Die Flatrate fürs Smartphone ist das All-you-can-eat-Buffet
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Die Flatrate fürs Smartphone ist das All-you-can-eat-Buffet

Martin Jungfer
Zürich, am 20.05.2021
In der Schweiz gilt das Flatrate-Abo als Goldstandard. Allerdings brauchen die meisten Nutzerinnen und Nutzer gar nicht so viel Leistung und zahlen damit Monat für Monat zu viel an ihre Provider.

Ich würde eine Wette darauf eingehen, dass von 100 Smartphone-Nutzern mindestens 90 am Ende eines Monats nicht wissen, wie viel Datenvolumen sie gebraucht haben. Oder weisst du es?

Welches Datenvolumen verbrauchst du pro Monat?

Wenn Du es weisst, gut. Sonst: einfach schätzen, nicht nachschauen!

Die meisten Antworten sollte es für die beiden letztgenannten Optionen geben. Denn zum einen bist du als Leserin der Artikel von digitec mit höherer Wahrscheinlichkeit Viel-Surfererin. Zum anderen kümmert es dich vielleicht auch gar nicht, wie viele Daten monatlich durch dein Smartphone rauschen, weil du eine Flatrate bei deinem Provider hast.

Flatrates sind deshalb so populär, weil sie dir das Gefühl von Sicherheit geben. Sie sind die Vollkaskoversicherung des Apple-Nutzers mit Always-on-Attitude, das All-you-can-eat-Buffet der Android-Fans mit unstillbarem Streaming-Hunger.

Das Marketing der Provider bedient das Rundum-sorglos-Bedürfnis und den vermeintlich unendlich grossen Appetit auf Daten der Nutzer und Nutzerinnen. Pulsierende Online-Werbebanner und grelle Plakatflächen preisen die Promos an: hier 12 Monate Flatrate zum halben Preis, dort die Flatrate für 24 Monate als angeblich nie mehr wiederkommende Supersonderaktion. Manche Provider spekulieren auch darauf, dass du dich sogar lebenslang an sie kettest, wenn nur das Angebot famos genug ist. Und ja, bevor die Kommentare unten kommen, auch für digitec connect werben die Kolleginnen und Kollegen immer wieder mit Flatrates.

*Unlimitierte Daten ab 4.– pro Monat** – das gibt es nur bei digitec iot
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Unlimitierte Daten ab 4.– pro Monat – das gibt es nur bei digitec iot

Nun sind das aber auch genau die Leute, die sehr gut Bescheid wissen, was wir alle mit unseren Flatrates anfangen. Nicht in dem Sinne, dass sie wüssten, ob du stundenlang Menschen beim Gamen zuschaust natürlich. Aber sie wissen, welche Datenmengen im Durchschnitt pro Monat und User anfallen.

Hier ein paar der Zahlen und Erkenntnisse, die dich überraschen könnten:

  • 53 Prozent der User, die sich im Jahr 2020 einen Flatrate-Gutschein gesichert haben, brauchen nicht mehr als 3 GB Datenvolumen im Monat. Das ist die Datenmenge, die du bei connect für regulär 25 Franken bekommst.
  • Im Jahr 2021 sind die User von digitec connect deutlich datenhungriger geworden. Im Vergleich zu 2020 stieg der Datenverbrauch um 31% – das ist genau die Zahl, die auch für den gesamten Mobilfunkmarkt in der Schweiz gilt.
  • 24 Prozent der User von digitec connect sind für 87 Prozent des Datenvolumens verantwortlich.
  • Der Median des Datenvolumens pro Monat liegt im 2021 bisher bei fast genau 2 GB; im Vorjahr waren es nur 1.37 GB.

