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Bloody Keyboard: Konkurrenz für Cherry Switches?

Die Cherry Switches gelten als de facto Standard bei mechanischen Tastaturen. Für jeden Geschmack gibt es eine Cherry-Variante und Bedarf an Neuerungen wird selten laut geäussert. Bloody Gaming macht dem Tastatur-Trendsetter aber mit Infrarot-Technologie Konkurrenz.

«Bloody Hell», pflegt der Engländer zu sagen, wenn etwas schief geht oder ihn beeindruckt. Bloody Gaming will, dass seine Nutzer «Bloody Hell!» sagen, wenn sie mit den Tastaturen und Mäusen des Herstellers zocken. Denn, so versichern mir die Damen und Herren am IFA-Stand mit dem blutigen Handabdruck auf einer schwarzen Wand, Bloody hat kurzerhand die Tastatur revolutioniert.

Denn wo andere Hersteller auf Switches des deutschen Herstellers Cherry setzen, hat Bloody einen neuen Switch erfunden. Switches sind die Bauteile an Tastaturen, die das Signal geben «Taste gedrückt». In mechanischen Tastaturen machen diese ein erfrischendes Klickgeräusch, das nun wirklich jeden in der näheren Umgebung ärgert, aber unheimlich befriedigend für den User ist. Wo die Cherry-Switches auf reine Mechanik und Kontakte setzen, hat Bloody in den LightStrike Switches – merkwürdigerweise mit «LK» abgekürzt – Infrarot-Technologie verbaut. Das Resultat: Das Signal von der Tastatur soll noch schneller von der Tastatur an den PC gesendet werden.

Als Fan von mechanischen Tastaturen will ich das testen, denn an der IFA kann ich am Stand des Herstellers einige Modelle antesten, sprich, mit der Hand wild auf allen Tasten rumdrücken und einfach mal das Gefühl auf mich wirken lassen. Mein erster Test: Ich ziehe die rechte Pfeiltaste ab und schaue, was darunter liegt. In der Regel kann das auch «Fröhliches Cherry-Switch-Raten» genannt werden.

Die Bekenntnis zum Klickediklack

Doch auf dem LightStrike RGB Keyboard stimmt was nicht. Das Geräusch erinnert etwas an einen Cherry Blue Switch. Leicht scheppernd. Der Druckpunkt ist ebenfalls in etwa dort, wo der der Cherry Blues sitzt. Aber beim Drücken stimmt was nicht. Irgendwie fehlt das kleine Kippen, das ich von meinen Tasten zu Hause her kenne. Seltsam. Ich ziehe also die rechte Pfeiltaste ab. Es wird seltsamer.

Ein LightStrike Switch

Was ist das denn? Und es wird noch seltsamer.

Die Keycaps sehen Cherry-kompatibel aus

Auf jedem Switch in einer Tastatur sitzt ein Keycap. Das ist die Taste, die du drückst. Bei Cherry-Tastaturen können diese Keycaps beliebig ausgetauscht werden. Ich und ein paar Leser haben mal unsere Werke gezeigt.

Die Rückseite der LightStrike Switches ist also kompatibel mit allen Cherry Keycaps. Du wirst vielleicht bemerkt haben, dass die Fotos so gar nicht nach Messe aussehen und vielleicht hast du gestern Abend im Feed die Tastatur schon auf dem Esstisch unseres AirBNB bemerkt, den wir schon liebevoll «die Aussenredaktion Berlin» nennen. Gegessen haben wir am Tisch noch nie.

Koffein ist unser bester Freund

Das liegt daran, dass ich die Damen und Herren am Stand mit Fragen gelöchert habe und mehrfach erwähnt habe, dass ich so eine Tastatur unbedingt testen möchte. Dieses Vorhaben erkläre ich zuerst einem Herrn aus Österreich, dann einer Dame aus China. Mir wird eine Tasche in die Hand gedrückt, darin eine Tastatur. Ich solle sie in 24 Stunden wieder zurückbringen. Ob das für einen Test reiche. Klar reicht das. Denn diese Zeilen schreibe auf einer Bloody LightStrike RGB B820R.

Die B820R hat einige recht witzige Features jenseits des künstlichen, unsterblichen Klackens und der RGB-Beleuchtung. Nebst einem 100% akkuraten Rollover, das auch beim schnellsten Tipper die Reihenfolge des Getippes nicht verliert, hat die B820R Abflüsse. Das ist jetzt nicht etwas, was ich an Tastaturen erwarte. Im Innern der Tastatur sind zwei Abflusskanäle verbaut, die ein effizientes Abfliessen von Flüssigkeit ermöglichen. Gamer und In-der-tiefen-Nacht-Schreiber, wir können easy mal Kaffee oder sowas über die Tastatur leeren.

