Surface Studio 2: Design hat seinen Preis

Surface Studio 2: Design hat seinen Preis

Kevin Hofer
Zürich, am 07.02.2019
Mitarbeit: Thomas Kunz
Bilder: Thomas Kunz
Das neue Surface Studio ist ab sofort erhältlich. Es ist zwar schneller und das Display noch besser als beim Vorgänger, vermag aber wegen veralteter Hardware nicht vollends zu überzeugen.

Dem Surface bin ich das erste mal 2009 begegnet. 2009? Microsoft hat seine Surface-Produktreihe doch erst 2012 lanciert? Stimmt, aber zuvor gab es das Surface bereits in Salontisch-Form. In der Version 1.0 kam das Surface 2008 raus. 2012 dann die zweite Version, die Microsoft kurzerhand in Pixelsense umgetauft hat. So kam es zu keinen Verwechslungen mit dem Ur-Surface. Wieso ich das erzähle? Beim Arbeiten am Surface Studio 2 habe ich mich zumindest etwas ins Jahr 2009 zurückversetzt gefühlt. Weil sich das Display so stark neigen lässt, hatte ich den Eindruck auf einem Tisch zu arbeiten.

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Das Surface Studio 2 richtet sich an Kreativköpfe, die grafische Arbeiten verrichten. Deshalb habe ich unseren Hoffotografen Thomas Kunz gebeten, das Gerät auch auszuprobieren. Er erzählt euch im Beitrag etwas zum Nutzererlebnis. Ich konzentriere mich aufs Benchmarken und das Display.

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Surface Studio 2 (28" (70cm), Intel Core i7-7820HQ, 32GB, 1000GB, SSD)
Microsoft Surface Studio 2 (28" (70cm), Intel Core i7-7820HQ, 32GB, 1000GB, SSD)

Bewährtes beibehalten

Beim Design hat Microsoft Im Vergleich zum Vorgänger nichts geändert. Ja, du hast richtig gelesen: Rein gar nichts haben sie verändert. Nicht mal die Dimensionen. Okay, stimmt nicht ganz. Der Mini-Display-Port musste einem USB-Typ-C-3.1-Anschluss weichen. Das war’s dann aber auch schon mit den Änderungen bei den Äusserlichkeiten. Das ist aber nicht weiter schlimm. Der Vorgänger war ein Hingucker und auch der Nachfolger zieht alle Blicke auf sich. Kurz: Microsoft hat mit dem Surface Studio designtechnisch ein ikonisches Gerät geschaffen, warum sollten die Designer aus Redmond da etwas ändern?

Bei den Anschlüssen hat sich wie bereits erwähnt nicht viel getan. Nebst dem genannten USB-Typ-C-3.1-Anschluss verfügt das Studio 2 über vier USB-Typ-A-3.0-, einen 1 Gigabyte-Ethernet-, einen SD-Karten- sowie einen 3.5-Klinken-Anschluss. Ein Thunderbolt-3-Anschluss fehlt. Bei der drahtlosen Kommunikation sind Wi-Fi 802.11ac und Bluetooth 4.0 an Bord.

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Zum Lieferumfang gehören das Surface Studio 2, ein Surface Pen, ein Surface Keyboard, und eine Surface Maus. Die tauschst du aber am besten gleich bei Erhalt aus. Die Maus fühlt sich sowas von schlecht an und funktioniert auch nicht zuverlässig. Für den Preis des Studio 2 hätte Microsoft eine ordentliche Maus beilegen können, die führen sie ja auch. Die Tastatur ist ganz in Ordnung, aber wenn du lieber mit mechanischen Tastaturen schreibst, tauschst du sie am besten auch gleich aus.

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Der Fotograf am Werk

Als langjähriger Wacom Grafiktablet-Benutzer schätze ich das Arbeiten mit dem Stift. Ich wollte das Surface Studio unbedingt testen. Meine Erkenntnisse dazu: Der grosse Monitor lässt sich einfach verstellen. Meine bevorzugte Position ist unten auf dem Tisch aufliegend. Es fühlt sich gut an. Ich kann meine ganze Hand inklusive Stift auf den Monitor legen und das Surface registriert nur die Stift-Eingaben. Ich schätze zudem das drehen und zoomen mit einfachen Fingerbewegungen. Mit dem Dial wurde ich in der kurzen Zeit noch nicht richtig warm. Für mich ein Erlebnis damit zu arbeiten. Ich behaupte auch, dass der Workflow im Vergleich zur Maus deutlich beschleunigt und genauer wird. Eine schnelle, schöne Maschine, die sich gut bedienen lässt.

