Hintergrund

RAW-Entwickler: Bei Darktable tappe ich im Dunkeln

David Lee
30.6.2026
Bilder: David Lee

Der RAW-Konverter Darktable ist Open Source und nicht kommerziell. Ich würde ihn gerne mögen. Aber ich verstehe ihn einfach nicht.

RAW-Konverter sind oft teuer. Manche wie Adobe Lightroom gibt es nur im Abo-Modell. Andere wie Capture One können ganz klassisch gekauft werden, doch fallen für Upgrades hohe Kosten an – und neue Kameras machen oft eine neue Version nötig.

Eine nicht kommerzielle Open-Source-Software könnte der perfekte Ausweg sein. Du sparst nicht nur Geld, sondern bleibst auch von Belästigungen wie Registrierungszwang, Werbemails oder der Einblendung kostenpflichtiger Extra-Module verschont. Darktable ist meines Wissens der leistungsfähigste RAW-Konverter im Open-Source-Bereich. Er läuft auf allen halbwegs verbreiteten Betriebssystemen.

Darktable ist schwierig

Seit mehr als einem Jahr will ich einen Beitrag über Darktable schreiben. Hier ist er nun – allerdings anders als geplant. Anstelle eines Tests kommt ein Erfahrungsbericht ohne Bewertung. Der Grund dafür ist, dass ich Darktable bis heute nicht komplett verstehe.

Die meisten RAW-Konverter funktionieren ähnlich, sodass ich mich nach dem ersten Programmstart schnell zurechtfinde. Selbst die leistungsfähigsten beherrsche ich spätestens nach einem Tag. Darktable tickt völlig anders und hat zudem eine Oberfläche, die den Einstieg alles andere als leicht macht. Zudem ist die Software unglaublich komplex.

Monatelang glaubte ich, dass es plötzlich «klick» machen würde und ich dann alles verstehe. Aber das ist nie passiert. Ich verstehe die Software zwar besser als zu Beginn, aber richtig gute Resultate erziele ich damit immer noch nicht. Darktable ist schwierig zu bedienen, so viel ist sicher. Was ich nicht sicher weiss: Wie viel die Software leistet, wenn man sie perfekt beherrscht.

Das Prinzip der Module

Wie viele RAW-Konverter gliedert sich auch Darktable in einen Verwaltungs- und einen Bearbeitungsteil – dafür stehen die Bezeichnungen «Lighttable» und «Darkroom». Schwierig ist vor allem letzterer.

Alle Parameter, die ich bei der Bildbearbeitung einstelle, sind in Modulen organisiert. Insgesamt gibt es über 60 Module. Sie lassen sich in Presets organisieren. Ich kann vorinstallierte Presets ändern oder komplett neue anlegen. Ich nutze in den Beispielen dieses Artikels die vorgegebene Modulsammlung für Anfänger.

Darktable arbeitet die Module von unten nach oben ab. Für eine effektive Bearbeitung sollte man ebenfalls in dieser Reihenfolge vorgehen. Lange Zeit wusste ich das nicht und bekam nur schon deswegen keine brauchbaren Resultate hin.

Oberfläche: nicht mehr so schlecht wie vor einem Jahr

Zuerst muss ich noch etwas anderes ansprechen: die Bedienoberfläche. Als ich vor über einem Jahr mit Darktable meine ersten Schritte machte, fand ich sie katastrophal. Alles war grau in grau, mit so geringen Kontrasten, dass ich kaum erkannte, ob ein Modul eingeschaltet war oder nicht. Zudem konnte ich nur durch die Module scrollen, wenn der Mauszeiger genau auf dem schmalen Scrollbalken lag. Andernfalls veränderte Darktable einen zufällig ausgewählten Parameter. Menüs und Kontextmenüs über die rechte Maustaste waren zumindest bei meiner Mac-Version praktisch inexistent.

Mittlerweile kennt Darktable das Konzept der Kontextmenüs, macht davon aber noch zu wenig Gebrauch. Es stehen verschiedene Themes zur Auswahl, von denen einige einen guten Kontrast aufweisen. Der Youtuber Andy Hutchinson hat ein eigenes CSS-Template gebastelt, welches die einzelnen Module besser visuell abgrenzt. Auch das Scroll-Problem ist behoben. Ich kann jetzt in den Einstellungen angeben, dass ich wirklich gerne scrollen würde, wenn ich scrolle – und nicht eine Einstellung ändern. Vielleicht gab es diese Option schon vorher, aber jetzt werde ich beim Programmstart darauf aufmerksam gemacht.

Ich finde das Bedienkonzept noch immer nicht besonders gut – aber deutlich besser als noch vor einem Jahr. Die Änderungen machen Hoffnung.

Mit dem benutzerdefinierten Theme erkenne ich die einzelnen Module besser.
Mit dem benutzerdefinierten Theme erkenne ich die einzelnen Module besser.

Szenebezogen versus anzeigebezogen

Darktable befindet sich momentan in der Version 5.6. Mit Version 3 gab es einen Wechsel des Grundprinzips. Darktable arbeitet seither nicht mehr anzeigebezogen (display-referred), sondern szenebezogen (scene-preferred). Was bedeutet das?

