So verändert die Pandemie unseren Lebensstil

So verändert die Pandemie unseren Lebensstil

Patrick Bardelli
Zürich, am 03.06.2020
Bilder: Manuel Wenk
Weniger Bewegung im Alltag, mehr Sport in der Freizeit. So lässt sich eine der Auswirkungen der Coronakrise vereinfacht zusammenfassen. Nun gibt es Zahlen, die das belegen.

Angesichts der Pandemie hat Garmin die Aktivitäten der Menschen auf der ganzen Welt im April dieses Jahres mit den Zahlen von 2019 verglichen. Welche Aktivitäten haben in den einzelnen Ländern am stärksten zugenommen, welche abgenommen?

Wenn wir in den nächsten Jahren zurückblicken, werden wir uns an den April erinnern, in dem das Coronavirus einen besonders starken Einfluss auf fast alle Länder, Kulturen und Gemeinschaften hatte.

Bereits vor einem respektive zwei Monaten hatte der US-amerikanische Sportuhrenhersteller Garmin Daten seiner User veröffentlicht. Der Fokus lag bisher auf Bewegungsmustern in den USA und Europa.

*Garmin weiss,** was du während des Lockdowns gemacht hast
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Nun liefern die Amerikaner globale Zahlen, die sich folgendermassen zusammenfassen lassen:

  • Die Gesamtzahl der weltweiten Schritte ist im April 2020 um 12 Prozent zurückgegangen
  • Die Anzahl der Schritte bei reinen Trainingsaktivitäten sind weltweit um 24 Prozent gestiegen
  • Die Trainingsaktivität ist weltweit und in den verschiedensten Ausprägungen gestiegen, um den Rückgang der täglichen Bewegung durch das Coronavirus auszugleichen

Gesamtanzahl der weltweit getätigten Schritte

Schaut man sich den April 2020 im Jahresvergleich mit 2019 an, so zeigt sich, welche Auswirkungen die Pandemie auf unser Leben hat. Aggregierte Daten von Millionen von Garmin-Nutzern zeigen einen weltweiten Rückgang von 12 Prozent der durchschnittlichen Schrittzahl pro Tag. Die untenstehende Heatmap stellt dar, welche Länder einen stärkeren Rückgang verzeichneten als andere.

Auf einen globalen Massstab bezogen ist es gemäss Garmin wichtig, jedes Land nach demselben Schema zu bewerten. Aus diesem Grund werden die Ergebnisse für Länder mit einer geringeren Bevölkerungszahl und strikteren Ausgangsbeschränkungen entsprechend in Relation gesetzt. Zum Beispiel der Vergleich zwischen den USA und Usbekistan: Obwohl Usbekistan bei der Zahl der Coronavirus-Fälle bei weitem nicht an die USA herankommt, hat es einen grösseren prozentualen Rückgang zu verzeichnen, weil dort weniger Menschen leben und strengere Regeln zur Bekämpfung des Virus gelten.

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Aktivitätsbasierte Trainingsschritte

Dass sich Menschen in Zeiten einer Pandemie und strengen Ausgangsbeschränkungen weniger bewegen, war zu erwarten. Interessant wird es jedoch, wenn wir uns die Daten genauer anschauen.

Ein Teil der weltweit getätigten Schritte geht auf Aktivitäten wie Gehen, Laufen und Wandern zurück. Wenn wir nur die Schritte betrachten, die aus diesen protokollierten Aktivitäten stammen, können wir einen entgegengesetzten Trend feststellen. Im Durchschnitt stiegen die Schritte aus aufgezeichneten Aktivitäten weltweit um 24 Prozent. Der naheliegende und wahrscheinliche Grund: Um den Rückgang der täglichen Bewegung im Alltag zu kompensieren, begannen die Menschen mit Sport.

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Höchste Zunahme von Aktivitäten pro Land

Welche sportlichen Aktivitäten treiben Garmin-Nutzer? Und variieren sie von Land zu Land? Hier sind die Aktivitäten zu sehen, die in den einzelnen Ländern den grössten Anstieg verzeichneten, wenn man April 2020 mit April 2019 vergleicht.

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Australier und Kanadier mögen unterschiedliche Meinungen darüber haben, ob Kricket oder Hockey mehr Spass macht. Es scheinen sich allerdings beide darin einig zu sein, dass Gehen die attraktivste Aktivität während des Lebens im Lockdown ist.

In China, Mexiko, Südafrika und zahlreichen anderen Ländern nahm das Training an Fitnessgeräten stärker zu als bei anderen Aktivitäten – Indoor-Cardio machte 50 Prozent der Fitness-Workouts aus. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr fielen im gleichen Zeitraum über 50 Prozent der Aktivitäten in die Kategorie Krafttraining. Diese Entwicklung legt gemäss Garmin die Vermutung nahe, dass sich Workouts vom Fitnessstudio ins heimische Wohnzimmer verlagern.

Natürlich muss man sich auch die grossflächigen blauen Bereiche auf der Landkarte anschauen. Ein globaler Trend zum Indoor Cycling ist dort unverkennbar auszumachen.

Grösster Rückgang von Aktivitäten pro Land

Die Pandemie hat für die Zunahme einiger Sportarten und Aktivitäten geführt – und ebenso gibt es Sportarten, die darunter gelitten haben. Das Schwimmen ist in Europa fast komplett eingebrochen. Wenn Garmin den April 2020 mit dem April 2019 vergleicht, scheint dies ebenfalls ein globaler Trend zu sein. Die Daten zeigen einen deutlichen Rückgang der Schwimmaktivität von Amerika bis in den Fernen Osten.

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Schwimmer verzichten deswegen nicht gänzlich auf Sport. In Australien zeigen die Daten beispielsweise, dass 54 Prozent der Nutzer, die im April 2019 geschwommen sind, stattdessen dieses Jahr die Laufschuhe schnüren. 43 Prozent der chinesischen Nutzer, die im April des vergangenen Jahres geschwommen sind, laufen dieses Jahr oder fahren Rad.

Multisporttraining zählte zusammen mit Wandern und Golf ebenfalls zu den Aktivitäten mit den grössten Rückgängen in mehreren Ländern. Aber auch diese Personen suchten nach Alternativen. In Südafrika zum Beispiel wandten sich im April 2020 20 Prozent der Benutzer, die vergangenes Jahr noch Golf spielten, dem Indoor-Fitnesstraining zu. Weitere 11 Prozent begannen mit Indoor-Cycling.

Und bei uns?

Auch in der Schweiz, Deutschland und Österreich zeigen sich deutliche Trends in den Bewegungsaufzeichnungen, die sich auf die Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Pandemie zurückführen lassen. So haben beispielsweise die Sportarten Laufen, Radfahren, Gehen und Wandern einen starken Aufwärtstrend erfahren. Im Vergleich zum April 2019 stiegen die aufgezeichneten Lauf-Aktivitäten in diesem Jahr um 75 Prozent an.

Die Häufigkeit von normalen Radfahr-Aktivitäten wuchs sogar um 87 Prozent. Das Indoor-Cardio-Training brach aufgrund der Schliessung der Fitnessstudios und Sportstätten um beinahe die Hälfte ein, ebenso das Bahnschwimmen, das in den Statistiken kaum noch auftaucht.

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Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Senior Editor, Zürich
Es zählt nicht, wie gut du bist, wenn du gut bist. Sondern wie gut du bist, wenn du schlecht bist.

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