

Die Hue «Play»-Stehleuchte schafft buntes Ambiente rund um den Fernseher
Sie ähnelt Hues «Signe»-Stehleuchte, schafft sich aber ihre eigene Nische: Die «Play» steht zwischen raumfüllender Beleuchtung und TV-Visualisierung.
Zu den diesjährigen Neuheiten von Philips Hue gehört die Stehlampe der «Play»-Serie. Sie wird als ideale Leuchte fürs Heimkino, den Gaming-Raum oder die Musikecke vermarktet. In solchen Entertainment-Bereichen soll sie das Ambiente mit synchronisierten Beleuchtungseffekten aufhübschen.
Ich bin interessiert. In meinem Wohnzimmer stand jahrelang ein Philips-Ambilight-Fernseher, der die Wand um sich herum in den Farben des Bildschirminhalts beleuchtete. Als ich ihn im vergangenen Jahr gegen einen Samsung-TV ersetzte, vermisste ich die Beleuchtung anfangs schmerzlich. Die «Play»-Leuchte lässt sich ebenfalls mit dem TV synchronisieren – mit dem Unterschied, dass sie sich frei im Raum aufstellen lässt.
Für den Test hat Hue mir zwei «Play»-Stehlampen leihweise zur Verfügung gestellt.

Die Hue-«Play»-Leuchten erzeugen durch sogenanntes Wall Washing eine indirekte Ambiente-Beleuchtung, die Wände in bunten Farben einfärbt. Hinter der weißen Kunststoffabdeckung sitzen in Segmente unterteilte RGBWWIC-LEDs. Dadurch kann die Leuchte mehrere Farben gleichzeitig darstellen und weiche Übergänge erzeugen.
Bei der TV-Synchronisierung überträgt die Hue Bridge die Farben am Bildschirmrand auf die Segmente der Lampe und kreiert so einen Ambilight-Effekt an der Wand. Die Stehlampe ist rund 122 Zentimeter hoch. Zwei davon eignen sich ideal zur Aufstellung links und rechts neben meinem 65-Zöller.

Im Gegensatz zur ähnlichen «Signe»-Stehlampe aus Aluminium macht die Kunststoff-Lampe «Play» optisch nicht viel her. Sie ist mit ihrer maximalen Helligkeit von 925 Lumen bei 4000 Kelvin nicht als Hauptlichtquelle zur Raumbeleuchtung gedacht. Die «Signe» erreicht bis zu 2550 Lumen. Dafür ist die «Play» aber deutlich günstiger – und aufgrund einer höheren Segmentdichte auch besser für eine präzise Darstellung geeignet.
Der Standfuß hat einen Durchmesser von neun Zentimetern und ist recht schwer, damit die Lampe nicht bei jedem Luftzug umkippt. Streicht mein Acht-Kilo-Kater um sie herum, kommt sie aber schnell ins Wanken. Damit entscheidet sich der Hersteller gegen eine breite, standfeste Fußscheibe und für einen geringeren Platzbedarf bei höherer Kippanfälligkeit. Das finde ich nachvollziehbar, ist doch der Heimkino-Bereich sowieso oft schon vollgestellt genug.

Einrichtung der Synchronisierung
Bevor es mit der Synchronisierung klappt, muss ich die Lampen ins Hue-Netz integrieren und weitere Apps verknüpfen. Die Einrichtung der Lampen in der Hue-App ist schnell erledigt. Ich tippe unter Einstellungen > Geräte auf das Plus-Symbol und Hue findet die Lampen sofort. Beiden gebe ich einen passenden Namen und ordne sie einem Raum zu.
Dann sind die Lampen grundsätzlich betriebsbereit: Ich kann ihnen in der Hue-App Szenen und Routinen zuweisen und sie auch in andere Smarthome-Systeme, wie etwa Home Assistant, integrieren.

Aber ich will die Lampen ja vom Fernseher steuern lassen. Dazu benötige ich eine Entertainment-Zone, die ich in der Hue-App einrichte. Entertainment-Bereiche umfassen bis zu zehn kompatible Leuchten, die Hue mit einer Video- oder Musikquelle synchronisieren kann. Kompatibel sind etwa Gradient- und die meisten «Color & Ambiance»-Leuchten von Hue.
Die Software stimmt die Beleuchtung dabei auf die Lampenpositionen im Raum ab. Damit das funktioniert, platziere ich bei der Zonen-Einrichtung die Lampen in einem virtuellen Raum ungefähr dort, wo sie sich in der Realität befinden.

