Test: Was kann die Nikon Z 50?

Test: Was kann die Nikon Z 50?

David Lee
Zürich, am 04.11.2019
Die erste spiegellose Nikon-Kamera mit kleinerem APS-C-Sensor ist actiontauglich und kompakt. Native Objektive für diesen Kameratyp gibt es erst zwei. Aber selbst damit lässt sich einiges anfangen.

Letztes Jahr ist Nikon mit dem System Z auf den spiegellosen Zug aufgesprungen. Zunächst als Vollformatsystem. Mit der Z 50 ist nun aber klar, dass Nikon dieses System auch für kleinere APS-C-Kameras und Objektive verwenden wird.

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Der Start in ein neues System ist immer schwierig. Es gibt sehr wenig Auswahl an Objektiven. Im Fall der Z 50 sind es erst zwei. Die diesbezüglich verwöhnten Nikon-User können immerhin ihre Spiegelreflex-Objektive mit dem Adapter weiterhin nutzen.

Klein und leicht

Spiegellose Kameras können grundsätzlich kompakter gebaut werden als Spiegelreflexkameras. Die Nikon Z 50 ist kleiner als alle SLRs, die Nikon je gebaut hat, obwohl der Objektivanschluss gleich gross ist wie bei den Nikon-Z-Vollformatkameras. Nämlich sehr gross. Der Durchmesser des Objektivgewindes ist grösser, als die Kamera auf der Seite hoch ist.

Von oben gesehen, ist der Griff der Kamera komfortabel gross. Durch die geringe Höhe des Gehäuses fällt er aber weniger hoch aus als bei einer Spiegelreflexkamera, so dass ich ihn nur mit zwei statt drei Fingern umfasse. Da Kamera und Objektive leicht sind, stellt das kein Problem dar. Den Griff finde ich angesichts des kleinen Gehäuses gelungen.

Der kleinere Sensor ermöglicht kleinere Objektive als bei Vollformatkameras. Mit dem superkompakten Universalzoom, das zum Kit gehört, wird dieser Vorteil ausgenützt. Das Objektiv ist im eingefahrenen Zustand nur drei Zentimeter lang. Es ist ausserdem schon fast lächerlich leicht. Kann so ein kleines Plastik-Ding überhaupt gute Bilder machen?

NIKKOR Z 16-50mm f/3,5-6,3 VR DX
Objektiv
400.–
Nikon NIKKOR Z 16-50mm f/3,5-6,3 VR DX

Zur Beantwortung dieser Frage müsste ich die RAW-Dateien sehen, was momentan leider noch nicht möglich ist. Ein Blick auf die JPEGs lässt vermuten, dass die Bildqualität überraschend gut ist.

Hier ein Vergleich mit dem Spiegelreflex-Objektiv DX 16-85. Beide Bilder haben 16 Millimeter Brennweite, Blende f/8 und 200 ISO.

Links das 16-50mm, rechts das Spiegelreflex-Objektiv 16-85.
Links das 16-50mm, rechts das Spiegelreflex-Objektiv 16-85.

Unterschiede erkennst du erst in der Vergrösserung und sie fallen zugunsten des neuen, aber sehr billig wirkenden 16-50mm aus. Achte auf die Schrift der Verkehrstafeln.

Z DX 16-50mm
Z DX 16-50mm
DX 16-85mm
DX 16-85mm

Geschwindigkeit

Die Kamera schiesst 11 Bilder pro Sekunde mit nachgeführtem Autofokus. Das ist schnell genug für Sport- oder Tieraufnahmen. Allerdings hält die Kamera dieses Tempo nicht sehr lange durch. Fotografiere ich mit RAW und JPEG gleichzeitig, reicht der Pufferspeicher für etwa 30 Bilder. Mit JPEG in der Qualität «fine» sind es etwa 75 Bilder. Die Geschwindigkeit erreicht die Z 50 zudem nur mit dem elektronischen Verschluss.

