Asus ROG Strix RTX 2080 Ti: Das längst überfällige Review

Asus ROG Strix RTX 2080 Ti: Das längst überfällige Review

Kevin Hofer
Zürich, am 13.03.2020
Die RTX 2080 Ti ist die schnellste derzeit erhältliche Consumer-Grafikkarte. Die ROG Strix von Asus kommt mit Factory Overclock und grossem Heatsink. Die Karte performt super, kostet aber auch anderthalb Jahre nach dem Release verdammt viel.

Die 2080 Ti wurde offiziell bereits am 27. September 2018 gelauncht. Demnächst ist mit der Vorstellung der nächsten Generation zu rechnen. Wieso ich dann immer noch ein Review der Karte mache? Du sollst Infos zu Grafikkarten direkt hier bei digitec erhalten. Deshalb review ich von der aktuellen Generation der Grafikkarten mindestens jeweils ein Modell. So hast du eine Vergleichsbasis, wenn die neuen Karten rauskommen und weist genau, was die neue Generation bringt.

GeForce ROG STRIX RTX 2080TI O11G GAMING (11GB)
Grafikkarte
1377.–
ASUS GeForce ROG STRIX RTX 2080TI O11G GAMING (11GB)

Getestet wird die Karte auf unserem DimasTech Easy V3.0 Benchtable mit folgenden Komponenten:

ROG Crosshair VIII Formula (AM4, AMD X570, ATX)
Mainboard
576.–
ASUS ROG Crosshair VIII Formula (AM4, AMD X570, ATX)
Dominator Platinum RGB (2x, 8GB, DDR4-3200, DIMM 288)
RAM
142.–
Corsair Dominator Platinum RGB (2x, 8GB, DDR4-3200, DIMM 288)
MP600 (1000GB, M.2 2280)
SSD
245.–
Corsair MP600 (1000GB, M.2 2280)
Ryzen 9 3900X (AM4, 3.80GHz, 12-Core)
Prozessor
504.–
AMD Ryzen 9 3900X (AM4, 3.80GHz, 12-Core)

Facts und Features

Der TU102-Chip, der die GeForce RTX 2080 Ti antreibt, ist der grösste, der auf der Turing-Architektur basiert. Er hat über 18.6 Milliarden Transistoren, die auf einem 775 mm² grosen Chip sitzen. Er wird im 12-Nanometer-Prozess von TSMC hergestellt.

Asus Rog Strix 2080 TINvidia RTX 2080 TI FEKFA2 Nvidia RTX 2080 Super
ChipTU102TU102TU104
CUDA Cores435243523072
Textur Einheiten272272192
ROP Einheiten646464
RT-Cores686848
Basistakt135013501650 MHz
Boosttakt165016351845 MHz
Speicher11GB GDDR6 352 Bit11GB GDDR6, 352 Bit8GB GDDR6 256 Bit
TDP250 W260 W250 W

Die GeForce RTX 2080 Ti hat 4352 CUDA-Kerne, 544 Tensor-Kerne und 68 RT-Kerne. Die GPU ist zudem mit 272 TMUs und 96 ROPs ausgestattet. Der Speicherbus beträgt 352 Bit, der 11 GB GDDR6-Speicher ist mit 14 Gbps getaktet, was zu einer Speicherbandbreite von 616 GB/s führt.

Die Asus ROG Strix RTX 2080 Ti verwendet die DirectCU-III-Kühlungslösung vom Hersteller. Mit dem Kühlkörper und den drei 90-Millimeter-Lüftern soll sie Wärme besser ableiten als das Referenz-Design von Nvidia. Aufgrund der drei Lüfter ist die Karte mit 30.4×5.41×13.04 Zentimetern ein richtiges Möbel. Für die Installation sind drei Steckplätze erforderlich.

Bei der Konnektivität stehen zwei Mal Display Port 1.4a, zwei Mal HDMI 2.0 und ein Virtual-Link-Anschluss zur Verfügung. Das ist im Wesentlichen ein USB-C-Anschluss, mit dem ein VR-Headset mit nur einem Kabel mit Strom und Daten versorgt werden kann.

Hinzu kommen zwei PWM-Anschlüsse, mit denen die Beleuchtung der Karte und der Lüfter synchronisiert werden kann. Am Netzteil angeschlossen wird sie mit zwei 8-Pin-PCIe-Kabeln. Die Leistungsaufnahme beträgt 250 Watt.

Selbstverständlich darf auch RGB nicht fehlen. Davon hat die Karte einiges zu bieten. Auf der Backplate der Karte ist das ROG-Logo beleuchtet. Vorne ist der Schriftzug «Republic of Gamers» zu sehen und um die Lüfter hat es ebenfalls RGB-Akzente. Sonst ist die Karte schlicht schwarz gehalten.

