Debora Pape
Produkttest

Zwischen Knast-Optik und Sternenhimmel: der Philips-Hue-Vorhang im Test

Debora Pape
29.10.2026
Bilder: Debora Pape

250 LEDs an zehn Kabelsträngen: Das ist «Festavia Curtain» von Philips Hue. Eigentlich wollte ich den Lichtervorhang an die Wand hängen, doch er endete vor dem Fenster. Und nun finde ich es schade, dass ich den Vorhang wieder abgeben muss.

«Hoffentlich ist dieser Test kein Fehler», denke ich, während ich den Lichterkettenvorhang «Festavia Curtain» von Philips Hue an der Gardinenstange in meinem Arbeitszimmer befestige. Katze Bonnie streicht mir interessiert um die Beine und stupst testweise mit der Pfote einen der herabhängenden Stränge an. Vor meinem inneren Auge sehe ich schon ramponierte Kabel, angeknabberte LEDs und beim Spielen umgeworfene Blumentöpfe.

Doch ein paar Tage später ist Festavia noch immer frei von Bissspuren und auch die Pflanzen stehen weiterhin senkrecht: Die Katzen schenken den Kabeln kaum Beachtung, jedenfalls bislang. Eine andere Lichterkette hatte bereits weniger Glück. Vielleicht haben Bonnie und Balu Respekt vor dem hohen Preis der Festavia. Da die Katzen den Vorhang jedenfalls unerwartet wohlwollend akzeptieren, kann ich mich nun der Hauptsache widmen: dem Test.

Vorsichtige Entwarnung: Bonnie betrachtet den Festavia-Vorhang (noch?) nicht als Beute.
Vorsichtige Entwarnung: Bonnie betrachtet den Festavia-Vorhang (noch?) nicht als Beute.

Die Produktreihe Festavia enthält mehrere smarte Lichterketten in verschiedenen Formen. Es gibt sie als klassischen LED-Kabelstrang, als Vorhang mit mehreren parallel angeordneten Strängen, als «Eiszapfen»-Lichterkette für die Dachkanten und als Netz für Büsche im Garten.

Der Vorhang ist zwei Meter hoch und erstreckt sich mit zehn Strängen über eine Breite von 1,35 Metern. An jedem Strang sind 25 LEDs angebracht, 250 sind es also insgesamt.

Montage und Aktivierung in der Hue-App

Eigentlich wollte ich den Lichtervorhang nicht vor einem Fenster, sondern ganz normal an der Wand anbringen. An der Dachschräge in meinem Zimmer hätte das sicher schön ausgesehen. Doch dann hätte ich bohren müssen. Ich habe die Festavia nur testweise bei mir und will dafür nicht mein Haus durchlöchern. Also müssen die Gardinenstange und Kabelbinder herhalten. Das Fenster ist ein Kompromiss für den Test. Dass Festavia dort eine gute Figur machen würde, konnte ich mir nicht vorstellen. Doch ich lag hart daneben.

Beim Öffnen des Paketes fällt mir als Erstes die silbrig-transparente Farbe der Kabel auf. Normale Lichterketten aus dem Baumarkt kenne ich nur in Schwarz oder Dunkelgrün, damit sie um den Tannenbaum gewickelt fast unsichtbar werden. Der Festavia-Vorhang ist aber nicht für den Baum gedacht, sondern für die Wand, und die ist meistens nicht schwarz. Gut, dass Hue das bedacht hat. Die Kabel fallen dadurch weniger auf.

Als Montagematerial liegt etwa ein Dutzend weißer Kabelbinder mit Öse bei. Ich verwende stattdessen eigene, schwarze Kabelbinder, die besser zur schwarzen Gardinenstange passen. Die beiliegenden Kabelbinder könnten aber praktisch sein, wenn du Festavia an Wandhaken, Schrauben oder Nägeln befestigen willst: Du ziehst sie fest um das obere Haltekabel und kannst dann die Ösen als Schlaufen zur Aufhängung nutzen.

