Hintergrund

Besuch beim Schweizer Controller-Hersteller Rocket Games

Rocket Games produziert Premium-Playstation-Controller für Menschen, die sich nicht mit Stangenware zufriedengeben. Ich habe das Unternehmen in Rümlang besucht.

Ein Playstation-Controller für 300 Franken? Solche gesalzenen Preise können nur Schweizer verlangen, oder? Stimmt. Der grösste Teil von Rocket Games’ Kundschaft wohnt allerdings nicht im Land der Schokoladen, Banken und Steuerprivilegierten. Das Zürcher Unternehmen hat sich auf Custom-Controller für die Playstation 5 spezialisiert. Bei meinem Besuch erzählt mir CEO Fabian Hammerbauer, was für Menschen so viel Geld für einen Controller ausgeben, wie man sich gegen die Konkurrenz aus China wehrt und was er vom PS6-Controller erwartet.

Angefangen habt ihr 2017 mit dem Verkauf von Game-Keys. Wie seid ihr auf die Controller umgeschwenkt?
Fabian Hammerbauer, CEO von Rocket Games: Ich bin gelernter Bauführer. Mit Game-Keys wollten meine Frau und ich Erfahrungen im E-Commerce sammeln. Der Wendepunkt kam, als uns Aim Controllers anbot, ihre Controller in der Schweiz zu vertreiben. Ich habe schnell erkannt, dass in diesem Bereich deutlich mehr Potenzial steckt. Die Zusammenarbeit liess allerdings zu wünschen übrig. Auch der Wechsel zu King Controller brachte nicht die gewünschte Qualität. Irgendwann hat es mir den Hut gelupft und ich sagte mir: «Ich mach das jetzt selbst.» Ich habe mir Partner in China gesucht und 2020 fingen wir mit der Produktion eigener PS4-Controller an.

Wie ging es danach weiter?
Wir waren an der Fantasy-Basel. Dort wurde die Migros auf uns aufmerksam. Sie hat 500 Controller bestellt. Damit wuchs unser Geschäft schlagartig und wir stellten die ersten Leute ein. Kurz vor dem PS5-Launch haben wir gemerkt, dass die Schweiz viel zu klein ist. Darum suchten wir uns einen Partner und expandierten nach Deutschland. Heute machen unsere nördlichen Nachbarn 80 Prozent unseres Umsatzes aus.

Ein Mitarbeiter setzt in Rümlang einen neuen PS5-Controller zusammen.
Ein Mitarbeiter setzt in Rümlang einen neuen PS5-Controller zusammen.

Eure Controller sehen aus wie PS5-Controller und bieten alle Funktionen, wie die adaptiven Trigger und das haptische Feedback. Trotzdem seid ihr keine offiziellen Sony-Partner. Wie funktioniert das genau?
Wir kaufen Original-PS5-Controller und erwerben damit gleichzeitig die Lizenz. Wir verwenden aber nur die Platine. Den Rest stellen wir selbst her. Sobald du den Controller öffnest und darin herumwerkelst, ist es kein offizieller Playstation-Controller mehr. Darum findest du auf unseren Produkten nirgends ein Sony- oder Playstation-Logo. Unsere Produkte erfüllen aber alle gesetzlichen Anforderungen.

Scuf, euer grösster Konkurrent, ist offizieller Sony-Partner. Was für einen Vorteil bringt das und wieso seid ihr das nicht?
Als Partner kannst du den Controller von Grund auf designen. Du musst keinen bestehenden umbauen. Damit hast du viel mehr Anpassungsmöglichkeiten. Diese Zusammenarbeit kostet allerdings locker eine halbe Million Franken. Zusätzlich müssten wir Sony fünf bis zehn Prozent der Einnahmen abgeben. Trotzdem bleibt der Partner-Deal unser erklärtes Ziel.

Auch für den FC Basel produziert Rocket Games Controller.
Auch für den FC Basel produziert Rocket Games Controller.

Wenn ich mir die vielen Teile in eurem Lager anschaue, scheint ihr auch ohne diese Zusammenarbeit viel Spielraum zu haben.
Das stimmt. Bei uns kannst du Tasten aus Glas, farbige Menü-Buttons, digitale Bumper, Griffe mit mehr Haftung, einen Carbonring und noch ganz viel mehr wählen. Wir könnten auch die Form des Controllers ändern, aber die Leute lieben das Dualsense-Design. Das beliebteste Upgrade bleiben die TMR-Sticks. Wir integrierten als erster Anbieter die TMR-Technologie in PS5-Controller. Davor setzten wir auf Hall-Effekt.

Einige Hersteller wie 8bitdo bieten bereits Hall-Effect-Trigger an. Wieso ihr nicht?
Es gibt keine Hall-Effect-Trigger. Das ist reines Marketing. Da sind einfach Magnete drin. Das, was die Logitech Pro X2 Superstrike macht, geht in diese Richtung. Die Komponenten sind aktuell aber noch zu gross, um in einen Controller eingebaut zu werden.

Das Lager ist voll mit den unterschiedlichen modifizierbaren Elementen wie Faceplates, verschiedenfarbigen Knöpfen oder Backpedals.
Das Lager ist voll mit den unterschiedlichen modifizierbaren Elementen wie Faceplates, verschiedenfarbigen Knöpfen oder Backpedals.