Synthetische Gaming-Benchmarks,Lautstärke und Temperaturen

Hier die Resultate der Time Spy und Fire Strike Benchmarks:

Die 2080 Ti setzt sich wie zu erwarten an die Spitze der Rangliste. Hier die Resultate in tabellarischer Form:

BenchmarkOverall ScoreGraphics Score und durchschn. FPS in Graphics Test 1 und 2**Combined Score
durchschn. FPS**
Fire Strike
(1080p, DirectX 11)
26 77133 150
161.67 / 130.03
10 682
Fire Strike Ultra
(2160p, DirectX 11)
84218149
47.29 / 28.33
4652
Time Spy
(1440p, DirectX 12)
13 81914 291
90.32 / 84.25
n/a
Time Spy Extreme
(2160p, DirectX 12)
67726811
42.62 / 40.54
n/a

In der offenen Testbench wird die Karte maximal 59° Celsius warm. Die Temperatur liegt zwischen 53° und 58°. Mit den Lüftern auf automatisch messe ich während den Benchmarks durchschnittlich 42 dB mit dem Testo Schallpegel-Messgerät 815 31.5 aus 30 Zentimeter Entfernung.

Drehe ich die Lüfter über MSI Afterburner auf 100 Prozent hoch, röhren sie mit 62 dB ordentlich. Die maximale Drehzahl erreichen sie im Alltag nie. Lasse ich Time Spy mit den Lüftern voll aufgedreht laufen, erreiche ich einen Score von 13 745. Also ein halbes Prozent weniger als mit automatischer Lüftersteuerung. Die Temperatur liegt bei maximal 46° Celsius. Erstaunlich, da tiefere Temperaturen im Grunde zu besseren Ergebnissen führen müssten. Das kann ich mir nicht erklären. Hast du eine Ahnung? Dann schreib’s in die Kommentarspalte.

Wärmebildkameraufnahmen während des rund zweiminütigen Time-Spy-Demos
Wärmebildkameraufnahmen während des rund zweiminütigen Time-Spy-Demos

Um eine bessere Aussage zur Kühlleistung der Karten machen zu können, teste ich sie nach Lautstärke normalisiert. Ich stelle in MSI Afterburner die prozentuale Leistung der Lüfter Schritt für Schritt nach unten, bis ich aus 30 Zentimetern 40 dB messe. So laufen die Lüfter der 2080 Ti auf 42 Prozent ihrer maximalen Leistung. 40 dB empfinden wir Menschen als leise. Fahre ich so Time Spy, erreiche ich einen Score von 13 689 Punkten. Das entspricht einer Leistungseinbusse von rund einem Prozent. Da die Karte ebenfalls maximal 58° Celsius warm wird, kann die Temperatur in diesem Fall keine Rolle gespielt haben. Mit 2 dB ist auch der Lautstärkeunterschied nicht so gross. Die Unterschied im Benchmarkresultat muss also der üblichen Fehlermarge zugeschrieben werden.

Anwendung: Puget-Systems-Photoshop-Benchmark

Beim Photoshop-Benchmark dient folgende Referenz-Workstation als Grundlage zur Berechnung der Scores:

  • Intel Core i9 9900K 8 Core
  • NVIDIA GeForce RTX 2080 8 GB
  • 64 GB RAM
  • Samsung 960 Pro 1 TB

An den Resultaten der Referenz-Workstation lässt sich abschätzen, wie gut andere Systeme abschneiden. Unsere Testbench mit der Asus ROG Strix 2080 Ti erreicht folgende Resultate:

Hier noch die Resultate im Detail:

ScoresAsus Rog Strix RTX 2080 TIPNY GTX 2060 SuperPNY GTX 1660 SuperSapphire Radeon RX 5700 XT Nitro+KFA2 RTX 2080 Super EXReferenz-Workstation
Overall Score 951.4966.29509259661000
General Score 92.194.492.992.594.4100
Filter Score 96.397.394.594.597.3100
Photomerge Score 98.999.7100.2100.299.6100
GPU Score 99.797.993.993.9100.5100

Die 2080 Ti schlägt sich im Photoshop-Benchmark nicht so gut, wie ich erwartet hätte. Die 2080 Super erreicht einen höheren Score. Eventuell skaliert die 2080 Ti in unserer Testbench nicht so gut. Beim GPU Score liegt sie an zweiter Stelle hinter der 2080 Super. Der Unterschied ist mit anderthalb Prozent nicht riesig.

