Tinte im Abo: In der Falle von Instant Ink gefällt's mir
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Tinte im Abo: In der Falle von Instant Ink gefällt's mir

Martin Jungfer
Zürich, am 21.10.2021
Mit einem HP-Drucker habe ich vor etwa einem Jahr auch ein Tinten-Abo erworben. Anfangs war ich skeptisch, inzwischen aber bin ich überzeugt, dass Komfort und tiefere Kosten das Instant-Ink-Angebot zu einer guten Sache machen.

Zu meiner Homeoffice-Ausstattung gehört ein Drucker. Nicht, dass ich so ein Ding sehr oft oder regelmässig brauche, aber ab und zu ist eben doch der Bedarf da. Sei es, weil altmodische Behörden etwas Unterschriebenes per Post haben wollen. Oder weil ich manchen längeren Text dann tatsächlich doch einmal auf echtem Papier lieber lese als auf dem Bildschirm.

Also, deshalb steht bei mir seit einem Jahr ein HP-Multifunktionsgerät im Regal. Es hat einen in die Jahre gekommenen Laserdrucker mit sündhaft teuren Kartuschen ersetzt.

OfficeJet Pro 8025 (Tintenpatrone, Farbe)
199.–
HP OfficeJet Pro 8025 (Tintenpatrone, Farbe)

Wegen HPs Tinten-Abonnement habe ich den nicht ausgewählt. Im Gegenteil. Ich war wild entschlossen, mich nicht in die Abofalle locken zu lassen. Mein Misstrauen war gross. Ich wollte die Kontrolle behalten und meine Patronen selbst kaufen. Auch, weil ich fest davon überzeugt war, dass ich damit weniger bezahle als im Abo.

Würde ich eine XL-Patrone in Schwarz kaufen mit knapp 22 Milliliter Tinte Inhalt, kostet mich eine Seite in Schwarzweiss etwa 4,5 Rappen.

In den Abo-Modellen dagegen bezahle ich – je nach Tarif – bis zu 10 Rappen pro Seite. Auf den ersten Blick also ein klarer Fall. Aber eben nur auf den ersten Blick. Wenn ich drucke, drucke ich nicht nur Schwarzweiss-Seiten. Mein Drucker kann auch Fotos ganz ordentlich zu Papier bringen. Also muss ich die Anschaffungskosten für neue Patronen in Cyan, Gelb und Magenta berücksichtigen. Gemäss HP komme ich mit den farbigen Patronen (Inhalt jeweils zehn Milliliter) auch jeweils etwa 825 Seiten weit. Macht pro Seite und pro Farbe noch einmal rund 2,5 Rappen.

In Summe also dreimal 2,5 Rappen pro Farbe plus die 4,5 Rappen für Schwarz. Macht 12 Rappen Tintenkosten pro Ausdruck. Natürlich brauche ich nicht alle Farben für jeden Ausdruck, und manche Seite wird vielleicht nur Schwarzweiss sein. Aber das lässt sich schwer rechnen.

Drucken im Abo: Je mehr, desto günstiger pro Seite

Ziemlich klar sind die Kosten von HP Instant Ink. Angeboten werden volumenabhängige Tarife mit Monatspreisen (Stand Oktober 2021):

  • Seltenes Drucken: 15 Seiten für 1,50 Franken – 10 Rappen/Seite
  • Gelegentliches Drucken: 50 Seiten für 3,95 Franken – 7,9 Rappen/Seite
  • Mässiges Drucken: 100 Seiten für 5,95 Franken – 6 Rappen/Seite
  • Häufiges Drucken: 300 Seiten für 13,95 Franken – 4,7 Rappen/Seite
  • Sehr häufiges Drucken: 500 Seiten für 21,95 Franken – 4,4 Rappen/Seite
  • Drucken im Büro: 700 Seiten für 28,95 Franken – 4,1 Rappen/Seite
  • Hochvolumiges Drucken: 1500 Seiten für 57,95 Franken – 3,9 Rappen/Seite

Den Produktmanagerinnen und -managern von Hewlett Packard gebührt ein Lob für die klare Bezeichnung der Tarifoptionen. Da gibt es kein Silber, Gold, Premium oder sonst was, sondern klar auf den Druckbedarf abgestimmte Bezeichnungen. Einzig bei den Preisen hätte es geholfen, wenn HP den Preis pro Seite mit angegeben hätte. Oben habe ich das für dich ausgerechnet.

Damit ist klar: Je mehr du druckst, desto günstiger ist die einzelne Seite. Wenn du es wirklich brauchst, lohnt es sich also, Masse einzukaufen. So wie Herr Lohse das für den Senf einst vorexerzierte.

Wenn du jedoch mehr monatliche Seiten kaufst, als du verbrauchst, ist das nicht sofort ein Problem. HP erlaubt tatsächlich, nicht gedruckte Seiten mit in den nächsten Monat zu nehmen. Die Menge ist umso grösser, je mehr monatliches Druckvolumen in deinem Tarif enthalten sind. Konkretes Beispiel bei mir: Ich bin im Tarif «Gelegentliches Drucken» mit 50 Seiten pro Monat. Drucke ich nur 30 Seiten, darf ich die restlichen 20 Seiten in den nächsten Monat nehmen. Und so weiter. Bis zu einem Maximum von 150 Seiten – im «Gelegentliches Drucken»-Abo. Im nächsthöheren Abo wären es mehr Seiten, die ich maximal ansparen darf.

