Synature
Hintergrund

Schweizer Start-up hört Tiere sprechen

Lorenz Keller
11.3.2026

Wenn Tiere sprechen, hört das Schweizer Start-up Synature zu. Dank Bioakustik können Ökosysteme überwacht werden, ohne die Vögel, Säugetiere oder Amphibien zu sehen.

Für Olivier Stähli stand schon während seines Informatikstudiums an der Universität Bern und der EPFL (Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne) fest, dass er seine Liebe zu Natur und Umwelt irgendwie mit seinem Beruf verbinden will. Sein Studienkollege Noah Schmid bringt eine ebenso grosse Passion für Musik und Technik mit. Die logische Konsequenz: Gemeinsam gründeten sie 2024 das Start-up Synature, das Natur, Akustik und Technik zusammenbringt.

Das Unternehmen aus Lausanne sorgt dafür, dass Ökosysteme und Tierbestände überwacht werden können. Synature setzt auf Mikrofone und eine KI-Erkennung von Tierlauten und ‑geräuschen, sozusagen eine Fotofalle für Töne.

15 000 Arten mit einem Mikrofon

Dieses Jahr lanciert Synature eine All-in-One-Lösung mit Mikrofonen und Cloudanbindung. Das Gerät erinnert an eine Wildtier-Fotofalle, die an einen Baum gehängt wird. Statt Kameras sind jedoch vier hochwertige Mikrofone eingebaut, die Geräusche bis in den Ultraschallbereich aufzeichnen. Das wetterbeständige Gerät läuft dank Solarzellen monatelang autonom.

Das Synature-System mit Mikrofonen und Mobilfunk.
Das Synature-System mit Mikrofonen und Mobilfunk.
Quelle: Synature

Die aufgezeichneten Daten werden über Mobilfunk oder WiFi übertragen und von einer speziell darauf trainierten KI ausgewertet. Über den Browser kann ein Dashboard mit allen Informationen abgerufen werden. Das System erkennt momentan rund 15 000 Arten von Vögeln, Fledermäusen, Fröschen, Insekten und Säugetieren.

Um einen Treffer zu verifizieren, lassen sich die Tonaufnahmen abhören. «In einem Naturschutzgebiet konnten wir damit zwei Arten nachweisen, die vermeintlich gar nicht dort vorkommen», erzählt Olivier Stähli. Die Verantwortlichen hätten es zuerst gar nicht geglaubt. Dank der aufgenommenen Geräusche konnten sie die beiden Tierarten jedoch verifizieren.

Von der Schweiz bis nach Ecuador im Einsatz

Wo kommt Synature zum Einsatz? «Zum Beispiel dort, wo die Auswirkungen von Menschen auf die Natur überwacht werden müssen», sagt Olivier Stähli. So hat Synature nach einem Flussrenaturierungsprojekt in der Schweiz Tonfallen aufgestellt und über 200 Tierarten im ersten Jahr nachgewiesen.

Über eine Webanwendung können alle Resultate abgerufen werden.
Über eine Webanwendung können alle Resultate abgerufen werden.
Quelle: Synature

In Spanien hat das Schweizer Start-up über längere Zeit einen Solarpark überwacht und über 250 Tierarten mit dem Mikrofon eingefangen. So konnte nachgewiesen werden, dass Natur und Technik koexistieren können.

Auch zur Überwachung des Wolfes in der Schweiz und zum Monitoring von Wildtierkorridoren, Agrarforstwirtschaft und Schutzgebieten in Ecuador hat Synature Mikrofone bereitgestellt. Einige Beispiele für Aufnahmen aus diesen Projekten kannst du dir auf der Instagram-Seite von Synature anhören.

Das Unternehmen verkauft seine Mikrofone übrigens nicht, sondern bietet das System seit diesem Jahr als Service an. Das Gesamtpaket wird für einen Zeitraum gemietet. Bereits vorhandene Tonaufnahmen lassen sich ebenfalls mit dem Modell von Synature analysieren.

Ein einzelnes Mikrofon kann die Biodiversität bei Vögeln und Säugetieren in einem Umkreis von einem Kilometer gut messen. Je nach Tierart braucht es eine dichtere Abdeckung.

Wer nun befürchtet, dass seine vertraulichen Telefongespräche im Naturschutzgebiet aufgezeichnet werden, der sei beruhigt. Grundsätzlich nehmen die Mikrofone alles auf, menschliche Sprache wird aber herausgefiltert und sofort gelöscht.

Titelbild: Synature

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