Diese beiliegenden Kabelbinder kann ich zum Aufhängen des Vorhangs nutzen.
Diese beiliegenden Kabelbinder kann ich zum Aufhängen des Vorhangs nutzen.

Die Stromkabellänge vom Vorhang bis zum Stecker beträgt 4,5 Meter. Das ist bei mir im kleinen Zimmer schon recht knapp, weil ich das Kabel erst aus zwei Meter Höhe zum Boden führen muss. Dann habe ich nur noch 2,5 Meter Kabel übrig – das reicht nicht bis zur nächsten Steckdose. Ich behelfe mir mit einem Verlängerungskabel und verstecke die Dreier-Steckdose mit dem massiven Netzteil am Stecker hinter einem Regal.

Im Garten könnte das schwieriger werden. Festavia ist zwar nach IP54 (das Netzteil nach IP44) gegen Spritzwasser geschützt und dadurch bedingt auch für den Außenbereich geeignet. Bei der Nutzung eines Verlängerungskabels musst du aber darauf achten, dass kein Wasser in die Steckverbindung gelangen kann. Zudem sollte das große Netzteil im Garten nicht zum Stolperstein werden.

Das Netzteil am Schuko-Stecker ist nicht gerade zierlich. In der Schweiz liegt ein Adapter bei.
Das Netzteil am Schuko-Stecker ist nicht gerade zierlich. In der Schweiz liegt ein Adapter bei.

Erster Eindruck am Tag: ganz nett

Nach dem Aufhängen bin ich zunächst skeptisch. Durch die herabhängenden Schnüre drängt sich mir ein gewisses Knastgefühl auf. Dass sich das Fenster nicht mehr so einfach öffnen lässt wie zuvor, trägt ebenfalls dazu bei. Das ist gewöhnungsbedürftig.

Die Integration der smarten Beleuchtung in mein Hue-Ökosystem klappt wie gewohnt reibungslos: Es reicht, mit der Hue-App einen QR-Code zu scannen, und kurz darauf ist der Festavia-Vorhang einsatzbereit.

Sobald ich Festavia einschalte, verfliegen meine skeptischen Gedanken. Die Lichtpunkte sind selbst bei Tageslicht hübsch.

Ich teste den Vorhang mit der originalen Hue-App. Sie bietet eine schier unendliche Zahl an vordefinierten Szenen, die unterschiedliche Farben kombinieren. Die harmonieren sehr gut und die App verteilt die Farben schön über die Breite des Vorhangs. Farbverläufe sind immer horizontal, vertikale Verläufe gibt es nicht. Obwohl die LEDs technisch einzeln ansteuerbar sind, nutzt die Hue-App diese Möglichkeit kaum aus. Stattdessen leuchtet jeder Kabelstrang stets nur in einer Farbe.

Tagsüber fällt der Lichtervorhang nicht sehr auf. Unter dem Fenster deutet sich aber schon an, wie hübsch er bei Dunkelheit ist.
Tagsüber fällt der Lichtervorhang nicht sehr auf. Unter dem Fenster deutet sich aber schon an, wie hübsch er bei Dunkelheit ist.

Animationen sind in der Hue-App ohnehin Mangelware. Die meisten Szenen sind statisch, die eingestellten Farben bleiben also wie sie sind. Das sorgt für eine ruhige Atmosphäre, langweilt mich manchmal aber schon. Ich wünsche mir keine hektisch blinkende Jahrmarkt-Lichterkette, aber sanft durchwechselnde Farben fände ich schön. Animationen habe ich auch schon bei den Play-Lichtstangen vermisst, die ich vor einiger Zeit ausprobiert habe.

Im aktuellen Halloween-Set gibt es jedoch tatsächlich einige Szenen mit mehr Bewegung. Teilweise leuchten nur einzelne LEDs kurz auf, teilweise scheinen alle Lichter zu funkeln. Je nach Stimmung kann das unruhig und kitschig wirken oder an eine glitzernde Kristallhöhle erinnern. Oder an Licht auf Schnee.

