Steht 3D im Heimkino vor dem Aus?
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Steht 3D im Heimkino vor dem Aus?

Luca Fontana
Zürich, am 06.09.2017
Die grossen TV-Hersteller wenden sich von der Technologie ab: Zu gering die Nachfrage, zu klein die Rolle, welche das Feature beim Neukauf spielt. Ein Abgesang auf 3D von jemandem, der es tatsächlich vermissen wird.

Ich möchte ganz ehrlich sein: Ich LIEBE 3D. Dass ich damit zu einer schwindenden Minderheit gehöre, weiss ich. Als nach Samsung im letzten Jahr auch Sony und LG Anfang 2017 verkündeten, dem 3D den Rücken ebenfalls kehren zu wollen, kam das einem Todesstoss für die dritte Dimension im Heimkino gleich. «Loved from few, hated by many» wird man sagen, wenn der letzte 3D-TV über die Ladentheke gehen wird. Ach, was habe ich schon Stunden in fremden, exotischen Welten verbracht, gefährliche Abenteuer erlebt und gemeinen Schurken das Handwerk gelegt! Mir blutet das Herz beim Gedanken, dass es damit wohl bald ein Ende haben wird.

Einverstanden, das war melodramatisch. Aber ihr versteht, worauf ich hinauswill. Ich bin mir sogar sicher, dass ich einigen von euch aus der Seele spreche! Lasst uns eine kleine Zeitreise antreten; erforschen wir die Anfänge des modernen 3D-Kinos und ergründen wir die Ursachen, weshalb der Funke bis heute noch nie so richtig aufs Publikum überspringen wollte. Abschliessen tun wir mit den Alternativen, die uns 3D-Enthusiasten noch geblieben sind!

Avatar – Aufbruch fürs 3D

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt 3D als Fernseh-Trend der Zukunft. Angefangen hat alles mit dem finanziell erfolgreichsten Kino-Film aller Zeiten: «Avatar – Aufbruch nach Pandora». Wenngleich der 2009 in den Kinos erschienene Film inhaltlich nicht restlos zu überzeugen vermochte, so begeisterte er tausende Besucher vor allem wegen Einem: einer fantasievollen, von bahnbrechenden Spezialeffekten nur so strotzenden Welt. Eine Welt, die man dank 3D förmlich anfassen konnte. Freilich, es ist nicht so, als ob es 3D-Versuche im Kino nicht schon vorher gab, aber von der Massentauglichkeit waren diese Experimente noch weit entfernt. Erst James Camerons Mega-Erfolg führte zum grossen Umdenken.

Weitere 3D-Filme folgten. Innerhalb von nur 2 Jahren nach Avatars Erscheinen verdreifachte (!) sich die Anzahl 3D-Produktionen, die jährlich den Weg ins Kino fanden. Viele dieser Produktionen wurden nur wegen Avatar nachträglich in die dritte Dimension konvertiert, um vom unaufhaltsam rollenden 3D-Zug zu profitieren. Für die Kino-Ketten ein wahrer Segen, denn endlich hatte man wieder ein Argument, weshalb man Filme im Kino schauen und nicht etwa via illegaler Download-Plattform auf den Heimrechner runterladen sollte.

Gerade rechtzeitig etablierte sich «Full-HD» im Heimkino-Markt, und schnell gab es die ersten Fernseher, die 3D in zufriedenstellender Qualität unterstützten. Denn mit immer grösseren und hochauflösenderen Bildschirmen macht es einfach mehr Spass, einen Film in der dritten Dimension zu geniessen – eben wie im Kino. Oder? Oder!?

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Der Startschuss in die neue, faszinierende Welt der dritten Dimension.

Warum 3D weniger beliebt ist

Es hat wohl nicht sollen sein. Die Technologie ist bis heute nicht völlig unumstritten. Seit 2011 – in diesem Jahr wurden rund neunundfünzig 3D-Filme veröffentlicht – nahm die Anzahl 3D-Produktionen rapide ab. Das dürfte wohl mehrere Gründe haben. Wenn man sich umhört, sind das die meistgenannten Kritikpunkte:

3D ist nur ein Gimmick, um mehr Geld zu verdienen

Dass die Hollywood-Produzenten nach Avatars Erfolg das Gefühl gehabt haben mussten, auf einer wahren Goldgrube gestossen zu sein, liegt nahe. Denn wir kennen ihn alle, den unbeliebten 3D-Zuschlag an der Kinokasse. Und der beinhaltet meist nicht mal die provisorische 3D-Brille, die man sich ja auch noch dazukaufen muss!