Für die Synchronisierung am Fernseher gibt es zwei Methoden:
- die Hue Play HDMI Sync Box
- die Hue-Sync-App für den Fernseher
Die HDMI Sync Box ist mit rund 250 Euro/Franken recht teuer und visualisiert ausschließlich per HDMI angeschlossene Quellen. Bei auf dem TV installierten Apps wie Netflix, Apple TV oder Youtube funktioniert es nicht. Die Hue-Sync-App erfordert einen einmaligen Kauf für rund 130 Euro/Franken oder ein kostenpflichtiges Abo für rund drei Euro/Franken im Monat. Sie ist leider nur auf neueren Samsung- und LG-Fernsehern verfügbar. Glücklicherweise ist mein Samsung-TV kompatibel und so schließe ich für den Test ein Monatsabo ab.

Die Hue-Sync-App bietet drei Synchronisierungsmodi an: Video, Game und Musik. Sie unterscheiden sich in den Details der Farbwiedergabe. Für jeden Modus lassen sich außerdem die Helligkeit und Intensität des Effekts festlegen.
Beim Einschalten startet der Fernseher den Modus, der beim Ausschalten aktiv war. Möchte ich ihn ändern, muss ich an der TV-Oberfläche die App auswählen und einige Sekunden warten, während sie lädt. Das hält mich davon ab, die Modi öfter zu wechseln.
Übrigens: Die Hue-Sync-App zur Installation auf dem Computer ist kostenlos. Nur bei der TV-Synchro langt Hue kräftig zu, um den Preis für die HDMI Sync Box zu rechtfertigen.
Video- und Game-Synchronisierung: hübscher Lichteindruck
Mit aktivierter Synchronisierung und mittlerer Intensität starte ich eine Netflix-Serie. Der Ambilight-Effekt ist zunächst gewöhnungsbedürftig, weil auf der zuvor ruhigen Wand nun viel Licht und Bewegung ist. In den ersten Minuten kann ich mich kaum auf die Handlung konzentrieren. Doch nach kurzer Zeit habe ich mich wieder an den Effekt gewöhnt und schätze die Beleuchtung, die aus dem Fernseher in den Raum auszugreifen scheint.

So detailreich und präzise wie bei einem Ambilight-TV darfst du dir den Effekt mit den «Play»-Leuchten aber nicht vorstellen. Dafür ist die vertikale Übertragung der Farbinformationen auf die Lichtstange nicht genau genug und der Bereich über dem TV bleibt weitgehend dunkel. Es handelt sich also eher um einen koordinierten Farbeindruck als um eine Erweiterung des Geschehens auf die Wand.
Welche Bildbereiche die Software genau für die Farbwiedergabe analysiert, ist mir nicht ganz klar. Im Video-Modus habe ich den Eindruck, dass die Software bei schwarzen Randbereichen die Beleuchtung nicht abdunkelt oder ausschaltet. Stattdessen übergibt sie Farben aus Bereichen, die weiter in der Bildmitte liegen. Schlimm finde ich das nicht – die Beleuchtung wirkt trotzdem harmonisch.

Die «Play»-Leuchten machen im Rahmen ihrer Möglichkeiten einen guten Job. Die Synchronisierung erfolgt ohne merkliche Verzögerung. Das finde ich beeindruckend, weil nicht nur in Echtzeit die Farben am Bildschirmrand analysiert werden, sondern die ermittelten Farbinfos auch an die Bridge und von dort zu den Lampen übertragen werden.
Einen deutlichen Unterschied zwischen Video- und Game-Modus habe ich nicht bemerkt. Beides fühlt sich harmonisch an. Den Game-Modus habe ich mit «Mario Kart World» ausprobiert. Im Spiel fühlen sich die Farbübergänge weich und angenehm an. Erst beim Betrachten der aufgenommenen Fotos sehe ich, dass Farben und Position der Beleuchtung nicht immer perfekt passen. Während des Spiels ist mir das nicht aufgefallen, weil ich auf das Gameplay konzentriert bin und die Farben sich schnell ändern.

Musik-Synchronisierung: teilweise taktlos
Die Lampen haben kein Mikrofon. Bei der Musik-Synchronisierung reagieren sie also nicht auf den Sound im Raum, wie Govee-Produkte das beispielsweise tun. Stattdessen analysiert die Hue-Sync-App den digitalen Audiostream direkt. Dadurch reagieren die Lichter nicht auf weitere Geräusche im Raum, etwa Gespräche.
Der Nachteil ist, dass ich für die Musik-Synchro auf die Kompatibilität von Apps angewiesen bin. Beim Fernseher ist das mit der Hue-Sync-App gegeben: Jeder Sound, den der Fernseher von sich gibt, wird auf das Licht übertragen. Dabei irritiert etwa bei Musikvideos, dass sich das Licht nach dem Ton richtet, nicht nach dem Bild. Die Beleuchtung zeigt also andere Farben als der Bildschirm. Das liegt aber in der Natur des Musik-Modus.