Anwendung: Puget-Systems-Premiere-Benchmark

Im Gegensatz zum Photoshop Benchmark tritt unsere Testbench nicht gegen eine Referenz-Workstation an. Beim Premiere Benchmark von Puget Systems wird der Score relativ zur vorliegenden Framerate der Test-Videos berechnet. Wenn das Testvideo eine FPS von 29.97 aufweist und das System dieses mit 29.97 FPS rendert, bedeutet das 100 Punkte. Sind’s nur 14.98 FPS, gibt’s 50 Punkte.

Der Benchmark lässt Medien in den Formaten 4K H.264 mit 150 Mbps in 8 bit (59.94 FPS), 4K ProRes 422 16 bit (59.94 FPS) und 4K RED (59.94 FPS) laufen. Dabei testet er Live Playback in Adobe Premiere Pro und den Export. Beim Live Playback ist ein Wert von 100 maximal, da Premiere die Medien nicht schneller wiedergeben kann als vorgegeben. Beim Export hingegen sind über 100 Punkte machbar, da das Rendern nicht auf die FPS des Mediums beschränkt ist.

Hinzu werden zehn ProRes 422 Clips mit Effekten versehen, die die Grafikkarte stark beanspruchen. Puget Systems nennt das 4K Heavy GPU Effects. Diese Clips werden dann in Premiere wiedergegeben und exportiert. Dasselbe existiert für Heavy CPU Effects, mit Effekten, welche die CPU stark belasten. Für die Grafikkarten-Reviews ist vor allem der GPU-Wert relevant. Die CPU-Werte sind der Vollständigkeit halber trotzdem aufgelistet.

Hier noch die Resultate im Detail:

TestAsus Rog Strix RTX 2080 TIPNY RTX 2060 SuperPNY GTX 1660 SuperSapphire Radeon RX 5700 XT Nitro+KFA2 RTX 2080 Super EX
Overall Score 693.5652.5625.5558679.5
Standard Live Playback Score 7066.663.252.669
Export Score 68.763.961.95966.9
4K H.264 mit 150 Mbps in 8 bit (59.94 FPS) 57 Live Playback Score
95 Export Score
56 Live Playback Score
95 Export Score
56 Live Playback Score
94 Export Score
57 Live Playback Score
87 Export Score
57 Live Playback Score
93 Export Score
4K ProRes 422 16 bit (59.94 FPS) 98 Live Playback Score
94 Export Score
98 Live Playback Score
96 Export Score
97 Live Playback Score
96 Export Score
72 Live Playback Score
93 Export Score
98 Live Playback Score
96 Export Score
4K RED (59.94 FPS) 60 Live Playback Score
73 Export Score
60 Live Playback Score
73 Export Score
57 Live Playback Score
74 Export Score
60 Live Playback Score
74 Export Score
58 Live Playback Score
71 Export Score
4K Heavy GPU Effects 83 Live Playback Score
60 Export Score
68 Live Playback Score
35 Export Score
55 Live Playback Score
25 Export Score
34 Live Playback Score
26 Export Score
78 Live Playback Score
51 Export Score
4K Heavy CPU Effects 51 Live Playback Score
21 Export Score
51 Live Playback Score
21 Export Score
51 Live Playback Score
21 Export Score
46 Live Playback Score
20 Export Score
51 Live Playback Score
21 Export Score

Beim Premiere-Benchmark nimmt die 2080 Ti ihren rechtmässigen Platz an der Spitze ein. 14 Punkte mehr bucht die Karte als die 2080 Super.

Anwendung: Puget-Systems-After-Effects-Benchmark

Beim Puget Systems Benchmark von After Effects sind die Benchmark-Scores ähnlich aufgebaut wie bei Photoshop. Folgende Referenz-Workstation dient als Grundlage zur Berechnung der Scores:

  • Intel Core i9 9900K
  • 128 GB RAM
  • NVIDIA GeForce RTX 2080 8GB

An den Resultaten der Referenz-Workstation lässt sich abschätzen, wie gut andere Systeme abschneiden. Unsere Testbench mit der 2080 Ti erreicht folgende Resultate:

Hier noch die Resultate im Detail:

ScoresAsus Rog Strix 2080 TIPNY RTX 2060 SuperPNY GTX 1660 SuperSapphire Radeon RX 5700 XT Nitro+KFA2 RTX 2080 Super EXReferenz-Workstation
Overall Score97799693588610231000
Render Score102.1100.598.694.1103100
Preview Score93.494.186.779.594.5100
Tracking Score97.7104.195.292.2109.4100

Erstaunlich: Die 2080 Ti liegt hinter der 2080 Super und gar der 2060 Super. Es kann tatsächlich sein, dass die Karte in unserem Testsetting in den Adobe-Anwendungen nicht so schnell ist, wie sie es sein sollte. Es kann aber auch sein, dass die Adobe-Anwendungen ab einer gewissen Leistungsfähigkeit der Grafikkarten weniger auf einen Leistungsunterschied ansprechen.

