Warum ich auf Mac umsteige

Warum ich auf Mac umsteige

David Lee
Zürich, am 14.01.2021
Die Macs wechseln auf ARM-Architektur, und ich wechsle auf Mac. Ich glaube, dass Apple damit ein grosser Coup gelungen ist. Und zwar einer, mit dem die Konkurrenz nicht Schritt halten kann.

Seit Ende 2020 ist mir klar, dass ich einen neuen Computer brauche. Sowohl mein privater Desktop-PC als auch das Firmennotebook sind zu wenig leistungsfähig für Videoschnitt. Auf dem Desktop-PC mit Jahrgang 2015 läuft Adobe Premiere gar nicht. Auf dem Notebook läuft es zwar, ist bei 4K-Videos aber ätzend langsam und die Lüftergeräusche erinnern mich an eine Bohrmaschine.

Etwa zur gleichen Zeit lese und schaue ich die ersten Berichte über die neuen Apple-Computer mit M1-Chips. Und kann es kaum glauben. Nicht nur dass die Macs problemlos 4K-Editing beherrschen – sie kommen selbst mit mickrigen 8 GB RAM nie ans Limit.

Erst bei 8K-RAW-Videos macht sich der Unterschied zwischen 8 und 16 GB bemerkbar.

Kurz: Der günstigste Mac Mini, zu haben für gut 700 Franken, reicht für Videoschnitt locker aus. Zudem dürfte dieser Computer nahezu lautlos sein. Das MacBook Air mit dem gleichen Chip hat in der günstigsten Variante gar keinen Lüfter eingebaut.

Für mich liegt es somit nahe, statt eines neuen Windows-PCs einen Mac zu kaufen.

Ein Mac? Ernsthaft jetzt?

Eines gleich vorweg: An ideologischen Grabenkämpfen zwischen Apple-Fans und Apple-Hatern habe ich null Interesse. Ich will angenehm und effizient arbeiten können. Ob das mit einem Mac oder mit einem Windows-PC geschieht, ist mir vollkommen egal. Meine ersten drei Computer waren Macs. Danach arbeitete ich 17 Jahre auf Windows und war mehrheitlich zufrieden. Aber jetzt scheint mir der Zeitpunkt für einen erneuten Wechsel gekommen.

Auch wenn sich die Tester vor Begeisterung beinahe überschlagen: Für mich ist das keine leichte Entscheidung. Ein Umstieg auf ein neues System ist mit viel Arbeit und Ärger verbunden. Vieles wird nicht mehr wie gewohnt funktionieren. Ich werde viel lernen und mich neu organisieren müssen. Und ich weiss, dass auch bei Apple längst nicht alles so problemlos flutscht, wie oft behauptet wird.

Dennoch wage ich es. Für die Entscheidung habe ich einige grundsätzliche Überlegungen angestellt, die ich mir dir teilen möchte.

Mobile Chips versus PC-Chips

Der M1 ist eng mit dem A14 verwandt, der im iPhone und im iPad steckt. Den grössten Teil der Forschung und Entwicklung kann Apple für beide Chip-Familien nutzen. Das ist wichtig, denn die Entwicklung eines neuen Chips von Grund auf kostet sehr viel Geld. Nur für die Macs würde sich das keinesfalls lohnen. Macs erhalten zwar traditionell viel Aufmerksamkeit, sind aber ein Nischenprodukt. Apple verkauft nur etwa halb so viele Macs pro Jahr wie iPads. Bei den iPhones sind es zehnmal so viele verkaufte Geräte.

Obwohl der M1 quasi ein Nebenprodukt der iPhone-Chips ist, handelt es sich um ein Design, das speziell auf die Bedürfnisse von Macs zugeschnitten ist. Und das wirkt sich auf die Performance aus, so viel ist jetzt schon klar.

Bislang hat Apple gewöhnliche PC-Chips von Intel verwendet. Apple ist in diesem Segment ein relativ kleiner Kunde und offenbar nicht in der Position, Spezialwünsche anzubringen. «Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt, basta!» heisst es da für Apple.

Kommt hinzu, dass Intel seit Jahren massive Probleme hat, die Chips weiter zu miniaturisieren. Der M1 ist im 5-nm-Fertigungsprozess hergestellt. Intel bastelt bis heute bei Desktop-PCs an seiner 14-nm-Architektur herum. Als Folge davon muss sich der ehemals unangefochtene Leader den Markt mit AMD teilen.

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Selbst wenn AMD und Intel die Herstellung mit 5 nm gebacken kriegen, handelt es sich immer noch um klassische Prozessoren und nicht um ein System on a Chip (SoC) im Stil des M1. Für mich sieht es stark danach aus, als ob die Zukunft auch bei PCs bei SoC liegt. Sie brauchen weniger Strom, weniger Platz und sind günstiger.

Ein ARM-SoC für Windows?

Könnte nicht ein Hersteller von Smartphone-Chips in die Bresche springen und den PC-Markt bedienen? Theoretisch könnte die Windows-Welt so mit Apple gleichziehen. In der Tat hat Microsoft in Zusammenarbeit mit dem Chip-Hersteller Qualcomm den ARM-Chip SQ2 entwickelt. Damit läuft das Surface Pro X.

Doch Windows und ARM scheinen nicht so recht zusammenpassen. Microsoft versucht seit vielen Jahren, Windows auf ARM zu portieren. Erinnert sich noch jemand an Windows RT? Das Windows, auf dem keine Windows-Programme liefen? Schon 2012 brachte Microsoft offenbar lieber ein sinnloses Windows für ARM heraus als gar keines. Mittlerweile laufen 32-bit-Programme auf Windows on Arm, nicht aber 64-Bit-Anwendungen. Das soll bald kommen. Aber das ist momentan alles nicht annähernd so schnell und gut, dass es eine Konkurrenz für Apple wäre.

Ähnlich wie die iPhone-Chips und die neuen Mac-Chips miteinander verwandt sind, sind auch iOS und macOS miteinander verwandt. Sie benutzen gemeinsames Grundsystem namens Darwin. Und da iOS schon immer auf ARM lief, vermute ich, dass Apple deutlich weniger Anpassungen machen musste, um auch das macOS auf die Architektur zu bringen.

Was zählt, ist die praktische Erfahrung

Marktstrategische Überlegungen sind das eine; da sehe ich Apple in einer sehr guten Position. Aber zugegeben: Das nützt alles nichts, wenn in der Praxis dringend benötigte Dinge nicht richtig funktionieren. Die grosse Frage ist: Kann ich mit dem Mac Mini produktiv arbeiten? Läuft alles, wie ich will?

Ich habe den Mac bereits seit einigen Wochen und arbeite intensiv damit. Dieser Beitrag ist auf dem Apfel-Rechner entstanden. Aber noch längst klappt nicht alles nach Wunsch. Teilweise liegt es an mir, ich muss vieles neu lernen. Doch es gibt auch ein paar nervige Bugs, die mir zu schaffen machen.

Weiteres zu meinem Umstieg folgt in einem zweiten Teil. Wenn du mir als Autor folgst, wirst du darüber per E-Mail benachrichtigt.

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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