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Das Paradestück: Geniales Display

Das Display des Surface ist atemberaubend. Setzt du dich vor den 28 Zoll Screen im 3:2 Format kommst du erstmal aus dem Staunen nicht mehr raus. Die Farben und Kontraste sehen toll aus. Das Display löst mit 4500 × 3000 (192 ppi) auf und verfügt über Zehn-Punkt-Multi-Touch.

Mehr Informationen zum Display findest du erstmal nicht. Ich habe mir deshalb unseren Colorimeter geschnappt und es vermessen. Bei der Farbraumabdeckung habe ich folgende Werte ausgelesen:

  • 99.9 Prozent sRGB
  • 85.5 Prozent Adobe RGB
  • 98.9 Prozent DCI P3

Das sind ordentliche Werte, schade aber, dass es nicht auch für einen Wert um 100 Prozent bei der Adobe-RGB-Farbraumabdeckung gereicht hat. Denn damit dürfte sich das Gerät für gewisse Grafiker, die Material für die Druckendstufe aufbereiten, disqualifizieren. Weiter messe ich die Helligkeit des Displays. Diese hat Microsoft im Vergleich zum Vorgänger verbessert. Ich habe auf der höchsten Helligkeitseinstellung Werte von 519 bis 606 Nits gemessen. Damit ist das Display zwar nicht ganz gleichmässig ausgeleuchtet, bei so hohen Werten konnte ich aber von blossem Auge keine Unterschiede feststellen. Auffällig an den gemessenen Werten ist dennoch, dass die Helligkeit im unteren Bereich abfällt und ich links unten den tiefsten Wert gemessen habe.

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Ebenfalls auf der höchsten Helligkeitseinstellung habe ich einen Schwarzwert von 0.44 Nits gemessen. Das ergibt einen Kontrast von 1377:1.

Was können veraltete Komponenten?

Als Gamer rümpfst du bei den verbauten Komponenten im Studio 2 die Nase. Beim Intel Core i7-7820HQ handelt es sich um einen Notebook-Prozessor der siebten Generation, der mittlerweile zwei Jahre auf dem Buckel hat. Als Grafikeinheit ist eine mobile GTX 1070 verbaut. Die ist mit zweieinhalb Jahren sogar noch etwas älter als der Prozessor. Dabei handelt es sich aber immerhin um die volle mobile 1070-Version und nicht um die abgespeckte mit Max-Q-Design für ultradünne Notebooks. Aber das Studio 2 ist ja nicht für Gamer gedacht, sondern für Kreativ-Köpfe. Deshalb sind auch 32 GB RAM verbaut, die brauchen grafikintensive Programme. Und immerhin ist dieses mal eine grosse 1 TB oder 2 TB SSD an Bord im Gegensatz zum Hybrid Drive des Vorgängers.

Bei den Benchmarks mache ich den Cinebench R15, Geekbench 4 und Adobe Photoshop CC Benchmark von Puget Systems.

Ich starte gleich mit dem Photoshop Benchmark. Bei diesem lässt ein Script Photoshop mehrere Aktion ausführen. Dabei wird die Zeit gemessen und mit einem Referenzsystem verglichen. Daraus ergibt sich dann ein Score. Ich mache den Standard-Test. Das Referenzsystem ist folgendermassen ausgestattet: Intel Core i9 9900K,NVIDIA GeForce RTX 2080, 64 GB RAM und eine Samsung 960 Pro SSD. Nähere Informationen zum Benchmark findest du hier.

Über alle Aktionen erreicht das Studio 2 einen Score von 738 von 1000 möglichen. Wenn ich bedenke, dass im Referenzsystem aktuellste Komponenten verbaut sind und im Studio 2 relativ alte, ist das ein respektables Ergebnis. Aufgrund der Arbeitslast setzt der Lüfter ziemlich laut ein. Da ich mir Gamer-PCs mit vielen Lüftern gewohnt bin, hat mich das nicht sonderlich gestört. Ich kann mir aber vorstellen, dass sich andere Personen durch das Geräusch gestört fühlen.