Zweiter Eindruck in der Nacht: Geil!

Mein Murren verschwindet völlig, als ich die Lichterkette erstmals bei Dunkelheit einschalte und völlig geflasht bin: Die Lichtpunkte setzen sogar eine schnöde Heizung und ein langweiliges Fenster hübsch in Szene. Die Lichtreflexionen lassen den Vorhang dreidimensional wirken, mein Zimmer hat durch Festavia gefühlt mehr Tiefe. Das Fenster wird vom schwarzen Rechteck zu einem künstlichen Sternenhimmel.

Die Reflexionen an Fensterscheibe und Heizung geben dem Raum mehr Tiefe.
Die Reflexionen an Fensterscheibe und Heizung geben dem Raum mehr Tiefe.

Dass der Vorhang eine solche Wirkung entfaltet, hätte ich nicht erwartet und mir drängt sich der Gedanke auf, dass sich die Lichterkette vor dem Fenster sogar besser macht als an einer Wand.

Während der folgenden dunklen Nachmittage und Abende erfreue ich mich mehr als gedacht an dem Teil. Ich experimentiere mit verschiedenen Szenen herum und genieße die sanfte, unaufdringliche Lichtstimmung im Raum. Das haben bisher weder die drei Deckenstrahler mit Hue-Birnen noch diverse LED-Streifen oder Wall-Washing-Lampen neben dem Monitor so gut hinbekommen: Während ich bei anderen Lampen auf diffuse, indirekte Beleuchtung setze, sind die kleinen Lichtpunkte des Festavia-Vorhangs selbst die Stars der Manege. Sie beleuchten die Umgebung, blenden nicht und sehen dabei noch hübsch aus.

Bonnie will nur schauen, nicht spielen.
Bonnie will nur schauen, nicht spielen.

Wäre da nur nicht der Preis. Wie von Hue gewohnt, ist der Vorhang nicht gerade günstig. Vielleicht schenke ich ihn mir selbst zu Weihnachten. Aber auch wegen der Katzen müsste ich mir nochmal Gedanken machen. Sie haben den Lichtervorhang während der vergangenen Tage in Ruhe gelassen. Aber ich gehe davon aus, dass er eines Tages zum Spielobjekt werden würde.

Fazit

Wie ein vertikaler Sternenhimmel

Der Festavia-Vorhang sorgt für eine gemütliche Lichtstimmung, die mir bei abendlichen Sessions am Computer wirklich Freude macht. Die Montage vor dem Fenster hat sich als Volltreffer erwiesen: Dadurch erhält der Vorhang sogar räumliche Tiefe. Für die schöne Beleuchtung würde ich dem Vorhang fünf Sterne geben. Die einfache Einrichtung, die beiliegende Montagehilfe sowie die zurückhaltende Kabelfarbe runden das Paket ab.

Demgegenüber stehen der hohe Preis, das für manche Anwendungszwecke etwas kurze Kabel sowie das große Netzteil direkt am Stecker. Schade ist zudem, dass die Original-App kaum Bewegung in den Szenen bietet. Dafür kann das Produkt selbst aber nichts und für mehr Effekte kannst du dir eine Drittanbieter-App wie Hue Essentials besorgen.

Pro

  • sehr schöne Lichteffekte vor dem Fenster
  • beiliegende Kabelbinder als sinnvolle Montagehilfe
  • diskrete Kabelfarbe
  • wetterfest
  • einfache Einrichtung

Contra

  • hoher Preis
  • Stromkabel mit 4,5 Meter etwas kurz
  • großes Netzteil am Stecker
Produktbild Philips Hue Festavia Curtain Lights (5.85 m)
Lichterkette
Cash‐back
CHF198.– 50.– Cashback

Philips Hue Festavia Curtain Lights

5.85 m

Titelbild: Debora Pape

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Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.


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