Die Abflüsse an der B820R

Die Infrarot-Switches

Da mein aktuelles Einsatzlaptop, das Porsche Book One, weder fürs Gamen gemacht ist noch irgendwelche Spiele installiert hat, donnere ich halt während dem Schreiben in die Nacht hinein. Nach etwa fünf vollen A4-Seiten Text auf dem Bildschirm kann ich sagen, dass das Tippen mit der B820R eine wahre Freude ist, wenn auch etwas sehr laut. Dieser Klang wird sich laut Bloody nie ändern. Wo das Geklacke anderer mechanischer Tastaturen sich nach einiger Zeit abnutzt, hat sich Bloody gedacht «Wir machen ewig Lärm».

Die Switches sind schnell, sehr schnell. Metallswitches haben einen Bounce drin, der laut Hersteller Bloody, zwischen 18 und 30 Millisekunden beträgt. Daher hat Bloody, ein Ableger des Taiwanesischen Konzerns A4Tech, sich komplett von der Metalltechnologie verabschiedet und setzt auf Infrarot-Tipperkennung. So wurde aus den 18 bis 30 Millisekunden ein Wert von unter 0.2 Millisekunden, da nirgends ein analoges Signal in ein digitales umgewandelt wird. Das bemerke ich beim Tippen. Ich tippe zwar nicht schneller oder richtiger – gerade eben habe ich das Wort «die» dreimal hintereinander falsch geschrieben – aber das Tippen fühlt sich schneller an. Das liegt nicht nur am sich zweifellos einsetzenden Placebo-Effekt sondern auch daran, dass Bloody am Weg gespart hat, die eine Taste von Fingerkontakt bis zum Signal an den Computer verkürzt hat. Statt auf vier Millimeter ist der nun auf drei Millimeter.

Die Switches haben sich nicht nur den Druckpunkt von den Cherry Switches abgeschaut, sondern auch bei den Romer-G Switches der Marke Logitech die Balance. Oder vielleicht hat Logitech die Romer-G Balance bei Bloody abgeschaut. Denn egal, wo ich auf die Taste drücke, der Druckpunkt liegt am genau gleichen Ort. Das leichte Kippen der Tasten, das ich manchmal beim Tippen auf den Cherry Switches verspüre, ist weg. Das gefällt mir doch sehr gut.

Die Schalldämpfung ist aber einfach: Einfach ein paar O-Ringe kaufen und fertig. Und, wenn die B820R jetzt mir gehören würde, dann würde ich wohl noch einen Satz ganz schwarze Keycaps dazukaufen. Da ich aber weder O-Ringe noch schwarze Caps habe, bleibt mir nichts anderes übrig, als mit den RGB-Farben rumzuspielen. Ich mag ein kühles Blau. Na dann, auf in die Software.

Der grosse Wermutstropfen

Die Software, die die Tastenbeleuchtung sämtlicher Bloody Tastaturen steuert heisst KeyDominator und ist bei Redaktionsschluss in der Version 2. Das Progamm macht aber keine halb so gute Falle wie die Hardware. Glücklicherweise brauchst du sie nicht zwingend.

Der Hauptbildschirm der Software

KeyDominator2 wirkt merkwürdig zusammengestückelt. Da und dort ändert das Design, das ohnehin so wirkt, als ob es anno 1995 auf einer Flash-Website eines neuen Filmes cool hat sein wollen. War es damals nicht, ist es heute nicht. Du würdest vermuten, dass der Menüpunkt «Button» die RGB-Einfärbung der Tasten übernimmt. Falsch. Das machst du im Menü «RGB Animation» und dann mit Klick auf «RGB Animation» in Farbe und bunt oben rechts.

Das Keydominator-Fenster verschwindet und ein viel grösseres, nur leicht anders designtes Fenster erscheint. Auf dem Weg dahin kann es mal vorkommen, dass die Farbe der Tastatur so spontan ändert. Ferner nervig ist ein über der Desktop-Ebene schwebendes Ding, das an ein Widget erinnert. Keine Ahnung, was es macht oder machen soll, aber du kannst es mit einem Rechtsklick deaktivieren.

Der Farbkonfigurationsbildschirm

Aber ich benutze die Software nach der initialen Frustration nicht. Netterweise zwingt dich Bloody nicht dazu, ihr Programm verwenden zu müssen. Denn wenn in einer Tastatur RGB-Funktionalität verbaut ist, dann ist da irgendwo ein Datenspeicher hardwareseitig verbaut. Auf diesen kannst du mit der Tastatur direkt zugreifen. FN+F12 setzt die Tastatur zurück. Dann kannst du mit FN und den Pfeiltasten links oder rechts durch Farbmodi durchwechseln. Mit FN und den Pfeiltasten nach oben oder unten kannst du die Helligkeit der LEDs unter der Tastatur einstellen.

