Florian Bodoky
Produkttest

Sonos Play im Test: Der Lautsprecher, der fast alles kann

Der Sonos Play will Wohnzimmer- und Outdoor-Speaker zugleich sein – und schafft diesen Balanceakt erstaunlich gut. Der starke Klang, die lange Akkulaufzeit und die Funktionsvielfalt überzeugen mich.

Es gibt Lautsprecher für die Terrasse. Andere gehören ins Wohnzimmer. Und dann gibt es Geräte wie den neuen Sonos Play, die beides sein wollen. Das macht ihn zwar interessant – für den Hersteller aber auch riskant. Denn wer überall funktionieren will, scheitert oft daran.

Design und Verarbeitung: Alte Tugenden hochgehalten

Nach mehreren Wochen mit dem Sonos Play habe ich dieses Gefühl allerdings nicht. Der Lautsprecher ist gross genug für ordentlichen Klang, klein genug zum Mitnehmen, smart genug für Multiroom und robust genug für Garten oder Balkon. Für die grosse Wandertour ist er aber zu schwer.

Schon beim Auspacken wird klar, dass Sonos einen Hybriden zwischen dem tragbaren Roam und dem schweren Move geschaffen hat. Der Sonos Play ist kein Winzling für die Jackentasche. Aber er ist auch kein Klotz, den man nur widerwillig durch die Wohnung schleppt. Mit seinen rund 1,3 Kilogramm landet er in der angenehmen Kategorie: «Nehme ich mit».

Design und Verarbeitung: alte Tugenden hochgehalten

Optisch bleibt Sonos der eigenen Linie treu. Viel matte Oberfläche, ein stabiles Metallgitter, Rundungen, zurückhaltende Form. So fügt er sichunauffällig ins Bücherregal ein. Besonders gelungen finde ich die kleine Trageschlaufe auf der Rückseite. Klingt nebensächlich, macht im Alltag aber einen grossen Unterschied.

Drucktasten und Schlaufe – mag ich
Drucktasten und Schlaufe – mag ich

Die Verarbeitung hinterlässt einen guten Eindruck. Nichts knarzt, nichts wirkt billig. Die Gummierungen an den Kanten schützen das Gehäuse, ohne aus ihm einen klassischen Bluetooth-Rumwerf-Brüllwürfel zu machen. Der Play ist nach IP67 gegen Wasser und Staub geschützt. Regen, Spritzwasser oder sogar einen Unfall am Pool übersteht er gut. Sonos setzt weiterhin auf echte Tasten. In Zeiten überempfindlicher Touchflächen ist das eine Wohltat. Lautstärke, Play/Pause und Bluetooth lassen sich blind bedienen.

App und Multiroom: (wieder) Sonos’ Königsdisziplin

Man kommt beim Thema Sonos nicht um die App-Diskussion herum. Die misslungene App-Umstellung 2024 hat viel Vertrauen gekostet. Umso wichtiger, dass der Play reibungslos funktioniert. Und tatsächlich: Während meines Tests lief die Einrichtung unkompliziert. Einmal per WLAN eingebunden, wird der Lautsprecher sofort Teil des Sonos-Systems.

Die App bietet so viele Funktionen, dass sich die Tour zu Beginn lohnt – zumindest, wenn die App für dich neu ist.
Die App bietet so viele Funktionen, dass sich die Tour zu Beginn lohnt – zumindest, wenn die App für dich neu ist.

Zwar ist der Play auch im Bluetooth-Modus ein guter Lautsprecher. Aber im WLAN und mit der Sonos-App spielt er alles aus. Er bündelt Streamingdienste, bietet eine angenehme Multiroom-Steuerung (wenn du mehrere Sonos-Speaker hast) und stellt Klangeinstellungen übersichtlich dar. Und ja: AirPlay 2 funktioniert problemlos. Wenn du kein Multiroom-Fan, aber ein Stereo-Enthusiast bist: Auch das funktioniert gut. Zwei Play-Lautsprecher ergeben ein breites Klangbild, das locker kleine Räume oder Gartenpartys beschallen kann. Dazu kommt Auto Trueplay: Der Lautsprecher analysiert seine Umgebung und passt den Klang an. Der Unterschied ist hörbar. Besonders in kleinen Räumen oder auf resonanten Oberflächen klingt der Play dadurch kontrollierter.

Anschlüsse und Funktionen: Sound von aussen

Neben WLAN und Bluetooth 5.3 bietet der Lautsprecher USB-C. Darüber lädt er nicht nur sich selbst, sondern kann auch andere Geräte wie Smartphones mit Strom versorgen. Der Play funktioniert also nebenbei als kleine Powerbank. Über USB-C lässt sich ausserdem eine kabelgebundene Audioquelle anschliessen. Allerdings nur mit dem Sonos Line-in-Adapter und auch nur als analoge Audioquelle. Du musst also das MP3-File auf dem Handy (oder sonst einem Zuspieler) starten. Sprachsteuerung via Alexa oder Sonos Voice Control ist ebenfalls eingebaut – Achtung bei Sonos Voice Control: Das hat bei mir auf Englisch, aber nicht auf Deutsch funktioniert.

USB-C, Bluetooth und Voice-Control-Button sind ebenfalls vorhanden.
USB-C, Bluetooth und Voice-Control-Button sind ebenfalls vorhanden.

Insgesamt funktioniert die Sprachsteuerung beider Assistenten zuverlässig. Was mir gefällt: Trotz der vielen Funktionen wirkt der Play nie überladen. Es gibt genug Möglichkeiten für Technikinteressierte, gleichzeitig bleibt die Bedienung einfach. Diese Balance bekommt nicht jeder Hersteller hin.