Früher waren Third-Party-Controller maximal gut genug, um sie dem Kumpel beim gemeinsamen Zocken in die Hand zu drücken. Heute sind sie oft besser als die Originale. Was hat sich geändert?
Die Nachfrage nach besseren Controllern war schon bei der PS4 da. Nicht zuletzt wegen der sinkenden Qualität der Original-Controller. Früher war alles verschraubt, heute ist alles gesteckt. Scuf waren die ersten mit einem eigenen PS4-Controller. Dank der Migros und der EU-Expansion konnten wir sie aus unserem Markt verdrängen.

Wie haben sich die Bedürfnisse der Spielerinnen und Spieler verändert?
Custom-Controller sind immer noch eine Nische. Aber eine, die grösser ist, als man denkt. Wir haben schon über 8000 Controller verkauft. Die Haltbarkeit steht immer im Vordergrund. TMR-Sticks werden immer gefragter. Sie haben den Hall-Effekt abgelöst, weil sie noch genauer sind.

Mittlerweile sind wir am Limit der Ausbau­möglichkeiten. Mit dem PS6-Controller sieht es dann wieder anders aus.

Was erwartest du vom PS6-Controller?
Sony wird Haptik und Ergonomie verbessern und neue Möglichkeiten der Interaktion schaffen. Sie haben vor einem Jahr ein Patent für ein Wärmeübertragungsmodul mit separaten Heiz- und Kühlbereichen in den Griffen eines Controllers angemeldet. Ausserdem erwarte ich, dass einige Features, die heute primär im Premium- und E-Sport-Bereich gefragt sind, in den Mainstream einfliessen werden. Der Trend geht klar in Richtung Individualisierung und Performance.

Jeder Controller wird von Hand gefertigt und geprüft.
Jeder Controller wird von Hand gefertigt und geprüft.

Wird die nächste Konsolen-Generation TMR- oder Hall-Effect-Sticks haben?
Es würde mich überraschen, wenn zukünftige Konsolen-Controller nicht auf Hall-Effect- oder TMR-Technologie setzen würden. TMR-Sticks gelten aktuell als die nächste Evolutionsstufe, da sie eine höhere Präzision und Effizienz bieten.

Neben der Technik spielen auch Kosten, Verfügbarkeit und die Massenproduktion eine wichtige Rolle. Deshalb ist die technisch beste Lösung nicht automatisch diejenige, die in Millionen von Controllern verbaut wird.

Günstiger wird die Konsole damit wohl nicht. Was für Menschen zahlen überhaupt 200 bis 300 Franken für einen Controller?
Die, die bei «Call of Duty» gewinnen wollen. Dort kommst du an solchen Controllern nicht vorbei. Unsere Kunden variieren zwischen 16 und 70 Jahren. Unsere Kundschaft will Controller, die lange halten. Du spürst sofort den Qualitätsunterschied.

Je nach Version kann ein Rocket-Controller zwischen 250 und 350 Franken kosten.
Je nach Version kann ein Rocket-Controller zwischen 250 und 350 Franken kosten.

Wieso macht ihr keinen anderen Controller?
Die Nachfrage ist zu gering. Auf 100 Playstation-Controller kommen drei Anfragen für Xbox-Controller. In letzter Zeit steigt sie zwar wieder ein bisschen. Wir haben es auch mit der Switch probiert, aber es hat nicht funktioniert. Switch-User geben für «Mario Kart» nicht so viel Geld aus. Die kompetitive Szene ist bei Nintendo kleiner als auf anderen Plattformen.

Wie hat sich der Markt in den vergangenen Jahren verändert?
Die Konkurrenz wird immer grösser. Das sieht man besonders bei den chinesischen Anbietern. Vor fünf Jahren hat die niemand gekannt, heute sind sie überall. Firmen wie Gamesir drücken mit tiefen Preisen unten rein. Es ist wie bei den Elektroautos. Schlecht sind sie deswegen überhaupt nicht.

Wie wehrt ihr euch dagegen?
Ein wichtiger Unterschied ist, dass wir unsere Entwicklungen selbst umsetzen. Vom Formdesign über die Konstruktion mit CAD bis zu den Gussformen entwickeln und fertigen wir unsere Komponenten eigenständig. Dadurch haben wir die volle Kontrolle über Qualität, Passgenauigkeit und Innovation. Wir können unsere Produkte kontinuierlich weiterentwickeln. Die zunehmende Konkurrenz sehen wir grundsätzlich positiv. Der Gaming-Markt ist gross genug für verschiedene Anbieter, und Wettbewerb belebt das Geschäft.

Was haltet ihr vom Steam Controller?
(Verzieht das Gesicht). Das Konzept wird sich nie durchsetzen. Der Controller ist cool für Steam-User, aber sonst nicht.

Den PS5-Controller habt ihr ausgereizt. Habt ihr eure Augen schon auf ein neues Produkt geworfen?
Im September nehmen wir uns die Logitech Pro X2 Superstrike vor und machen das Gleiche wie mit dem Controller. Dann kannst du dir in unserem Konfigurator deine ganz persönliche Maus zusammenstellen.

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Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken. 


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