Vom Streben nach Sicherheit

Für Thomas Peter, Projektleiter und Product Owner für digitec connect, zeigen diese Zahlen, dass der mobile Datenverbrauch weiterhin stark steigt. Daran ändert auch nichts, dass Wifi-Angebote in Supermärkten, Restaurants und anderen öffentlichen Plätzen zur Verfügung stehen. Und es zeige sich, so Peter, dass der Wunsch nach Sicherheit dominiert bei einem Mobilfunkvertrag. «Für viele User würde es sich viel mehr lohnen, einen Promotionsgutschein für eine Grundgebühr zu kaufen, zum Beispiel für 15 statt der regulären 25 Franken.» Auf ein Jahr gerechnet bekommt der User dann für 180 Franken in jedem Monat 3 GB, die er oder sie auch effektiv nutzt. Im Fall eines Gutscheins für die Flatrate für 25 Franken pro Monat werden pro Jahr 300 Franken fällig. Von der Differenz zwischen diesen 300 Franken und den 180 Franken – es sind 120 Franken – kann der User bei Bedarf 20-mal ein GB extra nutzen, bevor er finanziell schlechter fahren würde als mit der Flatrate.

Vielleicht schwirrt dir jetzt ein wenig der Kopf, weil du eben so genau gar nie rechnen willst. Und ausserdem erinnerst du noch an die Horrorgeschichten aus den Zeitungen. Arme, unschuldige Handynutzer wurden da fotografiert, die abartig hohe Rechnungen in die Kamera hielten, nur weil sie mal das Handy aus Versehen nicht in den Flugmodus geschaltet haben.

Flatrates bedeuten höhere Umsätze für Provider

Solche Fälle sind zwar immer noch möglich, jedoch sind die Konsumentinnen und Konsumenten davor besser geschützt als früher. Das sagt auch Ralf Beyeler, Telekom-Experte beim Vergleichsdienst Moneyland. «Schröpfen als Geschäftsprinzip – das funktioniert generell heute immer weniger», sagt Beyeler. Als Kunde eines Mobilfunkproviders muss man bei vielen Anbietern aktiv zustimmen, bevor Kosten zum Beispiel für Roaming entstehen. «Aber es gibt auch noch ein paar schwarze Schafe», so Beyeler.

Ralf Beyeler, Telekom-Experte beim Vergleichsdienst moneyland.ch
Ralf Beyeler, Telekom-Experte beim Vergleichsdienst moneyland.ch
Foto: privat

Allerdings wüssten die Provider auch, dass das Bedürfnis nach Sicherheit ihnen mehr Umsatz pro Kunde bringt, weil diese bevorzugt Flatrates abschliessen. Solche Abos seien laut Provider «einfach zu vermarkten». Und die Kundschaft sei eben bereit für die Kostensicherheit einen ordentlichen Aufschlag zu bezahlen.

Generell tobt laut Beyeler ein harter Kampf um Kundinnen und Kunden. Der Telekom-Experte führt seit 2019 eine Liste mit Promotionsangeboten. Stand Mitte Mai sind dort bisher über 900 Aktionen zusammengekommen. Damit, so Beyeler, gibt es im Schnitt pro Tag immer irgendwo eine Promotion im Markt.

Zusammenhang zwischen Preis und Qualität ist gering

Umso erstaunlicher ist es für ihn, dass geschätzt die Hälfte aller Personen mit einem Mobilfunkvertrag immer noch in alten Flatrate-Verträgen verharrt. Die gängigste Flatrate kostet zum Beispiel 80 Franken pro Monat. Dagegen liegt der Preis für eine Flatrate, die neu abgeschlossen wird, zwischen 20 und 30 Franken pro Monat. Beyeler vermutet, dass die Personen, die quasi freiwillig zu viel bezahlen, einen Zusammenhang zwischen (hohem) Preis und guter Qualität vermuten. Diesen direkten Zusammenhang aber gibt es eigentlich nicht, so Beyeler. Das zeigen auch Untersuchungen zur Netzqualität. Bei diesen schneiden vor allem Sunrise und Swisscom auf sehr hohem Niveau fast gleich gut ab. Und auch Salt ist den beiden Branchenführern auf den Fersen, wie ein im April 2021 im Magazin «Chip» veröffentlichter Test zeigte.