Das 3D-Bild ist schlicht und einfach mies

Weil viele Filme nach Avatars Erfolg erst nachträglich und dann auch noch hastig in die dritte Dimension konvertiert wurden, gab es gerade zu Anfang der modernen 3D-Ära grosse Qualitätsunterschiede. Ein prominentes Beispiel für schlecht-genutztes 3D: «Zorn der Titanen». Auch bei den 3D-Blu-rays schwankte die Qualität enorm. Ein begehrter Titel wie «Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2» schnitt in der 3D-Bewertung besonders schlecht ab. Solche Schnellschüsse leisten dem Ruf der 3D-Technologie einen Bärendienst. Bis heute.

Umständlich und Unbequem

Damit 3D funktioniert, benötigt man eine 3D-Brille. Während das Tragen einer 3D-Brille im Kino quasi «zum Event» dazugehört, ist dies Daheim völlig anders. Die Brille wird dort als mühsames Zubehör empfunden, auf welches man lieber verzichtet.

Symptome wie Schwindel, Übelkeit oder Kopfschmerzen

Manche Zuschauer beschweren sich über Übelkeit oder Kopfschmerzen, wenn sie 3D-Filme schauen. Dies kann verschiedene Gründe haben. Übelkeit entsteht beispielsweise, wenn sich die Augen auf eine schnelle Bewegung einstellen, das Gleichgewichtsorgan im Innenohr aber feststellt, dass man immer noch ruhig im Kinosessel sitzt. Bei Kopfschmerzen ist es etwas komplizierter: Nähert sich ein Gegenstand, dreht sich das Auge weiter zur Nase hin, um die Schärfe korrekt «einzustellen». Weil die Leinwand in Wirklichkeit aber gar nicht näher kommt, muss das Auge ständig zwischen Nah- und Fernsicht wechseln. Auf Dauer kann das anstrengend für die Augen sein, körperliche Symptome sind dann oft die Folge.

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Nicht für alle fühlt sich 3D so toll an wie für diese zwei begeisterten Zuschauer.

Egal – ich steh auf 3D

Die körperlichen Symptome sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich und haben nichts mit gutem oder schlechtem 3D zu tun. Was die 3D-Brille betrifft: Ich als Gelegenheits-Brillenträger bin es mir ohnehin gewohnt, ab und zu etwas auf der Nase zu haben. Eine überwiegend grosse Anzahl 3D-Filme, die heute produziert werden, setzen dieses Werkzeug meistens gut und sinnvoll ein – die Zeiten, in denen jedes Produktionsstudio eher schlecht als recht Filme von 2D in 3D konvertieren liess, nur um sich das marketingtechnisch wertvolle 3D-Label auf die Fahne schreiben zu können, sind vorbei. Der Aufpreis für eine 3D-Blu-ray mag zwar ärgerlich sein, doch komme ich nicht umhin festzustellen, dass die durchschnittlichen Preise der 3D-Scheiben in den letzten Jahren massiv abgenommen haben.

Also – gebt eurem 3D-Heimkino noch einmal eine faire Chance! Mehr verlange ich gar nicht.

Nach wie vor eine kluge Investition...

Ja, 3D-Fernseher sterben aus. Das kann auch ich nicht schönreden. Will ich aber gar nicht. Lohnt es sich überhaupt noch, ein entsprechendes TV-Gerät zu kaufen? Ein negativer Rückschluss wäre meiner Meinung nach falsch. Die Auflage verkaufter 3D-Scheiben ist nämlich ein ganzes Stück höher als bei der 4K-Revolution «UHD-Blu-Ray». Sagt jedenfalls die FAM in Deutschland. Und Blockbuster-Highlights wie Jurassic World oder Star Trek – Beyond erhalten nach wie vor einen 3D-Release fürs Heimkino. Nur, weil keine 3D-fähige Fernseher mehr fabriziert werden, heisst das ja noch lange nicht, dass diejenigen 3D-TVs, die in unseren Wohnzimmern stehen, plötzlich verschwinden, oder? Natürlich nicht. Und weil die Marge auf diesen Scheiben deutlich besser ist als auf herkömmlichen Blu-Rays, werden die Distributions-Firmen auch in absehbarer Zukunft nicht so schnell auf die höchst willkommenen Gewinne verzichten wollen.

Jurassic World 3D (2015, 3D Blu-ray)
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Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind Set (2016, 3D Blu-ray)
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Mein persönliches 3D-Line-Up

Möchtest du also einen neuen TV kaufen, aber deine 3D-Sammlung nicht einfach vor sich hin gammeln lassen? Du hast Glück; noch ist der 3D-Zug nicht abgefahren. Damit dir die Wahl der richtigen «Hardware» leichter fällt, zeige ich dir mein persönliches Line-Up, das für garantiert tolle Heimkino-Abende sorgen wird.

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OLED 65EF950V (65", 4K, OLED)
LG OLED 65EF950V (65", 4K, OLED)

3D-fähiger OLED von LG: Das «Larger than Life»-Gefühl gepaart mit toller Tiefenwirkung. Dazu die fortschrittliche OLED-Technik für echtes Schwarz und hohe Kontraste. HDR-Unterstützung für ein hohes Farbspektrum darf natürlich nicht fehlen. Und 4K sorgt für stets gestochen scharfe Bilder. Das Gerät hat nicht nur mich überzeugt, sondern auch unsere Kunden.