Klang: warm, einlullend, sanft

Warm, voll, kontrolliert und eher auf Langzeithören ausgelegt als auf Effekte – was meiner Erfahrung nach auch den Ansprüchen von Sonos entspricht. Der Play versucht nicht, dich in den ersten Sekunden mit übertriebenen Bässen zu beeindrucken. Stattdessen entwickelt sich sein Klang mit der Zeit und wirkt dabei ausgeglichen. Dazu trägt auch die breite Bühne bei. Für einen kompakten Lautsprecher klingt der Play sehr offen. Instrumente lösen sich sauber voneinander, Stimmen stehen klar im Raum und selbst bei höherer Lautstärke bleibt die Abstimmung kontrolliert.

Höhen: klar und selten scharf

Für die Höhen habe ich «Dreams» von Fleetwood Mac gehört. Der Song eignet sich gut, weil Becken, Gitarren und Stimmen schnell unangenehm klingen können, wenn ein Lautsprecher zu scharf abgestimmt ist. Der Sonos Play macht das souverän. Die Hi-Hats bleiben sauber, ohne zu zischen. Auch bei höherer Lautstärke wirken die Höhen kontrolliert. Stevie Nicks' Stimme bekommt viel Luft. Manche Konkurrenzmodelle wirken im ersten Moment heller. Auf Dauer empfinde ich die Abstimmung des Play als angenehm. Erst bei sehr hoher Lautstärke werden die Mitten spitz. Das fällt vor allem bei gitarrenlastigen Songs auf, bleibt insgesamt aber im Rahmen.

Mitten: Breifrei strukturiert

«Someone like you» von Adele: Auch hier überzeugt mich der Sonos Play. Adeles Stimme wirkt präsent und kräftig. Klavieranschläge behalten Substanz. Podcasts, Stimmen und akustische Musik profitieren von dieser Abstimmung. Auch bei komplexeren Songs bleibt die Mittenabbildung stabil. Instrumente verschmelzen nicht zu einem Brei, sondern behalten Struktur. Im Vergleich zu typischen Partylautsprechern wirkt der Play deutlich reifer. Er konzentriert sich auf Balance und Natürlichkeit.

Bass: Mehr Druck als erwartet

Beim Bass habe ich zu «Humble» von Kendrick Lamar gegriffen. Ein Track, der schnell zeigt, ob ein kompakter Lautsprecher Tiefgang beherrscht. Für seine Grösse liefert der Sonos Play viel Fundament. Die passiven Radiatoren holen alles aus dem Gehäuse heraus. Kickdrums haben Punch, Bässe wirken kräftig. Je nach Stellfläche kann der Bass etwas wummern. Auf einem Holztisch entsteht schnell zusätzlicher Druck im Oberbass. Dank EQ in der App lässt sich das aber anpassen. Für elektronische Musik oder Hip-Hop reicht die Leistung. Nur ganz tiefe Subbässe körperlich spüren – dafür holst du dir lieber einen grossen Partyspeaker.

Akku: keine Steckdosenangst mehr

Sonos verspricht bis zu 24 Stunden Akkulaufzeit – und tatsächlich kommt der Play diesem Wert nahe. Bei wechselnder Lautstärke waren 18 bis 20 Stunden realistisch. Das ist für diese Klangklasse ordentlich und sorgt dafür, dass man den Lautsprecher mehrere Tage nutzen kann, ohne ans Aufladen zu denken. Angenehm ist die Ladelösung. Der Lautsprecher kann einfach auf seine Ladestation gestellt werden und ist dadurch immer bereit. Die Ladestation ist ihrerseits mit USB-C ausgerüstet. Ein Netzteil legt Sonos aber nicht bei.

Die Ladestation ist praktisch.
Die Ladestation ist praktisch.

Fazit

Hat Potenzial, mein neuer Liebling zu werden

Der Play ist kein Ersatz für die Boombox auf der Gartenparty. Wer maximale Lautstärke sucht, bekommt bei anderen Marken teilweise mehr fürs Geld. Die Stärke des Sonos Play liegt woanders. Im Sonos-System entfaltet er sein Potenzial. Multiroom, AirPlay und Co. machen ihn vielseitiger als viele reine Bluetooth-Lautsprecher. Allerdings muss dir bewusst sein, dass dasins Geld gehen kann. Klar, du kannst auch günstigere Sonos-Modelle kaufen. Fürs Badezimmer reicht vielleicht auch was Kleineres als im Wohnzimmer. Und auch in der Küche steht ein grosser Klotz meistens im Weg. Teuer ist es aber dennoch – 329 Franken / 349 Euro kostet der Play.

Sonos hat kein Technik-Monster gebaut, sondern einen Lautsprecher für viele Szenarien. Er klingt sehr gut für seine Grösse, wirkt hochwertig, hält lange durch und fügt sich ins Smart-Home-Umfeld ein. Vor allem aber fühlt sich der Play endlich wie der tragbare Sonos-Lautsprecher an, auf den viele gewartet haben: nicht zu klein und meistens nicht zu schwer .

Der Preis ist ordentlich. Und wenn du nur Bluetooth nutzen möchtest, findest du günstigere Alternativen. Doch sobald du WLAN, Multiroom und das Sonos-System verwendest, solltest du den Sonos Play in Erwägung ziehen.

Pro

  • gute Verarbeitung
  • gut ausbalancierter Sound
  • stark verbesserte App

Contra

  • schwer
  • ziemlich teuer
Titelbild: Florian Bodoky

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Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.


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