Während die Netzqualität der Provider dank solcher Tests einfach zu vergleichen ist, bleibt der Vergleich der Kosten fürs Handy-Abo schwierig. Auch die Vergleichsdienste im Internet sitzen auf dem Flatrate-Zug. Sowohl bei Moneyland also auch bei Konkurrent Comparis dürften die Vergleichsrechner dazu verleiten, Flatrate-Kosten zu eruieren. Bei beiden muss ich meinen vermuteten Datenverbrauch einem Nutzungsprofil zuordnen.

Eine Auswahl nach effektiv genutztem Datenvolumen pro Monat gibt es zwar, aber du findest sie nicht auf den ersten Blick. Bei Moneyland zum Beispiel erst unter dem Punkt «individuelle Angaben».

Was bin ich nur? Comparis lässt viele Optionen für ein Nutzungsprofil. Zu viele.
Was bin ich nur? Comparis lässt viele Optionen für ein Nutzungsprofil. Zu viele.
Weniger Optionen als bei Comparis hat Moneyland. Aber viel klarer ist das auch nicht.
Weniger Optionen als bei Comparis hat Moneyland. Aber viel klarer ist das auch nicht.

Warum ist das so? Comparis-Digital-Experte Jean-Claude Frick schreibt in einem Blog-Beitrag auf der Comparis-Website: «Wer eine Flatrate bucht, muss sich um seinen Datenverbrauch keine Sorgen machen.» Das stimmt natürlich und entspricht dem Gedanken, sich maximal absichern zu wollen. Weiter heisst es bei Comparis: «Die Preisunterschiede zwischen Abos mit Datenpaketen und solchen mit einer Flatrate sind in den letzten Monaten kleiner geworden.»

Fazit also: Wir haben uns in der Schweiz an Flatrates gewöhnt. Wir bezahlen mehr als wir müssten. Und weil wir manchmal auch einfach zu bequem sind.

In den USA gibt es mit Mint Mobile einen Anbieter, der in seiner Werbung für seine Handy-Abos sowohl die Bequemlichkeit als auch das Sicherheitsbedürfnis anspricht.

Ryan Reynolds, CEO von Mint Mobile und Hollywood-Schauspieler, greift im Werbespot das Geschäftsmodell der Konkurrenz direkt an. Müssten wir unseren CEO für digitec connect vielleicht auch einmal vor die Kamera schicken?

Soll unser CEO für digitec connect in einem Werbespot auftreten?

  • Ja, unbedingt, will ich sehen.
    75%
  • Nein, das will doch niemand.
    24%

Der Wettbewerb ist inzwischen beendet.

Ob wir diesen Wunsch erfüllen können – ich verspreche nichts.

Zumindest verspricht das Team von digitec connect, weiterhin an Transparenz und fairen Angeboten zu arbeiten. Natürlich. Im Benutzerkonto soll es demnächst eine erweiterte Ansicht zum Datenverbrauch geben. Nicht nur wie bis anhin zum aktuellen Monat, sondern auch zu den vergangenen Monaten. Vielleicht lohnt sich dann für dich ja eine günstigere Option. «Für mehr Kundennutzen sind wir auch bereit, auf Profit zu verzichten», stellt Peter klar. Aber Wohltäter arbeiten dort natürlich auch nicht: «Langfristig wollen wir so mehr Kundinnen und Kunden gewinnen», sagt Peter.

So findest du heraus, wie viel Datenvolumen du verbrauchst

Solange du noch auf dieses Feature warten musst, kannst du schon heute herausfinden, welche Datenmengen zu verbrauchst. Sowohl bei Android als auch im iOS der Apple-Geräte geht das einfach und schnell.

iOS: Das verbrauchte Datenvolumen findest du über den Punkt «Einstellungen», dann «Mobiles Netz» oder «Mobile Daten». Sinnvoll wäre es, wenn du zu Beginn eines Monats die Datenstatistik zurücksetzt und am Ende des Monats kontrollierst, welches Datenvolumen du genutzt hast.

Android: Die Angabe findest du unter «Einstellungen», dann «Netzwerk & Internet», hier dann unter «Datennutzung». Unter «Mobil» findest du die gesamte genutzte Datenmenge. Über den Pfeil nach unten kannst du einen Zeitraum auswählen.

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Martin Jungfer
Martin Jungfer
Head of Content, Zürich
Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.

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