Hintergrund

Zweiter Versuch nach sieben Jahren: Ich fräse mit der Makera Z1 – und zerstöre diesmal nichts

Kevin Hofer
12.9.2026
Bilder: Kevin Hofer

Meine ersten Erfahrungen im CNC-Fräsen waren von Scheitern geprägt. Jetzt steht die Makera Z1 in meinem Keller – ein Gerät, das verspricht, dass auch Laien fräsen können. Zum Auftakt meiner Serie nehme ich sie in Betrieb.

«Ja, ist denn heut schon Weihnachten?», denke ich mir, als ich das riesige Paket von Makera öffne. Drin steckt nicht nur die CNC-Fräse Z1, sondern auch eine Tonne Zubehör. Ein ganz anderes Gefühl als damals, 2019, beim Zusammenbau meiner ersten Fräse aus dem China-Shop. Die Z1 kommt komplett montiert.

Kein Adventskalender, sondern ein Testpaket: Die Z1 kommt mit so viel Zubehör, dass meine Werkbank voll ist.
Kein Adventskalender, sondern ein Testpaket: Die Z1 kommt mit so viel Zubehör, dass meine Werkbank voll ist.

Makera verspricht, dass ich auch als Laie mit der Z1 fräsen kann. Das scheint mir eine gewagte Behauptung, denn im Gegensatz zum 3D-Druck setzt Fräsen einiges mehr an Wissen voraus. Ob Fräsen mit der Z1 wirklich einfach ist, prüfe ich in den nächsten Wochen – und ich nehme dich mit auf meine Reise. Im ersten Teil nehme ich sie in Betrieb und fräse etwas Einfaches: eine zusätzliche Spannpratze zum Halten von Werkstücken.

Zum Preis: Bei Makera direkt kostet die Maschine allein knapp 1100 US-Dollar. Mein Testbundle mit sämtlichen Modulen liegt bei knapp 1900 US-Dollar. Die Z1 wird auch bei uns im Shop erhältlich sein – wann und zu welchem Preis, steht noch nicht fest.

Überforderung beim Unboxing

Der Umfang überwältigt mich: ein 4-Achs-Modul, ein Lasermodul, ein Staubsammler, unzählige Fräswerkzeuge, weitere Kleinteile und Werkstücke. Makera hat mir nicht bloss ein Testsample geschickt, sondern eine halbe Werkstatt. Der Unterschied zwischen der nackten Maschine und meinem Bundle beträgt rund 800 US-Dollar.

Besonders stolz ist der Hersteller auf ein Multifunktionswerkzeug, das mehrere Aufsätze im Griff verstaut. So habe ich alles in einem Tool dabei.

Alles in einem Griff: Makeras Multitool sammelt die Aufsätze im Inneren.
Alles in einem Griff: Makeras Multitool sammelt die Aufsätze im Inneren.

Ausgepackt ist alles relativ schnell. Sortiert und aufgestellt hingegen nicht. Bis alles seinen Platz hat, vergeht der halbe Tag. Falls dich das Auspacken im Detail interessiert, hier ein Unboxing-Video von Makera selbst:

Ich versuche, meine Aufgabe Schritt für Schritt anzugehen. Zunächst verbinde ich den Staubsammler mit der Fräse. Clever: Er verfügt über zwei Rohre. Mit dem einen bläst er auf die Werkplatte, um abgetragenes Material zu entfernen, über das andere saugt er die Späne an. Im Lieferumfang liegen zwei Aufsätze, mit denen ich nach getaner Arbeit weitere Überreste aufsauge. Die Installation ist simpel und schnell erledigt.

Zwei Rohre, zwei Aufgaben: Das eine bläst die Späne weg, das andere saugt sie ein.
Zwei Rohre, zwei Aufgaben: Das eine bläst die Späne weg, das andere saugt sie ein.

Gebranntes Kind sucht Abkürzung

Aber was mache ich jetzt? Ich erinnere mich gut an meinen ersten Fräsversuch mit der Billigfräse. Er endete im Desaster. Statt des Werkstücks habe ich die Maschine selbst gefräst. Entsprechend nervös bin ich vor meinem zweiten Anlauf. Am liebsten wäre mir, jemand hätte die CAM-Einstellungen schon für mich gemacht hätte.