Der Begriff stammt aus der Filmbranche und bedeutet, dass die Farb- und Helligkeitswerte der realen Szene als Referenz genommen werden – und nicht die des Resultats auf dem Bildschirm. Die Bearbeitung wird somit vom Ausgabemedium unabhängig. So zumindest habe ich es verstanden.

Was ich nach wie vor nicht verstanden habe: Inwiefern das für die Fotografie relevant sein soll.

Verwirrung stiften Falschinformationen wie auf darktable.info. Hier wird behauptet, dass ein RAW-Konverter normalerweise die Bilddaten in den Farbraum des Bildschirms zwängt und dann mit diesem geringen Farbumfang arbeitet. Das ist Unsinn. RAW-Konverter greifen auf alle Informationen zurück, die der Fotosensor liefert. Erst beim Exportieren als JPEG wird die Datenmenge beschnitten.

Darktable.info ist nicht die offizielle Darktable-Seite, sondern ein Community-Projekt. Im Benutzerhandbuch auf der offiziellen Site ist der Sachverhalt anders beschrieben und klingt zumindest nicht falsch:

In der realen Welt existiert kein «reines Schwarz», denn es gibt immer etwas Licht. Und es gibt keine Obergrenze für die Helligkeit von Dingen, also auch kein «reines Weiss». Die szenenbezogene Bearbeitung versucht, die physikalischen Eigenschaften der Aufnahme so lange wie möglich zu erhalten. Dabei werden die RAW-Werte auf einer unlimitierten linearen Skala angeordnet, und die Daten erst am Ende nach der Bildbearbeitung in den Dynamikumfang der Anzeige komprimiert.

Allerdings scheinen mir diese Betrachtungen für die fotografische Praxis irrelevant. Für einen Fotosensor gibt es sehr wohl eine Helligkeitsobergrenze. Sonst gäbe es ja keine Überbelichtung. Wird der Sensor komplett überbelichtet, sind die Helligkeitswerte der betroffenen Pixel alle auf dem Maximum. Bei der Nachbearbeitung lässt sich in diesem Fall nichts mehr hervorzaubern. Egal, mit welcher Methode die RAW-Aufbereitung geschieht.

Zur Veranschaulichung hier ein vollständig überbelichtetes Foto. Eigentlich komplett weiss, kann ich es im RAW-Editor abdunkeln – dann ist es ebenmässig grau. Auf jeden Fall sehen alle Pixel gleich aus, es gibt keine Bildstruktur. Das ist in Darktable nicht anders als in Lightroom.

In einem komplett überbelichteten Foto kann mit Abdunkeln nichts gerettet werden. Die Bildinformationen fehlen. Der szenebezogene Prozess ändert daran nichts.
In einem komplett überbelichteten Foto kann mit Abdunkeln nichts gerettet werden. Die Bildinformationen fehlen. Der szenebezogene Prozess ändert daran nichts.

Warum ist der Wechsel von anzeigebezogen auf szenebezogen überhaupt wichtig? Er führt dazu, dass bestimmte alte Module in Darktable nicht mehr korrekt funktionieren und nicht mehr verwendet werden sollten. Dazu gehört auch das Modul «Weissabgleich». Verwirrenderweise ist dieses Modul in den mitgelieferten Presets trotzdem enthalten und muss auch eingeschaltet bleiben. Es sollte aber nicht verändert werden. Weissabgleich-Korrekturen nehme ich stattdessen in einem neuen Modul namens «Farbkalibrierung» vor.

Ausserdem führt der Wechsel zu einer Reihe von neuen, schwer verständlichen Modulen wie «AgX» oder «Sigmoid». Diese nehmen die Tonwertkorrektur am Ende des Bearbeitungsprozesses vor. Gute Resultate habe ich damit bislang nicht erzielen können.

Wo sind die Beispiele?

Was ich bei meinen Internet-Recherchen schmerzlich vermisst habe, sind konkrete Beispiele von Fotos mit Vorher-Nachher-Vergleich und der Information, was eingestellt wurde. Das wären offensichtliche, nachvollziehbare Argumente für die Leistungsfähigkeit von Darktable. Aber die sind kaum zu finden. Das gesamte – sehr ausführliche – Benutzerhandbuch enthält kein einziges Beispielfoto. Gefunden habe ich diese Anleitung anhand eines Beispielfotos. Ganz nett, aber das Beispielfoto hat nichts an sich, was besonders schwierig zu korrigieren wäre. Es gibt keine Unter- oder Überbelichtung, kein hartes Licht, kein Bildrauschen, keine verzerrte Geometrie. Ein RAW-Konverter, der dieses Bild korrigieren kann, hat erst das Seepferdchen-Abzeichen und noch nicht den Rettungsschwimmer.

Mein Beispiel des Scheiterns

Lass mich die Bearbeitung deshalb mit einem schwierigen Beispiel durchgehen.

Das Beispielbild vor der Bearbeitung.
Das Beispielbild vor der Bearbeitung.