Positiv: Im Sucher kann ich das Motiv durchgängig verfolgen, es gibt kein Blackout. Das Fokus Tracking funktioniert gut. Vor allem aber ist es viel einfacher zu bedienen, als ich es von anderen Kameras kenne. Durch «OK» wird mir das Feld fürs Tracking eingeblendet, das ich anschliessend verschieben kann. Auslöser oder «OK» antippen aktiviert das Tracking, erneutes «OK» lässt mich das Feld auf ein neues Motiv ausrichten.

Für Tier- und Actionaufnahmen eignet sich das Tele-Objektiv. Sein Fokusmotor ist schnell genug. Das Objektiv unterstützt also die Stärke der Kamera.

Minuspunkt: Die Serienaufnahmen können im Wiedergabemodus nicht gruppiert werden. Bei viel Ausschuss erschwert das die Navigation und das Löschen stark.

Objektive

Bleiben wir noch einen Moment bei den zwei Objektiven, denn es sind bislang die beiden einzigen für diese Kamera. Die anderen Z-Objektive sind fürs Vollformat. Sie funktionieren an der Z 50 zwar auch, sind jedoch grösser und schwerer, als es für diese Kamera eigentlich nötig wäre. Und die Spiegelreflex-Objektive von Nikon funktionieren nur mit dem FTZ-Adapter.

Beide Objektive haben einen eingebauten Bildstabilisator. Die Kamera selbst hat keinen. Wichtig ist das vor allem beim Tele-Objektiv. Nachfolgend ein kurzes Video, aufgenommen aus der freien Hand mit 250 Millimeter Brennweite (sorry für den Fleck mitten im Bild). Ich musste die Kamera bewegen, um die Ente im Bild zu halten, daher ist das Bild etwas unruhig; doch kleine Bewegungen wie Zittern eliminiert der Stabi vollständig.

Für beide Objektive musst du die Streulichtblende extra dazukaufen. Ich hatte die beim Testen nicht dabei.

Die Objektive müssen ausgefahren werden, um betriebsbereit zu sein. Ein zusätzlicher Arbeitsschritt, den ich gewöhnungsbedürftig finde. Das Bajonett ist aus Kunststoff, nicht aus Metall – die Kehrseite des geringen Gewichts. Schiebregler haben die Objektive keine; Autofokus und Bildstabilisator müssen über das Kamera-Schnellmenü ein- und ausgeschaltet werden. Erfreulicherweise geht bei beiden Objektiven der Zoomring genügend streng, so dass er nicht verrutscht, wenn ich die Kamera nach oben oder unten halte.

Was ich bei den Objektiven wirklich vermisse, ist Lichtstärke. Genauer: das Bokeh, das lichtstarke Objektive ermöglichen. Klar: Mit dem FTZ-Adapter kann ich lichtstarke Spiegelreflex-Objektive anschliessen. Doch der Adapter, der nicht mehr ist als ein Abstandhalter, kostet mehr als das (übrigens sehr gute) AF-S DX 35mm f/1.8G. Ich wünsche mir, dass Nikon bald eine spiegellose Version dieses Objektivs auf den Markt bringt.

Ein kleines Detail, das ich im Test der Nikon Z 6 bemängelt habe, hat Nikon nun verbessert. Beim Anschluss eines alten AF-Objektivs wechselt die Kamera automatisch in den manuellen Fokus und aktiviert so auch das Fokus Peaking, das bei Nikon «Konturfilter» heisst. Wie schon bei der Z 6 gilt: Spiegelreflex-Objektive vom Typ AF-S und AF-P funktionieren perfekt ohne Einschränkungen.

