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Parlament legt UKW-Abschaltung auf Eis

Florian Bodoky
12.12.2025

Die Schweiz stoppt den UKW-Ausstieg. Nach langen Diskussionen über Reichweite und Versorgung verlängert das Parlament den analogen Radiobetrieb.

Update 12. Dezember 2025:

Die SRG verbreitet ihre Radioprogramme nun doch auch wieder über UKW. Nach der Abschaltung der UKW-Sender Ende 2024 sind die Hörerzahlen stark gesunken. Nach dem kürzlichen Entscheid des Parlaments, die Nutzung von UKW über 2026 hinaus zu erlauben, haben sich die politischen Rahmenbedingungen geändert.

Wie die SRG in einer Medienmitteilung gestern verkündete, sehe sie darin «einen Auftrag, die UKW-Verbreitung wieder aufzunehmen» und begründet den Schritt damit, dass ein vollständiger Verzicht auf diese Technologie ohne eine branchenweite Abschaltung für sie keinen Sinn ergeben hätte. Bevor UKW-Programme wieder starten, müssen der Bundesrat und das BAKOM allerdings die neuen technischen und gesetzlichen Bedingungen festlegen. Die SRG betont, weiterhin stark auf digitale Kanäle wie DAB+ zu setzen.


Das Schweizer Radio bleibt länger analog verfügbar als geplant. National- und Ständerat haben beschlossen, die Abschaltung der UKW-Sender zu verschieben und damit die eingereichte Motion gutzuheissen. Damit haben sie einen Kurswechsel bei der Digitalisierung der Radiosender eingeleitet.

Zum knappen Entscheid dürfte der deutliche Hörerschwund beigetragen haben, den die SRG seit dem Aus des UKW-Betriebs festgestellt hat. Die SRG hatte Ende 2024 als erstes die analogen Sender abgeschaltet. Kurz darauf sank ihre Reichweite deutlich – besonders in der Romandie und im Tessin. Der Rückgang nährte die Zweifel, ob DAB+ und Internetradio das analoge Netz schon zuverlässig genug ersetzen.

Die SRG hatte ihre Konzessionen bereits vor Jahren zurückgegeben und müsste sich in einem Verfahren neu bewerben, falls sie wieder ins analoge Netz einsteigen möchte. Privatradios dagegen verfügen weiterhin über funktionierende UKW-Infrastruktur und zeigen Interesse an einer verlängerten Nutzung.

DAB-Verbreitung und -Akzeptanz zu positiv eingeschätzt

Die geplante UKW-Abschaltung spaltet die Branche seit langem. Befürworter wie der Urner FDP-Vertreter Josef Dittli weisen auf den hohen Marktanteil von DAB+ hin. Das Digitalradio dominiert inzwischen den Markt – gemäss BAKOM mit einem Anteil von rund 90 Prozent, wie der Urner FDP-Vertreter Josef Dittli erklärt. Ausserdem habe der Umstieg auf DAB+ bereits 84 Millionen Franken an Fördergeldern gekostet. Das Festhalten an UKW diene den privaten Radios nur zum «Abschöpfen der Werbeeinnahmen». Auch UVEK-Vorsteher Albert Rösti vertrat diese Meinung. Vertreterinnen und Vertreter der Westschweiz und des Tessins betonten im Parlament, dass viele Hörerinnen und Hörer in Randregionen oder unterwegs im Auto auf analoge Signale angewiesen bleiben.

Gegner einer Verlängerung verweisen darauf, dass die Schweiz seit Jahren auf digitale Radiotechnik setzt. Ein paralleler Betrieb koste Energie, blockiere Frequenzen und bremse die Modernisierung. Sie argumentieren, die Branche habe genügend Zeit gehabt, den Übergang vorzubereiten. Auch die SRG hatte stets betont, dass DAB+ die Zukunft sei, und ihre Programme bewusst frühzeitig aus dem analogen Netz genommen. Müsse man den UKW-Betrieb nun wieder aufnehmen, koste das circa 15 Millionen Franken jährlich, die «in eine auslaufende Technologie statt in unsere Programme» investiert werden müssten, wie SRG-Generaldirektorin Susanne Wille sagt.

Mit dem Parlamentsentscheid verlängert sich die Übergangsphase, in der analoge und digitale Angebote nebeneinander bestehen. Der Bundesrat muss zudem bestimmen, wie viele UKW-Konzessionen künftig vergeben werden und welche technischen Standards gelten. Diese werden dann ab dem 1. Januar 2027 neu vergeben.

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Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.


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