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Wie «Hytale» nach elf turbulenten Jahren zur grossen «Minecraft»-Alternative avancierte

Kein Jahr ist es her, da schien die Geschichte von «Hytale» bereits zu Ende. Nun ist die «Minecraft»-Alternative allen Widrigkeiten zum Trotz im Early Access erschienen und bereits jetzt ein gigantischer Erfolg.

«Minecraft» und «Roblox» sollten sich warm anziehen. «Hytale» ist ein neues Sandbox-Survival-Spiel, in dem du in einer Klötzchenwelt Monster verkloppst, Ressourcen sammelst und dich als Baumeister verdingst. Am Releasetag vor einer Woche zog es auf Twitch über 440 000 Personen vor die Bildschirme – mehr als jedes andere Spiel. Eine beachtliche Leistung, insbesondere, weil das Game im Juni 2025 eingestellt und das Studio dahinter geschlossen wurde.

Im Juni 2025 wurde das Studio geschlossen.
Im Juni 2025 wurde das Studio geschlossen.
Quelle: Hypixel

Von Moddern zu Millionären

Die Anfänge von «Hytale» reichen bis ins Jahr 2015 zurück. Eine Gruppe kanadischer «Minecraft»-Modder begann mit der Arbeit an einem eigenen Titel und gründete 2018 das Studio Hypixel. Der Name stammt von ihrem «Minecraft»-Server, der lange Zeit der populärste der Welt war. Im vergangenen Jahr wurde er von Donutsmp abgelöst. Der «Hytale»-Hype war gigantisch. Der erste Trailer zählt über 60 Millionen Views.

Das fiel auch Riot Games auf, den Machern von «League of Legends». 2020 kaufte Riot das Studio Hypixel auf und machte die Gründer zu Millionären.

Fünf Jahre später schien das Märchen beendet. Der damalige CEO Aaron Donaghey erklärte, dass man die ehrgeizige Vision nach internen Neustarts nicht verwirklichen konnte und nicht bereit war, den Umfang des Spiels zu reduzieren. Im Herbst folgte überraschend die Wende:Hypixel-Mitgründer Simon Collins-Laflamme verkündete, dass «Hytale» von Riot zurückgekauft wurde und das Spiel sowie das Studio fortbestehen würden. 30 Entwicklerinnen und Entwickler wurden umgehend wieder angestellt und gerade mal ein halbes Jahr später feiern sie den Early-Access-Start.

«Minecraft» plus Rollenspiel und «Roblox» minus Glücksspiel

«Hytale» befindet sich laut eigenen Aussagen in einem frühen Early-Access-Stadium. Das Spiel ist derzeit nur über die Hypixel-Website beziehbar und (noch) nicht auf Steam verfügbar. Das Studio möchte das Spiel zunächst mit der vorhandenen Community testen und Feedback sammeln. In den FAQ heisst es, dass man nicht auf Steam angewiesen sei, es aber nicht ausschliesse, später auch dort präsent zu sein. Einige Modding-Funktionen werden derzeit nicht von Steam unterstützt. Man werde aber mit Valve in Kontakt treten.

Die Welt ist riesig und lädt zum Erkunden ein.
Die Welt ist riesig und lädt zum Erkunden ein.
Quelle: Philipp Rüegg

Derzeit stehen die Entdecker- und Kreativ-Modi zur Auswahl. Eine echte Kampagne sowie die beliebten Minigames, für die der Hypixel-Server bekannt war, sollen später folgen. Eifrige Modder haben diese allerdings bereits nachgeliefert.

Die Möglichkeiten, neue Inhalte und eigene Spiele zu erstellen, machen «Hytale» auch zu einer ernst zu nehmenden «Roblox»-Alternative. Und anders als dort gibt es bisher keine Missbrauchsskandale und der CEO wirbt auch nicht für Glücksspiele für Kinder.

«Hytale» soll eine genauso aktive Community haben wie «Minecraft».
«Hytale» soll eine genauso aktive Community haben wie «Minecraft».
Quelle: Hypixel

Visuell und spielerisch orientiert sich «Hytale» klar an «Minecraft». Die prozedural generierte Welt besteht aus verschiedenen Regionen mit Sümpfen, Wäldern und Höhlen. Es gibt zahlreiche Tiere und Monster zu jagen und NPCs zum Interagieren. Hypixel beschreibt «Hytale» als Rollenspiel. Das dürfte erst mit der Kampagne richtig zum Tragen kommen. Das Kampfsystem ist schon jetzt komplexer als das von «Minecraft» und bietet verschiedene Waffenangriffe sowie einen ultimativen Angriff.

«Hytale» bietet auch mehr Bewegungsfreiheit. So kannst du dich an Vorsprüngen hochziehen. Beim Crafting gibt es ebenfalls entscheidende Unterschiede. Du ordnest Ressourcen nicht in einem Raster an, sondern klickst einfach auf das Rezept, das du herstellen möchtest. Hier erinnert «Hytale» eher an «Valheim».

Die aktive Modder-Community ist bereits jetzt ein deutliches Zeichen für das Potenzial des Spiels. Das aktuell absurdeste Beispiel ist die von Sadat Sahib entwickelte Crossplay-Version von «Hytale» und «Minecraft». Wenn da keine schwarze Magie im Spiel ist …

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Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken. 


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