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Das gute Ergebnis wird aber schnell durch den Cinebench R15 getrübt. Hier erhalte ich einen CPU Score von 758 und einen OpenGL Score von 105 fps. Mit diesem Resultat ist das Studio 2 von der Leistung her mit dem Lenovo YOGA (730-15IKB) vergleichbar, das Kollege Martin Jud letztes Jahr getestet hat. Dieses Ergebnis ist wohl auf dasselbe Problem wie bei den Ultrabook zurückzuführen. Die kompakte Bauweise des Surface Studio 2 verhindert eine gute Kühlung. Die Komponenten sind eng verbaut und der Lüfterschlitz ermöglicht nicht genug Luftzirkulation.

Als nächstes ist der Geekbench 4 dran. Bei dem handelt es sich um einen plattformübergreifenden Benchmark. Er läuft auf Windows, MacOS, Linux, Android und iOS. Bei der Version 4 des CPU-Benchmarks widerspiegelt der Basiswert von 4000 Punkten die Leistung eines Intel Core i7-6600U, der mit 2.60 GHz getaktet ist. Nebst simulierten realen Szenarien, mit welchen die CPU getestet wird (Single-core und Multi-core), kann Geekbench auch die GPU-Leistung in Bereichen der Bildverarbeitung und dem Maschinellen Sehen ermitteln. Du kannst dank dem Geekbench-Browser auch die Resultate mit anderen Systemen vergleichen. Hier die Resultate des Surface Studio 2:

Falls du dir die Benchmark-Resultate im Detail ansehen möchtest: * Geekbench 4 CPU Performance * Geekbench 4 GPU Performance

Konkurrenzlos, aber nicht konkurrenzlos gut

Das Microsoft Surface Studio 2 steht ausser Konkurrenz. Das liegt einfach daran, dass es kein vergleichbares Produkt gibt. Kein AiO ist so vielseitig wie das Studio 2 mit Pen- und Dial-Unterstützung. Das Display ist schlichtweg genial, auch wenn’s nicht für 100 Prozent Adobe-RGB-Farbraumabdeckung reicht. Für Kreativköpfe ergeben sich unzählige Möglichkeiten, mit dem Gerät zu arbeiten.

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Von der Leistung her gibt es aber bei weitem Besseres. Vor allem für den Preis. Ich weiss, dass das Surface Studio 2 eine spezifische Klientel ansprechen will und für die reicht die Leistung des Geräts auch allemal aus. Ich verstehe dennoch nicht, dass Microsoft veraltete Komponenten verbaut. Es muss nicht gleich ein Prozessor oder eine Grafikkarte der neuesten Generation sein. Aber bitte nicht Komponenten die zwei Jahre oder mehr auf dem Buckel haben. Wenn Microsoft wenigstens einen Thunderbolt-3-Anschluss verbaut hätte, wäre es möglich, eine eGPU anzuschliessen und wenn nötig mehr Leistung aus dem Gerät zu kitzeln. So wäre das Teil zumindest etwas besser für die Zukunft geeignet.

Lohnt sich der Kauf des Surface Studio 2 für Besitzer des Vorgängers? Nein, der Leistungszuwachs ist für Kreativköpfe nicht gross genug, um die 4300 Franken teure Anschaffung für das kleinste Modell zu rechtfertigen.

Lohnt sich der Kauf des Surface Studio 2 für Kreativköpfe, die noch keine Surface Studio haben? Nur, wenn sie das Geld haben und mehr Wert auf Design als Leistung legen.

Für wen lohnt sich der Kauf also? Für Leute, die das Geld haben, gerne ein ästhetisch ansprechendes Gerät rumstehen haben sowie kreativ Arbeiten und deshalb das Display tatsächlich nutzen können. Oder einfach für Leute, die nur die ersten zwei Eigenschaften erfüllen.

Alle anderen kaufen oder bauen sich am besten einen leistungsfähigen PC. Da im Studio 2 Komponenten verbaut sind, die auch in Notebooks verwendet werden, darf es bei Prozessor oder Grafikkarte dann auch ein kleineres, aber aktuelles Model sein. Die sind aufgrund der besseren Kühlleistung bei PCs sowieso effizienter. Dann noch einen Monitor und Grafiktablet dazu und du fährst immer noch günstiger als mit einem Surface Studio 2. Das Ganze sieht dann halt nicht ganz so aufgeräumt aus.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer
Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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