Die Sonne scheint zwischen den Bäumen hindurch auf den Boden, das führt zu einem hohen Kontrast zwischen den hellsten und den dunkelsten Bildbereichen. Das Ziel ist, diese Kontraste auszugleichen, sodass man in den Schattenpartien noch problemlos die Struktur erkennt und gleichzeitig die hellen Stellen nicht überbelichtet sind.

Die Belichtung ist per Default auf +0,7 EV voreingestellt – eine weitere skurrile Darktable-Eigenheit. Wichtiger: Die Korrektur erfolgt hier grundsätzlich anders als in anderen RAW-Konvertern. Es geht nicht darum, die Helligkeitswerte schön über das Histogramm zu verteilen. Zu dunkle und zu helle Stellen sind ausdrücklich erlaubt – nur das Hauptmotiv soll die richtige Helligkeit haben.

In einem Bild wie hier weiss ich allerdings nicht, was das Hauptmotiv sein soll. Ich wähle den Strauch in der Bildmitte und den Schatten, den er wirft. Darum helle ich das Bild auf – ich stelle die Belichtung auf +2 Stufen.

Nach der Belichtungskorrektur.
Nach der Belichtungskorrektur.

Nun kommt – getreu der Abarbeitung von unten nach oben – der «Tone equalizer». Da das Bild offensichtlich zu hell ist, dunkle ich die hellsten Partien kräftig ab und erhalte folgendes Ergebnis.

Nach der Abdunklung der hellen Partien.
Nach der Abdunklung der hellen Partien.

Nun sieht die Helligkeitsverteilung okay aus. Es fehlen jedoch die feinen Farbabstufungen. Das Bild erinnert mich an ein GIF mit 256 Farben. Oder an ein JPEG, das stärker bearbeitet wurde, als es die limitierte Datenmenge erlaubt. Ich kann im Belichtungsmodul zahlreiche Maskierungsregler herumschieben, aber nichts davon ändert etwas an diesem grundsätzlichen Befund.

Das Bild sieht aus, als ob es zu wenig Farbstufen hätte.
Das Bild sieht aus, als ob es zu wenig Farbstufen hätte.

In «Farbbalance RGB» kann ich die Sättigung auf drei verschiedene Arten erhöhen, wobei der Effekt immer etwa derselbe ist. Die Farbe Blau habe ich zuvor im Modul «Color Equalizer» separat verändert, weil ich die etwas kräftiger und dunkler haben will.

Die Farben sind im Endergebnis okay.
Die Farben sind im Endergebnis okay.

Die Farbkalibrierung – also das Modul, das neuerdings für den Weissabgleich zuständig ist – habe ich nicht angefasst. Ich finde die Farben einigermassen okay. Hinzu kommt ein weiteres Mysterium: Im neuen Modul gibt es keine Grün-Magenta-Skala. Diese wäre besonders bei Wald und ähnlichen Motiven nützlich, da die Kamera-Automatik oft fälschlicherweise versucht, einen Grünstich zu korrigieren.

Sigmoid ist eines von mehreren Modulen, welches in der szenebezogenen Bildbearbeitung die Tonwerte auf das Anzeigemedium komprimieren soll. Das geschieht am Schluss der Bearbeitungskette. Ich darf nur eines dieser Module gleichzeitig verwenden, damit sie sich nicht gegenseitig in die Quere kommen. Sigmoid ist das vorgewählte Modul für den Anfänger-Workflow. Hier kann ich den Kontrast einstellen. Ein zweiter Regler gibt an, ob der Kontrast eher in den hellen oder in den dunklen Teilen angewendet wird.

Ehrlich gesagt, bin ich bei diesem Modul ratlos. Mein Problem ist nicht, dass der Farb- oder Helligkeitsumfang zu gross wäre. Er ist nach meinem Eindruck eher zu klein. Logischerweise kann Sigmoid dieses Problem nicht beheben. Ebenso wenig das nachgelagerte Modul «Lokaler Kontrast» und die alternativen Tonwert-Module wie AgX. Egal, was ich in diesen beiden Modulen einstelle: Das Foto wird nicht besser, unter Umständen aber massiv schlechter.

Angesichts dessen, dass es sich um einen schwierigen Fall handelt, ist das Ergebnis nicht schlecht. Aber es ist schlechter als in Lightroom. Anhand eines Ausschnitts siehst du das sofort.

Damit bleibt für mich rätselhaft, was die Vorzüge des szenebezogenen Workflows sind. Für mich ist er bislang nur kompliziert und nicht intuitiv.

Zeig mir, wie es richtig geht!

Ich vermute, dass ich etwas Grundsätzliches nicht verstanden habe. Wenn du besser als ich mit Darktable zurechtkommst, zeig mir bitte, wie man es richtig macht. Du kannst mein Beispielfoto herunterladen mitsamt der XMP-Datei, welche die Bearbeitungsinformationen enthält. Falls du eine gute Bearbeitung hinbekommst, schick mir bitte dein XMP-File zurück – am besten mit einer kurzen Beschreibung, was du gemacht hast.

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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