Die Synchronisierung erfolgt nach meinem Gefühl in Echtzeit. Bei ruhigen Titeln wie von Carbon Based Lifeforms lässt sich die Genauigkeit gut beurteilen. Beide Lampen zeigen dabei im Takt der Musik unterschiedliche Visualisierungen, die an bunte Farbblitze erinnern. Die Blitze sind je nach Prägnanz der Töne kräftiger oder blasser und nehmen größere oder kleinere Bereiche auf der «Play»-Lichtstange ein. Erfreulicherweise kann jede Lampe gleichzeitig mehrere Nuancen in der Musik darstellen.
Das sieht tatsächlich sehr schön aus, funktioniert aber nicht bei allen Musikstücken gleich gut. Hin und wieder fehlen schmerzhaft ein oder gar mehrere Takte. Dann bleibt die Wand dunkel, obwohl die Musik Blitze verlangt hätte.
Bei schnellen Titeln wie «Great Feast Underground» von Wind Rose ist das sowieso egal: Da fallen fehlende Takte nicht mehr auf und insgesamt scheint die Software bei der Visualisierung nicht Schritt halten zu können. Alles blitzt und blinkt und einen Rhythmus erkenne ich dabei kaum noch. Da ist mir die sanfte Synchronisierung bei langsamen Titeln lieber.

Wenn ich lieber mein Smartphone als Quelle für die Musik-Synchro nutzen möchte, geht das nicht direkt über die Hue-App. Sie benötigt dazu andere Apps oder Dienste. Aktuell gibt es nur Spotify als kompatiblen Audio-Streaming-Dienst. Das hilft mir als Tidal-Anwenderin nicht.
Ich probiere es also mit Samsungs Smarthome-App «Smart Things». Das erfordert deren Verknüpfung mit meinem Hue-Account. Danach blinken sofort die Lichter im Takt meiner Mucke los, allerdings mit spürbarer Verzögerung. Das wundert mich nicht, schließlich gelangt das Signal über noch mehr Ecken zu den Lampen als bei der TV-Synchro. Für die Musik-Visualisierung ist die TV-Sync-App also besser geeignet.
Insgesamt ist mir die Musik-Visualisierung den Aufwand beim Wechseln der Sync-Modi aber nicht wert. Dafür ist sie zu fehleranfällig oder chaotisch.
Fazit
Guter preislicher und funktionaler Kompromiss
Die «Play»-Stehlampe ist als Leuchte für den Entertainmentbereich gedacht: Sie soll hübsch leuchten und nicht wie die Designerlampe «Signe» zusätzlich hübsch aussehen. Und genau das tut sie.
Die Kunststoff-Verarbeitung ermöglicht einen für Hue vergleichsweise geringen Preis. Trotzdem spart Hue nicht am Innenleben. Der Ambilight-Effekt bei der TV-Synchronisierung ist naturgemäß nicht so detailliert wie bei Ambilight-Fernsehern oder LED-Strips zum Nachrüsten der TV-Rückseite. Dafür lässt sich die Leuchte frei positionieren und sie schafft auch unabhängig vom TV-Geschehen eine schöne Umgebung.
Bei der Musik-Synchronisierung hat die «Play» Verbesserungspotenzial, auch wenn die Visualisierung vor allem bei langsamen Songs schön aussieht. Fehlende Takte fallen dann leider stark auf.
Dass ich für die TV-Synchronisierung per App zusätzlich bezahlen soll, ärgert mich aber. Am Computer ist sie kostenlos. Und für die Hue-Geräte selbst muss ich bereits tief in die Tasche greifen.
Pro
- vielseitig: auch ohne Synchronisierung schönes Ambiente
- kräftige Farben und flüssige Übergänge
- harmonisch wirkende Video- und Game-Synchronisierung
- platzsparender Standfuß
- verhältnismäßig günstiger Hue-Einstiegspreis
Contra
- Musik-Modus hat Luft nach oben
- schlichte Kunststoff-Optik
- kippanfällig bei Haustieren oder Kindern
- Sync-App am TV kostenpflichtig

Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.
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