Bedienung und Akkulaufzeit

Der bewegliche Bildschirm lässt sich um 180 Grad ausklappen, damit der Fotograf sich selbst sieht. Das funktioniert allerdings nur aus der freien Hand. Ein Stativ kommt dem ausgeklappten Bildschirm in die Quere. Abhilfe schafft die Smartphone-App SnapBridge, die eine Fernsteuerung mit LiveView bietet. Doch bis Smartphone und Kamera miteinander verbunden sind, dauert es recht lange. Nichts für ungeduldige Gemüter.

Entweder Stativ oder Bildschirm voll ausklappen – beides zusammen geht nicht.
Entweder Stativ oder Bildschirm voll ausklappen – beides zusammen geht nicht.

Die Z 50 hat etwas weniger Tasten als eine vergleichbare Spiegelreflexkamera, da das Gehäuse kleiner ist. Ich vermisse aber nichts. Vorne befinden sich zwei frei konfigurierbare Fn-Tasten, oben ISO und Belichtungskorrektur, zwei Drehräder für Blende und Verschlusszeit im manuellen Modus. Falls mal tatsächlich eine Einstellung nicht über die Tasten erreichbar ist, gibt es das praktische Schnellmenü.

Trotzdem gibt es etwas, das mich stört: Die drei Touch-Tasten neben dem Bildschirm. Sie können nicht blind erfühlt werden, was aber beim Blick durch den Sucher nötig wäre. Beleuchtet sind sie auch nicht. Physische Knöpfe wären eindeutig besser gewesen.

Der Akku vom Typ EN-EL25 fasst 1120 mAh. Zum Vergleich: Der EN-EL15, der in SLRs und in den anderen Nikon-Z-Kameras verwendet wird, hat 1900 mAh. Die Laufzeit liegt gemäss CIPA-Standard bei 300 Fotos – ein sehr niedriger Wert. In der Praxis erreichst du zwar mehr, insbesondere wenn du Serienbilder machst, aber dennoch würde ich ohne Reserveakku keine langen Sessions wagen.

Zusammenfassung

Stärken:

  • Einfache Bedienung beim Fokus Tracking (automatische Motivverfolgung)
  • Schnelle Serienbilder ohne Blackout im Sucher, Tele-Objektiv hält mit der Geschwindigkeit mit
  • Mit dem Universalzoom-Objektiv sehr leicht und kompakt
  • Gemessen am kleinen Gehäuse sehr guter Handgriff

Schwächen:

  • Touch-Tasten können nicht erfühlt werden
  • Noch keine lichtstarken Z-DX-Objektive
  • Nicht ideal für Vlogging (Bildschirm, kein Kopfhöreranschluss)
  • Serienbildgeschwindigkeit im RAW-Modus etwas kurz

Für wen ist die Kamera gut?

Für Fotografie-Einsteiger ist das Double Zoom Kit eine sinnvolle Option. Mit zwei Objektiven hast du alle Brennweiten abgedeckt, den teuren Adapter brauchst du nicht. Allerdings bin ich der Meinung, dass auch Einsteiger ein lichtstarkes Objektiv haben sollten.

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Am besten eignet sich die Z 50 meiner Meinung nach für Nikon-User, die zum Beispiel noch eine D90 haben. Dann allerdings im Kit mit dem Adapter und dem 16-50mm-Kit-Objektiv. So können sie einerseits ihre Objektive weiterbenutzen und profitieren andererseits von der Kompaktheit.

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Probier es selbst aus

Du möchtest die Kamera selbst auschecken? Dann melde dich für den Workshop am 9. November in Zürich an. Der Workshop wird, ausgehend vom digitec-Shop, jeweils in einer Gruppe von 8 Personen à 45 Minuten stattfinden. Mit dabei sind Profi-Fotograf Luca Michelli und ein professionelles Fotomodell.

  • Workshop 1: 10:00–10:45
  • Workshop 2: 11:15–12:00
  • Workshop 3: 13:30–14:15
  • Workshop 4: 14:45–15:30

Schreib einfach ein Mail an celine.rusch@digitecgalaxus.ch mit deinem Namen und dem gewünschten Workshop-Zeitpunkt.

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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