Glücklicherweise betreibt Makera mit Makerables eine Datenbank mit Vorlagen. Dort finde ich nicht nur Modelle, sondern fertig in CAM aufbereitete Projekte. Ich muss also weder Fräswerkzeuge noch Werkzeugbahnen einstellen.

Nach kurzer Suche werde ich fündig: eine weitere Spannpratze, mit der ich künftig Werkstücke fixieren kann. Sie braucht nur ein Fräswerkzeug und soll in einer halben Stunde fertig sein. Ein Werkzeug fräsen, um damit weiter zu fräsen – das gefällt mir.

Fertig aufbereitet: In der Vorlagendatenbank sind Werkzeuge und Werkzeugbahnen schon eingestellt.
Fertig aufbereitet: In der Vorlagendatenbank sind Werkzeuge und Werkzeugbahnen schon eingestellt.

Fünf Millimeter Aluminium und ein bisschen Übermut

Bevor ich mich weiter an meinem Mac zu schaffen mache, spanne ich das Werkstück ein. Die Spannpratze fräse ich aus einem mitgelieferten, fünf Millimeter dicken Block Aluminium. Die Z1 fräst Aluminium, Messing und Kupfer, dazu Holz, Kunststoff und Verbundwerkstoffe wie Carbon. Stahl und andere Eisenmetalle gehen nicht.

Auf der Werkplatte befestige ich zunächst eine rechtwinklige Halterung, lege den Alublock hinein und fixiere ihn mit zwei Spannpratzen aus dem Lieferumfang.

In der Anleitung für das Teil finde ich den benötigten Fräser: einen Flat-End-Fräser für Metall, 3.175 × 12 Millimeter. Auch der liegt bei – und passt in die integrierte Spannzange, die für 1/8 Zoll ausgelegt ist. Vorlage, Werkzeug und Maschine sind aufeinander abgestimmt, und genau das ist Teil des Versprechens: Auch Laien sollen zurechtkommen. Zum Einspannen lege ich den Spannzangenhebel nach unten, führe den Fräser ein und richte den Hebel wieder nach oben. Damit bin ich allerdings etwas zu früh, wie ich später merke.

Fünf Millimeter Aluminium, dreifach gesichert. Aus diesem Block soll eine dritte Spannpratze werden.
Fünf Millimeter Aluminium, dreifach gesichert. Aus diesem Block soll eine dritte Spannpratze werden.

Was die Sicherheit angeht, bin ich ruhiger als 2019: Die Z1 ist eingehaust und hat einen Notstop. Eine Schutzbrille empfiehlt sich trotzdem, und spätestens beim Lasermodul ist sie Pflicht.

Viele, viele Einstellungen

Ich öffne die Vorlage in Makera Studio, der Software des Herstellers, und lande gleich im Tab «Device». In dieser Ansicht sehe ich den Werkzeugpfad, die ausgewählten Werkzeuge und mehr – also genau, wie die Z1 das Teil ausfräsen wird. Verbinden muss ich die Maschine noch selbst: Da ich im Keller arbeite und mein WLAN nicht bis zur Fräse reicht, hängt sie am USB-Kabel.

Ein Klick auf «Start» und der Bearbeitungsassistent öffnet sich. In der ersten Maske setze ich die Position des Werkstücks. Da es links unten auf der Werkplatte sitzt, dem Standard bei der Z1, muss ich nichts anpassen.

Die zweite Maske dient dem Ursprungspunkt. Hier könnte ich einen Versatz einstellen, damit ich nicht am Rand des Werkstücks fräse. Das erledigt aber schon die Vorlage. Ich erkenne das daran, dass die auszufräsende Form grün eingezeichnet ist. Was ich zusätzlich aktiviere, ist «Auto-Scan Machining Area». Damit fährt die Maschine vor dem Fräsen den Perimeter des Teils ab, und ich sehe in echt, wo sie später arbeitet. Für einen Neuling wie mich ein geniales Feature.

