Hintergrund

Welche Audio-Marke gehört wem?

David Lee
8.3.2026
Bilder: David Lee

Viele bekannte Audio-Marken gehören mittlerweile einem grossen Konzern. Manchmal ist gar nicht so klar, wer hinter einem bestimmten Namen steckt – und was das für dich bedeutet.

In den letzten fünfzehn Jahren haben im Audio-Bereich zahlreiche bekannte Marken ihre Eigenständigkeit verloren. Sie wurden von einem grossen Konzern aufgekauft oder verscherbelten ihre Namensrechte. Teilweise wurden die Marken auch nach Sparten und Zielgruppen aufgesplittet.

Zwar gibt es immer noch viele Unternehmen im Hifi-Bereich, die unabhängig sind – auch kleine Firmen, die sich zum Beispiel auf Lautsprecher spezialisiert haben. Von einer Monopolbildung zu sprechen, wäre falsch. Aber die Branche ist im Umbruch – und bislang ist kein Ende absehbar.

Harman: Der Mega-Konzern, der einem Giga-Konzern gehört

Was haben AKG, Bang & Olufsen, Bowers & Wilkins, Denon, Harman Kardon, JBL und Marantz gemeinsam? Sie gehören alle zum gleichen Konzern, nämlich zu Harman International. Und das sind nur die bekanntesten Namen – Harman vereint zahlreiche weitere Brands unter einem Dach.

Harman International ist ein ursprünglich US-amerikanisches Unternehmen und wurde 2017 von Samsung Electronics aufgekauft. Es soll aber weiterhin eigenständig agieren. Der Konzern ist weiter auf Expansionskurs und es bleibt nicht bei Audio: Derzeit ist eine Übernahme des Fahrassistenz-Bereichs der deutschen ZF Group im Gange.

Beispiel Pioneer: es ist kompliziert

Auch das Umgekehrte passiert: Gentex ist ein US-amerikanischer Autozulieferer, der 2025 Voxx aufgekauft hat. Voxx besass diverse Tochtergesellschaften für Car-Audio, aber auch klassische Hifi-Audiomarken wie Klipsch, Magnat, Onkyo und Pioneer.

Der Fall Pioneer zeigt, dass es bei solchen Wechseln schnell unübersichtlich werden kann.

Pioneer trennte sich 2014 von seiner Sparte namens «Home AV» – also Audio- und Video-Elektronik für den Heimbereich. Die Mehrheit der Anteile sollte zuerst mit einer 51-Prozent-Mehrheit an einen Hongkonger Finanzinvestor namens Baring Private Equity Asia gehen, eine Minderheit der Anteile an Onkyo. Schliesslich ging die AV-Sparte aber komplett an Onkyo über. 2021 übernahm ein Joint Venture von Voxx und Sharp Onkyo. Onkyo hatte zu diesem Zeitpunkt bereits massive finanzielle Schwierigkeiten und wurde ein Jahr später insolvent. Nichtsdestotrotz verkaufen sich auch heute noch AV-Receiver unter dem Namen Onkyo.

Zurück zu Pioneer: Auch die DJ-Sparte von Pioneer wurde 2014 ausgegliedert, allerdings an ein anderes, neu gegründetes Unternehmen namens Pioneer DJ. Dieses operiert seither unabhängig und benannte sich 2020 in AlphaTheta um. Bei den Pioneer-Fernsehern (jep, die gab’s) sicherte sich TCL die Rechte.

Das Unternehmen Pioneer wurde 2019 von einem Investor namens EQT aufgekauft. 2025 verkaufte es EQT an CarUX weiter, das wiederum InnoLux gehört. Pioneer war zuletzt bei Autoelektronik engagiert, und CarUX ist, wie der Name schon andeutet, ein Autozulieferer.

Weitere Beispiele

Sennheiser ist auch so ein Fall, bei dem man unterscheiden muss. Die Sparte Consumer Electronics gehört seit 2022 dem Schweizer Hörgerätehersteller Sonova. Diese umfasst Soundbars und Kopfhörer. Aber nicht alle – einige für den professionellen Bereich bestimmte Kopfhörer sind nach wie vor Teil der deutschen Firma Sennheiser, genauso wie die Mikrofone.

Der Sennheiser HD660 2 stammt von Sonova.
Der Sennheiser HD660 2 stammt von Sonova.

Das Unternehmen Philips stellt mittlerweile gar nichts mehr her, was mit Unterhaltungselektronik zu tun hat. Trotzdem steht der Name weiterhin auf vielen Audio- und Video-Produkten. Die Fernseher kommen von TP Vision. Der Rest der Unterhaltungselektronik ging an ein neu gegründetes Unternehmen namens Woox Innovations, das wenig später vom Gitarrenhersteller Gibson aufgekauft wurde. 2018 ging Gibson pleite und seither produziert TP Vision auch abseits von TVs Unterhaltungselektronik unter der Marke Philips.

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Teac gehörte ebenfalls einige Jahre mehrheitlich Gibson. Die Japaner agierten aber immer eigenständig und das scheint bis heute der Fall zu sein. Wer genau wie viele Anteile von Teac besitzt, habe ich nicht herausgefunden. Tascam ist die Marke von Teac für den professionellen Audio-Bereich.

Stax, der japanische Hersteller von elektrostatischen Kopfhörern, gehört seit 2012 dem chinesischen Unternehmen Edifier. Audeze, eine weitere High-End-Kopfhörermarke, gehört seit 2023 Sony. Logitech schnappte sich bereits 2008 Ultimate Ears und Bose krallte sich 2024 die Luxus-Marke McIntosh. Der Markenname Lenco gehört seit 2015 dem niederländischen Unternehmen Commaxx International, die Schweizer Firma Lenco gibt es aber bereits seit 1977 nicht mehr.

Wahrscheinlich ist diese Aufzählung nicht vollständig. Hast du noch eine Ergänzung, hinterlass bitte einen Kommentar.

Was nützt mir dieses Wissen?

Und was fangen wir nun mit diesen Informationen an? Gute Frage. Sicherlich lässt sich daraus schliessen, dass ein Markenname nicht automatisch für etwas bürgt. Darüber habe ich mich vor vielen Jahren schon einmal ausgelassen. Gerade bekannte Marken mit ruhmvoller Vergangenheit werden oft ausgeschlachtet.

Umgekehrt lässt sich aber aus den Besitzverhältnissen auch nicht automatisch auf die Qualität schliessen. Ändert der neue Besitzer nichts, laufen Entwicklung, Produktion und Qualitätsansprüche normal weiter. Gut möglich, dass neue Kopfhörer von Sennheiser, Stax oder Audeze nahtlos an die bisherige Qualität anschliessen. Und selbstverständlich kann die Qualität auch nachlassen, ohne dass der Besitzer wechselt. Letztlich führt kein Weg daran vorbei, das konkrete Produkt genauer anzuschauen oder sogar zu testen.

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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