdruck in der gewünschten Stimmung – mehr braucht es in vielen Fällen und für viele Nutzer gar nicht. Falls du noch kein smartes Lichtsystem installiert hast und ein unkompliziertes Konzept für die Basisfunktionen suchst, das sich «smart» erweitern lässt, lohnt sich ein genauerer Blick. Auch beim Test der Zeitschrift «Connect» kam das System gut weg. Und an jedem internetlosen Ort ist Eglo Connect ideal. Falls du das Glück hast, eine Ferienwohnung zu besitzen, kannst du bedenkenlos zugreifen. Dort würde ich es sofort installieren – wenn ich eine hätte.

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Michael Restin
Michael Restin
Editor, Zurich
Sports scientist, high-performance dad and remote worker in the service of Her Majesty the Turtle.

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