Zeit, ein kleines Fazit zu ziehen: Hardware Hui, Software Pfui. Die Bloody RGB B820R macht als Peripherie alles richtig, was sie nur richtig machen kann. Schade, dass die Software da nicht mithalten kann. Ich hoffe auf ein schnelles Update, denn wenn das Softwareproblem gelöst ist, dann rockt das Gesamtpaket und nicht nur die Hardware. Die Hardware, übrigens, reisst den Karren wieder raus. Alles in allem: Bloody Hell, ich mag Bloody.

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User

Dominik Bärlocher

Journalist. Autor. Hacker. Meine Themen haben meist mit Android oder Apples iOS zu tun. Auch die IT-Security liegt mir am Herzen, denn in unserer Zeit ist der Datenschutz keine Nebensache mehr, sondern eine Überlebensstrategie.

12 Kommentare

User meierm

"So wurde aus den 18 bis 30 Millisekunden ein Wert von unter 0.2 Millisekunden, da nirgends ein analoges Signal in ein digitales umgewandelt wird" Ich bezweifle doch stark, das bei mechanischen Tastaturen ein analoges Signal in ein digitales um gewandelt wird...

03.09.2017
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User irgendoebber

Na ja, technisch gesehen muss bei jeder menschlichen Interaktion ein analoges Signal in ein digitales umgewandelt werden... Es scheint als hätten sie es aber hier von contact bounce, also von einem inhärenten "Wackelkontakt" bei mechanischen Schaltern, der mehrfache Tastenanschläge auslösen könnte und gefiltert werden muss. Aber auch dann wäre die Aussage nur höchstens halbschlau...

04.09.2017
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User dirty.stone

Ihr habt die aber nicht im Sortiment ?!

02.09.2017
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User dirty.stone

Sorry.. absatz übersrpungen das du die nur testen konntest... In demfall... wann werdet ihr die im Sortiment haben :D

02.09.2017
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User Dominik Bärlocher

Keine Ahnung. Ich habe mal deinen Kommentar nach Zürich weitergeleitet. Wir in Berlin sind in rein journalistischer Mission unterwegs. Interessante Dinge finden, drüber berichten, testen was können so gut wie es in der Zeit, die wir haben geht, und dann drüber schreiben und/oder ein Video drehen.

Ich hoffe aber doch stark, dass Zürich deinem Wunsch nachkommt.

03.09.2017
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User dirty.stone

Super Merci. Wirdes öppe de gseh wederse heit. Bi öppe no uf digitec ungerwägs. Merci für die schnäui antowort u witerhiin gueti Mäss.

03.09.2017
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User S.Stoller

Eigentlich recht genial; Led, Sensor und noch einen Schmitt-Trigger dahinter.

03.09.2017
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User Kobe_Maguire

Als Romer-G Fanboy sehe ich keinen Mehrwert, kann mich jemand eines Besseren belehren?

04.09.2017
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User Dominik Bärlocher

Die Modularität und Kompatibilität der Lightstrikes ist den Romer-G um Welten voraus. Die Romer-G-Keycaps können nicht wirklich ausgetauscht werden. Da kommt den Lightstrikes die Cherry-Kompatibilität zu Gute, denn da gibt es unendlich viele Keycaps.

Das mal hardwareseitig. Bei Tastaturen ist es aber so, dass ich der festen Überzeugung bin, dass mir ein Statement wie "Tippt sich angenehmer" von mir gebe nicht zusteht. Deine Finger sind anders als meine und am Ende musst du mit der Tastatur schreiben. Ich empfehle dir einfach: Probier die Lightstrikes mal aus. Vielleicht passen sie ja auch für dich.

04.09.2017
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User Kobe_Maguire

Danke für die Antwort. Das mit der Modularität habe ich mir noch gedacht. Schaue mir die Tastatur mal an. Werde von meiner Orion Spark aber nur schwer wegzukriegen sein ;)
Viel Spass weiterhin an der IFA!

04.09.2017
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User L.Schönberg

Also ich musste mich kaputtlachen, als ich den teil mit der software las xD

03.09.2017
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User MakeAppsNotWar

"Denn diese Zeilen schreibe auf einer Bloody LightStrike RGB B820R." Und dabei gleich mal das ich vergessen :D

07.09.2017
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