Anwendung: Puget-Systems-Benchmark-Resolve

Die Scores des Resolve Benchmarks von Puget Systems orientieren sich ebenfalls an einer Referenz-Workstation. Um die Scores zu ermitteln, werden Videos mittels H.264 Codec in 4K gerendert. Die Referenz-Workstation basiert auf folgenden Komponenten:

  • Intel Core i9 9900K
  • mindestens 32 GB RAM (erwähnt Puget Systems nicht)
  • NVIDIA Titan RTX 24GB

Im 4K-Benchmark erreiche ich mit unserer Testbench und der RTX 2080 Ti folgende Resultate:

Bei Resolve hat die 2080 Ti eindeutig die Nase vorne: Sie distanziert die 2080 Super um zehn Prozentpunkte.

Die Resultate im Detail:

TestAsus Rog Strix RTX 2080 TIPNY RTX 2060 SuperPNY GTX 1660 SuperSapphire Radeon RX 5700 XT Nitro+KFA2 RTX 2080 Super EX
4K Average Results Overall Score 1046859730714953
4K H264 150 Mbps 8 bit Codec Average Score 104.587.274.571.193.6
4K Cinema Raw Light 109.182.266.151.995.9
4K ProRes 422 105.288.27971.196.1
4K ProRes 4444 101.385.977.874.494.1
4K RED 102.986.167.488.4.94.1

Blender

Good News von der Blender-Front: Der Benchmark läuft endlich auch wieder mit Nvidia-Karten. Da ich die 5700 XT noch mit der alten Version getestet habe, ist der Vergleich zur 2080 Ti mit Vorsicht zu geniessen. Die anderen Karten teste ich jetzt nach und liefere den Vergleich in einem anderen Grafikkarten-Review.

Virtual Reality

Bei VR bin ich noch immer auf der Suche nach einem Programm, um Games selbst zu testen. Leider läuft bei uns Nvidias FCAT VR nicht. Deshalb folgen die Resultate von VRMark und Superposition von Unigine. Schreib mir bitte in die Kommentarspalte, falls du ein anderes, gutes Tool zum Benchen von VR-Games kennst.

Die Games

Aufgrund von Leser-Feedbacks habe ich die Games-Rubrik überarbeitet. Statt vier Spielen sind neun Spiele im Testpool. «Crysis 3» und «Control» habe ich komplett rausgeworfen. Nachtests mit der RTX 2080 Super habe ich bereits gemacht. Resultate für die 5700X Nitro+ von Sapphire liefere ich bei einem späteren Grafikkarten-Review nach.

Die Grafiken der Frametime-Messung findest du unter diesem Link als Download.

Fazit: Beim Gamen top, für Anwendungen darf’s auch etwas kleiner sein

Die Asus ROG Strix RTX 2080 Ti trocknet in den synthetischen Benchmarks alle anderen ab. Die Karte bleibt auch angenehm leise und liefert ausgezeichnete Temperaturwerte. Da hat Asus ganze Arbeit geleistet.

In den Software-Benchmarks zeigt sich einmal mehr: Es muss nicht die tollste und teuerste Karte für die Adobe-Suite sein. Da Vinci Resolve ist da schon empfänglicher für mehr Grafikleistung. Jetzt wo der Blender-Benchmark wieder läuft, freue ich mich auf die Nachtests. Je nachdem liefere ich die gar in einem separaten Beitrag nach.

ROG steht für «Republic of Gamers». Genau dafür ist die Karte gemacht: zum Gamen. Die 2080 Ti setzt sich hier ganz klar an die Spitze. Es reicht aber nicht in allen Spielen für ein flüssiges 2160p-Erlebnis. Mit ein paar Abstrichen bei den Einstellungen, sollte aber auch ein «Red Dead Redemption» mit 60 fps spielbar sein.

Die Asus ROG Strix RTX 2080 Ti ist ein wahres Biest. Der Preis lässt mich auch heute, anderthalb Jahre nach dem Release, noch erschaudern. Das Teil kostet noch über 1300 Franken (Stand: 12.03.2020). Das sind knapp 200 Franken weniger als beim Verkaufsstart. Nach wie vor zu teuer für meinen Geschmack. Verglichen mit der Asus ROG Strix RTX 2080 Super kostet die 2080 Ti fast 400 Franken, also rund 30 Prozent, mehr. Sie bietet aber definitiv nicht 30 Prozent mehr Leistung. Sie ist deshalb auch heute noch nur etwas für richtige Enthusiasten.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer
Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten ist meine Leidenschaft.

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