Aktuell sind gerade 95 Seiten in meinem Sparschwein.

Auf der Status-Seite habe ich mein verfügbares Seiten-Volumen jederzeit im Blick.
Auf der Status-Seite habe ich mein verfügbares Seiten-Volumen jederzeit im Blick.

Ich kann also Schwankungen in meinen Druckverhalten ganz gut ausgleichen. Und selbst wenn ich einmal mein Konto überziehen würde, bleiben die Kosten im Rahmen. In meinem Tarif würden mich zehn Seiten über den Durst einen Franken kosten. Abo-Wechsel sind monatlich möglich, zu solchen mit höherem und auch mit geringerem Volumina.

Bequemlichkeit als zusätzlicher Nutzen

In Sachen Kosten kann Instant Ink also schon einmal punkten. Für mich mindestens ebenso wichtig war, dass ich mit dem Tinten-Abo quasi die Bevorratung von Patronen outgesourct habe. Zwar bieten moderne Drucker jederzeit die Möglichkeit, den aktuellen Füllstand zu kontrollieren. Aber ganz ehrlich, wer macht das schon? Meistens ist es doch so, dass du merkst, dass du keine Tinte mehr hast, wenn der Ausdruck dank einer fehlenden Farbe irgendwie seltsam aussieht. Und dann musst du dir in dringenden Fällen sofort eine überteuerte Patrone in der Migros holen. Oder du bestellst den Ersatz online und wartest auf die Lieferung.

Als registrierter Nutzer von Instant Ink habe ich HP Zugang zu meinem Drucker gewährt. Das System zählt die gedruckten Seiten, überwacht die Füllstände der vier Patronen und löst per Algorithmus automatisch die Zustellung von Ersatz aus, sobald eine oder mehrere bedrohlich leer sind. Portokosten sind im Abopreis bereits enthalten. Meine leeren Patronen kann ich im vorfrankierten Beutel zum Recycling zurücksenden.

Die neuen Patronen kommen im kleinen Karton mit der Post aus Deutschland; für die alten Patronen gibt's ein vorfrankiertes Plastiksäckli, in dem ich sie gratis zum Recycling an HP zurücksenden kann.
Die neuen Patronen kommen im kleinen Karton mit der Post aus Deutschland; für die alten Patronen gibt's ein vorfrankiertes Plastiksäckli, in dem ich sie gratis zum Recycling an HP zurücksenden kann.

Fazit: Gewinn für Kunden und für HP

Nach nun fast einem Jahr Erfahrung als Nutzer des Instant-Ink-Programms bin ich rundum zufrieden. Ich spare doppelt: Geld und Nerven. Dank der im Abo auf Bedarf gelieferten Tintenpatronen ist das Zusammenleben mit meinem Drucker heute wesentlich entspannter und harmonischer. Das Tinten-Abo ist die Paartherapie, die geholfen hat.

HP bekommt von mir per Internet Zugriff auf mein Druckverhalten: Wie viele Seiten ich drucke, wie viel Farbe dafür benötigt wird, wann ich drucke – all das weiss das Unternehmen und kann diese Daten auf vielfältige Weise nutzen. Ich bin also ein gläserner Drucker-Nutzer für HP. Die Firma kann sogar die Druckerpatronen blockieren, die ich via Abo bekommen habe, wenn ich mein Abo kündige.

Im Gegenzug sind meine Druckkosten tiefer. Ich bin damit ein zufriedenerer Kunde, der sich weniger leicht verleiten lässt, Fremdpatronen zu nutzen, weil mir die original HP-Patronen zu teuer sind. Solche Patronen-Fremdgänger sind für HP nicht nur ein finanzielles Problem, oft ist auch die Qualität bei günstigeren Alternativ-Tinten nicht garantiert, wie HP bei der Einführung von Instant Ink im Jahr 2016 ausführte. Jedoch würde kein Drucker-Besitzer:in in so einem Fall die Schuld bei sich suchen, sondern eher auf HP schimpfen, weil der Drucker so schlecht druckt. Und frustrierte Menschen kaufen vermutlich eher mal ein Konkurrenzprodukt.

Mit Instant Ink hat HP also eine Win-Win-Situation erschaffen. Sie binden die Kundschaft länger an sich und erhöhen die Zufriedenheit. Jedenfalls ist das bei mir so.

Ungemein beruhigend: Alle Füllstände auf Grün. Und die Ersatzpatrone für die Patronen mit wenig Resttinte ist dank Abo schon da.
Ungemein beruhigend: Alle Füllstände auf Grün. Und die Ersatzpatrone für die Patronen mit wenig Resttinte ist dank Abo schon da.

Zwei andere Grosse im Drucker-Business haben sich das wohl nicht ganz erfolglose Treiben von HP einige Jahre angeschaut. Jetzt kommen sie mit eigenen Abo-Modellen auf den Markt, Epson bietet in Deutschland «Ready Print Flex» an, Canon den «Pixma Print Plan», allerdings vorläufig nur in den USA.

Hast und brauchst du einen Drucker?

Druckst du noch, oder lebst du schon (rein digital)?

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Martin Jungfer
Martin Jungfer

Head of Content, Zürich

Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.

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