Grün heisst: Der Versatz sitzt schon. Um diese Einstellung muss ich mich dank der Vorlage nicht kümmern.
Grün heisst: Der Versatz sitzt schon. Um diese Einstellung muss ich mich dank der Vorlage nicht kümmern.

In der dritten Maske, «Auto-Probe», aktiviere ich «Auto-Z-Height Probing». Damit erfasst die Maschine die Position des Werkstücks auf der vertikalen Z-Achse. Als gebranntes Kind halte ich das für noch wichtiger als den Auto-Scan – denn damit sollte ich tatsächlich nur das Werkstück fräsen.

Unter «Assist Options» aktiviere ich den Staubsammler. «Run» zeigt mir eine Zusammenfassung, und ich starte meinen Fräsauftrag.

30 Minuten Nervenkitzel

Bevor es losgeht, führt die Z1 den Auto-Scan und das Z-Probing aus. Dazu muss ich die Wired Z Probe einspannen, die an der Seite der Spindel befestigt ist. Ich entferne also den Fräser, den ich übermütig schon montiert habe, und ersetze ihn durch die Probe. Ein Klick auf «Weiter» und die Maschine arbeitet beide Schritte ab.

Ich atme erleichtert auf: Alles läuft reibungslos. Jetzt spanne ich den Fräser wieder ein und starte den eigentlichen Prozess. Tatsächlich – das Werkzeug taucht dort ein, wo es soll, und trägt Stück für Stück Material ab. Es ist unglaublich befriedigend, der Maschine bei der Arbeit zuzusehen.

Nach etwas mehr als 30 Minuten ist der Spuk vorbei. Die Z1 hat ihre Arbeit erledigt. Der Staubsammler liefert allerdings ein geteiltes Bild: Makera nennt das System «AeroDust» und verspricht aktive Späneabfuhr samt Staubabsaugung. Bei meinem Aluminiumblock hat vor allem der erste Teil funktioniert. Weggeblasen hat er die Späne ordentlich, eingesaugt nur wenig. Den Rest sauge ich am Schluss mit den mitgelieferten Aufsätzen selbst auf.

Der erste Kratzer – und der erste Kritikpunkt

Weil CNC-Fräsen ein Design nie ganz aus dem Werkstück lösen – sonst wäre es nicht mehr befestigt –, muss ich meine neue Spannpratze an drei Stellen aussägen. Dazu nutze ich das Multifunktionswerkzeug. Und das ist mein erster Kritikpunkt am ganzen Makera-Set: Der Sägeaufsatz enttäuscht. Ich rutsche immer wieder ab und verkratze die Spannpratze. Hier verzeihbar, bei einem Design, das schön aussehen soll, nicht. Künftig setze ich auf eine eigene Säge.

Das Resultat überzeugt mich als Laie trotzdem. Die gefrästen Schnitte sehen sauber aus, und Kratzer hat das Werkstück nur dort, wo ich selbst mit der Säge ranmusste. Heisst: Was die Maschine gemacht hat, ist gut. Was ich gemacht habe, weniger.

Unsauber sind lediglich die Kanten, an denen ich gesägt habe.
Unsauber sind lediglich die Kanten, an denen ich gesägt habe.

Das Versprechen gilt – mit einem Sternchen

Nach meinem Versagen vor sieben Jahren habe ich zum ersten Mal alleine etwas gefräst. Vom Öffnen des Kartons bis zum fertigen Teil sind rund sechs Stunden vergangen – der Grossteil davon fürs Aufstellen, Sortieren und Einrichten. Gefräst hat die Z1 nur 30 Minuten.

Makeras Versprechen, dass auch Laien mit der Z1 fräsen können, stimmt also. Zumindest, solange ich fertige Vorlagen aus der Datenbank nutze. Die eigentliche Hürde beim Fräsen liegt in CAM-Einstellungen und die hat mir diesmal jemand anderes abgenommen.

Genau da setze ich beim nächsten Mal an: Ich will die CAM-Einstellungen selbst vornehmen. Was ich damit fräse, weiss ich noch nicht. Wie es mir dabei ergangen ist, liest du im nächsten Teil dieser Serie.

Makera hat mir die Z1 samt Zubehör für diesen Test zur Verfügung gestellt.

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Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.


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