4K-Blu-ray-Player mit 3D-Unterstützung: Das Gerät von Samsung ist nicht nur gut (wie unsere Kunden aber auch externe Tests bestätigen), sondern auch bezahlbar. Es unterstützt sowohl 4K-Blu-rays als auch deine gesammte Blu-ray- und 3D-Blu-ray-Sammlung.

Auch mit Ton mittendrin: Stell dir vor, du hast den perfekten 3D-Fernseher, einen tollen Film, der dich zum Träumen einlädt – aber der Sound kommt nur aus einer Richtung? Pardon, wenn schon, denn schon, pflege ich zu sagen. Ich habe mich für eine (zugegebenermassen) nicht ganz günstige Lösung vom bewährten Audio-Spezialisten SONOS entschieden. Allerdings erwarte ich nicht, dass ich die Soundanlage in naher Zukunft austauschen werde. Praktisch: Man muss nicht alle Komponenten gleichzeitig kaufen, um Surround-Sound zu erleben. Die Playbar alleine bietet schon ein ausgezeichnetes, räumliches Klangerlebnis mit wuchtigem Bass (meine Nachbarn können es zu ihrem eigenen Leidwesen bestätigen). Und wenn das nicht genug ist, fügt man einfach zwei Satelliten (Rücklautsprecher) sowie einen Bass hinzu.

Und was ist die Alternative?

Je grösser dein TV, desto besser wirkt das 3D. Diese Feststellung erklärt ebenfalls, weshalb die Akzeptanz von 3D im Kino weitaus höher ist als Daheim. Heisst das also, dass für uns Home-Enthusiasten der dreidimensionale Traum bald ausgeträumt ist? Freunde, ich darf euch beruhigen, es gibt einen Hoffnungsträger. Und der heisst Beamer.

Ich baue mir mein Heimkino und nehme dafür mit...

Saker SK110XHW-E12 (Motorisiert, 110", 16:9)
584.–
Elite Screens Saker SK110XHW-E12 (Motorisiert, 110", 16:9)
EH-TW6700 (Full HD, 3000lm, UHP, 32dB)
Gebraucht
1100.–
Epson EH-TW6700 (Full HD, 3000lm, UHP, 32dB)

Für den Beamer-Genuss brauchst du – Sound aussen vor gelassen – drei Komponenten: Beamer, Leinwand, und gegebenenfalls eine Montagelösung. Mit Letzterem kannst du den Beamer an die Decke montieren.

Leinwand: Du gehörst zu jenen 3D-Liebhabern, für die gross erst ab 100-Zoll beginnt? Ausgezeichnet. Der Elite Screen von Saker dürfte mit seinen 110 Zoll (in Worten: Hundertzehn!) genau deine Kragenweite haben. Das weisse Gehäuse ist unauffällig und bei Nichtgebrauch wird die Leinwand einfach eingerollt. Das spart Platz.

Beamer: Der LCD-Projektor Epson EH-TW6700 ist ein Allrounder im Heimkinobereich. Full-HD-Auflösung sowie die Möglichkeit zum Abspielen von 3D-Content gehört zum Standard-Repertoire. Dazu kommt, dass dem Beamer mit 3000 ANSI-Lumen und einem Kontrastwert von starken 70'000:1 auch hellere Räume keine Probleme bereiten. Dank Lens-Shift und optischem Zoom wird dir einiges an Flexibilität geboten, was bei der Platzierung des Geräts sicher hilfreich ist. Das meinen jedenfalls unsere überzeugten Kunden.

Bemerkung: In absehbarer Zeit möchte ich einen 3D-Beamer für euch testen und einen eigenen Erfahrungsbericht dazu schreiben. Wann? Das weiss ich noch nicht so genau. Aber bald. Den Test liefere ich auf jeden Fall nach!

Montagelösung: Nun, was gibt es hier noch gross zu sagen? Das Teil von Sunne mit der weissen Deckenhalterung ist schick, bezahlbar und tut, was es tun soll. Zudem ist es handlich und die Montage dauert je nach Basteltalent nicht mehr als 10-15 Minuten.

Was ist eure Meinung zu 3D?

So – und jetzt seid ihr dran.

Wer schliesst sich meinem Abgesang aufs 3D an? Wer findet es mindestens genau so schade wie ich, dass TV-Hersteller offenbar nicht an die Technologie glauben? Oder seid ihr ganz und gar nicht bei mir und seid der festen Überzeugung, dass dieses Feature ein überflüssiges Gimmick ist, um mehr Geld zu verdienen? Egal, wie ihr dazu steht, ich will es wissen. Schreibt es mir in den Kommentaren!

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Luca Fontana
Luca Fontana
Editor, Zürich
Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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